Andreas Moster – Kleine Paläste

„Es ist nicht das erste Mal, dass der Hund versucht, mich zu ermorden.“ Was für ein erster Satz, der sofort auf den neuen Roman von Andreas Moster, Kleine Paläste, neugierig macht. Und es ist nicht gespoilert, wenn ich verrate, dass es Lupus, sollte es wirklich seine Absicht gewesen sein, gelingt. Schon zu Beginn liegt Sylvia zerschmettert am Fuß der Treppe, die sie, über den dort liegenden Bullmastiff stolpernd, hinuntergestürzt ist, während ihr dementer Mann Carl im Wohnzimmer vor dem Fernseher im Rollstuhl sitzt. Weiterlesen “Andreas Moster – Kleine Paläste”

Roy Jacobsen – Die Kinder von Barrøy

Als 2019 Norwegen Gastland der Frankfurter Buchmesse war, erschienen, auch durch die tatkräftige Unterstützung der norwegischen Literaturförderung, zahlreiche großartige Romane neu in deutscher Übersetzung. Ich habe viele Autor:innen für mich entdeckt und eindrückliche Bücher gelesen. Eines davon war die Insel-Saga von Roy Jacobsen, deren ersten drei Teile unter dem Titel Die Unsichtbaren 2019 von C.H.Beck in einem Band zusammengefasst wurden. Die Geschichte der Bewohner von Barrøy, und hier vor allem von Ingrid, vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg war packend, informativ und sprachlich sehr gelungen. Sehr habe ich mich auf den vierten Teil des Epos von Roy Jacobsen gefreut, der nun als Die Kinder von Barrøy, ebenfalls bei Beck in der Übersetzung von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann erscheint. Weiterlesen “Roy Jacobsen – Die Kinder von Barrøy”

Kim Thúy – Großer Bruder kleine Schwester

Kim Thúy war zehn Jahre alt, als sie 1978 mit ihren Eltern als sogenannte „Boat People“ aus Vietnam nach Kanada floh. Dort studierte sie Recht und Sprachwissenschaften, arbeitete als Rechtsanwältin, Übersetzerin und als Gastronomin, wovon ihr wunderbar persönliches Kochbuch Das Geheimnis der vietnamesischen Küche zeugt. Und Kim Thúy begann 2009 schmale, zarte, autobiografisch inspirierte Romane zu schreiben, Der Klang der Fremde (2009), Der Geschmack der Sehnsucht (2013) und Die vielen Namen der Liebe (2016). Bereits 2019 konnte ich die Autorin in Leipzig treffen und bin seitdem ein großer Fan dieser herzlichen, klugen und engagierten Frau. Anlässlich des Gastlandauftritts Kanadas zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse war Kim Thúy mit ihrem neuen Buch Großer Bruder kleine Schwester Mitglied der Delegation vor Ort. Weiterlesen “Kim Thúy – Großer Bruder kleine Schwester”

Lektüre Oktober 2021

Reichlich spät bin ich diesmal dran mit dem Rückblick auf die Lektüre im Oktober 2021. Das liegt zum einen bestimmt an der Buchmesse (Kanada-Kooperation im Vorfeld und dann eine komplette Woche Messe an sich), zum anderen an Renovierungsarbeiten hier (mein Lesezimmer ist komplett neu ♥) und einem Garten, der dringend winterfest gemacht werden musste. Gelesen habe ich natürlich dennoch und hier kommt nun der Rückblick. Weiterlesen “Lektüre Oktober 2021”

Sven Regener – Glitterschnitter

Zwanzig Jahre nachdem Sven Regener 2001 mit Herr Lehmann sein Berliner Universum rund um die Wiener Straße eröffnet hat, legt er mit Glitterschnitter nun bereits den sechsten Roman mit Frank Lehmann, Karl Schmidt, Kneipenbesitzer Erwin Kächele, Hausbe-setzer/sitzer P.Immel und Aktionskünstler H.R.Ledigt vor. Wieder setzt er dem Berlin der 1980er Jahre, der Stadt in der „alles möglich war“, den Träumern, Verweigerern und Lebenskünstlern, die es bevölkerten, ein so witziges wie nachdenkliches Denkmal. Weiterlesen “Sven Regener – Glitterschnitter”

Nella Larsen – Seitenwechsel und Wallace Thurman – The blacker the berry

Die afroamerikanische Künstlergruppe „Harlem Renaissance“ der 1920er Jahre erlebt zurzeit ihrerseits eine kleine Renaissance. Gleich mehrere Romane aus ihrem Umfeld sind unlängst wieder/neu auf Deutsch erschienen: Die Hochzeit von „Nesthäkchen“ Dorothy West (1907-1998), erstmals veröffentlicht 1995, bei Hoffmann und Campe; The blacker the berry von Wallace Thurman (1902-1934), erstmals veröffentlicht 1929, bei Ebersbach und Simon; Seitenwechsel von Nella Larsen (1891-1964), ebenfalls aus dem Jahr 1929, bei Dörlemann. Die aktuelle Verfilmung von Letzterem durch Rebecca Hall startet gerade auf Netflix.

Alle drei Romane bestechen durch eine verblüffende Modernität, Aktualität und gesellschaftspolitische Schärfe und lohnen auf jeden Fall die Wiederentdeckung. Weiterlesen “Nella Larsen – Seitenwechsel und Wallace Thurman – The blacker the berry”

Tsitsi Dangarembga – Aufbrechen

Im Oktober 2021 erhielt Tsitsi Dangarembga in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Diese seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehene und mit einer Preissumme von 25.000 Euro verbundene Auszeichnung soll die Selbstverpflichtung des Buchhandels, mit seiner Arbeit der Völkerverständigung zu dienen, ausdrücken. Die Schriftstellerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe wird deshalb nicht nur für ihr künstlerisches Werk, und hier vor allem für ihre Trilogie um die heranwachsende Frau Tambudzai (in Deutschland sind bisher Band 1 Aufbrechen und Band 3 Überleben erschienen) ausgezeichnet, sondern auch für ihr kulturelles und politisches Engagement. Weiterlesen “Tsitsi Dangarembga – Aufbrechen”

Tayari Jones – Das Jahr in dem wir verschwanden

Zwischen Juli 1979 und Mai 1981 verschwanden in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zahlreiche, vorwiegend afroamerikanische Kinder und Jugendliche. Die überwiegende Mehrzahl waren Jungen im Alter von 8 bis 15. Die amerikanische Autorin Tayari Jones lebte zu der Zeit im gleichen Alter in Atlanta und blickt in ihrem Debütroman Das Jahr in dem wir verschwanden auf diese Ereignisse zurück. Nach dem großen Erfolg ihrer Romane In guten wie in schlechten Tagen und Das zweitbeste Leben veröffentlicht der Arche Verlag nun diesen Erstling in der Übersetzung von Britt Somann-Jung. Weiterlesen “Tayari Jones – Das Jahr in dem wir verschwanden”

Nadine Schneider – Wohin ich immer gehe

2019 bezauberte Nadine Schneider mit ihrem Roman Drei Kilometer nicht nur die Jury des Bloggerpreises für Literatur Das Debüt, sondern sie erhielt auch den Hermann Hesse Förderpreis, den Literaturpreis der Stadt Fulda und den Vera-Doppelfeld-Förderpreis. In Wohin ich immer gehe, das diesen Sommer erschien, zeigt Nadine Schneider, dass ihr auch der oft so schwere zweite Roman ganz wunderbar gelungen ist. Weiterlesen “Nadine Schneider – Wohin ich immer gehe”

Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich

Die ghanaisch-amerikanische Autorin Yaa Gyasi begeisterte bereits mit ihrem Debütroman Heimkehren, einem klug konstruierten, Generationen und Jahrhunderte umspannenden Familienroman. Nun hat Yaa Gyasi ihren zweiten Roman, übersetzt von Anette Grube, unter dem Titel Ein erhabenes Königreich auch auf Deutsch veröffentlicht. Weiterlesen “Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich”