Justin Steinfeld – Ein Mann liest Zeitung

Immer wieder einmal erscheinen Romane und andere Schriften in Neuauflage, die Zeugnis ablegen über die dunkelste Zeit der deutschen und europäischen Geschichte. Bücher, die kaum jemand kennt, die, wenn überhaupt, vor vielen Jahren in Deutschland erschienen sind und denen wenig Beachtung geschenkt wurde. Bücher, deren Autoren schon längst verstorben sind. Und bei denen man sich verblüfft fragt: Warum erst jetzt? Wie konnte dieser Text in Vergessenheit geraten? Oder gar nicht erst Beachtung finden? Um solch ein Buch handelt es sich bei „Ein Mann liest Zeitung“ von Justin Steinfeld. Weiterlesen “Justin Steinfeld – Ein Mann liest Zeitung”

Daniel Mellem – Die Erfindung des Countdown

Wer kennt Hermann Oberth? Ich muss zugeben, dass mir der 1894 in Hermannstadt/Siebenbürgen geborene und 1989 in Nürnberg gestorbene Physiker und „Raketenpionier“ bislang völlig unbekannt war. Daniel Mellem, seines Zeichens ebenfalls promovierter Physiker und Absolvent des Leipziger Literaturinstituts, widmet ihm seinen Debüt-Roman Die Erfindung des Countdown. Weiterlesen “Daniel Mellem – Die Erfindung des Countdown”

Lesejahr 2020 – Ein Rückblick

Über das vergangene Jahr möchte ich gar nicht so viele Worte verlieren. Wir alle haben es durchlebt, für einige war es ein wirklich schlimmes Jahr. Doch wie war das Lesejahr 2020?

Für mich hat sich erstaunlich wenig verändert. Natürlich fehlten die Begegnungen, den Urlaub haben wir abgesagt, Vieles konnte nicht so spontan geschehen wie sonst. Und, ja, für uns Buchmenschen war der Ausfall der Leipziger und die völlig veränderte Präsentation der Frankfurter Buchmesse, die nicht stattfindende LiblogConvention und die Absage der meisten Lesungen schon ein herber Schlag. Gerade dort finden die allermeisten persönlichen Begegnungen statt, hier wird genetzwerkt, geredet und diskutiert, gelacht, getrunken und das Gefühl einer großen Buchfamilie gepflegt. Weiterlesen “Lesejahr 2020 – Ein Rückblick”

Joachim Meyerhoff – Hamster im hinteren Stromgebiet

Joachim Meyerhoff ist ein Superstar. Sowohl auf der Bühne, als auch auf dem Buchmarkt. Selbst Talkshows im Fernsehen reißen sich um den Ausnahmekünstler, der stets ein wenig (bis ziemlich stark) unter Strom zu stehen scheint. Wer ihn einmal mit einem seiner Bücher auf der Bühne erleben durfte – bei mir war es der ausverkaufte Musical Dome in Köln mit knapp 1800 Sitzplätzen –, kann sich sehr gut vorstellen, wie aus einem kleinen Bühnenprogramm, bei dem der Schauspieler aus seinem Leben erzählte, eine extrem erfolgreiche Buchreihe werden konnte. Derart lebendig, spontan und pointenreich präsentiert er seine Vita, beginnend mit dem Austauschjahr in Amerika, über seine Kindheit und Jugend in der psychiatrischen Klinik in Schleswig – der Vater war dort Direktor, man wohnte auf dem Gelände – in Wann wird es wieder so, wie es nie war zum absoluten Höhepunkt, den Jahren bei seinen Großeltern in München, wo er die Schauspielschule besuchte. Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke – eines der Bücher, die man für sein Leben ins Herz schließt. Nach den Zeiten als Liebhaber mehrerer Frauen in Die Zweisamkeit der Einzelgänger, erzählt Joachim Meyerhoff im mittlerweile fünften Band Hamster im hinteren Stromgebiet von einem kürzlich erlittenen Schlaganfall. Weiterlesen “Joachim Meyerhoff – Hamster im hinteren Stromgebiet”

Sebastian Barry – Tausend Monde

Paris im Henry County, Tennessee in den 1870er Jahren. Der Amerikanische Bürgerkrieg ist noch nicht lange beendet, die elf Südstaaten, die sich nach der Wahl des Sklavereigegners Abraham Lincoln zum Präsidenten von den Vereinigten Staaten abgespalten haben, sind besiegt. Die Sklaven wurden durch Verfassungszusätze zu freien Bürgern. Zumindest offiziell. Besonders in den ehemaligen Südstaaten schlägt ihnen aber immer noch roher Rassismus entgegen. Gleichzeitig ziehen immer noch marodierende Milizen, die von den Truppen der Konföderierten übriggeblieben sind, durchs Land. Vagabunden, die nach Kriegsende nicht wissen, wohin mit sich. Und die die Veränderungen im Staat nicht akzeptieren wollen. Hier siedelt Sebastian Barry seinen neuen Roman Tausend Monde an. Weiterlesen “Sebastian Barry – Tausend Monde”

Éric Plamondon – Taqawan

Kanada war und ist Gastland der Frankfurter Buchmesse, Dank Corona sowohl 2020 als auch 2021. „Singular Plurality“ ist das Motto, die einzigartige Vielfalt, die die Veranstalter in den Mittelpunkt ihres Auftritts stellen möchten. Die Gleichberechtigung zweier Amtssprachen – Englisch und Französisch -, die vorbildlich erscheinende Einwanderungspolitik (rund ein Fünftel der Kanadier ist neueren Zahlen zufolge im Ausland geboren worden) und die Vielfalt an indigenen Völkern schafft diese Pluralität, die sich offiziell dadurch auszeichnen soll, die Individualität aller friedlich nebeneinander koexistieren zu lassen. Das dies zumindest nicht immer so reibungslos vonstattenging, kann man im neuen Roman von Éric Plamondon, Taqawan, nachlesen. Weiterlesen “Éric Plamondon – Taqawan”

Isabella Hammad – Der Fremde aus Paris

Ein 730 Seiten starker Debütroman von einer jungen britisch-amerikanischen Autorin mit palästinensischen Wurzeln, der sich mit eben jenen Wurzeln beschäftigt, hat im vergangenen Jahr für einige Furore in der englischsprachigen Welt gesorgt. Die New York Times bezeichnet den Roman Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad gar als einen der wichtigsten Romane des Jahres 2019. Was ist dran an diesen Lobeshymnen? Weiterlesen “Isabella Hammad – Der Fremde aus Paris”

Verlagsvorschauen Frühjahr 2021

Alle Jahre wieder – genauer gesagt zweimal im Jahr – wehen die Verlagsvorschauen für Frühjahr und Herbst ins Haus, so natürlich auch für 2021. Anders als in anderen Jahren folgte auf das neugierige Blättern, verzweifelte Stöhnen – wieder viel zu viele interessante Titel – und fleißige Aussieben in diesem Jahr kein fröhliches Wiedersehen der Bücher in den unendlichen Weiten der Messehallen. Der Austausch erfolgte fast ausschließlich digital, das aber umso reger. Besonders Instagram entwickelt sich dabei zum vorherrschenden Medium. Nirgendwo sonst bekommt man so viel Feedback, so viel Anregungen, ein so breites Schaufenster für Neuerscheinungen, aber auch Backlist. Weiterlesen “Verlagsvorschauen Frühjahr 2021”

Joachim B. Schmidt – Kalmann

Raufarhöfn ganz im Nordosten von Island, 17 km bis zum Polarkreis, Durchschnittstemperatur im Juli knapp 11° C bei rund 4 Sonnenstunden, 173 Einwohner, seit den 1960er Jahren im Niedergang begriffen, als der Hering, die Haupteinnahmequelle, ausblieb und strikte Fangquoten der Überfischung Herr werden sollten. Dieses Raufarhöfn gibt es tatsächlich. Eine Einöde. Inwieweit sich die Bewohner mit den Menschen im dort spielenden Roman Kalmann von Joachim B Schmidt identifizieren können, wäre interessant zu wissen. Irgendwie sympathisch, aber auch sehr eigen und teilweise extrem schrullig werden sie beschrieben. Weiterlesen “Joachim B. Schmidt – Kalmann”

Lektüre November 2020

Meine Lektüre im November 2020 war zeitweise mit einem kleinen Anflug von Panik begleitet. Der Bücherstapel mit Frühjahrs/Sommertiteln schmilzt nur langsam (obwohl ich viel, gern und ausdauernd lese) und gleichzeitig trudeln schon wieder die Vorschauen für das Frühjahr 2021 herein (ja, ich lasse mich tatsächlich immer noch durch so etwas leicht stressen – hoffnungsloser Fall 😉 ). Ende des Monats wurden dann auch die fünf Romane bekanntgegeben, die um den diesjährigen Bloggerpreis Das Debüt konkurrieren. Das bedeutet nochmal mehr Lesepensum. Zum Glück waren/sind fast alle Bücher, und das galt auch für die Lektüre im November 2020, des Lesens wert. Mittlerweile schrecke ich aber auch vor dem Abbruch eines Buches (zugegeben nur im Extremfall) nicht zurück. Weiterlesen “Lektüre November 2020”