Lektüre Dezember 2019

Meine Lektüre im Dezember 2019: acht Romane plus vier Romane von der Shortlist des Bloggerpreises „Das Debüt“, in dessen Jury ich mitentscheiden darf.

Einen Rückblick auf 2019 werde ich, wenn es die Zeit erlaubt, im Neuen Jahr nachliefern. Einige Titel sind auch noch zu lesen, im Februar geht es dann weiter mit Neuerscheinungen, die teilweise hier schon eingetroffen sind und ein spannendes Lesejahr auch 2020 zu versprechen scheinen.

Euch allen wünsche ich ein schönes, gesundes und glückliches Neues Jahr!

*Werbung*

Ocean Vuong Auf Erden sind wir kurz grandiosOcean Vuong – Auf Erden sind wir kurze Zeit grandios

Welch ein dringlicher, welch ein eindringlicher Roman. In seinem Debütroman wendet sich der Lyriker Ocean Vuong an seine Mutter, mit der ihn eine schwierige Beziehung verbindet. Er ist aber genauso ein Stück Selbstvergewisserung. Wer bin ich, als vietnamesisches Einwandererkind in den USA, als Sohn einer gewalttätigen, traumatisierten, liebenden Mutter, als junger Homosexueller, als angehender Intellektueller und Literat aus einer Familie, in der Bildung immer nur marginal blieb. Manchmal brutal, manchmal zart und poetisch hat Vuong versucht, dafür eine Sprache zu finden.

 

Erik Fosnes Hansen - Ein Hummerlebenerik fosnes hansen – ein hummerleben

Eine nostalgische Reise zum Beginn der 1980er Jahre in ein norwegisches Berghotel, das seine besten Zeiten schon eine Weile hinter sich hat.
Ein Hoteldirektor mit tadellosen Manieren, der für seine Gäste nur das Beste möchte, der aber unter einer schweren Form der Realitätsverweigerung leidet.
Ein altkluger Junge, der uns davon berichtet.
Erik Fosnes Hansen erzählt in „Ein Hummerleben“ eine ruhige, amüsante Geschichte, in der einiges an Tragik steckt.

 

Dana von Suffrin - Ottodana von suffrin – otto

Dana von Suffrin ist mit Otto nicht nur ein sehr schönes Debüt gelungen, so lustig wie traurig. Ihr Vater- und Familienroman ist auch vom Kiwi Verlag besonders schön gestaltet worden. Das Buch steht schon eine Weile bei mir im Regal, ich bin froh, es gerade jetzt um die Weihnachtszeit gelesen zu haben. Ich habe die Zeit mit dem knorrigen jüdischen Familientyrann und seinen Töchtern sehr gerne verbracht.

 

 

Margaret Atwood - Die ZeuginnenMargaret Atwood – Die Zeuginnen

Weit weniger literarisch, actionreicher, Mainstream tauglicher: Die Zeuginnen von Margaret Atwood, 35 Jahre nach dem Report der Magd als dessen Nachfolger mit unglaublichem Medienaufwand veröffentlicht, hat viele Leser*innen eher enttäuscht. Ich habe es trotz aller Vorhersehbarkeit als guten Unterhaltungsroman gelesen. Und die Aufmerksamkeit, die damit auf den Report und generell das Thema der immer noch grassierenden Misogynie gerichtet wird, ist allemal begrüßenswert. Und Margaret Atwood ist sowieso einfach großartig.

 

Mike McCormack – Ein ungewöhnlicher Roman über einen gewöhnlichen MannMike mccormack – eine ungewöhnliche geschichte über einen gewöhnlichen mann

Dieses Buch ist tatsächlich ein ganz außergewöhnliches. 2016  für den Man Booker Prize nominiert und vom von mir hochgeschätzten Colum McCann als einer der besten Romane des Jahres bezeichnet, scheint er mir hierzulande doch ein wenig unterzugehen. Zu Unrecht.  Seine Geschichte eines „gewöhnlichen Mannes“ ist nicht nur formal interessant – ein Gedankenstrom in einem einzigen, 260 Seiten langen Satz, was zudem noch äußerst lesbar ist -, sondern auch inhaltlich überraschend. Eine Entdeckung und Leseempfehlung!

 

Steffen Kopetzky - PropagandaSteffen Kopetzky – Propaganda

Steffen Kopetzky hat mit seinem neuen Roman etwas geschrieben, das ich schon nach wenigen Seiten als etwas empfunden habe, dessen Existenz ich meistens eigentlich bestreite – das „Jungensbuch“. Das muss ja nicht unbedingt negativ sein, vielleicht empfinde auch nur ich es so (allerdings habe ich im Feuilleton nicht eine einzige Rezension einer Kritikerin gelesen, dabei gibt es davon sehr viele – also Rezensionen meine ich). Seine Geschichte über einen Offizier der amerikanischen Propagandaabteilung, seine Begegnungen mit etlichen Berühmtheiten der damaligen Zeit wie Ernest Hemingway, J.D.Salinger, Charles Bukowski und J.F.Kennedy, um nur einige zu nennen, die äußerst grausame und verlustreiche Schlächt im Hürtgenwald in der Eifel 1944/45 und seine Rolle Jahrzehnte später, 1971, bei der Aufdeckung der Pentagon Papers istsehr gut recherchiert, hochinteressant, spannend, glänzend geschrieben. Und doch sprang der Funke auf mich Leserin nicht ganz über. Zu groß scheint mir der Respekt vor Kriegstaktik, gar „Kriegskunst“ genannt, und Heldentum, vor technischem Gerät und berühmten Namen. Dass hier nahezu keine Frauen eine Rolle spielen, versteht sich fast von selbst. Trotzdem ein großartiges Buch, dessen Nicht-Vorkommen auf der Auswahlliste zum Deutschen Buchpreis mich auch heute noch verwundert.

 

Nora Bossong - Schutzzonenora bossong – schutzzone

Auch Nora Bossong, die es immerhin auf die Longlist des Deutschen Buchpreis geschafft hat, hätte ich den Sprung auf die Shortlist vorhergesagt, den sie dann aber doch verfehlte. Dabei hat ihr Buch über eine Mitarbeiterin der UN, die sich an ihren schwierigen Einsatz bei der Bildung der sogenannten Wahrheitskommission nach den Massakern in Burundi erinnert, während sie an den Verhandlungen über eine mögliche Wiedervereinigung des geteilten Zypern mitarbeitet, das, was vielen Büchern fehlt: Relevanz und Neuartigkeit der Themen. Gleichzeitig laboriert die Ich-Erzählerin an einer Affäre mit einem ehemaligen Kindheitsfreund, der aber mittlerweile verheiratet und Vater ist. Hier liegt für mich der Schwachpunkt der glänzend geschriebenen, die Zeitebenen ineinander verschiebenden, gut recherchierten Geschichte: die Verwebung von UN-Mission und Liebesgeschichte funktioniert für mich nicht wirklich. Beide bleiben merkwürdig beziehungslos nebeneinander stehen, so als hätte ein wenig Liebesverwicklungen den „trockenen“ politischen Teil besser vermarktbar machen sollen. Schade, aber dennoch lesenswert!

 

Deniz Utlu - Gegen Morgendeniz utlu – gegen morgen

Die Geschichte von Kara und seinen Jugendfreunden Vince, Ramón und Nadia, die sehr bald ins Traum- und Wahnhafte kippt, habe ich zwar gerade beendet, es bliebt mir aber noch zu wenig Zeit, wirklich darüber zu urteilen. Es wird in den nächsten Tagen eine ausführliche Rezension dazu erscheinen.

 

 

 

Auch die von mir im Dezember gelesenen vier Debütromane für den Literaturpreis der Blogger, „Das Debüt“, in dessen Jury ich bereits zum dritten Mal mitwirken durfte,  möchte ich euch lediglich in Bild und Titel vorstellen. Unsere Wertungen werden bis Ende der Woche gesammelt und das Ergebnis am 06. Januar offiziell bekanntgegeben. Dann erscheint auch ihr auf dem Blog ein ausführlicher Beitrag zu den einzelnen Titeln. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die Ergebnisse der anderen 12 Jurymitglieder. Mein Favorit stets natürlich bereits fest.

 

Buch Nummer 2 des Jurylesens für den Bloggerliteraturpreis  :

Angela Lehner - Vater unser.

.

Angela Lehner – Vater unser

 

 

 

 

Buch Nummer 3 des Jurylesens für den Bloggerliteraturpreis  :

Katharina Mevissen Ich kann dich hören

.

.

Katharina Mevissen – Ich kann dich hören

 

 

 

Buch Nummer 4 des Jurylesens für den Bloggerliteraturpreis  :

Ana Marwan - Der Kreis des Weberknechts

.

.

Ana Marwan – Der Kreis des Weberknechts

 

 

 

Buch Nummer 5 des Jurylesens für den Bloggerliteraturpreis  :

Nadine Schneider - Drei Kilometer.

.

Nadine Schneider – Drei Kilometer

 

 

 

 

 

Bild von Taweesak Chansawatwirot auf Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.