Lily King – Writers & Lovers

Darf man einer Autorin vorwerfen, offensichtlich alles richtig gemacht zu haben? Ist es kritikwürdig, dass im neuen Roman von Lily King alles zu gut passt, er den Leserinnen zu sehr aus der Seele spricht, zu sehr gewisse Erwartungen erfüllt? Writers & Lovers ist nach eigener Aussage der „Roman, den ich als Zwanzig- und Dreißigjährige so schmerzlich vermisst hatte“, den Lily King vor dreißig Jahren selbst gerne gelesen hätte. Und da sich die Zeiten in manchen Dingen leider so wenig geändert haben, ist es wohl auch der Roman, den heute viele (nicht nur Zwanzig- und Dreißigjährige) gerne lesen möchten. Weiterlesen „Lily King – Writers & Lovers“

Zora del Buono – Die Marschallin

Zora del Buono schreibt über Zora Del Buono. Dabei ist die Groß- bzw. Kleinschreibung in der Mitte des Namens von Bedeutung. Denn die Großmutter Zora Del Buono, deren Lebensgeschichte die Schweizer Autorin des gleichen Namens vor ihrem Lesepublikum ausbreitet, die titelgebende „Marschallin“, ist überzeugte Kommunistin und jeder Adelsdünkel ihr, zumindest offiziell, ein Gräuel.

Nach einem kurzen Prolog beginnt der Roman 1919 in einem kleinen Dorf im Nordwesten Sloweniens, Bovec. Hier am Grenzfluss Isonzo ((italienisch), Soča (slowenisch), Sontig (deutsch), Lusinç (friaulisch) – je nach aktuellem Besatzer), fand die letzte von insgesamt zwölf Isonzoschlachten im Ersten Weltkrieg statt. Dank Einsatz von Giftgas konnten die Österreicher mit Unterstützung der Deutschen die Italienischen Truppen zurückdrängen. Die Schlachten forderten Hunderttausende an Toten und formten dieses Grenzgebiet nachhaltig. Weiterlesen „Zora del Buono – Die Marschallin“

Common Ground – Literatur aus Südosteuropa

Literatur aus Südosteuropa ist für viele Leser*innen, unter anderem auch für mich, relatives Neuland. Eine Handvoll Autor*innen fallen einem da vielleicht ein, Ismail Kadare aus Albanien; der in Bosnien-Herzegowina geborene und in Serbien verstorbene Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić oder Danilo Kiš. In jüngerer Zeit haben der Rumäne Mircea Cărtărescu,  Drago Jančar aus Slowenien oder Ivana Sajko aus Kroatien mit Veröffentlichungen in Deutschland auf sich aufmerksam gemacht. In meinem Bücherregal stehen noch Aleksandar Tišma, Jurica Pavičić und Miljenko Jergović, letzterer ein bosnischer Autor, der aber auf Kroatisch schreibt. 14 Länder, 10 Sprachen – das Projekt Common Ground möchte die Literatur aus Südosteuropa für deutsche Leser*innen zugänglicher machen. Weiterlesen „Common Ground – Literatur aus Südosteuropa“

Petina Gappah – Im Herzen des Goldenen Dreiecks

Im vergangenen Jahr gehörte der neue Roman von Petina Gappah, Aus der Dunkelheit strahlendes Licht, der von Tod und Überführung des Afrikaforsches David Livingston erzählte, zu meinen Lese-Highlights, jetzt veröffentlicht der Arche Verlag den Erstling der Autorin von 2009, den Erzählungsband Im Herzen des Goldenen Dreiecks. Weiterlesen „Petina Gappah – Im Herzen des Goldenen Dreiecks“

Charlotte Wood – Ein Wochenende

Jude, Wendy und Adele – drei Frauen weit in den Siebzigern, Freundinnen seit gefühlt ewig – treffen sich, um wie seit Jahrzehnten ein sonnendurchflutetes, heißes australisches Weihnachten am Meer zu verbringen. Doch Charlotte Wood lässt die alten Damen kein gemütliches Fest feiern, sie treffen sich in Ein Wochenende, um das Strandhaus ihrer kürzlich verstorbenen Freundin Sylvie, Vierte im Bunde, auszuräumen, damit es von deren Tochter verkauft werden kann. Erinnerungen werden wach und die Beziehungen untereinander neu ausgelotet. Weiterlesen „Charlotte Wood – Ein Wochenende“

Anuradha Roy – Der Garten meiner Mutter

„All the lieves we never lived“ – der Originaltitel des neuen Romans der Autorin Anuradha Roy Der Garten meiner Mutter – trifft es mal wieder viel genauer. Es geht in dem poetischen, bildstarken Text um die vielen ungelebten Leben, die Möglichkeiten und Abzweigungen, die zu Beginn offenstehen, das Gelingen und das Scheitern, um Einsamkeit und Sehnsucht. Weiterlesen „Anuradha Roy – Der Garten meiner Mutter“

Jessie Greengrass – Was wir voneinander wissen

Eine junge Frau ist zum zweiten Mal schwanger. Und während sie die zunehmende Entfernung von ihrer kleinen Erstgeborenen durch deren Größerwerden zugleich bestaunt und betrauert, erinnert sie sich an Zeiten der Erschütterung. Damals, als sie sich die Frage stellen musste: Will ich überhaupt ein Kind? Kann ich die Verantwortung für es übernehmen, kann ich es so lieben, wie eine Mutter ihr Kind lieben muss? Oder damals, als ihre Mutter starb, sie gerade mal Anfang Zwanzig war. Zeiten, in denen die Ich-Erzählerin in Was wir voneinander wissen von Jessie Greengrass nach Antworten suchte, nach Erkenntnis, nach Zusammenhängen. Weiterlesen „Jessie Greengrass – Was wir voneinander wissen“

Jhumpa Lahiri – Wo ich mich finde

„Dove mi trovo“, Wo ich mich finde, betitelt die 1967 geborene Jhumpa Lahiri, Tochter bengalischer Eltern, in London und Rhode Island aufgewachsen, ihren ersten auf Italienisch geschriebenen Roman. Bereits 2015 erzählte sie in ihrem Essay „In altre parole“, wie sie sich in die italienische Sprache verliebte und wie diese ihr Schreiben beeinflusst. Seit 2011 lebt die Autorin mit Mann und zwei Kindern in Rom. Weiterlesen „Jhumpa Lahiri – Wo ich mich finde“

Donna Leon – Geheime Quellen

Seit 1992 liefert Donna Leon pünktlich jedes Jahr einen neuen Roman mit ihrem charismatischen venezianischen Commissario Guido Brunetti. Und auch wenn die Autorin der Lagunenstadt seit Jahren schon der Rücken gekehrt hat und in der Schweiz lebt, weiß sie doch immer noch deren ganz besondere Atmosphäre einzufangen. In seinem 29. Fall schickt Donna Leon Brunetti durch ein von Touristen überfülltes, brütend heißes, sommerliches Venedig auf der Suche nach „Geheime Quellen“. Weiterlesen „Donna Leon – Geheime Quellen“

Berlin Alexanderplatz – 2020 – (Film von Burhan Qurbani)

Am 14. April sollte er deutschlandweit in den Kinos starten und am 2. März saß ich mit etwa einem Dutzend Pressevertretern erwartungsvoll im kleinen Saal des Frankfurter Arthouse-Kinos Cinema in tiefen roten Plüschsesseln. Es sollte für lange Zeit meine letzte kulturelle Veranstaltung sein, das wusste ich da aber natürlich noch nicht. Am nächsten Tag wurde die Leipziger Buchmesse abgesagt und was dann kam, wisst ihr ja. Nun ist der Kinostart für Berlin Alexanderplatz, die überwältigende Neuverfilmung des Klassikers von Alfred Döblin, am 16/Juli/ 2020 angesetzt. Und ich möchte euch diesen Film in seiner Bildgewalt, in seiner mutigen Neuinterpretation des bekannten Stoffs und seiner beeindruckenden schauspielerischen Kraft ans Herz legen. Weiterlesen „Berlin Alexanderplatz – 2020 – (Film von Burhan Qurbani)“