Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel – Singular Plurality-Singulier Pluriel

*Werbung/Kooperation   und Verlosung!

Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Bald ist es nun endlich soweit und das Literaturland Kanada ist nach dem pandemiebedingt im vergangenen Jahr nur virtuell stattgefundenen Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2021 zu Gast. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich auf eine kleine literarische Reise begeben, auf die ich euch gerne mitnehmen möchte. Der leider 2017 bereits verstorbene Autor Richard Wagamese war für mich mit Der gefrorene Himmel eine Entdeckung, die ich hier gerne teilen möchte.

Ihr habe die Chance, dieses beeindruckende Buch zu gewinnen. Teilnahmebedingungen findet ihr am Ende dieses Beitrags.

Richard Wagamese
Richard Wagamese © Linda McRae
Richard Wagamese

Richard Wagamese, geboren 1955 im Nordwesten Ontarios, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Kanadas und indigenen Stimmen der First Nations. Er gehörte dem Volksstamm der Ojibwe an und arbeitete seit den 1980er Jahren als Journalist. 1994 erschien sein erster Roman  Keeper’n Me (erscheint am 18. Oktober in deutscher Übersetzung unter dem Titel Der Flug des Raben bei Blessing), dem 14weitere Bücher, für die er vielfach ausgezeichnet wurde, folgten. Sein Buch Indian Horse wurde 2017 prominent verfilmt und erschien im vergangenen Jahr unter dem Titel Der gefrorene Himmel auf Deutsch in der Übersetzung von Ingo Herzke ebenfalls bei Blessing. Er ließ sich in Kamloops, British Columbia, nieder, wo ihm später von der Thompson Rivers University die Ehrendoktorwürde verliehen wurde. Richard Wagamese verstarb im Jahr 2017.

Viele der Bücher von Richard Wagamese handeln von seinem eigenen Leben, seinen indigenen Wurzeln, seiner schwierigen Kindheit und Jugend. Auch in Der gefrorene Himmel flossen seine eigenen Erfahrungen mit ein. 2012 im Original erschienenen, trug er damit zur Debatte um die Residential Schools bei. Vorbild für den Hauptprotagonisten Saul Indian Horse war der kanadische Profi-Eishockeyspieler Frederick Sasakamoose (1933 – 2020), einer der ersten indigenen Spieler der NHL.

Saul

Saul, der Protagonist von Der gefrorene Himmel ist, wie der der Autor, ein Angehöriger des Stammes der Ojibwe. Seine Familie lebt in den Wäldern im nordwestlichen Ontario. Die Eltern, Onkel und Tanten sind gezeichnet von ihren Jahren in den Residential Schools und haben sich in die „Wildnis“ zurückgezogen, um ihre Kinder vor dem Zugriff staatlicher Stellen zu schützen. Die Residential Schools, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet und vorwiegend von kirchlichen Trägern geführt, sollten als Internate der Erziehung von indigenen Kindern dienen.

Sauls Schwester Rachel wurde als Sechsjährige noch vor seiner Geburt in eine solche Residential School gebracht, seinen Bruder Benjamin erwischten die staatlichen Stellen trotz des Lebens weit ab jeglicher Zivilisation 1957 in Kenora. Da war er acht und Saul vier Jahre alt.

God´s Lake Manitoba
God´s Lake Manitoba by Lee Prouten (CC BY-NC 2.0) via Flickr

Die Eltern verfallen daraufhin immer mehr dem Alkohol der „Zhaunagush“, wie sie die Weißen nennen, und ziehen aus diesem Grund wieder näher an die Sägewerkstätten, in Zeltlager nahe Minaki oder Redditt. Dort findet sie 1960 Benjamin, der aus der Schule fortgelaufen ist. Auf Betreiben der Großmutter Naomi siedelt die Familie wieder weit außerhalb, um den Behörden zu entgehen. Doch Benjamin ist gezeichnet, er hat Tuberkulose und überlebt den Herbst nicht. Um ihm ein christliches Begräbnis zu ermöglichen, fahren die Eltern wieder in die Siedlung und lassen Großmutter und Saul zurück.

Eine gefährliche Reise

Der herannahende Winter zwingt sie, sich mit dem letzten verbliebenen Kanu und den wenigen Vorräten ihrerseits auf den Weg machen. Die Großmutter wird die Reise nicht überleben. Für Saul bedeutet dies: Residential School.

Saul Indian Horse leidet unter dem grausamen Regiment der Pater und Nonnen und seiner Einsamkeit, übersteht die Zeit aber verhältnismäßig gut dank seiner ruhigen Art, den Büchern, die er für sich entdeckt – und dem Eishockey, für das er eine große Begabung zeigt. Pater Leboutilier, selbst Eishockey-Enthusiast, fördert ihn und ermöglicht ihm die Teilnahme an Turnieren. Die Eisfläche wird für Saul zu seinem „gefrorenen Himmel“ – ein ganz wundervolles Bild.

The Indian Residential School hockey team of Maliotenam, Quebec
The Indian Residential School hockey team of Maliotenam, Quebec by  BiblioArchives / LibraryArchives (CC BY 2.0) via Flickr

Saul findet eine liebevolle indigene Pflegefamilie, entgeht aber trotz seines Talents nicht zahlreichen Anfeindungen im oft völlig „weißen“ Eishockeysport. Seine Karriere scheitert. Und erst nach einem persönlichen Absturz in Alkohol- und Drogensucht und letztendlich der Rückkehr an den alten Ort der Schule erkennt der erwachsene Saul, dass er einige Traumata bisher verdrängt hat.

„Der Mond hing über mir am Himmel wie das Fell einer Trommel. Als ich ihn länger anschaute, wurde er zu einer glänzenden Eisfläche, auf der Indianerjungen in abgelegten Schlittschuhen sich lachend der Aufregung des Spiels hingaben, und der Kleinste von ihnen sauste in viel zu großer Ausrüstung zwischen ihnen hin und her.“

Richard Wagamese erzählt die Geschichte von Saul Indian Horse in Der gefrorene Himmel in einer klaren, besonders in den Naturschilderungen sehr intensiven, am traditionellen Erzählen geschulten Sprache. Er bleibt immer nah bei Saul. Das ist sehr bewegend, ohne jemals rührselig zu werden. Ein Schuss Mystik fließt in die Erzählung unaufdringlich ein. Das macht den Roman nicht nur zu einem aufklärenden, dringlichen Stück Literatur, sondern auch zu einem wahren Meisterwerk (indigener) kanadischer Literatur.

In der nächsten Woche möchte ich einen weiteren großartigen kanadischen Roman näher und als Abschluss der kleinen Reihe eine Vielzahl von lesenswerten Büchern kurz vorstellen. Seid gespannt! Und dann gilt: Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Wer sich schon vor Beginn der Messe ein wenig informieren möchte, dem sei das digital verfügbare Literaturmagazin zum Download empfohlen. Hier finden sich auch ausführliche Listen der Neuerscheinungen kanadischer Autor:innen.

Auch auf der Lovelybooks-Seite von Canada FBM2021 gibt es einen Überblick über die in deutscher Sprache erschienenen Bücher aus Kanada.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite von Canada FBM 2021.

 

*dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Canadafbm2021.com

 

Beitragsbild: God´s Lake by Lee Prouten (CC BY-NC 2.0) via Flickr

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Neugierig geworden? Nun könnt ihr dieses beeindruckende Buch gewinnen.

Schreibt mir einen Kommentar unter diesem Post und erzählt mir, welche(n) kanadische(n) Autor:in ihr besonders mögt. Oder kommentiert auf Instagram, wo das Gewinnspiel parallel läuft.

Teilnehmen könnt ihr bis Donnerstag, den 14.10.2021 um 23:59 Uhr – die Auslosung erfolgt dann am Freitag darauf.    Viel Glück!

Teilnahmebedingungen:

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Teilnahmeberechtigt ist jede natürliche Person mit Wohnsitz in Deutschland, minderjährige Teilnehmer:innen benötigen für die  Einwilligung der Erziehungsberechtigten.

Die Teilnehmer*innen sind damit einverstanden, dass der Name veröffentlicht wird. Nach der Gewinnmitteilung muss die Gewinnerin/ der Gewinner mir zeitnah eine Versandadresse zukommen lassen. Die Daten werden nach dem Versand gelöscht. Eine Haftung für den Postweg ist ausgeschlossen. Barauszahlung ist ausgeschlossen

Durch die Teilnahme an der Aktion akzeptiert die Teilnehmer*in diese Teilnahmebedingungen.

Canada FBM2021 und das Projekt “Kanada als Ehrengast” stehen nicht im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel.

 

Update:  

Das Gewinnspiel ist beendet und wurde ausgelost. Richard Wagamese „Der gefrorene Himmel“ geht an: Ellinor 1001and more! Herzlichen Glückwunsch!!!

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Richard Wagamese - Der geforene Himmel.

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Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel
Aus dem Amerikanischen von Ingo Herzke
Blessing März 2021, Hardcover mit Schutzumschlag, 256 Seiten, € 22,00

6 Gedanken zu „Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel – Singular Plurality-Singulier Pluriel

  1. Ich habe große Lust bekommen, dass Buch sofort zu lesen. Die Geschichte hört sich ergreifend, tragisch und äußerst relevant an.

    Aus sentimentalen Gründen möchte ich Lucy Maud Montgomery nennen. Ich erlebe gerade, wie meine 9-jährige Tochter vollkommen in der Welt der Anne-Bücher aufgeht. Sie hat auf die Reihe jetzt sogar schon zweimal gelesen – einmal auf Deutsch und einmal auf Schwedisch. Genau Anne damals mein Herz erobert hat, ist sie jetzt für meine Tochter eine Ikone. Ein bisschen feministisch, ein bisschen kitschig, ein bisschen humoristisch! Und ein Klassiker!

    1. Ich bin tatsächlich völlig ohne Anne aufgewachsen, aber etwas in der Geschichte muss wirklich sehr faszinierend sein. Schön, dass du deine Liebe zu ihr an deine Tochter „vererben“ konntest. Viele Grüße, Petra

  2. Wer sie noch nicht kennt – die kanadischen Autorinnen und Autoren sind eine Entdeckung, angeführt sicher von Alice Munro, der Nobelpreisträgerin von 2013. Zum Glück gibt es jetzt in Deutschland immer mehr gute Übersetzungen der indigenen SchriftstellerInnen. Sie teilen in ihren Büchern Erfahrungen, eigene und die ihrer Eltern und Großeltern, die mit keinen anderen Erfahrungen zu vergleichen sind. Und die nach wie vor stark verbunden sind mit der Natur. Die unbarmherzigen Priester und ihre Gehilfinnen der Residential Schools konnten das nicht unterdrücken. So bin ich gespannt und neugierig auf das Buch von Richard Wagamese, denn mit ihm und Anderen seines Volkes wird die Geschichte von Kanada neu geschrieben.

    Ein weiteres Buch, das dass Leben der First Nation an der Ostküste in den vierziger Jahren des 20.Jahrhunderts nahe bringt und das ich empfehlen möchte ist das Buch der Malerin Emily Carr: „Klee Wyck – die, die lacht“. Erschienen im Verlag das kulturelle Gedächtnis.

    1. Danke für den Tipp. Ich finde es auch sehr spannend, was in den vergangenen Jahren gerade auch an indigener Literatur erschienen ist. Dafür sind Gastlandauftritte wirklich ideal – aufmerksam zu machen. Viele Grüße!

  3. Hallo, vielen Dank für den Buchtipp!
    Ich habe von Richard Wagamese noch nichts gelesen und würde mich über dieses Buch freuen. Schaut man weiter in der kanadischen Literatur, dann kann ich z.B. die indigene Schriftstellerin Naomi Fontaine wärmstens empfehlen.

    Grüße!Steffi

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