Autofiktionale Romane sind ja im Trend. Wobei sich immer die Frage stellt, ob nicht in jedem Roman etwas von der Autorin, dem Autor enthalten ist, selbst wenn er im 13. Jahrhundert spielen mag. Wenn dann… Mehr
Anja Gmeinwieser – Wir Königinnen
Schon vor seinem Erscheinen wurde der Debütroman der 1989 geborenen Anja Gmeinwieser Wir Königinnen mit dem Fuldaer Literaturpreis ausgezeichnet. Sie nehme ihre Leserschaft mit „auf diese spannende, absurde, oft anrührende und manchmal auch todtraurige Reise quer durch Europa“ heißt es in der Jurybegründung. Weiterlesen „Anja Gmeinwieser – Wir Königinnen“
Liz Moore – Der andere Arthur
Die US-amerikanische Autorin Liz Moore hatte im vergangenen Jahr einen Riesenerfolg mit ihrem spannenden Roman Der Gott des Waldes, der in die Fußstapfen des 2020 erschienenen Thrillers Long Bright River trat. Nun hat sich der C.H. Beck Verlag entschieden, auch einen früheren, im Original bereits 2012 veröffentlichten, auf den ersten Blick ganz anderen Roman übersetzen zu lassen. Was für ein Glück! Denn Der andere Arthur hat keine Thrillerqualitäten, ist aber genauso großartig von Liz Moore geschrieben wie seine Nachfolger. Weiterlesen „Liz Moore – Der andere Arthur“
Florian Illies – Wenn die Sonne untergeht
Februar 1933. Thomas und Katia Mann verlassen ihre Villa in der Poschinger Straße in München, um zu einer Vortragsreise Richtung Amsterdam aufzubrechen. Brüssel und Paris sind weitere Stationen, wo der Nobelpreisträger eine Rede über den von ihm hoch verehrten Richard Wagner zu sprechen. Danach ist ein Erholungsaufenthalt im Schweizer Arosa geplant. Danach soll es wieder heim in die geliebte „Poschi“ gehen. Dass es 16 Jahre dauern wird, bevor sie wieder deutschen Boden betreten würden und die Villa für immer verloren sein wird, wissen die Manns da noch nicht. Der „nationalsozialistische Spuk“ war noch zu frisch. Thomas Mann sah sich als Repräsentant Deutschlands, ja 1938 äußerte er „Wo ich bin, ist Deutschland“, was größenwahnsinniger klingt, als es wohl gemeint war. Die Möglichkeit eines dauerhaften Exils war für ihn 1933 zumindest noch weit weg. Florian Illies erzählt in Wenn die Sonne untergeht der der von ihm bekannten unterhaltsamen und glänzend recherchierten Art von der Familie Mann auf ihrer ersten Station dorthin: Sanary-sur-mer in Südfrankreich. Weiterlesen „Florian Illies – Wenn die Sonne untergeht“
Abbas Khider – Der letzte Sommer der Tauben
Noah ist 14 und hat ein großes Hobby: seine Tauben. Er lebt in einer nicht näher gekennzeichneten Stadt im (vermutlich) Irak, wo die Taubenzucht eine lange Tradition hat und eigentlich zum kulturellen Erbe gehört. Für Noah und seinen Onkel Ali, der in der Nähe wohnt, verkörpern die Tauben viele Dinge, und Abbas Khider nutzt sie in seinem Roman Der letzte Sommer der Tauben als Symbol für sie: Freiheit, Schönheit, Harmonie und Treue. Wenn die Tauben von den Dächern der Häuser aufsteigen und im Himmel ihre Kreise ziehen, immer wieder zu ihren Taubenschlägen und dem „Lockvogel“ zurückkehren, ist das für den Jungen Trost und Ruhe. Weiterlesen „Abbas Khider – Der letzte Sommer der Tauben“
Lektüre Februar 2026
Der Vormonat einer Buchmesse ist traditonell ein Monat mit Neuerscheinungsflut. Auch wenn ich mich dieses Frühjahr 2026 gefühlt sehr zurückgenommen habe, haben mich doch eine ganze Reihe toller, vielversprechender Bücher erreicht, aus denen ich meine Lektüre für den Februar auswählen konnte. Es war denn auch ein überdurchschnittlich guter Lesemonat, den ich euch hier präsentieren kann. Weiterlesen „Lektüre Februar 2026“
Svenja Leiber – Nelka
„Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen“ schrieb einst William Faulkner. Und wie zutreffend dieser Satz ist, zeigt sich immer wieder gerade auch in der Literatur. Viele Neuerscheinungen, auch von jüngeren Autor:innen kommen (glücklicherweise) immer wieder auf Ereignisse der Geschichte zu sprechen, die noch nicht auserzählt sind, auch wenn es stapelweise Texte dazu gibt. Die Grausamkeiten der nationalsozialistischen Herrschaft und der Weltkriege sind Beispiele, Verfolgung, Verschleppung, Ermordung, Flucht, Vertreibung. So viele Menschen davon betroffen waren, so viele Geschichten lassen sich darüber erzählen. Svenja Leiber hat mit Nelka eine weitere hinzugefügt. Weiterlesen „Svenja Leiber – Nelka“
Timothy Snyder – Über Tyrannei – Kurz vorgestellt
Zwanzig Lektionen für den Widerstand lautet der Untertitel dieses schmalen Bändchens, das der bekannte US-amerikanische Historiker mit Forschungsschwerpunkt Osteuropäische Geschichte und Holocaustforschung bereits 2017 veröffentlicht hat. Den aufmerksamen Leser:innen wird nicht nur das fast zehn Jahre zurückliegende Datum auffallen, sondern sie werden gleich eine Parallele zum damaligen neuen US-Präsidenten ziehen können. Und auch wenn der Name niemals fällt, ist dieses Buch als Reaktion auf die erste Amtszeit von Donald Trump entstanden. Wie schnell und umfassend die Lage sich seitdem verschärft hat, hat sich wahrscheinlich noch nicht einamal Timothy Snyder ausmalen können. Dennoch hält er in Über Tyrannei eine „Brandrede“ für eine wehrhafte Demokratie und eine Handlungsanleitung, gerade auch für jüngere Menschen, sich gegen Populismus und die Antidemokraten zu stellen, die die Errungenschaften der Demokratie nutzen, um sie zu zerstören. Weiterlesen „Timothy Snyder – Über Tyrannei – Kurz vorgestellt“
Julian Barnes – Abschied(e)
„Ich werde „Sie“ vermissen – was immer das heißt. (…) Dennoch, ich hoffe, unsere Beziehung hat Ihnen über die Jahre hinweg Freude gemacht. Mir auf jeden Fall. Es war mir ein Vergnügen, dass Sie da waren – ja, ich wäre nichts ohne Sie. Darum lege ich Ihnen einfach kurz meine Hand auf den Arm – nein, schauen Sie weiter – und stehle mich davon. Nein, schauen Sie weiter.“ aber lllllllllllllllllllllllllllll lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll lSo schließt Julian Barnes sein jüngstes von mittlerweile 27 Büchern (die Krimis, die er unter dem Pseudonym Dan Kavanagh verfasst hat, nicht mitgezählt) – Abschied(e). Es ist im wahrsten Sinne ein Abschiedswerk, denn es ist erklärtermaßen das letzte Buch des unlängst 80 Jahre alt gewordenen britischen Autors. Im Jahr 2020 erhielt Barnes die Diagnose einer seltenen Art Leukämie, die nicht heilbar ist, aber beherrschbar, also nicht unbedingt tödlich verläuft. Mit dem vorliegenden Buch nimmt er somit Abschied, nicht vom Leben, aber von seinen Leser:innen. Weiterlesen „Julian Barnes – Abschied(e)“
Gerhard J. Rekel – Lina Morgenstern. Geschichte einer Rebellin
Wer war Lina Morgenstern? Noch nie gehört? Da geht es euch so wie mir, bevor ich von Autor Gerhard J. Rekel auf sein Buch Lina Morgenstern. Die Geschichte einer Rebellin aufmerksam gemacht wurde. Nach dessen Lektüre ist es völlig unverständlich (aber nicht unerklärbar), warum diese vielseitige, ungemein tatkräftige Frauenrechtlerin, Sozialaktivistin und Schriftstellerin nicht mehr so wirklich bekannt ist. Das war zu ihren Lebzeiten ganz anders. Weiterlesen „Gerhard J. Rekel – Lina Morgenstern. Geschichte einer Rebellin“
Katherina Braschel – Heim holen
„Donauschwaben“, dieser von der Ich-Erzählerin zufällig in einem Bus aufgeschnappte Begriff, triggert sie, sich an ihre eigene Kindheit und ihr Verwurzeltsein und Aufwachsen in eben dieser Gemeinschaft zu erinnern. Davon erzählt die Österreicherin Katherina Braschel in ihrem Debütroman Heim holen. Weiterlesen „Katherina Braschel – Heim holen“












