Lukas Bärfuss – Königin der Nacht

Der Schweizer Autor und Georg Büchner Preisträger von 2019 Lukas Bärfuss hat seiner vor einigen Jahren verstorbenen Mutter mit Königin der Nacht ein kurzes, aber eindrückliches Buch gewidmet. Es vermeidet jede Genrebezeichnung, ist aber am ehesten als persönlicher Essay zu charakterisieren. Lukas Bärfuss ist bekannt als (auch) politischer Autor, der seinem Heimatland Schweiz kritisch gegenübersteht. Und so beinhaltet auch sein neuestes Werk eine gehörige Portion Gesellschaftskritik. Weiterlesen „Lukas Bärfuss – Königin der Nacht“

Dror Mishani – Nicht – Kurz vorgestellt

Oschra und Eli, beide beginnen im hebräischen Alphabet mit dem Buchstaben Aleph, was Eli als Zeichen für ihre große Harmonie als Ehepaar ansieht. Doch Oschra ist früh gestorben. Eli, nun Anfang Fünfzig, trauert, ist ein wenig depressiv. Als Übersetzer sieht er sich zudem von der neuen KI-Technologie bedroht. Die Zukunft ist für ihn düster und einsam. Da lernt er bei einem Essen bei Freunden die deutlich jüngere Cellistin Lia kennen. Und wie ein Wunder kehrt bei ihm wieder die Liebe ein und wird erwidert. Der eigentlich als Krimiautor bekannte Dror Mishani hat mit Nicht einen kleinen Liebesroman geschrieben, der vor allem durch seine feine psychologische Zeichnung lebt und auch Krimi- und Thrillerelemente aufweist. Weiterlesen „Dror Mishani – Nicht – Kurz vorgestellt“

Nefeli Kavouras – Gelb auch ein schöner Gedanke

Der Debütroman der jungen Schriftstellerin Nefeli Kavouras Gelb, auch ein schöner Gedanke trägt nicht nur einen der zauberhaftesten (und rätselhaftesten) Titel, sondern ist auch ein absolut skurriles, im besten Sinne seltsames Stück Literatur. Es beginnt mit der Beerdigung von Georg, der so beschrieben wird:

„Wir denken darüber nach, was Georg alles war. Ein Vater, ein Ehemann, ein Architekt, Pflegestufe vier, ein anderes Wesen, ein sterbender Ewignichtsterbender, ein Tier, ein Unmensch, ein tröstliches Gemüt.“

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Karin Zipse – Moosland – Kurz vorgestellt

1949 warb der isländische Bauernverband junge, unverheiratete Frauen aus Deutschland an, um für mindestens ein Jahr auf einem der dortigen Höfe zu arbeiten. Es gab auf Island einen Frauen- und Arbeitskräftemangel auf dem Land, da viele junge Frauen nach dem Krieg in die Stadt zogen oder mit einem der stationierten GIs in die USA gingen. Fast 200 Deutsche folgten dem Aufruf. Das vom Krieg zerstörte Land, fehlende Männer oder, wie bei der Protagonistin im Roman Moosland von Karin Zipse, ausgelöschte Familien boten wohl wenige Zukunftsperspektiven. Armut und Hunger taten das Übrige. Weiterlesen „Karin Zipse – Moosland – Kurz vorgestellt“

Vladimir Vertlib – Der Jude der Kaiserin

Wien im November 1668. Die 17-jährige Kaiserin Margarita Teresa hat ihr erstes Kind Ferdinand Wenzel mit nur einem Jahr verloren. Nun lastet der Druck auf der jungen Frau, möglichst schnell einen neuen Thronfolger auf die Welt zu bringen. Leopold I., ihr Gatte, ist gleichzeitig ihr Onkel (Margaritas Mutter ist dessen ältere Schwester) und Cousin (Margaritas Vater, König Philipp IV. von Spanien und Leopolds Vater, Kaiser Ferdinand III., sind Brüder). Um den Besitz im eigenen Haus zu halten, heiratet der spanische Zweig der Habsburger jahrhundertelang innerhalb der Familie, was zu schweren genetischen Defekten und schließlich zum Aussterben der Linie führt. Direkt danach bricht der spanische Erbfolgekrieg aus. Zunächst einmal ruht aber die Hoffnung auf der jungen Kaiserin, noch einen gesunden Thronfolger zur Welt zu bringen. Vladimir Vertlib stürzt sich mit seinem spannenden, vielschichtigen Historienroman Der Jude der Kaiserin in diese Zeit. Weiterlesen „Vladimir Vertlib – Der Jude der Kaiserin“

Elizabeth Strout – Erzähl mir alles

Ein Roman über das Geschichtenerzählen. Der Titel des neuen Romans von Elizabeth Strout ist Programm – Erzähl mir alles. Es werden von den Protagonist:innen zahllose kleine und größere Geschichten erzählt, die nicht immer wirklich interessant sind. Aber auch das ist Programm. Es geht, wie es immer wieder heißt, darum, „unbeachtete Leben“ in Erinnerung zu rufen. Vergessenen Menschen und ihren Schicksalen durch das Erzählen die Beachtung zu schenken, die ihnen im Alltag oft nicht gewährt wird. Es ist der menschenfreundliche, liebevolle, aber auch klare, schonungslose Blick der Autorin, den wir bereits aus acht vorangegangenen Romanen kennen. Weiterlesen „Elizabeth Strout – Erzähl mir alles“

Colm Tóibín – Die Schwestern – Kurz vorgestellt

Zu Beginn von Colm Tóibíns Erzählung Die Schwestern steckt eine von ihnen, Montse, in ihrem Haus in der argentinischen Kleinstadt Chivilcoy fest. Schon zum zweiten Mal wurde Klebstoff in ihr Türschloss gespritzt, es ist Wochenende und die Schlosser gehen nicht ans Telefon, die Nachbarn können sie nicht leiden und die Polizei nimmt ihren Anruf nicht ernst. Ein merkwürdiges Szenario. Weiterlesen „Colm Tóibín – Die Schwestern – Kurz vorgestellt“

Olivier Guez – Die Welt in ihren Händen

Gertrude Bell war zu ihrer Zeit eine der mächtigsten Frauen des British Empires und zumindest im Nahen Osten äußerst einflussreich. Heute ist die 1868 in Washington Hall im Nordosten Englands in eine sehr angesehene und reiche Familie geborene „Forschungsreisende, Historikerin, Schriftstellerin, Archäologin, Alpinistin, politische Beraterin und Angehörige des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg“ (Wikipedia) nahezu vergessen. Der französische Autor Olivier Guez verwebt in Die Welt in ihren Händen ihre Biografie mit der geopolitischen Geschichte des Zweistromlandes, der  Kulturlandschaft in Vorderasien, die durch die großen Flusssysteme des Euphrat und Tigris geprägt ist und heute den Irak und Teile Nordostsyriens umfasst. Die Geschichte dieser Region und die Gründung des Staates Irak, an der Bell maßgeblich beteiligt war, kommen der Leser:in dabei fast näher als der Mensch Gertrude, weswegen der Originaltitel Mesopotamia für mich passender ist als der leicht pathetische deutsche. Weiterlesen „Olivier Guez – Die Welt in ihren Händen“

Rabih Alameddine – Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)

Ein queerer Coming-of-age-Roman und eine turbulente Mutter-Sohn-Geschichte: Mit Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) gewann der libanesische, auf Englisch schreibende Autor Rabih Alameddine 2025 den National Book Award. Weiterlesen „Rabih Alameddine – Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)“