Ich bin ein Mensch des Mittelmeeres, des Südens, der Wärme. Trotzdem habe ich Im Licht der Lofoten der französischen Autorin Sophie van der Linden rein zufällig und unbeabsichtigt genau dort gelesen, an der ligurischen Küste,… Mehr
Leïla Slimani – Trag das Feuer weiter
2016 erhielt sie mit einem aufsehenerregenden Roman den Prix Goncourt, seit 2020 widmet sich die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani mit großem Erfolg ihrer Familiengeschichte. In Das Land der Anderen erzählte sie von der Kriegsgeneration und in autofiktionaler Form von ihrer Großmutter Mathilde, die im Elsass den während des Zweiten Weltkriegs dort stationierten Amine Belhaj kennen und lieben lernt. Die junge Französin folgt – auch aus Abenteuerlust – ihrem Mann nach Marokko auf die elterliche Farm in Meknès und lebt sich, trotz Schwierigkeiten vor allem mit dem Leben als Frau in einem extrem patriarchalen System, rasch ein. Der Weg führt in die Unabhängigkeit des Landes von Frankreich 1956. Im zweiten Band Schau wie wir tanzen rückt dann die nächste Generation in den Fokus. Tochter Aïcha führt ein relativ freies Leben, studiert Medizin und wird eine der ersten Gynäkologinnen im Land. Mit ihrem Mann, dem aus einfachen Verhältnissen sich bis zum Bankdirektor hocharbeitenden Mehdi Daoud, führt sie ein wohlhabendes Leben in Rabat und bekommt zwei Töchter. Jetzt beendet Leïla Slimani ihre Trilogie mit Trag das Feuer weiter. Weiterlesen „Leïla Slimani – Trag das Feuer weiter“
Nadine Schneider – Das gute Leben
Was ist ein „gutes Leben“? Für viele Menschen in den ehemaligen Ostblockstaaten lag es auf jeden Fall im „Westen“. So auch für die junge Anni, die im neuen Roman von Nadine Schneider im Mittelpunkt steht. Für sie steht fest, dass sie raus muss aus Rumänien, das ihr keine Zukunft zu bieten scheint, raus aus dem „Dreck“. Besonders jetzt, da sie schwanger ist und genau wie ihre Mutter ohne den Kindsvater zurechtkommen muss. Der „Rudi-Onkel“ in Deutschland, der das Banat schon schon vor einiger Zeit verlassen hat, hilft ihr, macht sich mit einem gefälschten Attest sterbenskrank. Und Anni beantragt eine Reiseerlaubnis, durch den „Eisernen Vorhang“ hindurch, um ihren „geliebten Onkel noch ein letztes Mal zu sehen“. Weiterlesen „Nadine Schneider – Das gute Leben“
Anja Gmeinwieser – Wir Königinnen
Schon vor seinem Erscheinen wurde der Debütroman der 1989 geborenen Anja Gmeinwieser Wir Königinnen mit dem Fuldaer Literaturpreis ausgezeichnet. Sie nehme ihre Leserschaft mit „auf diese spannende, absurde, oft anrührende und manchmal auch todtraurige Reise quer durch Europa“ heißt es in der Jurybegründung. Weiterlesen „Anja Gmeinwieser – Wir Königinnen“
Liz Moore – Der andere Arthur
Die US-amerikanische Autorin Liz Moore hatte im vergangenen Jahr einen Riesenerfolg mit ihrem spannenden Roman Der Gott des Waldes, der in die Fußstapfen des 2020 erschienenen Thrillers Long Bright River trat. Nun hat sich der C.H. Beck Verlag entschieden, auch einen früheren, im Original bereits 2012 veröffentlichten, auf den ersten Blick ganz anderen Roman übersetzen zu lassen. Was für ein Glück! Denn Der andere Arthur hat keine Thrillerqualitäten, ist aber genauso großartig von Liz Moore geschrieben wie seine Nachfolger. Weiterlesen „Liz Moore – Der andere Arthur“
Florian Illies – Wenn die Sonne untergeht
Februar 1933. Thomas und Katia Mann verlassen ihre Villa in der Poschinger Straße in München, um zu einer Vortragsreise Richtung Amsterdam aufzubrechen. Brüssel und Paris sind weitere Stationen, wo der Nobelpreisträger eine Rede über den von ihm hoch verehrten Richard Wagner zu sprechen. Danach ist ein Erholungsaufenthalt im Schweizer Arosa geplant. Danach soll es wieder heim in die geliebte „Poschi“ gehen. Dass es 16 Jahre dauern wird, bevor sie wieder deutschen Boden betreten würden und die Villa für immer verloren sein wird, wissen die Manns da noch nicht. Der „nationalsozialistische Spuk“ war noch zu frisch. Thomas Mann sah sich als Repräsentant Deutschlands, ja 1938 äußerte er „Wo ich bin, ist Deutschland“, was größenwahnsinniger klingt, als es wohl gemeint war. Die Möglichkeit eines dauerhaften Exils war für ihn 1933 zumindest noch weit weg. Florian Illies erzählt in Wenn die Sonne untergeht der der von ihm bekannten unterhaltsamen und glänzend recherchierten Art von der Familie Mann auf ihrer ersten Station dorthin: Sanary-sur-mer in Südfrankreich. Weiterlesen „Florian Illies – Wenn die Sonne untergeht“
Abbas Khider – Der letzte Sommer der Tauben
Noah ist 14 und hat ein großes Hobby: seine Tauben. Er lebt in einer nicht näher gekennzeichneten Stadt im (vermutlich) Irak, wo die Taubenzucht eine lange Tradition hat und eigentlich zum kulturellen Erbe gehört. Für Noah und seinen Onkel Ali, der in der Nähe wohnt, verkörpern die Tauben viele Dinge, und Abbas Khider nutzt sie in seinem Roman Der letzte Sommer der Tauben als Symbol für sie: Freiheit, Schönheit, Harmonie und Treue. Wenn die Tauben von den Dächern der Häuser aufsteigen und im Himmel ihre Kreise ziehen, immer wieder zu ihren Taubenschlägen und dem „Lockvogel“ zurückkehren, ist das für den Jungen Trost und Ruhe. Weiterlesen „Abbas Khider – Der letzte Sommer der Tauben“
Lektüre Februar 2026
Der Vormonat einer Buchmesse ist traditonell ein Monat mit Neuerscheinungsflut. Auch wenn ich mich dieses Frühjahr 2026 gefühlt sehr zurückgenommen habe, haben mich doch eine ganze Reihe toller, vielversprechender Bücher erreicht, aus denen ich meine Lektüre für den Februar auswählen konnte. Es war denn auch ein überdurchschnittlich guter Lesemonat, den ich euch hier präsentieren kann. Weiterlesen „Lektüre Februar 2026“
Svenja Leiber – Nelka
„Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen“ schrieb einst William Faulkner. Und wie zutreffend dieser Satz ist, zeigt sich immer wieder gerade auch in der Literatur. Viele Neuerscheinungen, auch von jüngeren Autor:innen kommen (glücklicherweise) immer wieder auf Ereignisse der Geschichte zu sprechen, die noch nicht auserzählt sind, auch wenn es stapelweise Texte dazu gibt. Die Grausamkeiten der nationalsozialistischen Herrschaft und der Weltkriege sind Beispiele, Verfolgung, Verschleppung, Ermordung, Flucht, Vertreibung. So viele Menschen davon betroffen waren, so viele Geschichten lassen sich darüber erzählen. Svenja Leiber hat mit Nelka eine weitere hinzugefügt. Weiterlesen „Svenja Leiber – Nelka“
Timothy Snyder – Über Tyrannei – Kurz vorgestellt
Zwanzig Lektionen für den Widerstand lautet der Untertitel dieses schmalen Bändchens, das der bekannte US-amerikanische Historiker mit Forschungsschwerpunkt Osteuropäische Geschichte und Holocaustforschung bereits 2017 veröffentlicht hat. Den aufmerksamen Leser:innen wird nicht nur das fast zehn Jahre zurückliegende Datum auffallen, sondern sie werden gleich eine Parallele zum damaligen neuen US-Präsidenten ziehen können. Und auch wenn der Name niemals fällt, ist dieses Buch als Reaktion auf die erste Amtszeit von Donald Trump entstanden. Wie schnell und umfassend die Lage sich seitdem verschärft hat, hat sich wahrscheinlich noch nicht einamal Timothy Snyder ausmalen können. Dennoch hält er in Über Tyrannei eine „Brandrede“ für eine wehrhafte Demokratie und eine Handlungsanleitung, gerade auch für jüngere Menschen, sich gegen Populismus und die Antidemokraten zu stellen, die die Errungenschaften der Demokratie nutzen, um sie zu zerstören. Weiterlesen „Timothy Snyder – Über Tyrannei – Kurz vorgestellt“
Julian Barnes – Abschied(e)
„Ich werde „Sie“ vermissen – was immer das heißt. (…) Dennoch, ich hoffe, unsere Beziehung hat Ihnen über die Jahre hinweg Freude gemacht. Mir auf jeden Fall. Es war mir ein Vergnügen, dass Sie da waren – ja, ich wäre nichts ohne Sie. Darum lege ich Ihnen einfach kurz meine Hand auf den Arm – nein, schauen Sie weiter – und stehle mich davon. Nein, schauen Sie weiter.“ aber lllllllllllllllllllllllllllll lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll lSo schließt Julian Barnes sein jüngstes von mittlerweile 27 Büchern (die Krimis, die er unter dem Pseudonym Dan Kavanagh verfasst hat, nicht mitgezählt) – Abschied(e). Es ist im wahrsten Sinne ein Abschiedswerk, denn es ist erklärtermaßen das letzte Buch des unlängst 80 Jahre alt gewordenen britischen Autors. Im Jahr 2020 erhielt Barnes die Diagnose einer seltenen Art Leukämie, die nicht heilbar ist, aber beherrschbar, also nicht unbedingt tödlich verläuft. Mit dem vorliegenden Buch nimmt er somit Abschied, nicht vom Leben, aber von seinen Leser:innen. Weiterlesen „Julian Barnes – Abschied(e)“












