Lektüre April 2018

Der April ist schon wieder vorüber. Außer zum Teil herrlichem Wetter brachte er auch vor allem gegen Ende jede Menge Aufregung in Sachen DSGVO, und ich muss zugeben, dass ich noch nicht wirklich weitergekommen bin in dieser Angelegenheit. Als bei WordPress hostender Blogger ist man doch sehr von deren Arbeit abhängig und kann relativ wenig selbst unternehmen. Trotzdem bin ich eher zuversichtlich, dass sich eine Lösung auch für mich finden wird.

Meine Lektüre war recht bunt gemischt. Von hellauf begeistert bis ziemlich enttäuscht war von allem etwas dabei.

 Mit dem 760 Seiten starken Polizeiroman „64“ vom japanischen Autor Hideo Yokoyama habe ich mich am längsten beschäftigt. Etwas unglücklich finde ich die Bezeichnung „Thriller“, die andere Erwartungen weckt. Denn für das Buch braucht man durchaus einen langen Atem, wird dafür aber mit einem interessanten und tiefen Einblick in die Polizei-, Presse- und Ermittlungsarbeit und in gesellschaftliche Mechanismen des modernen Japan belohnt. Die Geschichte eines 14 Jahre zurückliegenden Entführungs- und Mordfalls, der nie aufgeklärt wurde bildet da eher den Rahmen für ein Geflecht von Intrigen, Macht- und Kompetenzgerangel. Erst ziemlich zum Schluss nimmt dann die Krimihandlung Fahrt auf. Im Juni wird meine Rezension im Rahmen eines Japan-Spezial auf Literaturkritik.de und auch hier erscheinen.

 

Meine Favorit des Monats war Kristine Bilkaus wunderbarer Roman „Eine Liebe in Gedanken“. Ich weiß gar nicht, welchen Strang ich am schönsten fand. Die Liebesgeschichte von Mutter Antonia zu Edgar in den Sechziger Jahren, die auf so leise wie ungreifbare Weise scheitert? Oder die Spurensuche der Ich-Erzählerin nach dem Tod der Mutter, in Briefen, Fotos, Lebenszeugnissen? Oder auch der Abschied von der eigenen Tochter, die nun nach dem Abitur eigene Wege gehen wird – Kindheit, solch eine schnell vergehende Episode. Vielleicht aber doch die Bilder der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck, deren Ausstellung die Erzählerin vorbereitet und in deren unabhängigem, aber auch tragischem Leben sich das Leben der Mutter immer wieder spiegelt. Alles zusammen ergibt einen so einfühlsamen wie kitschfreien, so behutsamen wie klugen Roman. Unbedingte Leseempfehlung!

 

Über die illustrierte Reihe des Galiani Verlags, in der die Illustratorin Kat Menschik von ihr ausgewählte Werke bebildert, brauche ich, glaube ich, nicht mehr viel sagen. Ihr gelingt jedes Mal ein wirklich außergewöhnliches, so originell wie passendes, auf jeden Fall aber immer schönes Werk. So auch mit den „Unheimlichen Geschichten“ von Edgar Allan Poe. Drei Geschichten, von Dostojewski einst zusammengestellt von düster-mysteriösem Charakter. Sicher nicht die Art von Lektüre, die ich bevorzuge, aber natürlich brillant und in dieser Ausgabe ein Muss.

 

Esther Kinsky gewann mit „Hain. Ein Geländeroman“ den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse. Bereits mit ihrem Roman „Am Fluss“ hat sie etwas Ähnliches unternommen und hat Gedanken und Begegnungen ihrer Protagonistin eng an ihre Wanderungen durch eine englische Flusslandschaft nahe London angelehnt. Nun ist sie in Italien unterwegs, im Hinterland Roms und in der Poebene. Es sind von Trauer dominierte Wanderungen, Trauer um den kürzlich verstorbenen Lebensgefährten und um den Vater, der einst Jahr um Jahr die Familie nach Italien geführt hat, um seine große Leidenschaft für die Etrusker auszuleben. Es sind seltsam spröde und doch poetische Aufzeichnungen. Ich habe sie sehr gerne gelesen.

Johan Bargums „Nachsommer“ ist bereits 1993 im Original erschienen. Durch den Erfolg der 2014 veröffentlichten „Septembernovelle“ ermutigt, hat der Mare Verlag nun auch dieses schmale Werk über einen Familien- und Bruderkonflikt am Sterbebett der Mutter herausgebracht. Das ist schön, denn die schlichten, aber abgründigen Novellen von Bargum sind sehr lesenswert. Da gibt es noch einiges zu entdecken.

 

 

 

Letztendlich kommen wir noch zu meiner Enttäuschung. Vor Jahren habe ich das Buch „Die Stimmen des Flusses“ des katalanischen Autors Jaume Cabré mit großer Begeisterung gelesen. Stimmenvielfalt, Perspektivverschiebungen, Wechsel der Zeitebenen, historisch-politische Exkurse in die Zeit des spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur, dazu eine epische Familiengeschichte, das hat mir sehr gefallen. Und das alles ist auch hier in „Eine bessere Zeit“ angelegt, aber es rundet sich nicht, die historische Ebene ist vernachlässigbar und die Familiengeschichte kommt kaum über Seifenopernniveau heraus. Dazu noch ein unsympathischer Protagonist, bzw. ein komplett schwaches Figurenemsemble. Enttäuschend!

 

Nun hoffe ich, dass ich die Umstellung auf einen datenschutzkonformen Blog irgendwie hinbekomme, ohne zu pausieren oder umzuziehen und dass mir dadurch nicht zuviel Lesezeit entgeht. Zum Glück bietet der Mai eine ganze Menge Feiertage! Ich wünsche euch, dass ihr sie gut versorgt mit Lesestoff und wunderbarem Wetter verbringen könnt!

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