Lektüre Juli 2022

Der Lesemonat Juli 2022 war nicht nur von meiner überwiegend sehr starken Lektüre geprägt, sondern natürlich auch durch meinen Aufenthalt beim Literaricum 2022 in Lech am Arlberg. Ich war dort auf Einladung der Lech-Zürs-Tourismus GmbH, meine Berichte und Begeisterung sind allerdings unbezahlt, eigenverantwortlich und aus vollstem Herzen. Die Zeit dort in der herrlichen Bergwelt von Oberlech, bestens umsorgt im dortigen Burg Hotel und mit einem spannenden, von Nicola Steiner kuratierten Literaturprogramm versorgt, werde ich so schnell nicht vergessen. Jedem, der damit liebäugelt oder im nächsten Jahr in der Nähe ist, sei dieses Literaturfestival wärmstens empfohlen. Weiterlesen “Lektüre Juli 2022”

Sabine Huttel – Das russische Rätsel

Liane ist kein abenteuerlustiger Mensch. Die ein paar Jahre vor ihrem Ruhestand stehende Bilbliothekarin lebt eher ein Leben auf Sparflamme. Deshalb gleicht es einem Wunder, dass sie die Einladung ihres jungen Freundes G., ihn in Russland zu besuchen, um endlich einmal Licht in ein Familienereignis zu bringen, das Liane seit ihrer Kindheit belastet. Und so macht sie sich im neuen roman von Sabine Huttel auf, Das russische Rätsel zu lösen. Weiterlesen “Sabine Huttel – Das russische Rätsel”

Donna Leon – Milde Gaben

Milde Gaben – Milde Spannung. So könnte man titeln, wäre nicht das schon eine regelrechte Übertreibung. Donna Leon, wahrlich noch nie eine Vertreterin der handlungsgetriebenen, actionreichen Spannungsliteratur, sondern eher der leisen, atmosphärischen Krimis, hat sich mit ihrem neuesten Brunetti, dem mittlerweile 31. Band, Milde Gaben, selbst über- oder soll man lieber sagen unterboten. Ist es typisch und irgendwie liebgewonnene Tradition, dass in den jährlich im Mai erscheinenden Vendig-Krimis die Verbrechen sich erst im Laufe der Erzählung herauskristallisieren, ja manchmal gar nicht wirklich vorhanden sind, und sich auch die Sapnnung sehr langsam auf ein eher mittleres Niveau hochschraubt, weiß man bei Milde Gaben als Leserin tatsächlich auch am Ende nicht, was Donna Leon da eigentlich erzählt hat. Weiterlesen “Donna Leon – Milde Gaben”

Literaricum Lech 2022 – I would prefer to – Teil 2

Seit 1997 findet im schicken Vorarlberger Wintersportort Lech am Arlberg jedes Jahr im September ein hochkarätiges geisteswissenschaftliches Ereignis statt. Das Philosophicum Lech bietet, durchaus gewollt zweideutig, “Nachdenken auf höchstem Niveau – 1500 Meter über dem Meer”. Im vergangenen Jahr startete dann eine ähnlich gelagerte Veranstaltung mit dem Fokus Literatur, das Literaricum in Lech, das 2022 nun seine zweite Auflage erhielt. Initiiert von Michael Köhlmeier und Raoul Schrott und kuratiert von Nicola Steiner, steht jedes Jahr ein Klassiker der Weltliteratur im Zentrum, dem sich die Veranstaltungen innerhalb der drei Festivaltage aus verschiedenen Perspektiven  nähern. Der eher intime Rahmen, schon allein durch die Abgelegenheit des Haupttagungsorts im auf über 1600m Höhe gelegenen Oberlech, bietet die seltene Gelegenheit, mit den Autorinnen und Autoren  im Anschluss an die Veranstaltungen oder auch beim Kaffee oder Abendessen ins Gespräch zu kommen. In diesem Jahr stand Bartleby, der Schreiber von Herman Melville im Mittelpunkt. Teil 1 meines Berichts vom Literaricum Lech 2022 findest ihr hier. Weiterlesen “Literaricum Lech 2022 – I would prefer to – Teil 2”

Literaricum Lech 2022 – I would prefer to – Teil 1

Seit 1997 findet im schicken Vorarlberger Wintersportort Lech am Arlberg jedes Jahr im September ein hochkarätiges geisteswissenschaftliches Ereignis statt. Das Philosophicum Lech bietet, durchaus gewollt zweideutig, “Nachdenken auf höchstem Niveau – 1500 Meter über dem Meer”. Initiiert von Schriftsteller Michael Köhlmeier und unter der wissenschaftlichen Leitung von Konrad Paul Liessmann, treffen sich bekannte Geisteswissenschaftler und interessiertes Publikum und beleuchten unter einem bestimmten Themenschwerpunkt die großen Fragen der Philosophen und lassen sie auf die Entwicklungen, Krisen und Konflikte unserer Zeit treffen. Eine Veranstaltung, die großen Zuspruch erhält. Im vergangenen Jahr startete dann eine ähnlich gelagerte Veranstaltung mit dem Fokus Literatur, das Literaricum in Lech, das 2022 nun seine zweite Auflage erhielt. Weiterlesen “Literaricum Lech 2022 – I would prefer to – Teil 1”

Ich möchte lieber nicht – Juliane Marie Schreiber beim Literaricum Lech 2022

Auf der sonnigen Terrasse des Burg Hotels in Oberlech, auf 1660m Höhe, sitzt mir die Politologin, Journalistin und Autorin Juliane Marie Schreiber gegenüber, ihr Buch Ich möchte lieber nicht war am Vortag Thema beim Literaricum Lech, in dessen Mittelpunkt der Klassiker von Herman Melville stand – Bartleby, der Schreiber, dessen berühmter Satz eben jenes „Ich möchte lieber nicht“ ist. Nach dem wunderbaren Gespräch, das Juliane mit Elke Heidenreich geführt hat, durfte auch ich einige Fragen stellen. Weiterlesen “Ich möchte lieber nicht – Juliane Marie Schreiber beim Literaricum Lech 2022”

Interview mit Elke Heidenreich beim Literaricum Lech 2022

Vom 14. bis 17. Juli 2022 fand das 2. Literaricum in Lech am Arlberg statt. In wunderschöner Bergkulisse traf man sich, um über einen Klassiker der Weltliteratur zu sprechen. Nach dem Simplicius Simplicissimus von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen im letzten Jahr war dieses Mal die Erzählung Bartleby, der Schreiber an der Reihe. Initiiert von Michael Köhlmeier und Raoul Schrott, kuratiert von Nicola Steiner bot sich ein anregendes, vielseitiges Programm. Zur Eröffnungsfeier am Donnerstag hielt die Schriftstellerin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich die Rede und sprach am Freitag mit Juliane Marie Schreiber über deren Buch Ich möchte lieber nicht. Ich durfte Elke Heidenreich beim Literaricum Lech ebenfalls zu einem Interview treffen. Weiterlesen “Interview mit Elke Heidenreich beim Literaricum Lech 2022”

Anna Burns – Amelia

2018 erhielt Anna Burns für ihren fulminanten Roman Milchmann den Booker Prize, Grund genug für ihren deutschen Verlag, Tropen, nun auch ihr Debüt Amelia zu veröffentlichen. Nicht immer ist das Ausgraben von Frühwerken von plötzlich erfolgreichen Autoren wirklich ein Gewinn. Hier handelt es sich um einen ausgesprochenen Glücksfall. Denn schon in dem 2001 erschienenen Roman, Original No bones, zeigt Anna Burnes ihren ganz eigenen und sehr eigenwilligen Ton. Weiterlesen “Anna Burns – Amelia”

Abdulrazak Gurnah – Ferne Gestade

Nachdem sich der deutsche Literaturbetrieb im vergangenen Jahr nach der Verkündung des Literaturnobelpreises ausgiebig die Augen gerieben hat – Wer war denn nun schon wieder dieser Abdulrazak Gurnah? Nie gehört! – , sämtliche Bestände an übersetzten Werken desselben aus den Antiquariaten weggekauft waren – kein einziger Titel war aktuell lieferbar – , machte sich allmählich die Überzeugung breit, dass es vielleicht doch den Richtigen getroffen hat, dass da mehr als ein Kontinentproporz oder ein  Originalitätswettrennen bei der Wahl der viel gescholtenen Schwedischen Akademie in Stockholm im Spiel war. Hin und wieder wurde noch an dem ersten neu aufgelegten Roman, Das verlorene Paradies (Original Paradiese, 1994, Shortlist Booker Prize) herumgemäkelt (von mir nicht). Jetzt dürfte aber spätestens mit Ferne Gestade (Original: By the sea, 2001, Longlist Booker Prize) klar sein, dass Abdulrazak Gurnah den Nobelpreis völlig verdient für seine literarische Qualität zugesprochen bekommen hat. Weiterlesen “Abdulrazak Gurnah – Ferne Gestade”

Lektüre Juni 2022

In diesem Monat erwarten euch hier bei der “Lektüre Juni 2022” ausnahmsweise einmal eine ganze Reihe von größeren Besprechungen, und zwar von Büchern, die es (keinesfalls aufgrund mangelnder Qualität, sondern einfach aus Zeitgründen) nicht zu einem eigenen, großen, bebilderten Beitrag geschafft haben. Die aber auf jeden Fall nicht nur eine Erwähnng, sondern eine von Herzen kommende Empfehlung verdient haben. Alle Beiträge sind bereits auf Instagram erschienen, sollen aber auch hier vorkommen. Deshalb benötigt ihr dieses Mal vielleicht ein wenig mehr Zeit für meinen Überblick zum Lesemonat.

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