Mike McCormack – Ein ungewöhnlicher Roman über einen gewöhnlichen Mann

Es ist der Allerseelenmorgen, der 2. November 2008, mit dem Mike McCormack seinen 2017 für den Man Booker Prize nominierten Roman „Solar Bones“, auf Deutsch unter dem etwas sperrigen Titel „Ein ungewöhnlicher Roman über einen gewöhnlichen Mann“ bei Steidl erschienen, eröffnet. Das Datum wird im Verlauf des Buchs noch eine besondere Bedeutung erhalten. Weiterlesen „Mike McCormack – Ein ungewöhnlicher Roman über einen gewöhnlichen Mann“

Dana von Suffrin – Otto

Es gibt unzählige Familiengeschichten. Und unzählige davon handeln von Tyrannen, die diese Familien beherrschen, dirigieren, ihnen das Leben schwer machen. „Otto“ von Dana von Suffrin reiht sich da ein – und ist doch etwas ganz besonderes.

Otto ist der Vater der Ich-Erzählerin Timna, ein mittlerweile hochbetagter und etwas hinfälliger, aber immer noch sehr eigenwilliger und bestimmender Mann. Weiterlesen „Dana von Suffrin – Otto“

Erik Fosnes Hansen – Ein Hummerleben

Ein Hotel in den norwegischen Bergen zu Beginn der 1980er Jahre ist Schauplatz von „Ein Hummerleben“, dem neuen Roman von Erik Fosnes Hansen. Die glanzvollen Zeiten, in denen Flügel um Flügel angebaut, ein Schwimmbad und ein moderner Minigolfplatz eingerichtet wurden, sind lange vorbei und viele der 132 Zimmer stehen leer. Berghotel Fåvnesheim ist ein wenig verstaubt, eine nostalgische Melancholie liegt darüber. Weiterlesen „Erik Fosnes Hansen – Ein Hummerleben“

Margaret Atwood – Die Zeuginnen

Um es gleich vorneweg zu sagen: Die Zeuginnen von Margaret Atwood sollte man nicht mit dem Report der Magd vergleichen. Auch wenn es sich hier quasi um eine Fortsetzung des vor 35 Jahren, 1985 erschienenen Roman handelt, der zu einem Kultbuch der feministischen Literatur wurde.

Dabei wurde Der Report der Magd bei Erscheinen lange nicht so einhellig positiv aufgenommen, wie man es vermuten könnte. Erst in den letzten Jahren, mit zunehmender Frauenverachtung, sei es durch radikale Islamisten wie IS oder Boko Haram, sei es durch sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Indien, sei es in der westlichen Welt, wo wieder Tendenzen zur Verschärfung von Abtreibungsverboten aufkommen und ein amerikanischer Präsident sich offen frauenfeindlich äußern darf, erhielt der Roman den Status und die Berühmtheit, die wir heute kennen. Beigetragen zu der hohen Popularität, die Der Report der Magd heute besitzt, hat sicher auch die viel gelobte Serie, die darauf aufbaut. Weiterlesen „Margaret Atwood – Die Zeuginnen“

Eduardo Halfon – Duell

Ein Streit unter Brüdern, ein kleines Gerangel führt dazu, dass der Vater zum ersten Mal mit seinen Söhnen über eine stets beschwiegene Familientragödie spricht: den frühen Tod seines älteren Bruders Salomon. Der eine Sohn, Eduardo Halfon, vielleicht der Autor, vielleicht auch nicht ganz, es handelt sich ja um einen Roman, strengt daraufhin Nachforschungen an und schreibt dieses Buch: Duell. Weiterlesen „Eduardo Halfon – Duell“

Tommy Orange – Dort dort

Literatur, die von Native Americans handelt oder von diesen verfasst wurde, ist in Deutschland, sieht man einmal von Louise Erdrich ab, kaum bekannt. Und auch in den USA selbst scheint sie nicht sehr weit verbreitet zu sein. 2018 aber erlangte der den Cheyenne und Arapaho Tribes angehörende, 1982 in Oakland, Kalifornien geborene Tommy Orange gleich mit seinem Debütroman There, there, deutscher Titel Dort dort , einiges an Aufsehen. Das Buch war Finalist für den Pulitzer Prize. Weiterlesen „Tommy Orange – Dort dort“

Ein Blick in die Verlagsvorschauen Frühjahr 2020

Wie Weihnachten kommen jedes Jahr „völlig überraschend“ die Verlagsvorschauen des nächsten Jahres hereingetrudelt. Der Buchmessentrubel ist einigermaßen verarbeitet, die trotz eiserner Vorsätze doch wieder mitgenommenen Bücher ins Regal einsortiert und der immer noch umfangreiche Stapel noch zu lesender und zu besprechender oder zumindest anzulesender Herbsttitel steht erwartungsvoll neben dem Sessel. Und dann das – wieder Unmengen an vielversprechenden, verlockenden Romanen, von den Verlagen attraktiv und ansprechend in Szene gesetzt, mit neugierig machenden Texten und je nachdem sympathischen oder rätselhaft-unergründlichen Fotos der Autoren versehen. Und alle schreien – lies mich! Wie die Auswahl treffen? Stark genug, um zu sagen: Ich setze mal eine Saison aus, habe eh noch Lesestoff für mehrere Jahre, bin ich natürlich nicht. Und so mischt sich wie jeden Herbst und jeden Frühling ein kindlich-aufgeregtes, vor Neugier und Erwartungsfreude ganz hibbeliges mit einem entsetzt raunenden Ich: Nicht zuviel, das kannst du gar nicht alles lesen, selektiere, schau genauer hin. Und heraus kommt, wie auch jedes Jahr im Herbst und Frühling: Ein Blick in die Verlagsvorschauen Frühjahr 2020!

Lasst euch inspirieren, verlocken, neugierig machen auf die Titel der Frühjahrsproduktion 2020. Wie immer ganz subjektiv und nach Verlagen sortiert.

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Nicolas Mathieu – Wie später ihre Kinder

Heillange heißt der kleine fiktive Ort in der nordfranzösischen Provinz, den Nicolas Mathieu in seinem 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Roman „Wie später ihre Kinder“ zum Mittelpunkt eines Gesellschaftsporträts macht. Nur unschwer lässt er sich als das lothringische Hayange in der deutsch-luxemburgischen Grenzregion identifizieren, das seit dem 18. Jahrhundert von der Eisen- und Stahlproduktion geprägt war und in dem etliche Betriebe in den 1980er Jahren schließen mussten. Seitdem vollzieht sich der sogenannte „Strukturwandel“ dort nur schleppend, entwickelten sich keine „blühenden“ Landschaften, wie sie nicht nur in Deutschland versprochen wurden, sondern grassieren Arbeitslosigkeit und Verarmung. Die Gegend wurde zur Hochburg des Front national, der seit 2014 den dortigen Bürgermeister stellt. Weiterlesen „Nicolas Mathieu – Wie später ihre Kinder“

Ocean Vuong – Auf Erden sind wir kurz grandios

Gleich mit seinem Debütroman gelang dem 1988 geborenen US-Amerikaner ein fulminanter Erfolg. Seine Autofiktion, die vom Heranwachsen, dem schwierigen Verhältnis zu seiner Mutter und seinem Comingout erzählt, ist nach einem der Gedichte in seinem jüngsten Lyrikband benannt: Ocean Vuong „Auf Erden sind wir kurz grandios“. Weiterlesen „Ocean Vuong – Auf Erden sind wir kurz grandios“