Kim Thúy – Großer Bruder kleine Schwester

Kim Thúy war zehn Jahre alt, als sie 1978 mit ihren Eltern als sogenannte „Boat People“ aus Vietnam nach Kanada floh. Dort studierte sie Recht und Sprachwissenschaften, arbeitete als Rechtsanwältin, Übersetzerin und als Gastronomin, wovon ihr wunderbar persönliches Kochbuch Das Geheimnis der vietnamesischen Küche zeugt. Und Kim Thúy begann 2009 schmale, zarte, autobiografisch inspirierte Romane zu schreiben, Der Klang der Fremde (2009), Der Geschmack der Sehnsucht (2013) und Die vielen Namen der Liebe (2016). Bereits 2019 konnte ich die Autorin in Leipzig treffen und bin seitdem ein großer Fan dieser herzlichen, klugen und engagierten Frau. Anlässlich des Gastlandauftritts Kanadas zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse war Kim Thúy mit ihrem neuen Buch Großer Bruder kleine Schwester Mitglied der Delegation vor Ort. Weiterlesen “Kim Thúy – Großer Bruder kleine Schwester”

Sven Regener – Glitterschnitter

Zwanzig Jahre nachdem Sven Regener 2001 mit Herr Lehmann sein Berliner Universum rund um die Wiener Straße eröffnet hat, legt er mit Glitterschnitter nun bereits den sechsten Roman mit Frank Lehmann, Karl Schmidt, Kneipenbesitzer Erwin Kächele, Hausbe-setzer/sitzer P.Immel und Aktionskünstler H.R.Ledigt vor. Wieder setzt er dem Berlin der 1980er Jahre, der Stadt in der „alles möglich war“, den Träumern, Verweigerern und Lebenskünstlern, die es bevölkerten, ein so witziges wie nachdenkliches Denkmal. Weiterlesen “Sven Regener – Glitterschnitter”

Nella Larsen – Seitenwechsel und Wallace Thurman – The blacker the berry

Die afroamerikanische Künstlergruppe „Harlem Renaissance“ der 1920er Jahre erlebt zurzeit ihrerseits eine kleine Renaissance. Gleich mehrere Romane aus ihrem Umfeld sind unlängst wieder/neu auf Deutsch erschienen: Die Hochzeit von „Nesthäkchen“ Dorothy West (1907-1998), erstmals veröffentlicht 1995, bei Hoffmann und Campe; The blacker the berry von Wallace Thurman (1902-1934), erstmals veröffentlicht 1929, bei Ebersbach und Simon; Seitenwechsel von Nella Larsen (1891-1964), ebenfalls aus dem Jahr 1929, bei Dörlemann. Die aktuelle Verfilmung von Letzterem durch Rebecca Hall startet gerade auf Netflix.

Alle drei Romane bestechen durch eine verblüffende Modernität, Aktualität und gesellschaftspolitische Schärfe und lohnen auf jeden Fall die Wiederentdeckung. Weiterlesen “Nella Larsen – Seitenwechsel und Wallace Thurman – The blacker the berry”

Tsitsi Dangarembga – Aufbrechen

Im Oktober 2021 erhielt Tsitsi Dangarembga in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Diese seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehene und mit einer Preissumme von 25.000 Euro verbundene Auszeichnung soll die Selbstverpflichtung des Buchhandels, mit seiner Arbeit der Völkerverständigung zu dienen, ausdrücken. Die Schriftstellerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe wird deshalb nicht nur für ihr künstlerisches Werk, und hier vor allem für ihre Trilogie um die heranwachsende Frau Tambudzai (in Deutschland sind bisher Band 1 Aufbrechen und Band 3 Überleben erschienen) ausgezeichnet, sondern auch für ihr kulturelles und politisches Engagement. Weiterlesen “Tsitsi Dangarembga – Aufbrechen”

Tayari Jones – Das Jahr in dem wir verschwanden

Zwischen Juli 1979 und Mai 1981 verschwanden in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zahlreiche, vorwiegend afroamerikanische Kinder und Jugendliche. Die überwiegende Mehrzahl waren Jungen im Alter von 8 bis 15. Die amerikanische Autorin Tayari Jones lebte zu der Zeit im gleichen Alter in Atlanta und blickt in ihrem Debütroman Das Jahr in dem wir verschwanden auf diese Ereignisse zurück. Nach dem großen Erfolg ihrer Romane In guten wie in schlechten Tagen und Das zweitbeste Leben veröffentlicht der Arche Verlag nun diesen Erstling in der Übersetzung von Britt Somann-Jung. Weiterlesen “Tayari Jones – Das Jahr in dem wir verschwanden”

Nadine Schneider – Wohin ich immer gehe

2019 bezauberte Nadine Schneider mit ihrem Roman Drei Kilometer nicht nur die Jury des Bloggerpreises für Literatur Das Debüt, sondern sie erhielt auch den Hermann Hesse Förderpreis, den Literaturpreis der Stadt Fulda und den Vera-Doppelfeld-Förderpreis. In Wohin ich immer gehe, das diesen Sommer erschien, zeigt Nadine Schneider, dass ihr auch der oft so schwere zweite Roman ganz wunderbar gelungen ist. Weiterlesen “Nadine Schneider – Wohin ich immer gehe”

Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich

Die ghanaisch-amerikanische Autorin Yaa Gyasi begeisterte bereits mit ihrem Debütroman Heimkehren, einem klug konstruierten, Generationen und Jahrhunderte umspannenden Familienroman. Nun hat Yaa Gyasi ihren zweiten Roman, übersetzt von Anette Grube, unter dem Titel Ein erhabenes Königreich auch auf Deutsch veröffentlicht. Weiterlesen “Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich”

Javier Cercas – Terra alta

Der Spanier Javier Cercas ist bekannt für seine essayistischen Romane, die zeithistorische Ereignisse thematisieren, vor allem den Spanischen Bürgerkrieg und dessen Nachwehen. In Deutschland wurden vor allem seine beiden Romane Soldaten von Salamis und Anatomie eines Augenblicks breiter wahrgenommen. In letzterem schildert er den missglückten Versuch eines Staatsstreichs rechter Militärs vom 23. Februar 1981 in Spanien. Das Buch wurde ein großer Erfolg. Überraschend hat Javier Cercas nun, zumindest vordergründig, das Genre gewechselt und legte 2019 mit Terra alta den ersten Teil einer geplanten Krimireihe vor, der nun in der Übersetzung von Susanne Lange auf Deutsch erschienen ist. In Spanien ist bereits Teil 2 veröffentlicht, in Deutschland ist das für den Sommer 2022 geplant. Weiterlesen “Javier Cercas – Terra alta”

Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse – Singular Plurality-Singulier Pluriel

*Werbung/Kooperation   und Verlosung!

Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Nun ist es endlich soweit. Die Frankfurter Buchmesse 2021 öffnet heute ihre Tore und präsentiert das Gastland Kanada, seine Autoren und seine Literatur. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich in den letzten Wochen auf eine kleine literarische Reise begeben, die ich heute mit einem kleinen Überblick über Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse in Deutschland, die mir besonders aufgefallen sind, die ich mochte und euch empfehlen kann, beenden möchte. Weiterlesen “Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse – Singular Plurality-Singulier Pluriel”

Margaret Laurence – Der steinerne Engel – Singular Plurality – Singulier Pluriel

*Werbung/Kooperation

Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Bald ist es nun endlich soweit und das Literaturland Kanada ist nach dem pandemiebedingt im vergangenen Jahr nur virtuell stattgefundenen Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2021 zu Gast. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich auf eine kleine literarische Reise begeben, auf die ich euch gerne mitnehmen möchte. Mit Margaret Laurence und ihrem Der steinerne Engel hat mich ein Klassiker der kanadischen Literatur sehr begeistern können. Eine Entdeckung, die ich hier gerne teilen möchte.

Eine 90jährige – am Ende ihres Lebens. Das könnte eine Geschichte voller Wehmut werden, ein Roman vom Abschied, ein Rückblick auf ein erfülltes Leben oder eines voller Enttäuschungen und verpasster Chancen – melancholisch, traurig oder auch versöhnlich. Wenn, ja wenn Margaret Laurence in Der steinerne Engel nicht Hagar Shipley zur Hauptfigur gemacht hätte. Denn Hagar ist, hier passt der altmodische Ausdruck perfekt, eine richtige Kratzbürste. Weiterlesen “Margaret Laurence – Der steinerne Engel – Singular Plurality – Singulier Pluriel”