Gloria Naylor – Linden Hills

Die US-amerikanische Autorin Gloria Naylor (1950-2016) war mir bisher nicht bekannt, obwohl drei ihrer Romane, die ein Quartett rund um das Leben von afroamerikanischen Frauen in den USA bilden, bereits in den 1990er Jahren auch auf Deutsch veröffentlicht wurden. Linden Hills, der zweite Roman, den Gloria Naylor 1985 schrieb, fehlte bisher und wird nun in der Übersetzung von Angelika Kaps vom Unionsverlag veröffentlicht, der auch den ersten, mit dem National Book Award First Novel 1983 ausgezeichneten Roman, Die Frauen von Brewster Place, neu herausgegeben hat. Im nächsten Jahr soll der dritte, Mama Day, erscheinen. Weiterlesen “Gloria Naylor – Linden Hills”

Tsitsi Dangarembga – Verleugnen

Mit Verleugnen ist nun auch der letzte Band der Tambudzai-Trilogie der Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga auf Deutsch erschienen. Ich habe ihn nach der eigentlichen Reihenfolge, in der er im Original 2006 als The book of not nach dem ersten Teil Aufbrechen (Original Nervous conditions, 1988) folgte, gelesen, kenne also den im letzten Jahr ebenfalls in der Übersetzung durch Annette Grube erschienenen dritten Teil Überleben bisher noch nicht. Weiterlesen “Tsitsi Dangarembga – Verleugnen”

Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht

Wir verstehen nicht, was geschieht. Wie sollte man auch verstehen, was den geschätzt über fünf Millionen Sowjetbürgern nach ihrer Befreiung aus nazideutschen Konzentrations- und Arbeiterlagern, in die sie als Kriegsgefangene oder verschleppte Zwangsarbeiter:innen gerieten, in ihrer Heimat geschah. Hier erfuhren sie Stigmatisierung, Inhaftierung und häufig Verbannung und Tod, standen sie doch unter dem Generalverdacht, Vaterlandsverräter, Deserteure oder Spione zu sein. Laut Befehl 270 des Volkskommissars für Verteidigung der UdSSR vom 16. August 1941 durften sich sowjetische Soldaten, namentlich Offiziere nicht in Kriegsgefangenschaft begeben, sondern sollten sich im Zweifel selbst töten. Diese Direktive galt als Anlass, aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten in Filtrationslagern zu sammeln, zu verhören und häufig zu inhaftieren. So geschah es auch dem Physiker Lew Mischtschenko, dessen Schicksal Viktor Funk als Quelle für seinen Roman Wir verstehen nicht, was geschieht diente. Weiterlesen “Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht”

Lektüre Oktober 2022

Der Oktober – für alle Literaturmenschen natürlich in erster Linie der Buchmessenmonat. Auch ich habe auf die erste “richtige” Messe seit Beginn der Corona-Pandemie hingefiebert. Zwar war die besondere Messe im vergangenen Jahr ohne viele Veranstaltungen, ohne Stand-Partys und Bloggertreffen, mit viel weniger Menschen und viel, viel Platz in den Hallen auch sehr schön (da man viel mehr Zeit hatte) und sogar die reine Presse-Messe 2020 hatte ihren Reiz, aber natürlich war diese Messe 2022 ein großes Fest. So viele Wiedersehen, so viele Einladungen, so viel Input wie lange nicht mehr. Ich möchte mich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben. Es folgt sicher auch noch ein Messe-Rückblick, aber ich muss mich immer noch sortieren. Die Lektüre fiel deshalb in diesem Oktober 2022 vielleicht ein bisschen weniger üppig aus als sonst, ich bin aber dennoch sehr zufrieden. Weiterlesen “Lektüre Oktober 2022”

Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche

Ibiza eine sonnenverwöhnte Insel im Mittelmeer. Nicht unbedingt bekannt durch Literatur, die von dort stammt. Der Berenberg Verlag macht sich schon seit einigen Jahren um das Werk des von dort stammenden Autors Vicente Valero verdient und hat mit Krankenbesuche jüngst den vierten seiner Romane, essayistischen und autobiografischen Texte, immer in der hervorragenden  Übersetzung durch Peter Kultzen, veröffentlicht. Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche Weiterlesen “Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche”

Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen I

Gastland der Frankfurter Buchmesse 2022 – Neuerscheinungen – Literatur aus Spanien

 

Nach den Pandemiejahren 2020 und 2021, die den Gastlandauftritt Spaniens um ein Jahr verschoben (Kanada konnte auf der unter eingeschränkten Corona-Bedingungen erst 2021 seinen Gastlandpavillon eröffnen), präsentieren nun unter dem Motto “Creatividad desbordande” Verlage aus Spanien Neuerscheinungen aus den Bereichen Literatur, Sachbuch und Kinder/Jugendbuch in Frankfurt. Spanien ist ein starkes, vielfältiges Literaturland, das auch in meinen Regalen schon lange einen bedeutenden Platz einnimmt. 24,1 % der veröffentlichten Bücher sind in anderen Amtssprachen als Spanisch wie Galizisch, Katalanisch, Baskisch und anderen verfasst. Der Gastlandauftritt ist sehr weiblich geprägt. Besonders junge Autorinnen sind stark vertreten. Ein sehr umfassender, vielseitiger und interessanter Internetauftritt lädt zum Entdecken ein. Und auch ich möchte euch in einigen Beiträgen einladen, neue und ältere Literatur aus Spanien kenenzulernen. Weiterlesen “Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen I”

Julia Wolf – Alte Mädchen

Dreimal drei Frauen bevölkern die drei Abschnitte im neuen Roman von Julia Wolf, Alte Mädchen, der zwar völlig unabhängig, von der Autorin aber als abschließender Teil einer Trilogie (Alles ist jetzt -2015, Walter Nowak bleibt liegen – 2017) gedacht ist. Weiterlesen “Julia Wolf – Alte Mädchen”

Elena Medel – Die Wunder

Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte sie, Jahrgang 1985, Gedichte und leitet mittlerweile einen eigenen Lyrikverlag. 2020 gelang Elena Medel dann ein Riesenerfolg mit ihrem Debütroman, der in 15 Sprachen übersetzt wurde und nun als Die Wunder in der Übersetzung von Susanne Lange auch auf Deutsch vorliegt, rechtzeitig zum Gastlandauftritt Spaniens bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Für idiesen feministischen Gesellschaftsroman über die jüngere Geschichte Spaniens erhielt Medel als erste Frau überhaupt 2020 den renommierten Premio Francisco Umbral. Weiterlesen “Elena Medel – Die Wunder”