Gabriel Heim – Wer sind Sie denn wirklich Herr Gasbarra?

„Wer sind Sie denn wirklich, Herr Gasbarra?“ fragt Gabriel Heim, nie anerkannter Sohn des 1895 in Rom geborenen Autors, Dramaturgs und Übersetzers Felix Gasbarra, der in den 1920er Jahren mit Theatergrößen wie Erwin Piscator und Bertolt Brecht zusammenarbeitete, in seiner „Vatersuche auf zwei Kontinenten“. Er wird sich seinem unbekannten Erzeuger bei seinen intensiven Recherchen etwas annähern können, die Frage bleibt allerdings bis zum Ende unbeantwortet. Und nicht nur für ihn und uns Lesenden.

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Lektüre Januar 2024

Ein neues Jahr beginnt in der Regel mit viel Vorfreude und einigen guten Vorsätzen. Die Vorfreude auf einen spannenden Literaturfrühling ist auf jeden Fall da und es sind auch schon reichlich Neuerscheinungen hier eingetroffen. Den Januar aber habe ich noch mit Herbst-/Wintertiteln verbracht und einige ganz ausgezeichnete gelesen. Die meisten davon waren recht seitenstark, durch ihre hohe Qualität verging die Lektüre im Januar allerdings fast wie im Flug, so kann das Jahr 2024 gern weitergehen. Monatshighlight war Inger-Maria Mahlke mit Unsereins, sehr dicht gefolgt vom furiosen Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka und dem amüsanten Betrug von Zadie Smith. . Auch ein tolles Debüt war dabei: Die Unvollständige von Valerie Bäuerlein. Weiterlesen „Lektüre Januar 2024“

Shehan Karunatilaka – Die sieben Monde des Maali Almeida

Malinda Albert Kabalana ist unzweifelhaft tot. Wie das passiert sein kann, ist ihm schleierhaft. War er zuvor wie so oft im Casino in Colombo und hat dort sein Geld verspielt? Oder hat er sich mit seinem Geliebten DD in einer Hotelbar getroffen? Oder hatte er ein „Geschäftstreffen“ mit einem Pressevertreter oder einem Mitglied einer Regierungs- oder aber einer Rebellenorganisation, zwischen denen der Fotograf als „Fixer“ Kontakte vermittelte und denen er Fotos aus dem Bürgerkrieg Sri Lankas verkaufte? Maali Almeida, wie er auch genannt wird, dreht sich alles im Kopf, während er in einer ungemütlichen Wartehalle Schlange steht. Der Protagonist im 2022 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka ist tot, aber damit ist für ihn noch nichts zu Ende. Auf über 500 wilden, mitreißenden Seiten erzählt er vom „Dazwischen“ in dem er gelandet ist. Weiterlesen „Shehan Karunatilaka – Die sieben Monde des Maali Almeida“

Zadie Smith – Betrug

„So viele Bücher. Wozu braucht er die denn alle?“ Der Ausruf des Zimmermannburschen gleich in der ersten Szene des neuen Romans Betrug von Zadie Smith erheitert jeden Buchliebhaber, jede Buchliebhaberin – hat man einen solchen Spruch doch selbst in der einen oder anderen Variante schon x-mal gehört. Hier hat die stattliche Anzahl von Büchern der Bibliothek des Schriftstellers William Harrison Ainsworth den Boden ebendieser durchbrechen lassen und ein beträchtliches Loch in der Decke des darunterliegenden Salons hinterlassen. Der spöttisch-ironische Ton des ersten historischen Romans der englischen Erfolgsschriftstellerin ist damit vorgegeben. Weiterlesen „Zadie Smith – Betrug“

Valerie Bäuerlein – Die Unvollständige

Eine junge Frau – sie bleibt im gesamten Roman namenlos – streift durch Berlin, zu Fuß, im Bus, mit der S-Bahn. Grund für die Verunsicherung, die Ziellosigkeit ihrer Bewegung ist der Verlust einer Freundin, man erfährt es gleich im ersten Absatz. Tala, mit der die Absolventin der Filmakademie einen Film drehen wollte, Tochter eines griechischen Vaters und einer iranischen Mutter, faszinierende Zeitgenossin, rastlos Reisende. Valerie Bäuerlein lässt ihre Ich-Erzählerin in Die Unvollständige durch die Berliner Straßen wandern, nachdem sie vom schrecklichen Ende von Tala erfahren hat. Weiterlesen „Valerie Bäuerlein – Die Unvollständige“

Elisabeth Bronfen – Händler der Geheimnisse

Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen hat mit Händler der Geheimnisse ihren ersten Roman veröffentlicht. Darin geht es mit einigen autobiografischen Anklängen um die Theaterwissenschaftlerin Eva Bromfield, die nach dem überraschenden Tod ihres Vaters tief in die Familiengeschichte und besonders die Nachkriegszeit hineingezogen wird. Trotz einiger sprachlicher Schwächen liest sich das Buch bis zum Ende ungeheuer spannend. Weiterlesen „Elisabeth Bronfen – Händler der Geheimnisse“

Inger-Maria Mahlke – Unsereins

Das Jahr 1890, gediegene Bürgerhäuser, Tee- und Abendgesellschaften und „der kleinste Staat des Kaiserreichs“ – auch wenn Letzteres, die Autorin von Unsereins Inger-Maria Mahlke gibt es gerne zu, ein wenig gefuddelt ist. Jedem, der literarisch unterwegs ist, fällt da natürlich sofort Thomas Manns Nobelpreisroman Die Buddenbrooks ein. Und es kommt keine Buchbesprechung (natürlich auch diese nicht) ohne damit aus, das zu erwähnen. Der Roman bezieht sich auch expliziert auf den berühmten Gesellschaftsroman über das Lübecker Bürgertums am Ende des 19. Jahrhunderts, zitiert ihn, ironisiert ihn, spielt damit. Aber auch wenn die Autorin den Ton des frühen Thomas Mann wunderbar adaptiert, ist Unsereins ein moderner Roman und so viel mehr als nur eine Referenz auf die Geschichte der berühmten Kaufmannsfamilie. Weiterlesen „Inger-Maria Mahlke – Unsereins“

Daniel Kehlmann – Lichtspiel

Ernst Lubitsch, Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau – der deutsch-österreichische Stummfilm und seine Regisseure haben Weltruhm erlangt. Aber wer war der 1885 in Böhmen geborene Österreicher Georg Wilhelm Pabst, den Daniel Kehlmann in seinem neuen Roman Lichtspiel im den Mittelpunkt stellt? Sein Name ist ein wenig in Vergessenheit geraten, dabei gelten seine Arbeiten Die freudlose Gasse (mit Greta Garbo und Asta Nielsen) und Die Büchse der Pandora (mit Louise Brooks) als Meisterwerke und auch sein Antikriegs-Tonfilm Westfront 1918 erhielt einiges an Anerkennung, bevor er 1933 verboten wurde. Besonders sein Wirken im nationalsozialistischen Deutschland schadete später dem Ansehen Pabsts. Weiterlesen „Daniel Kehlmann – Lichtspiel“

Lektüre Dezember 2023

Wie schnell das Jahr wieder vorüberging. Und wie immer beschleunigte es auf den letzten Metern nochmal. Durch den Wegfall eines „echten“ vierten Advents war die Vorweihnachtszeit eigentlich ein Witz. Ich liebe diese Zeit eigentlich und nehme mir immer vor, sie mehr auszukosten, zu genießen, sie irgendwie zu „strecken“. Aber wie immer ist mir das auch dieses Jahr nicht gelungen. Es gibt immer noch viel zu viel zu erledigen, aufzuarbeiten etc. Gelesen habe ich aber dennoch viel, ich bin froh, da mittlerweile eine Routine zu besitzen (ein bisschen tatsächlich wie eat, sleep and read ;)). Also kann ich euch auch für den Dezember 2023 eine schöne, bunte Mischung hervorragender Lektüre bieten.

Eine Zusammenfassung meiner Jahreshighlights wird auch – ein wenig verspätet – folgen. Weiterlesen „Lektüre Dezember 2023“

Alice Zeniter – Machtspiele

In ihrem Roman Die Kunst zu verlieren, der 2017 in die Endauswahl für den Prix Goncourt gelangte und den Prix Goncourt des lycéens gewann, schrieb Alice Zeniter autofiktiv über ihre Familie mit französischen und algerischen Wurzeln. Es ist ein sehr bewegendes Buch über das Schicksal der sogenannten Harkis, den Algeriern, die der Kolonialmacht Frankreich nahe standen und für sie auch in den Krieg zogen. Nach der Unabhängigkeit wurden sie verfolgt und mussten zum Teil nach Frankreich fliehen. Der neue Roman Machtspiele hat nun ein völlig anderes Thema und Alice Zeniter enthüllt die ebenfalls arabischen Wurzeln ihrer Protagonistin L. nur spät und en passant. Sie haben fast keine Bedeutung mehr. Weiterlesen „Alice Zeniter – Machtspiele“