Safae El Khannoussi – Oroppa

Ich tue es eigentlich selten, aber hier muss ich damit anfangen: Über die Gestaltung eines Buches schreiben. Wie schön das Buch Oroppa von Safae El Khannoussi dem Hanser Verlag gelungen ist! Satte Farben in edlem Leinen. Wann hält man heute schon so ein sorgfältig hergestelltes Buch in der Hand? Der Debütroman der 1994 in Tanger geborenen Niederländerin hat in ihrem Heimatland schon wahre Begeisterungsstürme ausgelöst hat und wurde vielfach preisgekrönt. Weiterlesen „Safae El Khannoussi – Oroppa“

Judith Hermann – Ich möchte zurückgehen in der Zeit

Vor einigen Wochen hat Judith Hermann mit Ich möchte zurückgehen in der Zeit ein neues Buch veröffentlicht. Ich war an einem ihrer ersten Lesungstermine in der Villa Clementine in Wiesbaden und sogleich vom „Sound“ des Buches und dem, was Judith Hermann über es zu sagen hatte, fasziniert. Dabei bin ich eigentlich nicht wirklich ein Hermann-Fan. Einige Bücher gefielen mir, oft war mir aber das Kreisen um Befindlichkeiten zu viel, der oft bejubelte Hermann-Ton in seiner elegischen Melancholie ebenso. Ich möchte zurückgehen in der Zeit nun hat nach Erscheinen einiges an herber (und meiner Meinung nach ungerechtfertigter) Kritik einstecken müssen. Die Kritiker:innen schienen sich in ihren Verrissen geradezu überbieten zu wollen. Interessanterweise stand das Buch dennoch auf der SWR-Bestenliste, die von 30 ebensolchen Kritiker:innen bestimmt wird, im März gleich auf Platz 1. Im April allerdings taucht das Buch dort nicht mehr auf. Haben die Kritiker:innen a) das Buch im März noch nicht gelesen gehabt oder b) im April schnell zurückgezogen, weil es so viele Verrisse gab? Das wird nicht das letzte Geheimnis der Literaturkritik bleiben. Weiterlesen „Judith Hermann – Ich möchte zurückgehen in der Zeit“

Oliwia Hälterlein – Wir Töchter

Nicht alle Leserinnen sind (bereits) Mütter, aber wir alle sind Töchter. Der Debütroman von Oliwia Hälterlein Wir Töchter rückt diesen Aspekt in den Vordergrund und macht ihn (nicht nur dadurch) in der Menge der gerade erscheinenden Generationenromane mit besonderem Fokus auf die Frauenfiguren zu etwas Besonderem. Ich-Erzählerin auf der Gegenwartsebene ist Waleria, die als Säugling mit ihrer Mutter Róża in den 1980er Jahren von Polen nach Westdeutschland migriert ist. Mit ihr droht die Kette von Töchtern in ihrer Familie abzureißen, denn nach einer Not-OP, die durch das Platzen einer Eierstockzyste und dem drohenden inneren Verbluten nötig wurde, und der Diagnose PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist die Möglichkeit einer zukünftigen eigenen Schwangerschaft sehr gering. Waleria empfindet eine „erdrückende Traurigkeit“, dabei hatte sie nie einen Kinderwunsch verspürt. Aber nun? Wird sie die Letzte in der „Töchterkette“ sein? Weiterlesen „Oliwia Hälterlein – Wir Töchter“

Alex Rühle – Europa. Wo bist du?

März 2022, der Überfall Russlands auf die Ukraine liegt nicht lange zurück, da macht sich der Journalist Alex Rühle auf den Weg, das zu erkunden, was seitdem stärker als je zuvor beschworen wird: die Europäische Union. Und das tut er mit einer Errungenschaft, die diese EU auf wunderbarste Weise versinnbildlicht: Mit dem Interrailticket. Seit 1972 kann man damit die Länder der EU bereisen. Und während wir in den 1980er Jahren zumindest noch die Währungshürden zu bewältigen hatten, reisen unsere Kinder bereits weitgehend mit dem Euro. Welch großartige Erfindung! Aber weiß man in den EU-Ländern dies und das ungleich größere Wunder eines seit langem weitgehend friedlichen Europas (die Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren zeigten, dass dies durchaus fragil ist) tatsächlich überall so zu schätzen, wie es sein müsste? Und wie stehen die Menschen zwischen Portugal und Bulgarien, zwischen Finnland und Griechenland zu diesem doch so großartigen Konstrukt namens EU? Weiterlesen „Alex Rühle – Europa. Wo bist du?“

Verlagsvorschauen Herbst 2026 – Ein Blick auf die Neuerscheinungen

Es ist wieder soweit. Nahezu alle Verlage haben bereits ihre Verlagsvorschauen für den Herbst 2026 online gestellt und die ersten Neuerscheinungen erscheinen tatsächlich bereits im Mai. Auch wenn ich jedes Jahr bereits auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig vor Neugier platze, was da an literarischen Schätzen auf uns zukommen wird, ist mir als eigentlich langsam und mit Genuss lesende Person das Ganze immer viel zu früh. Ich stecke noch tief im Frühjahrsprogramm und freue mich über dessen Titel. Da ich aber weiß, dass der Blick auf die Neuerscheinungen eines der liebsten Themen hier auf dem Blog ist und ich natürlich auch selbst gerne zumindest eine Vorahnung bekommen möchte, mit welchen Büchern ich dann ab Frühherbst wieder unter die Lesedecke verschwinden kann: Hier mein Blick in die Verlagsvorschauen des Herbst 2026. Weiterlesen „Verlagsvorschauen Herbst 2026 – Ein Blick auf die Neuerscheinungen“

Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Geschichte

Die 90er Jahre sind gerade schwer „in“. Vielleicht weil die frühen Millenials jetzt in das Alter kommen, in dem man beginnt, zurückzuschauen auf die eigenen „Wilden Jahre“. Vielleicht aber auch, weil die 1990er als eine (vielleicht zu Unrecht) besonders sorglose, optimistische Zeit gelten und das in den heutigen chaotischen, als bedrohlich empfundenen Tagen nostalgische Gefühle hervorruft. Natürlich gab es damals die Jugoslawienkriege, die tief erschütterten ob der Grausamkeiten, die quasi vor unserer Haustür in Europa geschahen. Etwas weiter weg war der Völkermord in Ruanda mit dem uns eigenen Menschenverstand gar nicht mehr zu begreifen.

Aber: ganz ehrlich – für wen von uns standen nicht der Fall des Eisernen Vorhangs, die deutsche Wiedervereinigung und das vermeintliche Ende des kalten Krieges, der bedrohlichen atomaren Konfrontation von Russland und Nato, also „das Ende der Geschichte“ (nach Francis Fukuyama) im Vordergrund? Für die meisten war es eine Zeit der Aufbruchsstimmung, des Neubeginns, der rundum positiven Grundstimmung in der Politik wie in der Bevölkerung – zumindest in Westdeutschland. Weiterlesen „Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Geschichte“

Lektüre März 2026

Der März ist der Buchmessemonat. Leipzig öffnet die Türen und im Vorfeld erscheinen Unmengen an interessanten Neuerscheinungen. So war auch im März 2026 das Spiel das gleiche – eine schwere Auswahl galt es für die Lektüre zu treffen und gleichzeitig war die Zeit durch die Messe selbst und sehr viele Lesungsveranstaltungen im Vorfeld eher begrenzt. Hier seht ihr nun meine Auswahl: Sie war sehr gut getroffen. Alle Bücher kann ich – unterschiedlich nachdrücklich – zur Lektüre empfehlen. Weiterlesen „Lektüre März 2026“

Dana von Suffrin – Toxibaby

13 Trennungen in drei Jahren Beziehung – das klingt nach einer wahrlich toxischen Geschichte. Und die Rollen und Verantwortungen scheinen gleich zu Beginn klar verteilt. Da ist zum einen „Herzchen Goldberg“ und zum anderen „Toxibaby“, die sich in dieser On/Off-Beziehung sichtlich lustvoll quälen. Doch es geht im neuen Roman von Dana von Suffrin natürlich weitaus ambivalenter zu als der erste Blick auf zwei neurotische Millennials andeutet. Weiterlesen „Dana von Suffrin – Toxibaby“

Sophie van der Linden – Im Licht der Lofoten

Ich bin ein Mensch des Mittelmeeres, des Südens, der Wärme. Trotzdem habe ich Im Licht der Lofoten der französischen Autorin Sophie van der Linden rein zufällig und unbeabsichtigt genau dort gelesen, an der ligurischen Küste, bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Erst andere Leser:innen machten mich darauf aufmerksam, dass darin eine gewisse Ironie steckt. Und ja, das Kontrastprogramm konnte kaum größer sein. Weiterlesen „Sophie van der Linden – Im Licht der Lofoten“