Lektüre September 2017

Der Kopf war so voll mit Buchmessenvor- und -nachbereitungen, Lesungen, Neuerscheinungsflut und nicht zuletzt Alltag, dass diese Mal tatsächlich der Lektürerückblick für den September vergessen ging. So viele wunderbare Bücher waren dabei, dass ich das aber unbedingt nachholen möchte bevor schon wieder der Oktober dran ist.

DAS Highlight des Monats oder gar des Jahres zu benennen finde ich immer ganz schwierig. Zu unterschiedlich sind die Bücher, zu verschieden aber auch manchmal die Lesesituationen. Was im Urlaub am Strand begeistern konnte, findet vielleicht zuhause im Alltagsstress gar keinen großen Anklang. Dennoch würde ich sagen, dass in diesem Monat einige Anwärter auf diese Auszeichnung dabei waren.

Colson Whiteheads „Underground Railroad“, der große Roman über die amerikanische Geschichte der Sklaverei, den mühsamen Weg der jungen Cora von der Plantage in die Freiheit, aber auch die Auswirkungen dieser noch immer nicht wirklich aufgearbeiteten Vergangenheit auf das heutige Zusammenleben von Weißen und Afroamerikanern gehört mit Sicherheit dazu. Ein ganz starkes Buch und ich freue mich ungemein auf die Lesung von Colson Whitehead, die ich im November in Köln besuchen darf.

Ähnlich beeindruckt hat mich das lange erwartete Buch von Arundhati Roy „Das Ministerium des äußersten Glücks“, in dem sie von der Hijra Anjum, die auf einem Friedhof mit einer Gruppe Außenseiter ihr persönliches Paradies findet, inmitten all der Ungerechtigkeiten, der Grausamkeiten, des Elends auch im modernen Indien. Ein ungemein politischer Roman über Indiens Geschichte, aber ein wenig auch ein grandioses Märchen. Die Lesung von Arundhati Roy im Frankfurter Literaturhaus hat mir dieses Buch noch einmal näher gebracht.

Restlos begeistert hat mich auch Gael Faye mit seinem „Kleines Land“. Der in Burundi geborene und nach Jahren in Frankreich nun in Ruanda lebende Autor und Musiker erzählt darin anhand der Kindheitsgeschichte des kleinen Gabriel, die wohl so einiges mit der des Autors gemein hat, vom Ende der unbeschwerten Kinderzeit und der zunehmenden Bedrohung vor und während der schrecklichen Völkermorde in Ruanda, die aber auch in Burundi ihren Niederschlag fanden. Gabriel kann dank seines französischen Vaters entkommen, das Exil und das Heimkommen sind dennoch schmerzlich. Auch Gael Faye durfte ich auf einer Lesung erleben.

 

Yaa Gyasi erzählt in „Heimkommen“, ihrem Debütroman, von dreihundert Jahren. Anhand zweier Erzählstränge und über sieben Generationen hören wir von den Menschen eines westafrikanischen Landes, Opfer von Sklavenhändlern oder ihre Handlanger, nach Amerika verschleppt oder im Land verblieben. Ein großes, wunderbar erzähltes Geschichtspanorama bis in die heutige Zeit.

 

 

Auch Friedrich Ani konnte mich mit seinem neuen Fall mit dem pensionierten Ermittler Jakob Franck wieder überzeugen: Leise, düster, nachdenklich, packend wie alle Ani-Werke: „Die Ermordung des Glücks„.

 

Blieben noch die beiden Bücher, die mich nicht ganz fesseln konnten.

Anna Kims surreale Geschichten „Fingerpflanzen“ sind wunderschön aufbereitet im Topalian& Milani Verlag erschienen. Bis auf eine, die ich sehr gelungen fand, bekam ich aber wenig Zugang zu ihnen.

Ganz enttäuscht hat mich David Duchovny mit seinem „Ein Papagei in Brooklyn„. Sowohl Geschichte als auch Sprache gefielen mir leider gar nicht.

Auch im Oktober habe ich natürlich so einiges gelesen (wegen der Messe aber deutlich weniger), in ein paar Tagen ist der Monat tatsächlich schon vorbei. Und dann folgt bereits ein neuer Rückblick. Ich freue mich, wenn ihr auch da wieder vorbeischaut.

 

 

 

 

0 Gedanken zu „Lektüre September 2017

  1. Hallo Petra,
    du hast wieder interessante Bücher gelesen. Kleines Land könnte mir auch gefallen und Die Ermordung des Glücks scheint ein würdiger Nachfolgeband von Ani zu sein. Den ersten habe ich auch sehr gemocht.

    LG und einen schönen Reformationstag,

    Barbara

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