Leila Aboulela – Minarett

Glaube als einziger Ausweg aus Desorientierung, Kultur- und Identitätsverlust? Religion als Zufluchtsort? Westliche Leser:innen, vor allem säkular lebende oder gar atheistische, werden mit diesem Ansatz ihre Schwierigkeiten haben. Das geht mir nicht anders. Dennoch habe ich den bereits 2005 im Original erschienenen Roman Minarett von Leila Aboulela, die dieses Modell unzweifelhaft unterstützt, mit viel Gewinn gelesen. Weiterlesen “Leila Aboulela – Minarett”

Maryse Condé – Mein Lachen und Weinen

Maryse Condé erzählt in ihrem im Original bereits 1999 erschienenen Memoir Mein Lachen und Weinen „wahre Geschichten aus meiner Kindheit“. Vor dem Erfolg ihrer Autobiografie Das ungeschminkte Leben, in der sie über ihr Studentenleben in Paris und den Weg als alleinerziehende Mutter nach Westafrika schreibt, zeichnete sie darin das Leben der Schwarzen Oberschicht auf den französischen Antillen in den 1940er und 1950er Jahren auf. Weiterlesen “Maryse Condé – Mein Lachen und Weinen”

George Orwell – Farm der Tiere und 1984 – Neuübersetzungen

Im vergangenen Jahr jährte sich der Todestag von George Orwell zum 70. Mal. Der 1903 im damaligen Britisch-Indien geborene Eric Arthur Blair, der hinter dem Schriftsteller-Pseudonym steckte, starb 1950 erst sechsundvierzigjährig an den Folgen einer Lungentuberklose in London. Neben seinen weltberühmten Werken Farm der Tiere und 1984, die nun nach Beendigung des Urheberschutzes in zahlreichen Neuauflagen und Neuübersetzungen in verschiedenen Verlagen erscheinen, verfasste George Orwell drei weitere Romane, Sozialreportagen, Autobiographisches und Essays. Weiterlesen “George Orwell – Farm der Tiere und 1984 – Neuübersetzungen”

Eva Schmidt – Die Welt gegenüber

Es sind die leisen Töne, in denen die 1952 geborene österreichische Schriftstellerin Eva Schmidt brilliert. Ihre Romane Ein langes Jahr und Die untalentierte Lügnerin waren 2016 und 2019 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Und doch zählt sie in Deutschland zu den eher unbekannteren Autorinnen. Der Blick auf den Alltag ihrer zumeist tief einsamen Protagonist:innen ist so scharf wie zurückhaltend. Mit ihrem neuen Erzählungsband Die Welt gegenüber kehrt Eva Schmidt zu der kurzen Form ihrer Anfangsjahre zurück. Weiterlesen “Eva Schmidt – Die Welt gegenüber”

Barney Norris – Die Jahre ohne uns

2017 erschien Das Debüt des britischen Autors Barney Norris: Hier treffen sich fünf Flüsse. Mich hatte die multiperspektivische Erzählung über fünf Menschen rund um das alte Städtchen Salisbury sehr für sich eingenommen. Es war klar, dass ich den nächsten Roman des britischen Autors auch lesen möchte. Diesmal verblüfft Barney Norris seine Leser:innen mit Die Jahre ohne  nun ganz gehörig. Weiterlesen “Barney Norris – Die Jahre ohne uns”

Monika Helfer – Vati

Im vergangenen Jahr veröffentlichte die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer einen schmalen, leisen Roman über ihre Großmutter und die Familie mütterlicherseits. Die Bagage erzählte knapp, sparsam, aber sehr poetisch und einfühlsam vom Leben in einem abgeschiedenen Dorf des Bregenzer Waldes zu Zeiten des Ersten Weltkrieges. Das Buch erfuhr ein großes, sehr positives Medienecho und wurde zu einem wahren Publikumserfolg und Verkaufsschlager. Bis heute kann ich nicht verstehen, warum es noch nicht einmal auf der Longlist des Deutschen Buchpreises auftauchte. Ein Versäumnis, das man hoffentlich in diesem Jahr nicht noch einmal wiederholt. Denn Monika Helfer hat nun mit Vati ein weiteres persönliches Familienbuch nachgeschoben. Es handelt, der Titel verrät es, von ihrem Vater. Weiterlesen “Monika Helfer – Vati”

Bernardine Evaristo – Mädchen Frau etc.

Die wohl mit am meisten ersehnte, am häufigsten besprochene und höchst gelobte Neuerscheinung dieses Bücherfrühlings ist wohl „Mädchen, Frau etc.“ von Bernardine Evaristo. 2019 relativ unerwartet mit dem Booker Prize ausgezeichnet (neben Margaret Atwoods Die Zeuginnen), hat sich der Roman über zwölf sehr diverse (Frauen)leben nicht nur blendend verkauft und wurde zu einem Lieblingsbuch für viele Leser:innen, sondern erhielt auch durchweg begeisterte Besprechungen. Weiterlesen “Bernardine Evaristo – Mädchen Frau etc.”

Esther Becker – Wie die Gorillas

Es gibt Romane, die kommen auf eher leisen Sohlen und packen die Leser:innen dann unverhofft und hinterrücks umso intensiver. Um solch ein Buch handelt es sich beim Debütroman Wie die Gorillas der 1980 geborenen und bisher vor allem als Dramatikerin hervorgetretenen Esther Becker. Es sind nur gut 150 locker bedruckte Seiten und zunächst recht belanglos scheinende Alltagsepisoden mit denen das Buch beginnt. Weiterlesen “Esther Becker – Wie die Gorillas”

Lektüre Februar 2021

Im Februar habe ich noch überwiegend Bücher aus dem vergangenen Herbst gelesen, bevor ich mich bei der Lektüre jetzt langsam den Neuerscheinungen des Frühjahrs 2021 zuwende. Ein paar Nachzügler  werden es ganz sicher auch noch auf meine Leseliste schaffen, aber die frischen Titel locken doch sehr. Weiterlesen “Lektüre Februar 2021”

Jonas Hassen Khemiri – Die Vaterklausel

Bereits mit seinem letzten, 2017 auf Deutsch erschienenen Roman Alles was ich nicht erinnerte konnte mich der schwedische Autor Jonas Hassen Khemiri durch seine multiperspektivische Erzählart überzeugen, die er auch in Die Vaterklausel wieder wählt. Ein Familienkonflikt steht hier im Zentrum, besonders das Verhältnis Vater-Sohn. Und wieder ist es eine schon lange in Schweden lebende Familie mit Wurzeln im arabischen Raum. Diesmal ist das Herkunftsland aber nicht ganz so eindeutig als Tunesien, aus dem auch Khemiris Vater stammt, zu identifizieren wie im Vorgängerroman. Weiterlesen “Jonas Hassen Khemiri – Die Vaterklausel”