Lektüre Dezember 2025

Das Jahr 2025 ist Geschichte, aber so manche Lektüre aus dem Dezember nehme ich noch mit in den Januar. Alles rechtzeitig zu besprechen ist mir nicht ganz gelungen. Aber ich habe aufgeholt. Ein sehr (literarisch) turbulente Jahr mit sehr vielen Veranstaltungen, Reisen und Projekten ließ mir manchmal nicht genügend Zeit, alles gleich zu dokumentieren, zu besprechen, vorzustellen. Ich hoffe dennoch, euch übers Jahr einen guten Einblick in die aktuellen Buchneuerscheinungen gegeben zu haben.

Bevor es Mitte Januar und richtig dann im Februar richtig losgeht mit den Neuerscheinungen des Frühjahr 2026, kommen hier noch meine Dezember-Lektüren. Ein Highlight war das neue Buch von Geal Faye – Jacaranda, ein anderes das schöne Jugendbuch von Sarah Jäger.

Nun wünsche ich euch ein gutes, ein frohes, ein glückliches neues Jahr und würde mich freuen, wenn ihr es ab und zu hier und mit meinen Buchvorstellungen verbringen mögt. Weiterlesen „Lektüre Dezember 2025“

Susanne Röckel – Vera. Eine Erinnerung

Von den Nürnberger Prozessen hat fast jeder schon mal gehört. Bei den insgesamt 13 Prozessen, die von November 1945 bis April 1949 in Nürnberg stattfanden und bei denen die noch lebenden und nicht geflohenen Hauptverantwortlichen für die NS-Verbrechen angeklagt waren, kam es beim Prozess gegen die 24 Hauptkriegsverbrecher zu zwölf Todesurteilen, sieben Freiheitsstrafen und drei Freisprüchen. Zwei Verfahren wurden eingestellt. Wer jemals die Filmaufnahmen des Prozesses gesehen hat, wird die beispiellose Arroganz und Empathielosigkeit der Angeklagten, insbesondere die des ehemaligen Reichsluftfahrtsministers Hermann Göring nie mehr vergessen. Unlängst gab es eine hochinteressante Film Dokumentation darüber (Nürnberg 45 – Im Angesicht des Bösen, noch bis 9.11.2026 in der ARD-Mediathek). Darin stützte man sich u.a. auf die Erlebnisberichte der Birkenau-Überlebenden Seweryna Szmaglewska, die beim Prozess aussagte und mit „Die Unschuldigen von Nürnberg“ (Schöffling, 2022) ein beeindruckendes Buch über den ersten Nürnberger Prozess verfasste. Es folgten beispielsweise noch der Eichmann-Prozess in Jerusalem (1961) und die Auschwitzprozesse in Krakau und Frankfurt (1947 bzw. 1963-65). Weiterlesen „Susanne Röckel – Vera. Eine Erinnerung“

Dorothee Elmiger – Die Holländerinnen

Ich müsste eigentlich gar nicht so viel zu Buch und Autorin schreiben. Ihr habt Die Holländerinnen von Dorothee Elmiger in den letzten Wochen und Monaten sicher sehr oft gesehen, davon gehört, darüber gelesen. Eine geradezu enthusiastische Aufnahme durch die Literaturkritik und die Auszeichnung mit gleich drei der bedeutendsten und bestdotierten Preise für deutschsprachige Literatur ließ den Gedanken aufkommen, dass es im Moment kein auch nur annähernd an die Qualität dieses gewiss außergewöhnlichen und interessanten Romans heranreichendes Werk geben würde. Das führt natürlich zu einer enormen Medienaufmerksamkeit. Die Rezeption in der Leser:innenschaft war eher gemischt. Von Begeisterung bis „kann ich nichts mit anfangen“ war so ziemlich alles dabei. Weiterlesen „Dorothee Elmiger – Die Holländerinnen“

Lea Ypi – Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme

Die 1979 in Tirana geborene albanisch-britische Philiosophin Lea Ypi hatte mit ihrem Memoir „Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte“, in dem sie aus (ihrer) kindlichen Perspektive vom Übergang ihres Heimatlandes von einer streng abgeschotteten sozialistischen Diktatur zu einem ungezügelten Kapitalismus erzählte, 2021 großen Erfolg. Das Buch wurde in mehr als 35 Sprachen übersetzt. Auch ihr neues Werk spielt augenzwinkernd auf ein bedeutendes historisches Sachbuch an. War es bei Frei das berühmte „Das Ende der Geschichte“ von Francis Fukuyama, in dem dieser nach Zusammenbruch des „Ostblocks“ über einen vermeintlich finalen Sieg des Liberalismus und ein Ende der weltpolitischen Dualität jubilierte (leider deutlich zu früh), fügt Lea Ypi ihrem neuen Buch Aufrecht, das das Leben ihrer Großmutter in den Fokus rückt, den Untertitel Überleben im Zeitalter der Extreme hinzu, was sich auf das gleichnamige Buch des britischen Historikers Eric Hobsbawm bezieht, der darin die Zeit von 1914 bis 1991 behandelt. Weiterlesen „Lea Ypi – Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme“

Katerina Poladjan – Goldstrand – Kurz vorgestellt

Goldstrand von Katerina Poladjan führt uns auf einen zu knapp 160 Seiten extrem verdichteten Streifzug durch die europäische Geschichte, ist ein Familienroman mit den Schauplätzen Odessa, Istanbul, Rom und Oranienburg, der auch Philosophie, Film und Architektur einbindet. Toll! Weiterlesen „Katerina Poladjan – Goldstrand – Kurz vorgestellt“

Maria Larrea – Die Kinder von Bilbao – Kurz vorgestellt

Die Kinder von Bilbao ist das autofiktionale Debüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Maria Larrea. Sie erzählt darin von einem tief erschütternden Erlebnis, das sie mit 27 Jahren hatte. Der eher halbherzige Besuch bei einer Wahrsagerin führt sie zu der Erkenntnis, dass ihre Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sind. Die etwas ungläubig an ihre vermeintliche Mutter Victoria gerichtete Frage nach ihrer Herkunft erwidert die pragmatische Frau lapidar mit: „Du bist die Tochter von niemandem.“ Ein erschütternder Satz für Maria und damit die Gewissheit: Sie wurde adoptiert. Weiterlesen „Maria Larrea – Die Kinder von Bilbao – Kurz vorgestellt“

Hannah Lühmann – Heimat

Das Phänomen der „Tradwives“ ist hier in Deutschland ein relativ neues, das leider allzu gut in den neuen rechten Zeitgeist passt, der sich weltweit auszubreiten scheint. Das Revival des überholt geglaubten erzkonservativen bis rechtsextremistischen Ideals der treu Mann, Kind und Heim umsorgenden Hausfrau, aufgepeppt mit durchgestylten Interieurs, selbstbewusst auftretenden Schönheiten und knuffig ausgestatteten Kids, ist so überraschend wie erschreckend. Gleichberechtigung und Gleichstellung, in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten so mühsam erkämpft – was bewegt junge Frauen, ihnen den Rücken zu kehren? Warum haben Influencerinnen, die ein völlig veraltetes Frauenbild wiederbeleben, einen derart großen Zulauf? Was fasziniert an diesem Rollenmodell anscheinend auch heute noch? Hannah Lühmann hat sich mit ihrem Roman Heimat auf die Suche begeben. Weiterlesen „Hannah Lühmann – Heimat“

Sorj Chalandon – Herz in der Faust

Der französische Autor Sorj Chalandon veröffentlicht seit 2005 Romane, die man klassischerweise der Literature engagée zurechnen könnte, die in Frankreich seit Émile Zola und Victor Hugo prominent vertreten ist und sich mit deutlichen sozialkritischen Aussagen und naturalistischem Ansatz zu gesellschaftlichen oder auch politischen Themen zu Wort meldet. Sorj Chalandon greift dazu meist reale historische Vorfälle auf, wie beispielsweise bei Am Tag davor ein schreckliches Grubenunglück aus dem Jahr 1974 oder in seinem jüngsten Roman Herz in der Faust den Ausbruch von 56 Jungen aus einer „Korrekturanstalt“ im Sommer 1934. Weiterlesen „Sorj Chalandon – Herz in der Faust“

Lektüre Oktober und November 2025

Vielleicht ist es der einen oder dem anderen aufgefallen: Es gab (bisher) keinen Oktober Lektüre-Rückblick; den ich nun hier zusammen mit meinen November-Büchern nachholen möchte. Die vergangenen Monate waren so turbulent. Ich habe weiterhin fleißig gelesen, fleißig rezensiert und meinen Instagram-Account auf dem Laufenden gehalten. Alles was darüber hinaus ging, wurde sträflich vernachlässigt.

Da viele der Bücher bereits in ausführlichen Besprechungen auf dem Blog präsent sind, fasse ich mich dieses Mal besonders kurz. Fehlende Rezensionen sind bereits geschrieben und werden demnächst online gestellt. Viel Spaß beim Stöbern in dieser „extended version“. Und ab Dezember wieder wie gewohnt monatlich.

 

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Abdulrazak Gurnah – Diebstahl

Seit dem Nobelpreis im Jahre 2021, der die deutsche Buchwelt eiskalt erwischte, da zu dem Zeitpunkt kein einziges der Bücher von Abdulrazak Gurnah auf Deutsch lieferbar war, sind nun auch schon wieder vier Jahre vergangen. Der Penguin Verlag hat sich des Werkes des seit 1968 in Großbritannien lebenden, auf Sansibar geborenen Autors angenommen und mittlerweile sind die meisten Romane übersetzt und lieferbar. Diebstahl nun ist das erste nach dem Nobelpreis verfasste Buch von Abdulrazak Gurnah. Und es besitzt die bekannten Qualitäten seiner Vorgänger. Weiterlesen „Abdulrazak Gurnah – Diebstahl“