Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1 – Norwegen Spezial 5

Norwegische Literatur ist im Oktober 2019 zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse, begleitend erscheinen überdurchschnittlich viele Neuerscheinungen in Deutschland. Das reicht von der Klassiker-Neuauflage bis zu ganz neuen, jungen Stimmen. Ich möchte euch in zwei Teilen auf einige der interessantesten Titel aufmerksam machen.

Ich habe in den letzten Wochen sehr viel Literatur aus Norwegen gelesen und festgestellt, dass es da für mich noch viel zu entdecken gibt. Meine norwegische „Abteilung“ im Buchregal umfasste tatsächlich bisher nur sechs Titel von fünf Autoren – und tatsächlich Autoren. Es war nicht eine Schriftstellerin darunter. Ich finde es sehr bereichernd, anlässlich des Gastlandauftritts mal von den gewohnten Pfaden abzuweichen und mich mit Norwegischer Literatur ganz intensiv zu beschäftigen. Ich habe das in der Vergangenheit schon bei so manchem Gastland getan, aber dieses Jahr zum ersten Mal eine Blog-Serie dazu verfasst. Für mich ein tolles Projekt, das ich im nächsten Jahr mit Kanada gerne wiederholen möchte.

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Anthologien

Gastlandauftritt bedeutet auch immer Anthologie-Zeit.

Heimatland Mette-MaritNorwegens königliche Literaturbotschafterin IKH Kronprinzessin Mette-Marit hat zusammen mit Geir Gulliksen eine Anthologie namens Heimatland zusammengestellt. Was es bedeutet, norwegisch zu sein sollen literarische Texte von Autoren aus Norwegen beleuchten. Das Ganze könnte eine ziemlich brave, konventionelle Sache sein. Im Gespräch der beiden Herausgeber, das den zwölf Texten als Vorwort vorangestellt ist, zeigt sich aber bereits, dass das Projekt sehr viel spannender zu sein verspricht. Da wird kein gezwungener Konsens hergestellt, da trifft die unbedingte Norwegenliebe Mette-Marits auf die Skepsis Gulliksens. Da scheint die legendäre Offenheit Norwegens auf. Da sind zwölf spannende Autoren, von Dag Solstad (Jahrgang 1941) bis Maria Navarro Skaranger (1994) versammelt. Weitere Beiträge stammen von Karl Ôve Knausgård, Tomas Espedal, Helga Flatland und der Amerikanerin mit norwegischen Wurzeln, Siri Hustvedt. Eine interessante Mischung. Ich bin ansonsten immer etwas skeptisch bei Anthologien, gerade wenn sie zu einem bestimmten Anlass verfasste Texte versammeln. Aber diese hier ist so vielseitig und einige der Texte so gelungen, dass ich sie als Einstieg in die norwegische Literatur rundum empfehlen kann.

Auch im Wallstein-Verlag erscheint die von Uwe Englert herausgegebene Sammlung Das Gras hinter dem letzten Haus. Neue Literatur aus Norwegenmit Erzählungen, Lyrik, Kurzprosa und Essays u.a. von Jon Fosse, Roskva Koritzinsky, Jan Kjærstad, Nina Lykke, Cecilie Løveid, Hans Herbjørnsrud, Gunnhild Øyehaug, Arild Vange, Per Petterson, Atle Næss.Und schließlich gibt es auch für die Krimifreunde eine Anthologie: Tod am Fjord – Mörderische Geschichten aus Norwegen herausgegeben von Holger Wohlandt.

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Sofies Welt

Jostein Gaarder - Sofies WeltMeine erste Begegnung mit norwegischen Büchern war die mit Jostein Gaarder – wahrscheinlich wie für viele Leser*innen. 1993 erschien in Deutschland „Sofies Welt“ (Sofies verden 1991) und löste einen richtigen Boom aus. Gedacht als Einführung in die Philosophie(geschichte) für ältere Kinder, eroberte sich das Buch über die bald 15 jährige Sofie, die rätselhafte Briefe mit Fragen und Denkaufgaben erhält und dadurch beginnt, über sich selbst und ihr Verhältnis zur Welt nachzudenken, was dann zu einer Reise durch verschiedene Denkschulen und zu unterschiedlichen Philosophen führt, eine riesige Leserschaft jenseits aller Altersbeschränkungen.

Bislang wurde das Buch in 65 Sprachen übersetzt und weltweit über 40 Millionen Mal verkauft. Auch ich war zwar nicht mehr Teil der eigentlichen jugendlichen Zielgruppe, aber auch mich hat das Buch damals zur Beschäftigung mit Philosophie angeregt. Natürlich bekam Jostein Gaarder auch einigen Widerspruch – zu flach, zu unterhaltend, vor allem zu lückenhaft, da nur die europäische Philosophie umfassend (und da auch, z.B. Schopenhauer auslassend) -, was aber meiner Meinung nach ziemlich an der Intention des Buches vorbei ging. Es ist und bleibt eine unterhaltsame, ja sogar spannende Reise durch die Philosophie für (jugendliche) Einsteiger. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Und mittlerweile ein Klassiker. Wenn auch ein junger.

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Jostein Gaarder - Genau richtigGerade wurde mit „Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht“ eine neue Erzählung von Jostein Gaarder veröffentlicht.

„Albert hat eine schlimme Diagnose von seiner Ärztin und ehemaligen Geliebten erhalten. Während seine Frau Eirin auf einem Kongress ist, fährt er allein in die einsame Ferienhütte an einem Waldsee: Soll er sein Leben selbst beenden, bevor es die tödliche Krankheit tut? Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, schreibt er in das Hüttenbuch. Er erzählt, wie er Eirin kennenlernte und wie sie als jung Verliebte in das Märchenhaus einbrachen, das sie später gekauft haben. Wie seine Ehe zu kriseln begann, welche Rolle Sohn und Enkelin für ihn spielen und von seiner Begeisterung für die Astrophysik. Es wird eine lange Nacht, bis irgendwann ein Boot ruderlos auf dem See treibt und ein Fremder erscheint.“ (Text: Verlagsseite)

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Norwegische Klassiker

 

Kat Menschik - Die Puppe im GraseViel älter sind die norwegischen Volksmärchen, die in diesem Herbst in unterschiedlichen Ausgaben, immer beruhend auf der Sammlung von Peter Christen Asbjørnsen and Jørgen Engebretsen Moeerscheinen. Die schönste ist sicher das schmale, von Kat Menschik in ihrer unvergleichlichen Art illustrierte Bändchen „Die Puppe im Grase“ bei Galiani. Meine Rezension zu diesem Prachtstück findet ihr hier

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Zu den absoluten Klassikern der norwegischen Literatur zählen natürlich Henrik Ibsen und die drei Nobelpreisträger*innen.

Henrik Ibsen (1828-1906) ist mit seinen psychologisch-analytischen Henrik Ibsen Werke in acht Bänden ReclamGesellschaftsdramen einer der meistgespielten Dramatiker, sein dramatisches Gedicht „Peer Gynt“ wurde von Edvard Grieg unsterblich vertont. Der Reclam Verlag bringt anlässlich des Gastlandauftritts einen Schuber mit acht Bänden seiner Universal-Bibliothek ins Rennen.  Baumeister Solness | Die Frau vom Meer | Gespenster | Hedda Gabler | Nora (Ein Puppenheim) | Peer Gynt | Ein Volksfeind | Die Wildente, insg. 1053 S. (die Stützen der Gesellschaft fehlen)

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Nobelpreisträger

 

Von Knut Hamsun (1859-1952), der für seinen Roman „Der Segen der Erde“ 1920 den Literaturnobelpreis verliehen bekam, erscheinen drei seiner Werke in einer schön gestalteten Taschenbuchausgabe und in Neuübersetzung von Alken Bruns.

Auf überwachsenen Pfaden„, das zuerst 1949 veröffentlichte Tagebuch, „in dem er sich Knut Hamsun - Segen der Erdekurz vor seinem Tod mit seiner Rolle in Literatur und Gesellschaft während der deutschen Besatzungszeit auseinandersetzt.“, die Liebesgeschichte „Victoria“ und das Nobelpreiswerk „Segen der Erde„, der von einem einfachen Bauern, der das karge norwegische Land urbar machth handelt,  ein „Klassiker, der mit einer schlichten Sprache von fast biblischer Kraft einen Blick in eine vergangene Welt eröffnet „. Der sehr bekannte „Hunger“ fehlt leider in dieser Neuveröffentlichung (eine gleich gestaltete, nicht von Alken Bruns übersetzte Ausgabe ist noch erhältlich, aber nicht mehr über den Verlag). Ich muss zugeben, dass mir Hamsuns wuchtiger Stil weniger liegt (kenne aber auch nur „Hunger“).

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Knut Hamsun - Hunger Graphic NovelDer avant-Verlag bringt eine Graphic Novel nach Hamsuns Erstling heraus.

„In seinem Frühwerk „Hunger“ von 1888 beschreibt der damals 29-jährige Knut Hamsun die prekären Lebensumstände seiner Anfangsjahre. Er schildert den körperlichen und seelischen Verfall eines jungen erfolglosen Schriftstellers und Journalisten in Kristiania, dem heutigen Oslo. Hungernd und obdachlos streift er durch die Stadt.
Die eindringlich dargestellte geistige Verfassung des Erzählers schwankt zwischen Wahnsinn, Hoffnung, Verzweifung und Scham.“ (Verlagstext)

Text & Zeichnung stammen von Martin Ernstsen.

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Sigrid Undset (1882-1949) erhielt 1928 den Literaturnobelpreis. „Ihre Werke befassen sich mit dem Konflikt zwischen norwegischer Tradition, der europäischen Krise ihrer Zeit, dem römischen Katholizismus und der weiblichen Emanzipationsbewegung.“(Quelle Wikipedia). Seit 1907 veröffentlichte sie Gesellschafts- und Eheromane mit weiblichen Figuren im Mittelpunkt, die sehr erfolgreich waren. Ihre Hauptwerke sind aber ihre historischen Romane, die im Mittelalter spielen. Für den Dreiteiler Kristin Lavransdotter erhielt sie den Nobelpreis. In Deutschland ist Sigrid Undset relativ unbekannt. Bei Fischer ist ihr Mittelalter-Zweiteiler „Olav Audunssohn“ noch erhältlich.

Suhrkamp veröffentlicht ihre frühe Erzählung von 1908 „Das glückliche Alter„. Es ist die Geschichte von einigen jungen Frauen, die mit Anfang Zwanzig also in diesem »glücklichen Alter«, auf der Suche sind: nach sich selbst, nach dem Leben, nach dem Mann ihres Lebens, nach Reichtum und Glück. Ein Erzählung vom Anfang des Jahrhunderts, die jung geblieben ist in der Schilderung von Aufbruch, Ausbruch, durch den unvoreingenommenen Blick auf die Widersprüche von Sehnsucht und Realität.

Auch einer ihrer historischen Romane erscheint im Herbst neu: „Viga-Ljot und Vigdis„. Undset erzählt vom „Ringen der schillernden jungen Vigdis um Emanzipation und Gerechtigkeit im von Männern und Gewalt dominierten Norwegen der Wikingerzeit.“  Ein Klassiker der norwegischen Literatur in einer Neuübersetzung von Gabriele Haefs und mit einem Vorwort von Kristof Magnusson. Dieser Titel steht noch auf meiner Leseliste.

Arndt Stroscher hat ihn auf AstroLibrium schon besprochen.

Einen Tag lang kann man Sigrid Unstet hier begleiten: Ein Tag mit Sigrid Undset

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Der Dritte im (Nobelpreis)Bunde ist der Dichter Bjørnstjerne Martinius Bjørnson (1832-1910). Ich denke mal, er ist den wenigsten von uns bekannt, vielleicht noch am ehesten als Verfasser der norwegischen Nationalhymne (1859). Der politisch engagierte Realist Bjørnson erhielt 1903 als erster Norweger den Literaturnobelpreis. Der kleine Severus-Verlag widmet ihm mit Ein Blick in die Welt der norwegischen Literatur. Poesie aus der Feder eines großen Literaten eine Neu-Veröffentlichung.

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Alexander L. Kielland - JakobAlexander L. Kielland (1849-1906) gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Realismus in Norwegen. Generationenkonflikte, Frauenfragen, soziale Ungleichheit, religiöse Heuchelei und scharfe Angriffe auf die bürgerliche Doppelmoral sind die Themen, die sich durch sein Schreiben ziehen. Die Erzählung „Garman und Worse“ über eine norwegische Kaufmannsfamilie diente Thomas Mann als Vorbild für die „Buddenbrooks“. Seine Bücher gehörten zu den meistgelesenen in Skandinavien und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Im Frühjahr erschien der Roman „Jakob“ in Neuübersetzung im Kröner Verlag.

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Neuentdeckungen (in Deutschland)

 

Mit Dagny Juel (eig. Dagny Juel-Przybyszewska)(1867-1901) ist eine sehr interessante Schriftstellerin und Frau zu entdecken. Juel studierte ab 1892 in Berlin Musik und und wurde dort zur Muse der skandinavischen Studenten. Zum Kreis ihrer Freunde zählten Edvard Munch und August Strindberg. Juel hatte den Ruf einer „Femme fatale“, ihre Ehe mit dem polnischen Schriftsteller Stanisław Przybyszewski scheiterte 1901. Kurz darauf wurde sie von ihrem jugendlichen Liebhaber in Georgien erschossen. Bereits im März erschienen die Gesammelten Werke (knapp 100 Seiten!) – Flügel in Flammen im Weidle Verlag.

„Dagny Juel schreibt über radikale Gefühle, Ausweglosigkeit, Schuld und die unbändige Macht der Liebe. Dabei steht zumeist die Frau im Vordergrund, die einen starken eigenen Willen hat und durchaus zum Bösen fähig ist. Aus dem Nachlaß Dagny Juels sind wenige Erzählungen, vier kurze Dramen und einige Gedichte erhalten. Bei allen steht das Gefühlsleben der Figuren im Vordergrund. Ihren Themen nähert sich Dagny Juel in lakonischer Sprache über die Gefühle der von Zweifel, Schuld und Eifersucht getrie-benen Figuren. Dabei kreisen alle Texte um die Liebe, die als gleichzeitig schaffende und vernich-tende Kraft die Schicksale bestimmt.“ (Verlagstext)

Constanze schreibt auf  Zeichen & Zeiten und Petra Lohrmann auf Gute Literatur über diese kaum bekannte Autorin.

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Auch Tarjei Vesaas (1897-1970) kann zu den Norwegischen Klassikern gezählt werden. Er gehört zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts und war mir bisher trotz seines sehr umfangreichen Werks und seines hohen Ansehens in Norwegen nicht bekannt. Etliche seiner Bücher wurden bis in die Siebziger Jahre in Deutschland veröffentlicht, dann schien aber das Interesse an Vesaas verschwunden zu sein. Mit Das Eis-Schloss veröffentlicht nun der Guggolz Verlag das vielleicht wichtigste Werk in einer wunderschönen Ausgabe.

Tarjei Vesaas - Das Eis-SchlossLyrisch-märchenhaft und zugleich unglaublich modern mutet die Geschichte von „Eis-Schloss“ an. Zwei elfjährige Mädchen, die beliebte, lebendige Siss und die neu zu ihrer Tante gezogene, verschlossene Waise Unn fühlen sich von einander angezogen. Dennoch dauert es eine Weile und ein schüchtern-verstohlenes Umeinanderwerben bis die Beiden sich eines Abends bei Unn treffen. Sie wollen Freundinnen sein, mögen sich, aber dennoch geht das Treffen irgendwie schief. Unn möchte Siss ein noch nie erzähltes Geheimnis anvertrauen – die Leser*in mag rätseln, was es sein könnte, Missbrauch, erwachende Sexualität oder etwas ganz Harmloses? – aber es kommt nicht dazu. Und keines der Mädchen ahnt, dass es nie wieder dazu kommen wird. Denn am nächsten Tag ist Unn verschwunden. Um der für sie peinlichen Begegnung mit Siss auszuweichen, schwänzt sie die Schule und wandert zum „Eis-Schloss“. Der vom See kommende Fluss stürzt hier in einem Wasserfall über die Kante. Der ungewöhnlich kalte, trockene Herbst zauberte daraus ein Gebilde aus Eis, mit Spalten, Räumen, Gängen aus kristallklarem Eis. Unn verliert sich träumend darin, und verliert darin ihr Leben.

Der zweite Teil der Geschichte ist der verzweifelten Suche der Dorfgemeinschaft nach Unn gewidmet und der Verzweiflung von Siss über den Verlust der gerade gewonnenen Freundin. Ein vermeintlich gegebenes Versprechen bindet sie daran, sich zurückzuziehen, ihrerseits in einem Schloss aus innerem Eis zu verschwinden bis der Frühling mit seinem Tauwetter nicht nur das Eis-Schloss am Fluss zum Einstürzen bringt.

Trauer und seelische Nöte des Mädchens schildert Vesaas zart und lyrisch. Am besten ist der Text, wenn er ganz nah an deren Empfindungen bleibt. Ein wirklich besonderer Text und ein Glück, dass er nun erneut veröffentlicht wurde. Für mich eine ganz besondere Entdeckung.

Marina von Literatur leuchtet hat den Roman ausführlich besprochen.

Einen Blick auf Tarjei Vesaas Schreibtisch gibt es hier.

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Lyrik und Anthologien

 

Ich bin kein großer Lyrik-Kenner, aber Dank des Elif-VerlagesKnut Ødegård - Die Zeit ist gekommen landen bei mir immer wieder einmal schöne Gedichtbände. So auch von einem norwegischen Poeten – Knut  Ødegard – Die Zeit ist gekommen. „Es ist eine vitale und vor allem mutige Poesie, die er uns hier in gewagten Bildern präsentiert, wobei er die Verletzlichen und am wenigsten Sichtbaren unter uns sichtbar machen möchte: einen Chorjungen, der vom Kirchendiener missbraucht wird, ein Kriegskind, das von seinen Kameraden bepinkelt wird, ein fettes Mädchen in einem Fitnesscenter.“

Mutter

Ich habe eine Mutter in blauem Mantel .

Sie nimmt meine Hand, ich bin
klein, ich habe Angst, sie
führt mich.

Ihr Mantel ist
mit Sternen übersät.
Der Schnee ist sehr tief
hier, wo wir gehen, auf der nicht geräumten
Milchstraße: Sie
und ich.

Übertragen von Åse Birkenheier, und erstmals ein lyrisches Werk von Knut Ødegård in deutscher Sprache überhaupt. In etwa 40 weitere Sprachen ist der Dichter bereits übersetzt. Der 1945 geborene Ødegård veröffentlichte bereits 167 seinen ersten Lyrikband und seither mehr als 50 Bücher. Am Anfang von „Die Zeit ist gekommen“ betritt eben jene Zeit ganz wortwörtlich die Bühne, um am Ende wieder abzutreten. Dazwischen widmet sich Ødegård in vier Kapiteln Erinnerungen an seine Kindheit, Verletzungen, die sie Vergangenheit, besonders die Zeit des Zweiten Weltkriegs, hinterlassen hat, an der „Deutschenhure“ Therese oder an der Großtante Beretanna, er setzt sich mit dem Altern auseinander, aber im letzten Abschnitt auch mit einem ganz aktuellen Thema, dem Tod einer flüchtenden Syrierin und ihres Babys im Mittelmeer, um mit einer Dystopie zu enden, die Zitate aus der Eddadichtung „Völuluspá“ einbindet.

aus „Ein altes Ehepaar geht spazieren“

Ein wenig schief kehren wir heim
vom Spaziergang diesen Sonntag, wir beide. Du
und ich. Und langsam
streiche ich dir übers Haar, das
noch vor kurzem durchs Universum
flog: Du noch vor kurzem ein kleines Mädchen
auf einer Schaukel.

Knut Ødegård schont seine Leser nicht, er schaut genau hin. Und selbst wenn es angesichts des Zustands der Welt und der Unausweichlichkeit des Verrinnens der Zeit auch mal pathetischer wird, bleibt seine Sprache ganz klar.

Wolfgang Schiffer hat den Band auf Wortspiele vorgestellt, auch bei Lobe den Tag und Fixpoetry gibt es Besprechungen dazu.

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Hier sollte ich vielleicht noch Henrik Wergeland (1808-1845) erwähnen, den „norwegischen Beaudelaire“, den „Pionier der modernen Poesie“ und damaligen Skandalautor. Der Wallstein Verlag versammelt in Im wilden Paradies seine wichtigsten Gedichte und Prosa-Experimente mit norwegischem Original und Kommentaren. Die NZZ hat unlängst dazu einen Artikel zu Wegeland veröffentlicht.

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Gegenwartsklassiker

 

Einer der bekanntesten Gegenwartsautoren Norwegens ist der 1941 geborene Dag Solstad. Immer wieder taucht sein Name auf, wenn es um mögliche Kandidaten für den Literaturnobelpreis geht. 2011 wurde ihm auf Grund seiner Rolle in der norwegischen Literatur eine lebenslange steuerfreie Staatsrente zugesprochen, was seine Bedeutung für die norwegische Literatur zeigt. Seit 1969 hat er 18 Romane und andere Prosa veröffentlicht. Seit 2004 bemüht sich der Dörlemann Verlag um Solstads Werk. Zunächst mit überschaubarem Erfolg. Seit Februar 2019 erscheinen Romane in neuer, attraktiver Aufmachung im Rahmen einer Werkausgabe. Seitdem hat besonders sein ursprünglich 1999 erschienener Roman T. Singer, der wie das gesamte Werk um männliche Außenseiter in den mittleren Jahren kreist, viel Lob von der Kritik erhalten.

Ines von Letteratura und Hauke vom Leseschatz haben das Buch besprochen.

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Der wie Dag Solstad in Deutschland lebende Ingvar Ambjørnsen (*1956) gehört zu den eher weniger bekannten norwegischen Autoren. Verheiratet ist er mit der Übersetzerin Gabriele Haefs. Ambjørnsen ist ungeheuer produktiv, veröffentlicht seit 1988 Romane von den Randgebieten der Gesellschaft, die recht erfolgreiche Jugendbuchreihe „Peter und der Prof“ und vor allem die sogenannte „Elling-Serie“, nach seiner Hauptfigur, dem Sonderling Elling, die auch verfilmt (mit Oskar-Nominierung) und als Theaterstück aufgeführt wurde. Nun erscheint seit 2001 der erste weitere Band dieser bisher vierteiligen Reihe – Echo eines Freundes. Der Verlag schreibt:

Ingvar Ambjørnsen - Echo eines Freundes„Ingvar Ambjørnsens größter Held ist zurück: Elling. Er ist älter geworden, inzwischen 58, und macht sich auf den Weg nach Oslo, wo er bei einer Witwe namens Annelore Frimann-Clausen eine Einliegerwohnung bezieht. Bisher war er in einer betreuten Wohnsituation, nun aber darf er sein Glück allein versuchen, und er ist fest entschlossen, es zu schaffen.
Elling lebt sich in der neuen Umgebung ein, und er wäre ja nicht Elling, wenn er sich nicht dauernd in irgendwelche Phantasien hineinsteigerte. Sind die Kassiererinnen im Spar um die Ecke nicht heimlich an ihm interessiert? Was verschweigt ihm seine Vermieterin, und warum antwortet ihre Tochter nicht auf seine herzliche Facebook-Nachricht? Denn auf Facebook, da ist Elling jetzt auch. Allerdings unter anderem Namen … Ein tragikomischer Roman um einen unverwechselbaren Helden, in dessen Schrullen der ganze Irrwitz des Alltäglichen sichtbar wird.“

Klingt eigentlich ganz interessant. Wer kennt denn Ambjørnsen schon?

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Genauso bekannt wie produktiv ist Ketil Bjørnstad (*1952) in beiden Disziplinen – Literatur und Musik. Pianist, Jazzmusiker und Verfasser von fast 40 Büchern – Romane mit oft musikalischen Motiven, aber auch Lyrik, von denen gut ein Dutzend auf Deutsch übersetzt wurden. Vindings Spiel war 2007 auch in Deutschland ein Bestseller.

Nun hat er mit seinem neuen Projekt, dem Zyklus „Die Welt, die meine war“ im Osburg Verlag ein neues Zuhause gefunden. Dieser schreibt:

„Der norwegische Musiker und Bestsellerautor Ketil Bjørnstad hat sich mit seinem neuen, (auf sechs Bände angelegten, Anm.) Projekt ein großes Ziel gesetzt: Jedem Jahrzehnt seines Lebens soll ein Roman gewidmet werden. Er beginnt mit den sechziger Jahren und zeigt die Ereignisse aus der Sicht des jungen Ketil, der immer ein wenig anders denkt als seine Zeitgenossen(…) Ketil Bjørnstad zeichnet ein grandioses Bild der Sechziger, mit Kaltem Krieg, Mondlandung und Beatles, um nur einige Stichwörter zu nennen, das alles aus der Sicht eines scharfsichtig beobachtenden Jungen und jungen Mannes.“ Der erste, den Sechziger Jahren gewidmete Band erschien bereits im September 2018, die Siebziger Jahre folgen nun zur Buchmesse. Mit 833 bzw. 750 Seiten keine Lektüre für mal eben zwischendurch. Constanze hat sie auf Zeichen&Zeiten sehr begeistert besprochen.

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Auch der vielfach ausgezeichnete Lars Saabye Christensen (*1953) ist äußerst produktiv und von ihm sind etliche Romane auch auf Deutsch erschienen.

Marina von literaturleuchtet und Constanze von Zeichen & Zeiten haben seinen letzten Roman „Magnet“ sehr gelobt. Nicht zuletzt deshalb steht der neue Roman „Die Spuren der Stadt“ auf meiner Leseliste.

Lars Saabye Christensen - Die Spuren der Stadt„Was hören wir, wenn wir der Stadt lauschen? Welche Spuren hinterlässt sie in uns? Wer ist am anderen Ende, wenn wir telefonieren? Kennen wir die, die an der Straßenecke stehen, verzaubert von den Lichtern und Geräuschen der Stadt? Lars Saabye Christensens Roman spielt im Oslo der Nachkriegszeit – er erzählt darin auf berührende, süchtig machende Weise von den Sehnsüchten und Nöten seiner Bewohner, deren Schicksal unauslöschlich mit der Stadt und den Straßen, in denen sie leben, verwoben ist.“ (Verlagstext)

 

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Eine Insel-Saga

Roy Jacobsen (*1954) erreichte 2017 mit der englischen Übersetzung von Die Unsichtbaren die Shortlist des Man Booker International Prize. Bei C.H.Beck liegt nun eine deutsche Ausgabe vor, die die in Norwegen separat von 2013 bis 2017 erschienen Romane De Usynlige (dt.: Die Unsichtbaren, 2014 im Osburg Verlag erschienen), Hvitt hav (dt.: Weißes Meer, ebenda) und Rigels øyne umfasst. Sie alle haben die Hauptfigur Ingrid Marie Barrøy gemeinsam. Zu Beginn ist Ingrid ein kleines Mädchen, das auf der abgelegenen Schäreninsel Barrøy im Norden lebt. Der Alltag ist so rau und karg wie Landschaft und Wetter und prägt die schweigsamen, in sich gekehrten Menschen. Für Emotionen ist da genausowenig Platz wie für Seelenbespiegelung. Im ersten Teil bestimmt das Meer und das Wetter das Leben der Bewohner von Barrøy, es ist die Zeit um den ersten Weltkrieg als das Buch beginnt. Wir begleiten die Familie einige Jahre in ihrem schweren, oft freudlosen Alltag.

Im zweiten Teil ist Ingrid allein auf der Insel zurückgeblieben, die Familie zerstreut oder tot. Es ist das Jahr 1944, NorwegenRoy Jacobsen - Die Unsichtbaren von den Deutschen besetzt, die Deportationen in der Finnmark beendet, zahlreiche Städte zerstört und im ganzen Land Flüchtlinge unterwegs. Auf Barrøy werden Leichen angeschwemmt. Es sind (meist russische Kriegs)Gefangene, die bei der Bombadierung eines Gefangenenschiffs durch die Briten getötet wurden. Aber einer hat überlebt. Diesem einen reist Ingrid im dritten Teil, der im Sommer 1946 angesiedelt ist, hinterher. Es ist die aussichtlose Suche nach einem Flüchtigen, einem flüchtigen Glück.

So karg und rau wie die Menschen, die Landschaft und das Wetter ist auch die Sprache von Roy Jacobsen. Ein spannender und erhellender Blick auf die „Unsichtbaren“ der Geschichte, auf Alltag und Geschichte im Norwegen der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert. Hat mir sehr gefallen. Zu meiner ausführlichen Rezension geht es hier.

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Jan Kjærstads (*1953) vor zwei Jahren erschienener Roman „Das Norman-Areal“ hat ein sehr positives Echo ausgelöst. An mir ist das Buch damals vorbeigegangen. Mag sein, dass das an der Erwähnung von „Postmoderne“ im Zusammenhang mit Kjærstad gelegen hat. Sowohl Constanze, als auch Marina und Ines haben das Buch sehr gelobt. Nun erscheint, wiederum im Septime Verlag,  ein neuer Roman, „Berge“.

JAN KJAERSTAD - BERGE„An einem Augusttag 2008 werden der Abgeordnete der Arbeiterpartei, Arve Storefjeld, und vier weitere Mitglieder seiner Familie tot in einer Hütte am Blankvann-See aufgefunden. Allen fünf Opfern wurden die Kehlen durchgeschnitten. Ganz Norwegen steht still.(…)Erzählt wird die Geschichte aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln.(…) Eine Journalistin, ein Richter, ein ehemaliger Geliebter – alle mit ihrer Geschichte. “ (Verlagstext)

 

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Jon Fosse ist in Deutschland mit seinen immer recht düsteren, melancholischen und sehr poetischen Romanen, seiner Lyrik und vor allem auch seinen häufig aufgeführten Theaterstücken bekannt.“Morgen und Abend„, das schmale Buch vom Sterben eines alten Fischers, 2001 erschienen, mochte ich sehr.

Nun erscheint ein „Heptalogie“ bezeichnetes Projekt, umfasst sieben Bücher, verteilt auf drei Bände, 1550 Seiten ohne Punkt und Komma. „Langsame Prosa“ bezeichnet es der Autor selbst.

„Der andere Name“ Teil 1 +2 der Heptalogie erzählt davon: „Asle, ein Maler, lebt seit dem Jon fosse - Der andere NameTod seiner Frau allein in einem kleinen Ort bei Bjørgvin, einer Stadt, die an der Südwestküste Norwegens liegt. Er will nicht mehr malen, was er sieht, sondern will bis zu einem Punkt vordringen, der hinter dem Gegenständlichen liegt.(…) Vor dem Hintergrund der norwegischen Landschaft, dem Meer, den Fjorden, erzählt Jon Fosse in diesen ersten beiden Teilen seines siebenteiligen Opus magnum auf eindringliche, geradezu betörende Weise von den existentiellen Fragen des Lebens, von Liebe und Einsamkeit, Leben und Tod, von Licht und Schatten, Glaube und Hoffnungslosigkeit – und vom Wesen der Kunst. Alles ist immer da, nichts ist vergangen, also fließen Vergangenheit und Gegenwart in eins. „Langsame Prosa“ nennt er dieses melodiöse Buch, dabei ist sein wunderbar kreisendes, tastendes Schreiben auch bisher schon nicht hastig gewesen. Jetzt erreicht es eine neue Qualität.“ (Verlagstext)

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Per Petterson - Männer in meiner LagePer Petterson (*1952) gehört sicher zu den in Deutschland bekanntesten und am zuverlässigsten übersetzten Autoren Norwegens. Spätestens nach seinem großen Erfolg „Pferde stehlen“, der frisch verfilmt auf seinen Start im November wartet, gilt Petterson als typischer Vertreter des „norwegischen Weltschmerzes“. In seinen schmalen Romanen erzählt er ruhig und in klarer Sprache von mittel- bis ziemlich alten Männern, die sich meist vor den Verletzungen und Zumutungen der Welt zurückgezogen haben. Oft sind sie autobiografisch getönt, immer unglaublich melancholisch und düster. Mit hat das in „Pferde stehlen“ sehr gefallen, wurde mir dann aber im Verlauf mit den Büchern „Im Kielwasser“ und „Ich verflucheden Fluss der Zeit“ zu viel, so dass ich den letzten Roman nicht lesen möchte. Nun erscheint ein neuer Petterson und der scheint auch wieder ein „alter“ zu sein. Ich überlege noch.

„Keiner schreibt über private Katastrophen so diskret und behutsam wie Per Petterson – sein bestes Buch nach „Pferde stehlen“. Arvid Jansens Ehe ist gescheitert, seine Frau mit den drei Töchtern auf und davon. Sie findet neue Freunde, er nennt sie nur „die Farbenfrohen“, und er bleibt allein. Auch seine Kinder entgleiten ihm immer mehr. Arvids Weg führt steil nach unten, er scheitert als Mann, als Vater, bis er wieder zu sich kommt und seine Verantwortung für die große Tochter erkennt, die am meisten unter der Scheidung leidet. Wenn Per Petterson die Konflikte und den existentiellen Schmerz dieses Mannes beschreibt, entsteht große Literatur voll Melancholie und Zärtlichkeit.“ (Verlagstext)

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Nach den Autoren, die alle schon die Lebensmitte überschritten haben, möchte ich mich in der nächsten Folge meines Norwegen-Spezials mit der (etwas bis ganz) jüngeren Generation norwegischer Schriftsteller beschäftigen. Auch da gibt es einiges zu entdecken.

Wie immer freue ich mich über ergänzende Empfehlungen, Tipps, Anmerkungen und eure ganz speziellen Favoriten. Ganz viel Spaß beim Lesen und Entdecken!

 

Weitere Beiträge zum Norwegen-Spezial:

08.09.2019 – Norwegen als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse

15.09.2019   – Norwegische Literatur – Tradition und Moderne, Autoren und Autorinnen

22.09.2019   – Norwegischer Buchmarkt und Literaturförderung

29.09.2019   – Veranstaltungen zum Gastland Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse

06.10.2019    – Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1

13.09.2019     – Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #2

 

 

12 Gedanken zu „Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1 – Norwegen Spezial 5

  1. Hallo Petra,
    da hast du ja viel ausgegraben.
    Mein Norwegenfavorit ist Ketil Bjørnstad. Er hat einige Bücher über einen Pianisten geschrieben. Die fand ich super. Könnte ich auch mal einen beitrag zu machen…
    Am Freitag bin ich in Köln auf der langen nacht der norwegischen Literatur. Erik Fosnaes hansen kommt dazu. Sein neuer Roman wird auf jeden Fall bei mir einziehen.
    Danke für deinen Überblick.
    Viele Grüße
    Silvia

    1. Liebe Silvia, das Hummerleben wartet auch noch auf seine Lektüre. Darauf bin ich auch gespannt. Ich wünsche dir viel Spaß auf der langen Nacht. Ich hoffe, möglichst viele Autoren auf der Messe in Frankfurt zu sehen. Wirst du denn auch da sein? Viele Grüße, Petra

  2. Bei mir hat es auch mit Gaarders „Sophies Welt“ angefangen. Ich habe Gaarder gerade hier in Berlin auf dem Blauen Sofa erlebt und er ist ein uriger Kauz. Auch Christensen, Fosnes Hansen waren auf dem Blauen Sofa dabei. Das gab schöne Einblicke.
    Bei den jüngeren Autoren dürften sicher ein paar Frauen mehr dabei sein … wobei ich noch Amalie Skram im Guggolz Verlag als „klassische“ Autorin kenne.
    Viele Grüße

    1. Liebe Marina, nach Skram muss ich mal schauen, ist mir kein Begriff. Anders als du habe ich mich allerdings bislang noch nie so richtig mit norwegischer Literatur beschäftigt. Deshalb sind mir in erster Linie Werke von Autor*innen aufgefallen, die 2019 neu in Deutschland veröffentlicht werden. Im zweiten Teil ist der Frauenanteil tatsächlich bedeutend höher. Ich freue mich sehr, meine Leseeindrücke auf der Messe „visualisieren“ zu können. Kommst du vielleicht auch nach Frankfurt? Die Liste anwesender Autor*innen ist wirklich beeindruckend. Viele Grüße, Petra

  3. Liebe Petra, mir fiel beim Lesen des Artikels ein Buch ein, das ich als junges Mädchen mit Begeisterung gelesen habe und zwar Trygve Gulbranssen: Und ewig singen die Wälder. Piper, 2000, ISBN 978-3-492-22876-3…. kennst Du es auch? Ich glaube es ist sogar verfilmt worden,,,,
    Herzlich
    Angela vom Literaturgarten

  4. Obwohl meine Norwegen-Abteilung im Buchregal umfangreicher ist, sind die letzten Monate und die kommende Zeit rund um die Messe auch für mich eine große Lehrstunde in Sachen norwegischer Literatur. Auch ich lerne neue Stimmen kennen und finde es bewundernswert, mit wie viel Einsatz sich das Land mit seiner literarischen Vielfalt präsentiert. Ich hoffe, dass diese Energie auch noch einige Zeit anhält und die Verlage weiterhin einige Norweger in deutscher Übersetzung veröffentlichen. Im Übrigen lohnt es sich, sich mit Hamsun zu beschäftigen. Mein Einstieg war damals „Segen der Erde“, später habe ich meine Magister-Arbeit über ihn geschrieben. Viele Grüße

    1. Ich bin auch ganz begeistert von der Leidenschaft, wie hier Literatur präsentiert wird und habe mich absolut angesteckt. 🙂 Hamsun ist sicher lohnend, vllt. gebe ich „Hunger“ nochmal eine Chance. Ich glaube aber fast, mir liegt er nicht. LG

  5. Hallo,

    „Sofies Welt“ habe ich mit 17 gelesen und war damals sehr beeindruckt! Natürlich habe ich da noch nicht darüber nachgedacht, wie umfassend oder lückenlos die Informationen sind, die Gaarder präsentiert, das Buch hat mich einfach angefixt, in der Bibliothek mal ein paar Abstecher zu der kleinen Rubrik „Philosophie“ zu machen. Ziel erfüllt, denke ich! 🙂

    Später habe ich noch „Das Kartengeheimnis“ und „Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort“ gelesen, mit letzterem konnte ich mich allerdings nicht so recht anfreunden.

    „Viga-Ljot und Vigdis“ und „Die Spuren der Stadt“ will ich auf jeden Fall noch lesen.

    Ich habe vor kurzem festgestellt, dass ich den ersten Band von „Die Unsichtbaren“ in der Ausgabe von 2014 besitze, aber noch nicht gelesen habe… Per Petterson ist auch so ein Autor, von dem ich schon ein Buch besitze, das jedoch noch ungelesen seiner Zeit harrt. Es wird dringend Zeit für einen Backlist-Monat.

    LG,
    Mikka

    1. Liebe Mikka, auch für mich war Jostein Gaarder der erste Norweger, der einen Platz in meinem Bücheregal fand. Wie lange das schon her ist! Von Per Petterson und Erik Fosnes Hansen habe ich auch einiges gelesen. Insgesamt war aber meine Kenntnis Norwegischer Literatur eher sehr begrenzt. Umso spannender fand ich, hier mal ganz tief einzutauchen. Die Spuren der Stadt werde ich auch noch lesen, das habe ich bis zur Messe leider nicht geschafft. Tatsächlich habe ich mich, was die Menge an interessanten Titeln betrifft, leider etwas verschätzt.;) Liebe Grüße, Petra

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