Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse – Singular Plurality-Singulier Pluriel

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Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Nun ist es endlich soweit. Die Frankfurter Buchmesse 2021 öffnet heute ihre Tore und präsentiert das Gastland Kanada, seine Autoren und seine Literatur. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich in den letzten Wochen auf eine kleine literarische Reise begeben, die ich heute mit einem kleinen Überblick über Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse in Deutschland, die mir besonders aufgefallen sind, die ich mochte und euch empfehlen kann, beenden möchte.

  Über 350 Titel wurden in den letzten beiden Jahren, auch anlässlich des für 2020 geplanten und dann in Präsenz auf 2021 verschobenen Gastlandauftritts Kanadas, in Übersetzungen neu in Deutschland veröffentlicht. Der kanadische Messeauftritt wirbt für die Vielfalt kanadischer Stimmen der französischsprachigen, der englischsprachigen und der indigenen Literatur. Zahlreiche Autor:innen sind aus Kanada angereist, um ihre Werke in Frankfurt zu präsentieren, andere werden zu Veranstaltungen live zugeschaltet.

  Ich habe bereits im vergangenen Jahr begonnen, mich verstärkt bei kanadischer Literatur in deutscher Übersetzung umzuschauen. Bis dahin hatte auch ich vor allem die “großen” Namen im Kopf. Allen voran vielleicht Margaret Atwood. Ihr bin ich 2019 auf der Frankfurter Buchmesse mehrmals begegnet, beispielsweise bei der Literaturgala und bei der Übergabe der Gastlandrolle an Kanada. Nicht nur eine großartige Autorin, sondern eine ausgesprochen sympathische, kluge und humorvolle Frau, die im November ihren 82. Geburtstag feiern wird. Dieses Jahr wird sie digital zur Canada Night der Frankfurter Buchmesse zugeschaltet.

Margaret Atwoods bekanntester Roman, der kaum etwas von seiner Aktualität verloren hat, ist sicher The Handmaid’s Tale/Report der Magd, das 2017 in einer ganz besonders schönen Ausgabe neu aufgelegt wurde. 2019 erschien dann eine Art Fortsetzung des Stoffs mit Die Zeuginnen und eine Graphic Novel von Renée Nault.

Im Gegensatz zum eher nachdenklichen Report der Magd ist Die Zeuginnen deutlich handlungsbetonter und actionreicher und steuert auf einen rasanten Schlusspunkt zu. Es gleicht dadurch mehr einer Abenteuergeschichte als einer gedankenreichen Dystopie. Vieles wird erklärt, was in seinem Vorgänger wohltuend offen blieb. Auch literarisch ist es deutlich schlichter. Deshalb gleich zu Beginn der Rat, die beiden Bücher trotz ihrer engen Verwandtschaft nicht direkt miteinander zu vergleichen. Denn dann würde man als begeisterte Report der Magd-Leserin sicher eher enttäuscht zurückbleiben. Als intelligenter, engagierter Unterhaltungsroman kann Die Zeuginnen aber auf jeden Fall bestehen. Und lenkt auf begrüßenswerte Weise die Aufmerksamkeit erneut auf seine Vorgängergeschichte als auch auf die wunderbare, engagierte Margaret Atwood. Ihr Thema bleibt die Gewalt und der Hass, der Frauen unbegreiflicherweise und anscheinend unausrottbar immer wieder entgegengebracht wird.

  Der andere “große” Name, der im Zusammenhang mit kanadischen Autor:innen immer wieder fällt, ist der der Nobelpreisträgerin von 2013 Alice Munro. Ihre perfekten Kurzgeschichtensammlungen sind auf Deutsch bei S. Fischer und Dörlemann erschienen und wirklich alle zu empfehlen. Wer Alice Munro noch nicht für sich entdeckt hat, sollte das anlässlich des Gastlandauftritts unbedingt nachholen.

  Eine kanadische Autorin, deren Werke ich bereits seit einer geraumen Zeit sehr feiere, ist Kim Thúy. Als Kind mit den Eltern 1978 als Boat People nach Kanada gekommen, lebt sie seitdem in Montréal und steht für mich beispielhaft für die vielen migrantischen Stimmen, die die kanadische Literatur bereichern. Ihre schmalen, autobiografisch geprägten Romane sind leise, poetisch und zart. Die vietnamesische Küche spielt in ihnen immer eine Rolle. Kein Wunder, denn Kim Thúy war auch als Gastronomin und Gastrokritikerin für Radio und Fernsehen tätig. 2019 erschien dann auch ein authentisches Kochbuch Das Geheimnis der vietnamesischen Küche.

Der Klang der Fremde, Der Geschmack der Sehnsucht und Die vielen Namen der Liebe heißen ihre drei bisher auf Deutsch veröffentlichten Romane, unlängst erschien Großer Bruder, kleine Schwester, das auch sehr vielversprechend klingt.

Kim Thúy - Großer Bruder, kleine SchwesterAus der Verlagswerbung: “Die Liebe zwischen Alexandre und Mai, einem französischen Plantagenbesitzer und einer vietnamesischen Widerstandskämpferin, begann mit Gewalt. Das Glück kam unvorhergesehen und währte kurz, den Angriff auf Alexandres Plantage überlebt nur ihre Tochter Tam.
Auf den Straßen Saigons schlägt sich Louis durch, Sohn einer Vietnamesin und eines schwarzen GIs, der schon mit sechs Jahren die Kunst des Taschendiebstahls beherrscht. Eines Tages findet er ein ausgesetztes Baby mit reisfeldgrünen Augen. Liebevoll kümmert er sich um das Mädchen und nennt es Em H\x1Ang, doch das Kriegsende reißt sie auseinander.
Jahrzehnte später begegnet Emma-Jade auf dem Flughafen einem Mann, der ihr zugleich so ähnlich ist und doch so fremd. Woher kennen sie sich?
Inspiriert von der Operation Babylift, bei der 1975 vietnamesische Kinder ohne Eltern ins Ausland geflogen wurden, erzählt Kim Thúys Roman in so knappen wie atmosphärischen Bildern von dem Schicksal dieser Kinder. Sie leben mit den traumatischen Erinnerungen in fremden Ländern, meist in Adoptivfamilien, und müssen eine eigene Identität und Zugehörigkeit finden.

  Aber natürlich habe ich auch neue Autor:innen entdeckt, die ich euch gern empfehlen möchte. Hier eine Auswahl der kanadischen Romane, die ich in den letzten zwei Jahren kennengelernt habe:

Aude - Das Wanderkind

Aude – Das Wanderkind

Eine Frau erwartet Zwillinge. Der Nachwuchs ist langersehnt, aber schon bald zeichnen sich Probleme ab. Der eine Zwilling wächst nicht weiter, der andere Embryo scheint sich regelrecht von ihm zu “ernähren”. Bald scheint “der Kleine” nicht mehr zu leben. Die Überraschung ist groß, als dann doch zwei lebende Babys zur Welt kommen. Hans und “der Kleine” behalten ein Leben lang eine besondere, symbiotische Beziehung zueinander, in der die Rollen aber keineswegs so fest verteilt sind, wie es scheint.

Ein feiner, kleiner Roman von der frankokanadischen Schriftstellerin Aude, die bereits 2012 verstarb.

 

Nadia Bozak - Der Junge

Nadia Bozak – Der Junge

Ort und Zeit des Geschehens sind fiktiv und ein wenig dystopisch, erinnern aber stark an das US-amerikanisch-mexikanische Grenzland. In der Wüste hier versuchen vor allem minderjährige “braune” Jungen, in den verheißungsvollen Norden zu gelangen. Nicht nur eine im Bau befindliche Mauer versperrt ihnen den Weg, sondern auch die heiße, menschenfeindliche Wüste. Schleuser verdienen sich ihr Geld mit den Migrationswilligen, lassen sie nicht selten in der Wüste zurück und schicken sie damit in den sicheren Tod. Kopfgeldjäger jagen diejenigen, denen die Flucht dennoch gelungen ist, misshandeln, quälen sie und kassieren von staatlichen Behörden Prämien. In dieser Szenerie treffen eine Weiße auf der Suche nach ihrer in der Wüste verschwundenen Mutter und ein junger Migrant, der nun auch als Schleuser arbeitet, aufeinander. Dazu kommt die alte Hündin der Mutter, die eine eigene Perspektive erhält. Atmosphärisch stark und spannend!

Nadia Bozak lehrt Creative Writing an der Carleton University/Ottawa. Der Junge ist das erste von ihr auf Deutsch erschienene Buch, Teil einer geplanten Trilogie über Grenzen und Grenzerfahrungen.

 

Michael Crummey - DIE UNSCHULDIGEN

Michael Crummey – Die Unschuldigen

Ein historischer Roman aus der Zeit um 1800, in dem die See eine große Rolle spielt, ist Michael Crummeys Die Unschuldigen. Das Meer ist für die Bewohner der abgelegenen kanadischen Bucht weit oben in Neufundland Lebens- und Nahrungsquelle und Bedrohung zugleich. Zweimal im Jahr kommt ein Versorgungsschiff vorbei, ansonsten ist man auf sich selbst angewiesen, meilenweit von der nächsten Siedlung entfernt, oft genug von Eis und Schnee völlig eingeschlossen. Als in kurzem Abstand die kleine Schwester, Vater und Mutter versterben, sind Ada und Evered, knapp zehn und zwölf Jahre alt, völlig auf sich gestellt. Sie lernen, mit der Natur und der anfallenden Arbeit fertigzuwerden, überstehen harte Winter, meistern schwierige Situationen. Aber da sind auch noch die verwirrenden Gefühle der Heranwachsenden.
Michael Crummey hat es geschafft, mich auf diese abenteuerliche Reise in Raum und Zeit mitzunehmen. Das Buch ist ruhig und doch dramatisch, spannend und authentisch.

Michael Crummey wird in Frankfurt vor Ort sein, ich freue mich auf diesen Autor.

 

Esi Edugyan - Washington Black

Esi Edugyan – Washington Black

Esi Edugyan, deren Eltern aus Ghana stammen, konnte ich bereits 2019 in Frankfurt erleben. Sie stellte dort ihre rasante, Kontinente umspannende Abenteuergeschichte Washington Black vor. Der Roman stand 2018 auf die Shortlist des Man Booker Prize und gilt als einer der erfolgreichsten des Jahres 2018.

Er beginnt 1832 auf Barbados: Der elternlose Sklavenjunge Washington Black arbeitet dort auf einer Zuckerrohrplantage, als er auserwählt wird, dem Erfinder Christopher “Titch” Wilde zu dienen. Titch verhilft dem Jungen zur Flucht in einem selbstgebauten Luftschiff, dem “Wolkenkutter”. Es geht in den hohen Norden, wo Titch verschwindet, und dann nach Nova Scotia, wo Washington Bekanntschaft mit einem berühmten Meeresforscher und dessen Tochter macht. Der ist begeistert von den Zeichenkünsten des Jungen und nimmt ihn schließlich mit nach London. Aber auch das ist nicht der Endpunkt dieser unterhaltsamen, fantasievollen Geschichte über Identität und Freiheit in abenteuerlichem Gewand.

 

Das Geschenk des Lebens von Sarah Leipciger

Sarah Leipciger – Das Geschenk des Lebens

Auch wenn die kanadische Autorin Sarah Leipciger es nicht ganz schafft, ihre drei Erzählebenen ganz zwingend zusammenzuführen, sondern im nur weiteren Sinn das Thema Leben, Atmen bzw. nicht mehr atmen können über allem steht, ist Das Geschenk des Lebens ein sehr lesenswertes Buch. Es erzählt von der Inconnue de la Seine, die am Ende des 19. Jahrhunderts in Paris ihrem Leben ein Ende setzte, vom Entwickler der Resusci-Anne, der Puppe, an der Wiederbelebungstechniken geübt werden, und von Anouk, die an Mukoviszidose leidet und auf eine Lungentransplantation wartet. Besonders der letzte Erzählstrang hat mir sehr gefallen.

Sarah Leipciger wurde in Kanada geboren und ist dort aufgewachsen, lebt zur Zeit aber mit ihrer Familie in London.

 

Lisa Moore Fremde Hochzeit

Lisa Moore – Fremde Hochzeit

Fremde Hochzeit versammelt elf Erzählungen der neufundländischen Autorin in einem Band. Eher knapp und lakonisch schreibt sie über Beziehungen, bürgerliche Existenzen und ihre kleinen und großen Dramen. In ihrer Wirklichkeitsnähe und der Beiläufigkeit, mit der sie darüber schreibt, erinnert sie an Alice Munro. Eine schöne Entdeckung!

 

 

Brian Moore - Schwarzrock

Brian Moore – Schwarzrock

Kanada im 17. Jahrhundert. Für die Siedler sind die Ureinwohner einfach nur “die Wilden”, für die dorthin abberufenen Jesuitenpater ist jede getaufte Seele ein Schritt näher zum Paradies. Alle meinen, richtig zu handeln. Wie unvereinbar und schlichtweg für die andere Seite unverständlich die dort aufeinanderprallenden Kulturen waren, erzählt Brian Moore in seinem bereits 1985 erschienenen Schwarzrock. Die frommen Männer, die asketisch und ohne jede fleischliche Lust auf ein Jenseits hinleben, sind den indigenen Algonkin noch unverständlicher als die Handel treibenden Weißen, die keinerlei spirituelle Verbindung zur Natur zu besitzen scheinen und diese gnadenlos ausbeuten. Die völlig aufs Diesseits gerichteten, der belebten und unbelebten Natur tief verbundenen Stämme, die völlig mitleidlos und teils noch kannibalistisch mit ihren Feinden umgehen, erscheinen wiederum den Einwanderern barbarisch.
Brian Moores Roman ist schonungslos, manchmal ungeheuer brutal, ergreift aber nie für eine der Seiten Partei. Ein klassischer, spannender Abenteuerschmöker mit Substanz.

Brian Moore siedelte als junger Mann von Irland nach Kanada über und wurde kanadischer Staatsbürger. Seit den späten 1960er Jahren lebte er in Kalifornien, wo er 1999 mit 77 Jahren starb.

 

Ohlin, Alix Robin und Lark

Alex Ohlin – Robin und Lark

Alix Ohlin erzählt die Kindheit und Jugend der Schwestern Robin und Lark aus der Ich-Perspektive der älteren Schwester, die stets als Vernünftige für ihre kreative, aber unstete Schwester sorgen musste, da die Mutter dies mehr oder weniger verweigerte. Als Lark aufs College in die USA geht und Robin in Montréal zurückbleibt, trennen sich ihre Wege vorübergehend. Als Robin als Pianistin zum berühmten Musikkonservatorium Juilliard in zugelassen wird, ziehen beide in New York zusammen. Das Buch handelt von Larks heftigem Kinderwunsch und Robins Leidenschaft für Wölfe.
Es ist ein nachdenkliches, sanftes, ruhiges Buch über eine „unauflösbare Verbundenheit“. Als Leser:in bleibt man am Ende aber ein wenig ratlos zurück, was einem dieses Buch außer einer Schwesterngeschichte eigentlich erzählen will. Trotz des genauen Blicks darauf und des angenehmen Tons ist das nicht ganz zufriedenstellend.

 

eric plamondon-taqawan

Éric Plamondon – Taqawan

Taqawan spielt in den 1980er Jahren in der Nähe von Québec unter den First Nations. Hier leben die Mi´gmaq in Reservaten. Und hier sollen ihnen die Fangrechte für Lachs – den “Taqawan” – entzogen werden, vorgeblich aus Naturschutzgründen. In der brodelnden Atmosphäre der Proteste dagegen wird die junge Mi´gmaq Océane vergewaltigt. Nur der ehemalige Ranger Leclerc scheint sich für den Fall und das Mädchen, das alsbald in größte Gefahr gerät, zu interessieren.

Tolle Mischung aus spannendem Krimiplot – der sich allerdings nur langsam entfaltet, um dann in einem Show-Down zu enden- und Wissenswertem über die Kolonisierung Kanadas, die Kultur, Lebenswirklichkeit und Schwierigkeiten der First Nations.

Éric Plamondon, geboren 1969 in Québec, lebt seit 1996 in Frankreich.

 

Steven Price - Der letzte Prinz

Steven Price – Der letzte Prinz

Der Kanadier Steven Price schreibt einen Roman über den alternden, von Krankheit gezeichneten Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa. Der Sizilianer ist der letzte Fürst von Lampedusa. Kinderlos, wird dieser Titel nach seinem Tod verloren gehen. Durch die Adoption des jungen Gioacchino Lanza wählt er seinen Erben. STomasi di Lampedusas bedeutendste Hinterlassenschaft ist sicher der Roman “Der Leopard“. Zunächst von verschiedenen Verlagen abgelehnt, konnte er erst nach dem Tod des Fürsten erscheinen und gehört seitdem zu den großen italienischen Klassikern. Steven Price erzählt von den letzten Jahren Tomasi di Lampedusas leise, empathisch und stimmungsvoll. Hat mir sehr gefallen.

Steven Price stammt aus British Columbia und ist mit Esi Edugyan verheiratet.

 

Tanya Tagaq - Eisfuchs

Tanya Tagaq – Eisfuchs

Tanya Tagaq gewährt mit „Eisfuchs“ einen Einblick in eine ganz eigene, zutiefst fremdartige und irritierende Gedanken- und Lebenswelt. Nichts an den Kindheits- und Jugenderinnerungen der jungen Inuk, die Ich-Erzählerin ist, ist exotisch, liebenswert, freundlich. Es ist eine kalte, gewaltvolle Welt, in die sie uns führt. Tagaq hat sie aus Erinnerungen, Tagebüchern aus Schulzeiten und Traumtagebüchern hervorgeholt. Mythen der Inuit, Animismus und Geisterwelt, flirrend surreale Traumsequenzen und harte Alltagsbeobachtungen – die Autorin fügt sie zu einer Collage aus kurzen Erzählungen, Gedichten und Vignetten zusammen, ergänzt durch stark reduzierte Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Jaime Hernandez.
Das ist trotz aller Poesie und Naturzeichnung nicht schön zu lesen, sondern hart und gewaltvoll, aber auch sehr dringlich und unmittelbar. Ein faszinierender Blick in eine fremdartige Welt.
Gewidmet hat Tanya Tagaq „Eisfuchs“ den „verschwundenen und ermordeten indigenen Frauen und Mädchen Kanadas, und Überlebenden der Residential Schools.“

 

Madeleine Thien - Sag nicht, wir hätten gar nichts

Madeleine Thien – Sag nicht, wir hätten gar nichts

2017 war dieser Roman von Madeleine Thien über 60 Jahre chinesische Geschichte ein absolutes Lesehighlight für mich. Mittlerweile liegt es als Taschenbuchausgabe vor. Es geht um das Leben in Unfreiheit, Unterdrückung vielversprechender musikalischer Talente, Verfolgung von Individualismus, Bildung und Bürgertum während Maos Kulturrevolution, die vorsichtige Öffnung Chinas danach und der Zusammenbruch aller Hoffnungen auf demokratische Erneuerung auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989.

Ein eindrucksvolles Panorama, eine Freundschafts- und Familiengeschichte, ein Roman über Unterdrückung, Widerstand und Anpassung und einfach ein meisterhaftes Stück Literatur. Sehr zu empfehlen!

Madeleine Thien wurde 1974 in Vancouver, British Columbia, geboren. Ihre Eltern stammen aus Malaysia und China und emigrierten in den 1960ern nach Kanada. Für ihren Roman »Flüchtige Seelen« wurde Thien 2015 mit dem LiBeraturpreis von Litprom ausgezeichnet, kam 2016 auf die Shortlist des Man Booker Prize und wurde ausgezeichnet mit dem Governor General’s Literary Award und dem Scotiabank Giller Prize, den höchsten Literaturpreisen Kanadas. Madeleine Thien lebt in Montreal.

 

   Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser kleinen Auswahl neugierig machen auf ein vielfältiges und großartiges Literaturland. Ich werde heute auf der Buchmesse den Gastlandpavillon besuchen und vielleicht noch mehr Entdeckungen machen. Gerne teile ich die mit euch in weiteren Posts.

Bis dahin gilt: Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

 

Wer sich ein wenig informieren möchte, dem sei das digital verfügbare Literaturmagazin zum Download empfohlen. Hier finden sich auch ausführliche Listen der Neuerscheinungen kanadischer Autor:innen.

Auch auf der Lovelybooks-Seite von Canada FBM2021 gibt es einen Überblick über die in deutscher Sprache erschienenen Bücher aus Kanada.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite von Canada FBM 2021.

 

 

 

 

 

 

 

 

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