Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 1

Tomas Espedal – Das Jahr

Schon bevor Karl Ôve Knausgård mit seinem Schreiben zum internationalen Literatur-Superstar avanciert ist, verfasste der 1961 im norwegischen Bergen geborene Tomas Espedal Texte, die ganz dicht am Autobiografischen entlang schrieben, dabei gelegentlich auch Grenzen überschritten in Sachen Diskretion, Selbstentblößung und guten Geschmacks. Radikal offen, rücksichtslos gegenüber sich selbst und Menschen aus dem Umfeld, die oft mit Klarnamen auftauchen, bleiben in seinen Texten immer aber auch bewusst Zweifel an der Authentizität, am Wahrheitsgehalt des Erzählten. Autofiktion ist das Genre, das nicht nur, aber vielleicht besonders durch diese beiden Autoren boomt.

Espedal hat seine auf zehn Bände angelegte autofiktionale Werkreihe auf Norwegisch gerade mit „Elsken“ abgeschlossen, in Deutschland erscheint nun mit Das Jahr der neunte Band.

Wieder kreisen die Aufzeichnungen um die Themen (vergebliche) Liebe, Verlust, Einsamkeit, Altern und Tod. Im Zentrum steht erneut die Trennung von seiner bedeutend jüngeren Geliebten Janne, die ihn wegen einem seiner besten Freunde bereits Jahre zuvor verließ. Über dieses Verlassenwerden ist das autofiktionale Ich, das ich der Einfachheit im Folgenden als Autor benenne, bisher nicht hinweggekommen. Es scheint sogar so, dass die Zeit die Verletzung noch vertieft hat. Er suhlt sich regelrecht in seinem Schmerz, betont immer wieder, nicht mehr lieben zu können.

„Wie soll man leben.
Ohne Liebe.“
Petrarca und Laura

Verfasst ist das Buch als ein langes Prosagedicht. Das passt sehr gut, da Tomas Espedal Bezug nimmt auf einen großen (vergeblich) Liebenden der Literaturgeschichte, auf Francesco Petrarca. Der Italiener Petrarca (1304 bis 1374) ist der Verfasser des „Canzoniere“, in dem er seine Liebe zur jungen Laura (vermutlich Laura de Noves (1310-1348)) und seine Trauer über ihren Tod besingt. Das Werk umfasst, sicherlich nicht zufällig, 366 Gedichte, wovon einige für mich zum Schönsten gehören, was ich an Lyrik kenne. Ein Gedicht für jeden Tag des Jahres.

Tomas Espedals „Das Jahr“ beginnt im Frühling, im April. An einem 6. April, dem des Jahres 1327 sieht Petrarca Laura zum ersten Mal. Der Dichter wird für den Autoren zum Schicksalsgenossen, jenem wurde die Liebe durch den Tod der Geliebten, diesem durch eine Trennung geraubt. Petrarcas lebenslange Liebe zu der einen Frau wird für den Autor Vor- und Sinnbild für seine eigenen Gefühle. Etwas inkonsequent ist das, denn es kommt immer wieder zu sexuellen Begegnungen, die für ihn aber wohl nicht unter „Liebe“ fallen.

Das Jahr

Diese Parallelführung von Petrarca und dem Autoren gefiel mir ausgesprochen gut, vielleicht auch, weil ich ein Faible für Petrarca habe. Ganz schlüssig ist sie, wie gesagt, nicht. Es ist eher so, dass sich der Erzähler in dieser Rolle ein wenig inszeniert.

Im April reist der Autor auf den Spuren von Francesco Petrarca ins französische Fontaine-de-Vaucluse bei Avignon. Dort entstanden große Teile des „Canzoniere“. Auch den Mont Ventoux bestieg der Autor. Petrarcas „Erweckungserlebnis“ dort – Naturerlebnis und Selbstbewusstwerdung – gilt als kulturhistorischer Schlüsselmoment an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit. Große Fußstapfen, in die Espedal sich da begibt, aber sehr faszinierend.

Auch Espedals Vater wird als Beispiel für eine einzige, nie, auch nicht nach dem Tod verlöschende Liebe herangezogen. Siebzehn Jahre sind seit dem Tod der Frau/der Mutter vergangen, aber der Vater hängt dieser Liebe unverwandt nach. Auch er lernte seine Frau einst im April kennen, im April starb sie auch. Der Vater ist gleichzeitig das zweite große Zentrum des Buches. Sein Altern, seine zunehmende Gebrechlichkeit verunsichern den Autor, machen ihn ängstlich und aggressiv. In einem zweiten Teil der dem Frühling gewidmeten ersten Hälfte des Buches machen die Beiden eine Kreuzfahrt von Barcelona nach Neapel. Es ist eine eigenartige Vater-Sohn-Beziehung, bestimmt durch große Liebe und heftige Gefühle, Distanz und Nähe, beide sind dem Alkohol mehr als zugeneigt.

Tomas Espedal Das Jahr Herbst
Bild von AlexanderRV auf Pixabay
Herbst

Die beiden Motive – Petrarcas Canzoniere und der alternde Vater – bleiben auch beim zweiten Kapitel des Buches, das dem Herbst gewidmet ist, präsent. Gleichzeitig nimmt der Autor auch Dinge in seiner Gegenwart war, Flüchtende auf dem Meer, ein kleines Mädchen, das in Nigeria als Selbstmordattentäterin zwanzig Menschen in den Tod riss, unseren rücksichtslosen Umgang mit der Natur. In den Vordergrund gelangt aber die Wut des Autors auf den Freund, der nun mit der Geliebten zusammen ist. Auch wenn Jahre seit der Trennung vergangen sind, steigt ein Racheplan in ihm auf. Die obsessive Liebe, das Selbstmitleid, die Todessehnsucht verstören zunehmend.

Dennoch fasziniert der Ton, der reduziert und poetisch, lyrisch und dennoch leicht und fließend zu lesen ist. Und das trotz der eigenwilligen Interpunktion, den fehlenden Kommata, den nicht konsequent verwendeten Satzpunkten. Espedal zu lesen ist ein großer ästhetischer Genuss. Dabei wechselt der Duktus im Text durchaus. Ein Abschnitt liest sich tatsächlich ein wenig wie Petrarca (zumindest in seiner deutschen Übersetzung).

Im November schließlich feiert der Autor seinen 54. Geburtstag. Das Fest mit seinem Vater endet früh, man trennt sich. Die Gäste, die nach diesem Abschied eintreffen, sind die Toten der Familie, die Großeltern, die Mutter. „Herzlichen Glückwunsch“, sagen sie, „wir hoffen dass du uns bald besuchen kommst.“ Eine große Todessehnsucht bestimmt ihn. Sie wird sich im zehnten Band, in „Elsken“ vollenden.

„Eine Familie ist zusammengenäht aus unpassenden Stoffen

die zu einem Muster gezwungen werden

dem Muster namens Familie.“

 

Beitragsbild von mkupiec7 auf Pixabay

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Tomas Espedal - Das Jahr.

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Tomas Espedal  – Das Jahr
Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel
Matthes & Seitz September 2019, 196 Seiten, Hardcover, 22,00 €

Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #2 – Norwegen Spezial 6

Im zweiten Teil meiner Vorstellung einiger Neuerscheinungen aus Norwegen, die anlässlich des Gastlandauftritts zur Frankfurter Buchmesse erscheinen, möchte ich die „jüngere“ Schriftstellergeneration (Jahrgang 1960+) in den Fokus stellen. In einigen Reaktionen, besonders auf Instagram, wurde auf den überproportionalen Männeranteil der veröffentlichten/vorgestellten Titel hingewiesen. Und ja, es stimmt. Hier sieht der Geschlechterproporz schon wieder besser aus. 😉

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Tomas Espedal – Das JahrTomas Espedal - Das Jahr

Tomas Espedals Texte, die ganz dicht am Autobiografischen entlang schreiben, dabei gelegentlich auch Grenzen überschreiten in Sachen Diskretion, Selbstentblößung, sind radikal offen, rücksichtslos gegenüber sich selbst und Menschen aus dem Umfeld, die oft mit Klarnamen auftauchen, dabei bleiben in seinen Texten immer aber auch bewusst Zweifel an der Authentizität, am Wahrheitsgehalt des Erzählten. Autofiktion. Die Aufzeichnungen kreisen um die Themen (vergebliche) Liebe, Verlust, Einsamkeit, Altern und Tod. Im Zentrum steht erneut die Trennung von seiner bedeutend jüngeren Geliebten Janne und sein Verhältnis zum alternden Vater.
Verfasst ist das Buch als ein langes Prosagedicht. Das passt sehr gut, da Tomas Espedal Bezug nimmt auf einen großen (vergeblich) Liebenden der Literaturgeschichte, auf Francesco Petrarca. Der Ton, der reduziert und poetisch, lyrisch und dennoch leicht und fließend zu lesen ist, fasziniert. Espedal zu lesen ist ein großer ästhetischer Genuss.

Zu meiner ausführlichen Rezension geht es hier.

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Gøhril Gabrielsen - Die Einsmkeit der SeevögelGøhril Gabrielsen – Die Einsamkeit der Seevögel

Eine junge Wissenschaftlerin, Biologin, reist im Winter in den äußersten Norden Norwegens, nach Finnmark, um auf die Rückkehr der Seevögel zu warten. Sie will für ihre Forschungsarbeit den Einfluss von klimatischen Veränderungen auf Verhalten und Population von bedrohten Arten untersuchen. In einer einsamen Fischerhütte, inmitten einer Schneewüste, richtet sie sich auf ein nur kurzes Alleinsein ein. Ihr Geliebter, Jo, will bald nachkommen und in der Isolation ein Schreibprojekt verfolgen. Doch Jos Ankunft verschiebt sich immer weiter, seine Ex-Frau ist beruflich stark eingebunden und Jo fühlt sich für die kleine Tochter zuständig. Auch die Erzählerin hat eine zweijährige Tochter bei ihrem Ex-Mann zurückgelassen, den sie für Jo verlassen hat. S. war zu besitzergreifend, jähzornig, einengend. Abstand von der unschönen Trennung war genauso ein Beweggrund den Forschungsauftrag anzunehmen wie der Wunsch, Jo einmal ganz für sich zu haben, ihn nicht immer mit der Tochter und Ex-Frau teilen zu müssen. Doch Jo kommt nicht. Per Satellitentelefon und Skype verschiebt er seine Abreise immer weiter. Die Erzählerin leidet zunehmend an ihrer Einsamkeit. Alle fünf Wochen kommt ein Versorgungsschiff mit Vorräten, das war es.

Ein streng durchgetakteter Tagesablauf, Wetterbeobachtungen, Ausflüge mit dem Schneemobil helfen ihr durch die Zeit. Aber zunehmend lässt sie sich von dem abweisenden Ort, der rauen Landschaft, dem eisigen Wetter verunsichern. Eine alte Chronik erzählt von einem tragischen Ereignis vor 140 Jahren hier. Borghild und Olaf lebten hier mit ihren Kindern. Und die Erzählerin schlüpft immer mehr in die Person der Borghild hinein, fantasiert über ihr Leben, ihre Gefühle, die Beziehung zu Olaf. Immer mehr wird auch deutlich, dass sie sich vor ihrem Ex-Mann S. fürchtet. Es gab wohl Gewalt in der Ehe. Aber immer mehr vermischen sich auch Realität und Fantasie, Wirklichkeit und Wahn, Vergangenheit und Gegenwart. Von wem stammt die Nachricht „Ich komme dich holen“? Welche Absichten verfolgt der Kapitän des Versorgungsschiffs? Was sind das für merkwürdige nächtliche Geräusche?

Atmosphärisch dicht, knapp, ruhig und doch mit einer ungeheuren Spannung, die am Ende Thrillerqualitäten entwickelt, entspinnt Gøhril Gabrielsen ihre Geschichte. Und mutet der Leser*in ein offenes Ende zu.

Auch wenn die Parallelführung von Vergangenheit und Gegenwart für mich nicht wirklich gelingt – ein ganz großartiges, schmales Buch. Eine tolle Autorin, von der hoffentlich noch mehr ins Deutsche übersetzt werden wird.

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Erik Fosnes Hansen – Ein Hummerleben   Erik Fosnes Hansen - Ein Hummerleben

Erik Fosnes Hansen hätte ich spontan in meinen ersten Teil der Neuerscheinungsvorstellung zu den älteren Autoren und Klassikern gesteckt. Für mich veröffentlicht er schon gefühlt „ewig“. Das liegt zum einen daran, dass er beim Erscheinen seines großen Welterfolgs „Choral am Ende der Reise“ 1990 erst 25 Jahre alt war, zum anderen daran, dass das Buch realtiv bald auch den Weg nach Deutschland fand (1995), hier ein Riesenerfolg wurde und ich es da auch gleich las. Der Roman über die letzte Reise der Titanic aus der Sicht der Mitglieder jener berühmt gewordenen Bordkapelle, die bis zum letzten Moment aufgespielt haben soll, hat mich damals sehr begeistert und er gehört zu jenen, die ich gerne irgendwann einmal zum zweiten Mal lesen möchte.

Seither hat Erik Fosnes Hansen lediglich zwei weitere Romane veröffentlicht, seit dem letzten, dem „Löwenmädchen“, sind zehn Jahre vergangen. Nun erscheint „Ein Hummerleben“.

„Ein Hotel hoch oben im norwegischen Fjell in den 1980er-Jahren. Sedd wächst bei seinen Großeltern auf. Über seinen Vater weiß er nicht viel, die Mutter ist verschollen. Liebevoll, aber bestimmt wird er von den Großeltern – der Großvater ist nebenbei Tierpräparator, die Großmutter stammt aus Wien – auf seine Rolle als künftiger Hotelerbe vorbereitet. Er hilft als Laufbursche, Küchenjunge und Tourenbetreuer aus und verinnerlicht den Leitsatz »Jeder einzelne Gast zählt« bereits im zarten Kindesalter. Zufluchtsort ist für ihn die Großküche des Hotels, in der der ehemalige Seefahrer Jim schaltet und waltet und für Sedd Vater, Mutter und Freund zugleich ist, wenn die Großeltern keine Zeit für ihn haben. Doch spätestens, als der Bankdirektor Berg bei einem Essen stirbt, zeigen sich erste Risse in der vermeintlichen Idylle.“ (Verlagstext)

Ich freue mich noch auf diese nostalgische, ruhige und detailreiche Geschichte aus der Sicht des 13jährigen Sedd. Ein Hotelroman aus dem norwegischen Fjell – fast wie Urlaub.

Marius hat auf Buch-Haltung den Roman bereits besprochen und sehr gelobt.

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Mona Høvring – Was helfen könnte und Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte

Mona Høvring - Was helfen könnteDie Lyrikerin Mona Høvring (Jg. 1962) veröffentlicht seit 2004 hochgelobte Romane. Vergleiche mit Sylvia Plaths »Die Glasglocke« und Françoise Sagans »Bonjour Tristesse« wurden gemacht. Im Frühjahr bereits erschien Was helfen könnte, im Herbst folgte Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte in einer ausgesprochen schönen Ausgabe. Darin geht es um „Zwei Schwestern: Ella und Martha, Anfang zwanzig. Sie sind im Abstand von nur einem Jahr am gleichen Tag geboren, fast wie Zwillinge und doch so unterschiedlich wie zwei Seiten einer Medaille – die dunkle, grüblerische Ella, die Ältere, und die helle, nicht fassbare, impulsive Martha. Gemeinsam fahren sie in ein Sanatorium mitten in den winterlichen norwegischen Bergen, das in der kalten, kahlen, weißen Landschaft »seine Schwingen über dem steilen Berghang ausbreitet«. Hier soll Martha sich von einem Nervenzusammenbruch erholen. In der Abgeschiedenheit, dem aus der Zeit gefallenen Schwebezustand sind die Schwestern mit ihren Gefühlen konfrontiert, ihrer bis zu Marthas Heirat symbiotischen Beziehung und dem Drang, eigene Wege zu gehen. Als beide Mona Høvring - Venussich für die androgyne Rezeptionistin des Sanatoriums zu interessieren beginnen, führt das zu weiteren Spannungen und fordert Entscheidungen. In einer ebenso einfachen wie kraftvollen Sprache erzählt Mona Høvring die Geschichte von Ella und Martha und der Stärke, die aus der Suche nach der eigenen Identität entsteht. Ein Buch über Jungsein, Bindungen und Eigenständigkeit, erotische Erkundungen, Gefühlsverwirrungen und vor allem über innere Freiheit.“ (Verlagstext) Sprachgefühl und Sinnlichkeit werden bei Mona Høvring immer wieder besonders gelobt.

Auf dem Nacht und Tag-Buchblog könnt ihr über beide Bücher lesen.

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Merethe Lindstrøm - Tage in der Geschichte der Stille Merethe Lindstrøm – Tage in der Geschichte der Stille

Von Merethe Lindstrøm (Jg. 1963) wurden bisher drei Romane aus ihrem umfangreichen Werk ins Deutsche übersetzt. Für ihre 2011 erschienenen Tage in der Geschichte der Stille wurde sie sowohl mit dem Kritikerprisen als auch mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet. Jetzt ist das Buch auch in Deutschland erschienen.

Für mich sind Buch und Autorin eine wunderbare Entdeckung. 2012 erhielt Merethe Lindstrøm dafür den Literaturpreis des Nordischen Rates. Es ist ein ganz feines, leises Kammerstück, das mit einem Moment höchster Spannung beginnt. Diese vergeht bereits nach wenigen Seiten, zurück bleibt ein leises Unbehagen. Ein Unbehagen, dass auch die Ich-Erzählerin, eine ältere Frau, empfindet, seit ihr Mann Simon in ein demenzbedingtes Schweigen verfallen ist. Doch je mehr er zu vergessen scheint, je hinfälliger er wird, umso stärker kommen bei ihr längst verdrängte Erinnerungen an die Oberfläche. Vieles wurde in dieser Familie beschwiegen, die Holocaust-Vergangenheit des jüdisch-deutschen Simon, der kleine uneheliche Sohn, den Eva als junge Frau zur Adoption gegeben hat, die unschöne Trennung von der langjährigen Zugehfrau Marija. Vieles deutet sich da an, was schließlich gar nicht so spektakulär wie vermutet ist. Aber die Schatten, die eine verschwiegene Vergangenheit werfen kann, das allmähliche Verblassen Simons, die Hilflosigkeit seiner Frau, das wird sehr gut fühlbar. Merethe Lindstrøm verwendet dafür eine elegante, ruhige Sprache und konnte mich sehr für diese Buch einnehmen.

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Lars Mytting – Die Glocke im See

Lars Mytting (Jg. 1968) hatte mit seinem Roman „Die Birken wissen´s noch“ einigen Lars Mytting - Die Glocke in SeeErfolg hier in Deutschland. Auch sein Buch über das Holzmachen wurde bereits auf Deutsch veröffentlicht. Mich hat das bisher nicht so interessiert, und so habe ich seinen neuen Roman „Die Glocke im See“ auch eher zögerlich als Hörbuch gehört. Das abgeschiedene Gudbrandstal in Norwegen im Jahr 1880, ein junges, wissbegieriges Mädchen, ein nach Höherem strebender Pfarrer und ein junger deutscher Architekturstudent, dazu die berühmten norwegischen Stabkirchen und Kirchenglocken, um die sich eine alte Legende rankt: ich fand die Geschichte toll, ruhig und episch erzählt, atmosphärisch und mit interessanten Details. Ich freue mich, dass sie nur der erste Teil einer geplanten Trilogie sein soll.

Hauke von Leseschatz hat den Roman bereits besprochen.

Ende Oktober erscheint von Lars Mytting zudem noch „Die Tankstelle am Ende des Dorfes„.

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Hanne ØrstavikDie Zeit, die es dauert

Der kleine Düsseldorfer Karl-Rauch-Verlag hat sich des Werks von Hanne Ørstavik (Jg. 1969) angenommen und bringt mit „Die Zeit, die es dauert“ bereits den dritten Roman der Autorin in einer bestechend schönen Ausgabe heraus. Ich freue mich sehr Hanne Ørstavik in Frankfurt treffen zu dürfen und bin sehr gespannt auf das Buch.

Hanne Ørstavik - Zeit die es dauertNur wenige Autoren vermögen zitternde Wut, brennende Intensität und zärtliches Verständnis in einer so nackten Sprache auszudrücken wie Hanne Ørstavik.
Signe ist 30 Jahre alt und mit Ehemann und Kind aufs Land gezogen. Es ist kurz vor Weihnachten, und die drei planen, zum ersten Mal allein zu feiern. Aber dann kommen Signes Eltern und ihr Bruder zu Besuch.
Die Zeit, die es braucht ist ein Roman, in dem das Licht im Dunkeln liegt, der Sommer im Winter, die Vergangenheit in der Gegenwart. Die 13-jährige Signe steckt in der 30-jährigen, und auch um das Leben der 13-jährigen in der Finsternis
von Finnmark geht es. Ein Roman über das Erzählen von Zeit und darüber, dass die Geschichten unseres Lebens immer in uns präsent sind
.“ (Verlagstext)

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Maja Lunde – Die letzten ihrer Art

MDie Letzten ihrer Art von Maja Lundeaja Lunde (Jg. 1975) verzeichnet mit ihrer „Geschichte der Bienen“ auch in Deutschland einen Riesenerfolg  und hat einen kleinen Bienen-Hype ausgelöst. Das Nachfolgebuch „Geschichte des Wassers“ bekam schon weniger begeisterte Rezensionen. Da mir schon die Bienen nicht gefallen haben, habe ich die Autorin nicht weiter in meiner engeren Auswahl. Ende Oktober erscheint aber ein neues Buch „Die letzten ihrer Art„, wieder mit Artenschutzthema, diesmal geht es wohl um die  Prezewalskipferde.

„Über Mensch und Tier und das Tier im Menschen: Vom St. Petersburg der Zarenzeit über das Deutschland des Zweiten Weltkriegs bis in ein Norwegen der nahen Zukunft erzählt Maja Lunde von drei Familien, dem Schicksal einer seltenen Pferderasse und vom Kampf gegen das Aussterben der Arten. Ein bewegender Roman über Freiheit und Verantwortung, die große Gemeinschaft der Lebewesen und die alles entscheidende Frage: Reicht ein Menschenleben, um die Welt für alle zu verändern?“ (Verlagstext)

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Simon Stranger – Vergesst unsere Namen nicht

Der Norwegische Bücherhändlerpreis 2018 ging an Simon Simon Stranger - Vergesst unsere Namen nichtStranger für seinen jetzt auf Deutsch unter dem Titel „Vergesst unsere Namen nicht“ erscheinenden Roman. Der 1976 geborene Autor greift darin eine Geschichte aus dem Holocaust auf, ein Thema, das für mich verblüffend oft in den norwegischen Neuerscheinungen auftaucht, bei z.B. Jacobsen und Merethe Lindstrøm, auch in einem Beitrag in „Heimatland“ geht es um Erinnerungskultur in Form der „Stolpersteine“. Auch Stranger werde ich in Frankfurt treffen, darauf freue ich mich sehr und werde den Roman auf meine Leseliste setzen.

„In der jüdischen Tradition heißt es, dass ein Mensch zwei Mal stirbt. Das erste Mal, wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Synapsen im Gehirn erlöschen wie das Licht in einer Stadt, in der der Strom ausfällt. Das zweite Mal, wenn der Name des Toten zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird, fünfzig oder hundert oder vierhundert Jahre später. Erst dann ist der Betroffene wirklich verschwunden, aus dem irdischen Leben gestrichen.
Ein auf wahren Begebenheiten basierender Roman, der achtzig Jahre Geschichte und vier Generationen umfasst. Eine Erzählung über den Holocaust, über Familiengeheimnisse und über die Geschichten, die wir an unsere Kinder weitergeben.“ (Verlagstext)
Constanze hat das Buch auf Zeichen & Zeiten bereits besprochen

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Johan HarstadMax, Mischa und die Tet-Offensive

DJohan Harstad - Max, Mischa und die Tet-Offensiven dickleibigsten Roman des Norwegenauftritts hat gewiss Johan Harstad mit seinen über 1300 Seiten der „Max, Mischa und die Tet-Offensive“  vorgelegt. Familiengeschichte und Zeitroman, Entwicklungs-, Künstler und Lieberoman, von den Einen heiß geliebt, von den Anderen als „gescheitert“ bezeichnet, von Vielen wohl schon allein wegen seines Umfangs verschmät, will ich dieses Buch unbedingt noch lesen. Bisher hat mir dafür die Zeit gefehlt (wahrscheinlich haben meine vielen anderen gelesenen Norweger insgesamt kaum mehr Seiten als dieser eine 😉 ). Von Stavanger nach Long Island, fasziniert vom Vietnam-Epos „Apocalypse now“ erzählt Harstad vom jungen Max, seinem Freund Mordecai und seiner Liebe Mischa. Und vom Vietnam-Veteranen Onkel Owen. Ich möchte das Buch schon allein deswegen allen ans Herz legen, weil der Autor auf einer Lesung im Frankfurter Literaturhaus so klug, humorvoll und sympathisch über sein Buch gesprochen hat. Ich zumindest freue mich sehr darauf.

Bei Zeichen & Zeiten, Literatur leuchtet und auf Femundo.de findet ihr Beiträge zum Buch.

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Lotta Elstad - Mittwoch alsoLotta Elstad – Mittwoch also

Eine „schwarze Komödie“ zum Thema Abtreibung? „Humorvoll“, „Ein großartiger Unterhaltungsroman“? Alles Zuschreibungen aus der Presse zu Lotta Elstads Roman „Mittwoch also“. Die mich zumindest stutzig machen. Und ja, die Ton, den die Autorin, Jahrgang 1982, anschlägt ist ein lockerer, frischer, frecher. Nach den vielen düster-melancholischen Texten, die ich in den letzten Wochen aus Norwegen gelesen habe, die Eisflächen, der Schnee, das raue Wetter, war das ganz angenehm. Ein großstädtisches Oslo ist der Schauplatz, eine junge freie Autorin, der Klappentext nennt sie „jung, ledig, selbstbestimmt“, die Protagonistin. Diese, Hedda, steht vor den Scherben ihrer Beziehung zu Lukas, dem intellektuellen Geist, den sie einst für eine Zeitung interviewt hat. Für ihn eine Beziehung ohne Bindung, für Hedda die große Liebe. Aber auch sie ist nicht in der Lage, das zuzugeben, verbirgt ihre Gefühle hinter Coolness, behauptet ihren Willen zu Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit. Und leidet. Der Ablenkungstrip nach Griechenland geht gehörig schief. Die Machine nach Athen muss wegen eines medizinischen Notfalls in Sarajevo notlanden, Hedda flieht vor der Flugangst (und ohne Gepäck), fährt über mehrere Stationen nach Hause. Eine davon ist Berlin. Hier trifft sie Milo, einen ziemlich verpeilten, dabei aber ziemlich lebenstüchtigen Typ, mit dem sie eine Nacht verbringt. In Oslo erwarten sie drei Überraschungen: Milo ist ihr nachgereist, ihr Job als freie Mitarbeiterin ist futsch und sie ist schwanger. Keine Frage, sie wird abtreiben. Aber eine neue Regel fordert drei Bedenktage, bevor eine solche genehmigt wird. Aber Hedda ist entschlossen: „Ich will nicht nachdenken!“ (So auch der norwegische Originaltitel, „Jeg nekter å tenke“). Sie trifft allerhand fragwürdige Entscheidungen und trauert vor allem Lukas hinterher.

Das alles ist turbulent erzählt, hin und wieder habe ich mich über die Sprache (Übersetzung?) gewundert, die mir ein wenig zu gewollt jugendlich erscheint (Hedda ist schließlich auch schon 33). Der schräge Milo und einige der erzählten Situationen sind tatsächlich ziemlich witzig. Und doch finde ich nicht, dass es sich hier um einen „humorvollen“ „Unterhaltungsroman“ handelt. Ich finde die Geschichte sehr traurig. Hedda, die sich so sehr nach einem Halt sehnt, das aber noch nicht einmal sich selbst gegenüber zugeben kann. Die mit niemandem über ihre Schwangerschaft reden kann (bzw. zu können meint). Die mit sich und ihrem Körper so unachtsam umgeht (und das alles im Namen der Selbstbestimmung). Die finanziell kaum über die Runden kommt – Schicksal der nicht abgesicherten „Freelancerin“, die sie in ihrem Drang nach Unabhängigkeit sein wollte. Das Ende ist positiv und hoffnungsvoll, wenn man so will. Ich fand es deprimierend, denn für Hedda hat sich kaum etwas geändert.

Die „Aftenposten“ vermerkt eine „klare feministische Agenda“. Ich wiederum war mir gar nicht so klar, was dieser Roman, den ich übrigens wirklich gut und lesenswert finde, mir sagen will. „Eine toughe, unabhängige Protagonistin mit bissigem Humor, der unsere Sympathien jederzeit sicher sind“, wie der Verlag schreibt, vermag ich in ihr nicht zu sehen. Eher eine einsame, orientierungslose Frau ohne Halt, Opfer des Diktums von Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Vielleicht eine Generationenfrage.

Andrea von Lesen in vollen Zügen hat das Buch ähnlich wie ich beurteilt.

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Eivind Hofstad Evjemo – Vater, Mutter, Kim

Für seinen 2014 im Original erschienenen Roman Vater, Mutter, eivind hofstad evjemo - vater, mutter, kimKim wählt Eivind Hofstad Evjemo (Jg. 1983) ein brisantes Thema: die 2011 verübten rechtsterroristischen Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya, die 77 Menschen das Leben kosteten.

„Es ist ein stiller, fast ereignisloser Roman, den Eivind Hofstad Evjemo neben jenes Ereignis stellt, das sich brutal und tief in das kollektive Gedächtnis Norwegens geschlagen hat: die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya. Mit nüchterner Behutsamkeit nähert er sich seinen Protagonisten Sella und Arild an, sucht im Wirrwarr der alltäglichen Dinge und der allgemeinen Trauer nach ihrer ganz privaten, die unter der Anteilnahme wieder aufbricht. Ein berührender, genauer Text über Verlust und Trauer und die hartnäckige Einsamkeit, die zwischen den gewohnten Dingen haust.“ (Verlagstext)

Eivind Hofstad Evjemo schaut in „Vater, Mutter, Kim“ auf Sella und Arild und ihren Alltag, in den die Anschläge vom 29. Juli 2011 von Oslo und der Insel Utøya platzen. Die Anteinahme an der Trauer der Nachbarsfamilie, die dabei die Tochter verlor, rührt an eigene Trauer und Verlusterfahrungen. Ganz langsam wird die Geschichte um den Adoptivsohn Kim aus Manila entrollt und in Wechseln aus Vor- und Rückblicken erzählt. Ich bin noch nicht ganz durch, aber das Buch gefällt mir in seiner stillen, zurückhaltenden Art sehr.

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Helga Flatland – Eine moderne Famile

Helga Flatland - Eine moderne Familie„Eine ganz normale norwegische Familie: Mama, Papa, die erwachsenen Kinder Liv, Ellen und Håkon und die Enkel Agnar und Hedda. Alle gehen ihren interessanten Berufen nach, verstehen sich gut. Feiern gemeinsam die Feste des Jahres. Treffen sich sonntags mit ihren zum Teil wechselnden Partnern zum Essen bei den Eltern. Im Sommer verbringt man Zeit in der Familien-Hütte in den Bergen.
Und dann das: Am siebzigsten Geburtstag von Papa verkünden die Eltern, daß sie sich scheiden lassen wollen. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Wie in einem Mikado-Spiel, bei dem ein herausgezogenes Stäbchen die Balance zum Einsturz bringen kann, bricht die Familienidylle zusammen, es gibt scheinbar keinen sicheren Boden mehr. Auch das Leben der Kinder gerät in profunde Unordnung. Erzählt wird diese spannende Geschichte über die Untiefen des Familienlebens abwechselnd von Liv, Ellen und Håkon. Durch diesen Kunstgriff gewinnt der Roman einen einzigartigen Perspektivenreichtum und zeichnet konturscharf das Bild moderner Menschen und ihrer Kämpfe, Verletzungen und Träume.“ (Verlagstext)

Die junge Helga Flatland (Jg. 1984) taucht mit sehr viel Zuspruch vermehrt in den „Seiten meines Vertrauens“, z.B. bei Ruth auf. Zeit, mir das Buch auch mal genauer anzuschauen.

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Line Madsen Simenstad - Königin-Maud-Land ist geheimLine Madsen Simenstad – Königin-Maud-Land ist geheim

Ein literarisches Debüt mit fünf kurzen bis sehr kurzen Erzählungen. Sie alle haben Trennungen gemeinsam, Abschiede. Sie alle erzählen von Frauen.

In der längsten von ihnen, „Königin-Maud-Land ist geheim“, ist es eine Mutter, die an ihrer Rolle verzweifelt. Sie hat für sich und ihren fünfjährigen Sohn ein eigenes Reich geschaffen, benannt nach jenem von Norwegen beanspruchten Teil der Antarktis – einsam, kalt, unbewohnbar, international nicht anerkannt. Hierhin hat sie sich zurückgezogen, man könnte fast sagen eingebunkert, verschließt sich gegen Anrufe, Besuche, Ratschläge. Ist sie psychisch krank? Wird sie von irgendwem bedroht? Line Madsen Simenstad erzählt nicht aus, deutet an. Momente von großer Nähe und Fürsorglichkeit wechseln mit Schroffheit und Überfordertheit. Zwei Menschen, die sich sehr nah sind, eine letzte Distanz aber nicht überwinden können, sich letztlich nicht erreichen. Das geht auch den Figuren der anderen Geschichten so: der Tochter, die am Bett des sterbenskranken Vaters wacht; dem Mädchen, dessen Schwester das Elternhaus verlässt; Agnes, deren Vater mit ihr von Frau zu Frau zieht, die kein richtiges Zuhause kennt, seitdem die Mutter gestorben ist; und die Frau, die am Tag vor Heiligabend von ihrem Mann verlassen wird, der sich in die Trauer über den Tod seines besten Freundes zurückzieht.

Es geht um Nähe und Distanz in den Geschichten. Und um den Versuch, diese Distanz zu überwinden, um Einsamkeit, Verlust und Trauer. Glasklar und sprachlich auf hohem Niveau erzählt Line Madsen Simenstad kleine Momente von großer Dringlichkeit. Obwohl thematisch eher düster, strahlt das schmale Buch wegen seiner Zartheit doch eine große Ruhe aus. Ein sehr schönes Debüt! Leseempfehlung!

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Roskva Koritzinsky – Ich habe die Welt noch nicht gesehen

Roskva Koritzinsky - Ich habe die Welt noch nicht gesehenZum Schluss noch ein schmaler Erzählungsband von Roskva Koritzinsky (Jg. 1989), ebenfalls in einer sehr schönen Ausgabe des Karl-Rauch Verlags.

Geschichten über die Liebe, über sieben Welpen, die aus dem Haus einer Mutter gestohlen werden, Geschichten, die an ein Du gerichtet sind, an den verstorbenen Geliebten und an den fehlbaren Vater, eine Frau, die gerade ein Leben gerettet hat und von einer angehimmelten Balletttänzerin.

Eine sehr spannende neue Stimme!

Auch im Bereich Kinderbücher erscheinen einige schöne Titel. Im Börsenblatt hat meine Tochter Lena einen kleinen Überblick zusammengestellt.

Damit wäre mein Norwegen-Spezial am Ende. Ich hoffe, Ihr konntet einige Tipps mitnehmen und habt nun Lust, euch in den Norwegischen Bücherfjorden zu tummeln. Nächste Woche beginnt die Frankfurter Buchmesse, die natürlich auch unter einem Norwegischen Stern steht. Vielleicht sehe ich ja den einen oder anderen von euch. Ich würde mich sehr freuen.  Adjø!, farvel und på gjensyn!

 

Weitere Beiträge zum Norwegen-Spezial:

08.09.2019 – Norwegen als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse

15.09.2019   – Norwegische Literatur – Tradition und Moderne, Autoren und Autorinnen

22.09.2019   – Norwegischer Buchmarkt und Literaturförderung

29.09.2019   – Veranstaltungen zum Gastland Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse

06.10.2019    – Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1

13.09.2019     – Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #2

Lektüre September 2019

Meine Lektüre im September stand für mich vor allem für Literatur aus Norwegen. Die Frankfurter Buchmesse nähert sich und ich habe mich für mein Norwegen-Blog-Spezial sehr intensiv mit dem Buchmarkt und den Autoren aus dem hohen Norden beschäftigt.

Bis auf die Standards – Jostein Gaarder, Per Petterson, Jon Fosse, Erik Fosnes Hansen – kein Knåusgard – war mir noch nicht viel bekannt aus dem diesjährigen Gastland. Besonders auffällig, dass ich bisher keine einzige norwegische Autorin gelesen hatte. Aber das machte meine Lektüre um so interessanter. Museumsbesuche und allerhand kulturelles Drumherum haben mich auch schon ganz gut auf den Oktober eingestimmt. Weiterlesen „Lektüre September 2019“

Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1 – Norwegen Spezial 5

Norwegische Literatur ist im Oktober 2019 zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse, begleitend erscheinen überdurchschnittlich viele Neuerscheinungen in Deutschland. Das reicht von der Klassiker-Neuauflage bis zu ganz neuen, jungen Stimmen. Ich möchte euch in zwei Teilen auf einige der interessantesten Titel aufmerksam machen. Weiterlesen „Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1 – Norwegen Spezial 5“

Roy Jacobsen – Die Unsichtbaren

Roy Jacobsen „Insel-Saga“ Die Unsichtbaren , die nun im C.H.Beck Verlag erscheint, umfasst drei Romane, die im Original zwischen 2013 und 2016 erschienen sind. Der erste davon, „Die Unsichtbaren“, wurde 2014 bereits im Osburg Verlag veröffentlicht.

„Gott liebt die Menschen an den Küsten nicht so sehr wie die in Binnenland und Städten; über lange Zeiträume hinweg vergisst er sie ganz, und sie vergessen ihn“ Weiterlesen „Roy Jacobsen – Die Unsichtbaren“

Veranstaltungen zum Gastland Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse – Norwegen Spezial 4

Vom 16. bis 20. Oktober 2019 dreht sich in Frankfurt alles um das geschriebene Wort. Ein Schwerpunkt liegt wie jedes Jahr auf dem Gastland, dieses Jahr ist das Norwegen. Organisiert von NORLA (Norwegian Literature Abroad) und finanziert vom norwegischen Kulturministerium und vom norwegischen Außenministerium gefördert, finden während der Buchmesse, bereits aber auch im Vorfeld zahlreiche Veranstaltungen zum Gastland Norwegen statt. Neben einem engagierten Literaturprogramm bringt Norwegen auch ein interessantes Kulturprogramm mit nach Deutschland, zum Teil im Rahmen der THE ARTS+ oder an anderen Orten auf der Buchmesse, daneben aber auch im Rahmen des Bookfests, der Open Books Reihe oder in den Museen in und um Frankfurt. Eine ganz subjektive Auswahl möchte ich schon heute präsentieren.

Zur Einstimmung eröffnen bereits vor Messebeginn einige Austellungen. Weiterlesen „Veranstaltungen zum Gastland Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse – Norwegen Spezial 4“

Der Norwegische Buchmarkt und die Literaturförderung – Norwegen Spezial 3

Norwegen ist Buch- und Literaturland. Der Norwegische Buchmarkt ist vielfältig, die Literaturförderung einzigartig.

Laut einer Umfrage lesen 88% der Bevölkerung mindestens ein Buch pro Jahr, 38% geben an, mindesten 10 Bücher pro Jahr zu lesen. (Laut eine Umfrage der Stiftung Lesen von 2018 gaben 25% der Deutschen an „nie“ zu lesen)

Der durchschnittliche Norweger liest beachtliche 17 Bücher im Jahr. (Der Deutsche kommt je nach Quelle auf 9 bis 12 gelesene Bücher).

Bei einer Bevölkerung von 5,2 Millionen und ca. 560 Buchhandlungen kommt eines dieser Ladengeschäfte auf 9000 Einwohner (auch hier der Vergleich: in Deutschland „teilen“ sich 14.000 Einwohner eine Buchhandlung. Man darf aber annehmen, dass die Wege in Norwegen länger sind ;)) Weiterlesen „Der Norwegische Buchmarkt und die Literaturförderung – Norwegen Spezial 3“

Alexander Osang – Die Leben der Elena Silber

Es reicht für mehr als ein Leben, was Elena Silber, geborene Jelena Krasnow, im Verlauf des 20. Jahrhunderts an Erfahrungen macht. Angelehnt an das Schicksal seiner eigenen Großmutter erzählt Alexander Osang in seinem für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 nominierten Roman „Die Leben der Elena Silber“ davon. Weiterlesen „Alexander Osang – Die Leben der Elena Silber“