Regelmäßig zweimal im Jahr werfe ich einen ausgiebigen Blick in die Verlagsvorschauen der kommenden Büchersaison und habe hier zusammengestellte, welche Neuerscheinungen ich im Frühjahr 2026 am interessantesten und vielversprechendsten finde. Natürlich wie immer völlig subjektiv auf meine Lesevorlieben ausgerichtet und sich auf internationale, meist zeitgenössische Prosa beschränkend.
Aber auch so ist wieder einiges zusammengekommen und der Bücherfrühling verspricht wieder sehr gut zu werden. Es wird ein neues Buch von Elizabeth Strout geben, für mich immer wieder ein Fest. (Luchterhand) Dann wird es eine neue veröffentlichung von der von mir sehr geschätzten kanadischen Klassikerin Margaret Laurence geben (Eisele), neue Bücher von Maylis de Kerangal (Suhrkamp), Dana von Sufferin (KiWi), Nadine Schneider und von Kiran Desai (beide S.Fischer). Und es erscheint der dritte Teil von Leila Slimanis Familientrilogie (Luchterhand). Und nicht zu vergessen erscheint bei Hanserblau der Debütroman meiner lieben Bloggerkollegin Betty Boras. Happy Bookbirthday im Februar!
Die meisten Funde hatte ich (wie eigentlich immer) bei den Hanserverlagen, aber auch bei Suhrkamp, KiWi, Luchterhand, C.H.Beck und S.Fischer gab es jede Menge Treffer. Ein ganz hervorragendes Programm hat dieses Mal auch der Claassen Verlag. Ich muss zugeben, dass der bei Ullstein beheimatete Verlag bisher eher unter meinem Radar lief, aber eine Programmneuausrichtung hat ihn für mich wieder sehr attraktiv gemacht. Bei den kleinen Verlagen hat mich dieses Mal besonders das Programm bei Secession sehr erfreut. Und es gibt eine Verlagsneugründung, über die ich mich sehr freue: Der Pfaueninselverlag, als literarisches Imprint bei Bastei-Lübbe startet mit Verlagsleiterin Constanze Neumann sein erstes Programm unter dem Motto „Die Welt erzählen“. Ich freue mich über diesen Schritt, während in anderen Verlagshäusern gefühlt immer mehr der Weg hin zu leicht konsumerablen, auf die neue, vielversprechende Leserinnenschaft der jungen Frauen zugeschnittenen Formaten gegangen wird. Ich bin gespannt und finde das Programm sehr interessant.
Nicht versäumen möchte ich auch die Erwähnung des im Herbst von Stefanie Jaksch neu gegründeten Verlag Wasser, der Essays publiziert, die nicht ganz in die Ausrichtung von LiteraturReich passt, der ja ein Literaturblog ist, wo aber sehr spannende und leseswerte Texte erscheinen, beispielsweise Angst vor Männern von Nicole List. Wenn euch also hin und wieder auch ein Essay begleiten darf, schaut dort unbedingt vorbei.
Ich selbst lese in letzter Zeit wieder verstärkt Essays und Sachbücher, habe mich aber nach einiger Überlegung dagegen entschieden, diese auch hier vorzustellen. Das würde meine Kapazitäten und vielleicht auch hier den Rahmen sprengen. Deshalb bleibt LiteraturReich (zunächst zumindet) ein reiner Literatturblog. Auf Instgram stelle ich hingegen auch solche Leseerlebnisse immer wieder mal vor.
Ich hoffe, euch auch für das Frühjahr 2026 wieder eine schöne Mischung der für mich interessantesten Neuerscheinungen aus den Verlagsvorschauen ( knapp 100 davon habe ich durchforstet) zusammengestellt zu haben und wünsche wie immer viel Spaß beim Stöbern und später beim Lesen.
Die folgenden Texte entstammen sämtlich den Verlagsankündigungen.
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*Werbung* – unbezahlter, unbeauftragter und völlig unabhängiger Blick auf die kommenden deutschsprachigen Neuerscheinungen
Altneuland
17. März 2026
Gish Amit – Cedrick
200 Seiten, Gebunden, € 24,00
Gish Amit stößt in der Zeitung auf den Namen eines in Gaza getöteten Soldaten – eines jungen Israelis philippinischer Herkunft: sein ehemaliger Schüler Cedrick. Die Rekonstruktion eines kurzen Lebens – und eine alternative israelische Geschichte.
Der 24-jährige Cedrick Garin, ehemals Schüler von Gish Amit an einer Schule für Kinder von Arbeitsmigranten, stirbt 2024 im Gaza-Krieg – als Soldat und Nationalheld. Dabei lebte er in Israel als Bürger zweiter Klasse. Seine philippinische Mutter arbeitet als Pflegekraft, aber ohne Papiere. Sein Vater wird früh abgeschoben. Cedrick Garin war Zeit seines Lebens staatenlos. Der Philosophielehrer und Schriftsteller Gish Amit rekonstruiert das Leben und den Tod von Cedrick, aber erinnert an alle übersehenen und marginalisierten Gemeinschaften in Israel – und anderswo – und deren Wert für die Gesellschaft.
Arche
11. Februar 2026
Joost Oomen – Ein volles Leben
Übersetzt aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
192 Seiten, Gebunden, € 23,00
Theo Engel ist in den Niederlanden als Sterbehilfearzt tätig. Fast jede Woche verabreicht er Menschen, die unzumutbar und ausweglos leiden, die erlösende Spritze. Doch der Beruf zehrt an ihm, Theo kämpft mit Depressionen und hadert mit seiner Aufgabe. Eines Tages erhält er einen Brief: Darin bittet ihn ein zwar nicht mehr junger, aber vollkommen gesunder Mann um Sterbehilfe. Gerrit Blauw, Anfang 70, möchte sterben, weil er sein Leben für vollendet hält. Um den Arzt zu überzeugen, ihm zu helfen, erzählt Gerrit Theo von der Schönheit, die sein Leben erfüllt hat. Er erzählt von seiner Jugend in Friesland, wo er bei einer Feier Saartje kennenlernte und sich Hals über Kopf verliebte. Obwohl Saartje eine Beziehung mit seinem Freund Douwe begann, blieb sie für Gerrit der wichtigste Mensch, auch als er zum Studium nach Groningen ging. Er erzählt von seiner Arbeit für das Theater, und wie er, um die Aufmerksamkeit seiner großen Liebe Jahrzehnte später auf sich zu ziehen, für eine Produktion eine Giraffe auf die Nordseeinsel Terschelling verschiffte. Und zum ersten Mal beginnt Theo sich zu fragen, ob der Mensch nicht nur ein schönes Leben, sondern auch einen schönen Tod verdient hat.
In zärtlichen Bildern erzählt Joost Oomen von einem Mann, der sein Leben auf eine schöne Weise beenden möchte. Und von einem anderen, der der Hässlichkeit des Todes täglich in die Augen sehen muss. Gemeinsam nähern sie sich zutiefst menschlichen Fragen: Womit wollen wir unser Leben füllen? Und wie wollen wir sterben?
Berlin
29. Mai 2026
Anne Berest – VatertageÜbersetzung: Michaela Meßner, Amelie Thoma
464 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 25,00 €
Nach zwei Büchern über die Familie ihrer Mutter widmet Anne Berest dies neue Kapitel ihres Romanwerks dem väterlichen, dem bretonischen Zweig ihrer Familie. Schon der Ururgroßvater lebte im Finistere. Wie schon in „Die Postkarte“ vermischt sich die private mit der „großen“ Geschichte, von der Gründung der ersten Bauerngenossenschaften bis zum Mai 1968, von der deutschen Besatzung eines Dorfes im Léon bis zur Zerstörung der Stadt Brest.
btb
27. Mai 2026
Kathryn Stockett – Der Club der Unbeugsamen
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
Hardcover, mit Schutzumschlag, 528 Seiten, € 26,00
Mississippi, im Jahr 1933. Die Wirtschaftskrise hält die Welt in Atem. Doch als der brütend heiße Sommer allmählich in den Herbst übergeht, verbündet sich im kleinen Städtchen Oxford eine Gruppe von Frauen – einige aus der besseren Gesellschaft, ein paar auf kriminellen Abwegen. Während sich die einen an die Fantasie vergangener Tage klammern, fühlen sich die anderen durch ihre Verzweiflung bestärkt. Sie streben nach Macht, klettern in der Gesellschaft der Südstaaten nach oben oder gehen erstaunliche Risiken ein, koste es, was es wolle. Denn sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben wenig zu verlieren.
Kühn, herzerwärmend und erfrischend komisch – »Der Club der Unbeugsamen« ist eine mitreißende Geschichte über die Kraft des Female Empowerment und über den Mut jener, die entschlossen sind, sich zurückzuholen, was ihnen zusteht.
C.H. Beck
30. Januar 2026
Arthur Opp, einst Literaturprofessor, wiegt mittlerweile 250 Kilo und hat sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen. Die wenigen Schritte zur Haustür, um Lieferungen entgegenzunehmen, sind seine tägliche Herausforderung. Nur 30 Kilometer entfernt kämpft der siebzehnjährige Kel um seinen Schulabschluss und die Chance auf ein besseres Leben: ein Sportstipendium. Doch während er um seine Zukunft ringt, hält ihn die Sorge um seine kranke Mutter in Atem. Arthur und Kel sind zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch etwas Entscheidendes teilen: ihre Einsamkeit. Als sich Kels Mutter, einst Arthurs Studentin, nach Jahren der Funkstille mit einem verzweifelten Hilferuf an ihn wendet, nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die alte Wunden aufreißt, aber auch neue Wege freilegt und eindrücklich zeigt, wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen kann.
Hardcover, 340 Seiten, 24,00 €
Als Waleria erfährt, dass sie keine Kinder bekommen kann, löst diese Nachricht in ihr Unerwartetes aus, obwohl sie sich nie eigene Kinder gewünscht hat: Was bedeutet es, die Letzte in der Generationenfolge ihrer Familie zu sein? Was schuldet Waleria den Frauen in ihrer Familie?
Zart und voller Energie erzählt Oliwia Hälterlein wie im Spinnenflug miteinander verwoben die Geschichte dreier Generationen Frauen. Großmutter Marianna, geboren zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hat das Leben einer einfachen Bäuerin gelebt. Ihre Tochter Róza ist – geprägt vom sozialistischen Staat Volksrepublik Polen – wie die Mutter im Dorf aufgewachsen. Durch Zufall lernt sie die Stadt Gdansk und das Leben inmitten der Solidarnosc-Revolution kennen. Mit ihrer Tochter Waleria wird Róza Polen Ende der 1980er Jahre nach Westdeutschland verlassen. Waleria wächst im wiedervereinigten Deutschland auf, verlernt ihre Muttersprache und die Sprache ihrer Babcia. Mit poetischer Klarheit und erzählerischer Raffinesse verknüpft Oliwia Hälterlein Alltag und Erinnerung, Körper und Sprache, Herkunft und Zukunft – und beschreibt das unsichtbare Band, das die Frauen einer Familie verbindet.
Ulrich Woelk – Hellere Tage
320 Seiten, Hardcover, € 24,00
Wenn die Welt sich verändert, braucht es Geschichten, die Halt geben – Hellere Tage erzählt eine davon. Nach dem gefeierten Gesellschaftsroman Mittsommertage führt Ulrich Woelk seine Protagonistin Ruth Lember durch eine weitere Phase existenzieller Umbrüche und erzählt mit literarischer Eleganz vom Wandel der Werte und der Suche nach Nähe. Sein Roman ist das überzeugende Portrait einer Generation, die fühlt, wie ihre Distanz zur Gegenwart wächst.
Ruth, Professorin für Philosophie an der Humboldt-Universität, lebt inzwischen allein in Berlin-Moabit. Ihre Ehe mit Ben ist Vergangenheit, die Beziehung zu seiner Tochter ist zerbrechlich und doch voller Nähe. Ihre Studentinnen und Studenten scheinen von Jahr zu Jahr jünger zu werden, der wachsende Abstand zu ihnen beunruhigt Ruth ebenso wie die Spaltung der Gesellschaft. Dann tun sich auch im Privaten, der sicher geglaubten Vergangenheit, Risse auf: Der Tod ihres Vaters konfrontiert Ruth mit einem Familiengeheimnis, das ihre Identität erschüttert. Mit feiner Ironie und großer Empathie zeichnet Woelk das Porträt einer Frau, die sich den Fragen ihrer Zeit stellt. Hellere Tage ist ein kluger, berührender Gesellschaftsroman über Generationen, Identität und den Wunsch, uns zugehörig zu fühlen – ein literarischer Spiegel unserer Gegenwart.
20. März 2026
Rabih Alameddine – Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter)
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
384 Seiten, Hardcover, € 26,00
In einer winzigen Wohnung in Beirut leben der 63-jährige Radscha und seine über 80-jährige Mutter Seite an Seite. Radscha, beliebter Philosophielehrer an einer höheren Schule und „der Schwule von nebenan“, liebt Bücher, Spaziergänge, Ordnung und Einsamkeit. Zalfa empfindet das Bedürfnis ihres Sohnes nach Privatsphäre als persönliche Beleidigung. Sie will alles wissen: über seinen Alltag, sein Leben, seine Lieben. Als Radscha ein Stipendium in den USA angeboten wird, ist das die ersehnte Gelegenheit zur Flucht – vor der Mutter, dem politischen Chaos im Libanon und vor der eigenen Vergangenheit.
Doch was als Neuanfang gedacht war, wird zur Rückschau auf persönliche und politische Katastrophen und bringt Radscha dazu, einen Verrat, den er eigentlich vergessen wollte, noch einmal zu durchleben. Mit Witz, Wärme und schonungsloser Offenheit tanzt Rabih Alameddine förmlich durch sechs Jahrzehnte und ein einzigartiges Leben voller Absurditäten. Vor allem aber ist Die wirklich wahre Geschichte von Radscha, dem Gutgläubigen (und seiner Mutter) eine wilde und funkelnde Feier der Liebe und der Schönheit des Lebens.
Claassen
26. Februar 2026
Helene Bukowski – Wer möchte nicht im Leben bleiben
Hardcover, 384 Seiten, 24,00 €
1985 nimmt sich eine junge Pianistin in Neubrandenburg das Leben. Dreieinhalb Jahrezehnte später stößt die Schriftstellerin Helene Bukowski auf ihre Geschichte. Behutsam nähert sie sich Christina, sucht in ihrer Biografie nach Rissen und Erschütterungen, aber auch nach Augenblicken großen Glücks. Sie lernt einen Vater kennen, der in der Tochter seine eigenen Träume verwirklichen will, eine Mutter, die es liebt, zu fotografieren, und ein Klavier, das unverrückbar in der Wohnung steht. Bukowski folgt Christina nach Berlin, an die Spezialschule für Musik, mit ihren kalten Übungsräumen und dem täglichen Drill. Später nach Moskau, zum Studium am Konservatorium, durch sturzbachartigen Regen und Nächte voller Schnee. Und sie findet eine Krankheit, für die es erst heute eine Diagnose gibt.
Fatima Daas – Spiel das Spiel
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse
Hardcover, 208 Seiten, 23,00 €
Kayden ist nie allein: Zu Hause sind ihre Mutter und ihre große Schwester immer an ihrer Seite. In der Schule sind da ihre Freund:innen: Nelly, die Sportlerin, Samy, der Träumer, und Djenna, die sich nie etwas vormachen lässt. Kayden beobachtet, wie alle ihren Platz in einem starren System suchen. Sie schreibt auf, was sie sieht – und was sie nicht sieht.
Eines Tages liest Madame Fontaine, die strenge Französischlehrerin an ihrer neuen Schule, einen ihrer Texte. Eine Tür öffnet sich, das spürt sie: Kayden wird die nächste sein, die die Aufnahmeprüfung für die Eliteuni Sciences Po besteht. Kayden weiß nicht, ob sie das will; was sie will ist Zeit mit ihrer Lehrerin verbringen. Erst viel zu spät erkennt sie das Ungleichgewicht in ihrer Beziehung – dass Mme Fontaine nach anderen Regeln spielt als sie selbst.
Fatima Daas erzählt kraftvoll und eindringlich von engen Wohnungen und noch engeren Freund:innenschaften, von Solidarität und Rassismus – und von den engen Vorstellungen, die Institutionen von Jugendlichen aus der Banlieue haben. Muss Kayden das Spiel mitspielen – oder kann sie es verändern?
12. März 2026
Asta Olivia Nordenhof – Geld in der Tasche
Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein
Hardcover, 176 Seiten, 24,00 €
Im Mittelpunkt der Scandinavian Star-Reihe des neuen dänischen Literaturstars Asta Olivia Nordenhof steht ein schreckliches Feuer an Bord des Nordsee-Kreuzers Scandinavian Star.
Die Tragödie, die sich am 6. April 1990 ereignete, führte zum Tod von 159 Menschen. Das schreckliche Ende des stolzen Kreuzers, das auch heute noch viele Rätsel aufgibt, bildet die Klammer der epischen, auf sieben Bände angelegten Romanserie über den Kapitalismus und seine Kollateralschäden. Wurde die Scandinavian Star von der eigenen Besetzung in Brand gesetzt? Steht dieses Boot für die Rücksichtslosigkeit kapitalistischen Handelns und die Bereitschaft, für das Kapital über Leichen zu gehen?
Auf einem Bauernhof nahe Nyborg betreibt Kurt sein Busunternehmen und träumt vom großen Erfolg, während Maggie mit ihrer Vergangenheit ringt. Als sie schwer erkrankt und stirbt, verliert Kurt nicht nur seine Frau, sondern auch sein Geschäft. Verzweifelt lässt er sich auf ein dubioses Projekt ein, das schnelles Geld verspricht – nicht ahnend, dass er damit in eine gefährliche Verstrickung mit der „Scandinavian Star“-Katastrophe gerät, ein Fährunglück, das niemanden in der Nachbarschaft unberührt ließ, und das auch heute noch gefährliche Schatten wirft.
30. April 2026
Hal Ebbott – Unter Freunden
Aus dem Englischen von Jan Schönherr
Hardcover, 288 Seiten, 24,00 €
Amos und Emerson kennen sich seit mehr als dreißig Jahren. Trotz ihrer völlig unterschiedlichen Herkunft haben sie es beide zu einigem Wohlstand gebracht und führen ein Leben, wie sie es sich einst gewünscht haben: Ihre Ehefrauen sind eng befreundet, ihre jugendlichen Töchter zusammen aufgewachsen, ihre Tage strahlen die behagliche Lässigkeit eines New Yorker Großstadtlebens aus. Ihre Freundschaft kann nichts erschüttern – das glauben sie zumindest.
An diesem Wochenende in Emersons Landhaus jedoch spürt jeder: etwas ist anders. Emerson wird 52, und das soll gefeiert werden. Am Abend werden jahrzehntealte Rivalitäten und Ressentiments spürbar, die in einem schockierenden Akt der Gewalt gipfeln – einer Tat, die die sorgfältig aufgebaute Welt der befreundeten Familien zu zerstören droht.
Und nun steht jeder von ihnen vor einer Entscheidung: zwischen dem, was und wen er am meisten schützen will.
28. Mai 2026
Asta Olivia Nordenhof – Das Teufelsbuch
Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein
Der zweite Teil der Scandinavian Star Reihe
Hardcover, 192 Seiten, 24,00 €
Im Mittelpunkt der Scandinavian Star-Reihe des neuen dänischen Literaturstars Asta Olivia Nordenhof steht ein schreckliches Feuer an Bord des Nordsee-Kreuzers Scandinavian Star.
Die Tragödie, die sich am 6. April 1990 ereignete, führte zum Tod von 159 Menschen. Das schreckliche Ende des stolzen Kreuzers, das auch heute noch viele Rätsel aufgibt, bildet die Klammer der epischen, auf sieben Bände angelegten Romanserie über den Kapitalismus und seine Kollateralschäden. Wurde die Scandinavian Star von der eigenen Besetzung in Brand gesetzt? Steht dieses Boot für die Rücksichtslosigkeit kapitalistischen Handelns und die Bereitschaft, für das Kapital über Leichen zu gehen?
Olivia verbringt zwei Wochen in der Londoner Wohnung eines fremden Mannes und beginnt, ihre Vergangenheit niederzuschreiben. Jahre zuvor verkaufte sie sich an den mysteriösen T., der ihr einen Koffer voller Geld für die vollständige Kontrolle über ihren Körper bot. In ihrem gemeinsamen Bett lag stets ein Küchenmesser – Symbol eines tödlichen Spiels, aus dem sich Olivia in letzter Sekunde befreien konnte. Nun begegnet sie diesen Kräften erneut, die sie damals an den Rand der Selbstzerstörung trieben, und fragt sich, ob sie jemals wieder an Liebe glauben kann.
25. Juni 2026
Iwan Heilbut, Peter Graf (Hrsg.) – Zugvögel
Hardcover mit Schutzumschlag, 592 Seiten, 29,00 €
Paris, 1939. Edvard und Rahel erwarten ein Kind. Nichts wünschen sie sich mehr als das ihr „Knirps“, wie sie ihn liebevoll schon vor der Geburt nennen, in Frieden aufwächst. Ihr Wunsch verhallt in der Welt, in der sie leben. Seit ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland haben sie im Pariser Quartier ein neues Zuhause gefunden. Doch die Angst vor dem Krieg zersetzt ihr Viertel. Es herrscht ein Klima des Misstrauens, das junge Paar wird denunziert, und während ihr Sohn zur Welt kommt, wird Edvard interniert und in das Lager „La Macabre“ gebracht. Er kann sich befreien, doch ist es für die drei ein weiter und gefährlicher Weg bis nach Lissabon, von wo aus sie auf ein Schiff nach New York gelangen wollen.
Iwan Heilbuts kraftvoller Roman, der bis heute auf Deutsch unveröffentlicht blieb, zeichnet ein erschütterndes Bild von der klaustrophobischen Enge in der französischen Metropole, die einst Rettung versprach und über Nacht zur Hölle wird für diejenigen, die vor den Nazis geflohen sind. Doch Zugvögel ist auch die Geschichte einer unerschütterlichen Hoffnung auf eine Zukunft jenseits des Terrors. Ein Zeugnis der größten Herzenswärme zweier Menschen, die das junge Leben ihres Kindes um jeden Preis schützen wollen.
Culturbooks
ET: März 2026
Devika Rege – Die rastlosen Jahre
übersetzt von Barbara Weidle und Stefan Weidle
Hardcover mit Lesebändchen, 420 Seiten, EUR 28,00
Im Stil der großen Romane von Arundhati Roy, Salman Rushdi oder Amitav Ghosh entwirft Devika Rege mit großer erzählerischer Kraft und feinem Gespür für Details ein lebendiges, vielschichtiges Porträt des modernen Indien, seiner gesellschaftlichen Spannungen und kulturellen Konflikte – mit großer Relevanz auch für unsere westlichen Gesellschaften.
Kurz nach dem Wahlsieg der hindu-nationalistischen Bharat-Partei kreuzen sich in Mumbai die Wege der drei Hauptfiguren: Naren, der sich nach seinem Studium in den USA von dem Versprechen auf »bessere Tage« zurück in seine Heimatstadt locken lässt; Amanda, eine idealistische Amerikanerin, die in einem Slum für eine NGO arbeitet und Rohit, Narens Bruder, ein angehender Filmproduzent, der auf der Suche nach seinen Wurzeln in die Welt des Hindu-Nationalismus hineingezogen wird.
Während alle drei versuchen, das neue Indien zu begreifen und ihren Platz darin zu finden, weitet sich der Roman zu einem fesselnden Panorama gesellschaftlicher Umbrüche. Anschaulich beschreibt die Autorin ein Land im Aufbruch zur Weltmacht, voller religiöser, politischer und kultureller Spannungen und der großen Kluft zwischen Arm und Reich. Alles kulminiert in einer explosiven Festnacht, die das Leben der Hauptfiguren für immer verändert. Mit fein gezeichneten Beziehungsgeflechten und klarem Blick auf die Machtverhältnisse der Weltpolitik, auf universelle Kulturkämpfe und den aufblühenden Nationalismus berührt Devika Rege zugleich die Bruchlinien westlicher Demokratien – und trifft damit ins Herz unserer aller Gegenwart. Ein dringlicher Roman über unsere aufgewühlten Zeiten und die präzise, bildgewaltige Chronik einer rastlosen Generation im Aufbruch.
Diogenes
25. März 2026
Shelly Kupferberg – Stunden wie Tage
Hardcover Leinen, 304 Seiten, € 25.00
Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.
Charles Lewinsky – Eine andere Geschichte
Hardcover Leinen, 352 Seiten, € 26.00
Los Angeles, 1959. Der betagte Filmproduzent Curtis Melnitz wird jede Nacht von Albträumen heimgesucht. Er braucht unbedingt Schlaftabletten – aber die bekommt er nur, wenn er regelmäßig zur Psychoanalyse geht. Auf der Couch des Psychiaters erzählt er wider Willen seine Geschichte, sein Leben zwischen Hollywood und Berlin, zwischen der noch schwarz-weißen, stummen Traumfabrik und der umso grelleren, schreienden deutschen Wirklichkeit des frühen 20. Jahrhunderts. Jede Sitzung ein Kapitel. Ein Leben wie ein Roman.
22. April 2026
Dror Mishani – Nicht
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Hardcover Leinen, 192 Seiten, EUR 25,00
Ein Mann in seinen Fünfzigern. Er hat offenbar nichts mehr zu verlieren, obwohl noch so viel vor ihm liegt. Die Kinder sind aus dem Haus, KI bedroht seine Arbeit als Übersetzer. Vor allem hat der Tod seiner Frau alles infrage gestellt. Eine solche Liebe, da ist er sich sicher, wird er kein zweites Mal finden. Bis ihm bei gemeinsamen Freunden eine Cellistin begegnet. Es entspinnt sich, so leicht, als ob es Vorsehung wäre, ein verheißungsvolles Verhältnis, und plötzlich steht wieder alles auf dem Spiel.
20. Mai 2026
Barbara Chase-Riboud – Die unbekannte Sally Hemings
Aus dem amerikanischen Englisch von Werner Peterlich
Hardcover Leinen, 624 Seiten, € 28.00
Über 200 Jahre wurde unter Verschluss gehalten, dass die wichtigste Frau an der Seite des dritten US-Präsidenten Thomas Jefferson seine Sklavin Sally Hemings war. Erst die international bekannte Künstlerin Barbara Chase-Riboud gab ihr mit diesem Roman eine Identität und ihre eigene Geschichte zurück. In ›Sally Hemings‹ zeichnet sie das Bild einer stolzen, eigenwilligen Frau, die statt Freiheit die Liebe wählte und zeitlebens um ihren Platz in Jeffersons Leben kämpfte.
Dörlemann
17. März 2026
Elke Cremer – Heimgehen
Ein Episodenroman in vierundzwanzig Stunden
160 Seiten, Gebunden, € 22,–
Es scheint zunächst ein Tag wie jeder andere zu sein – Menschen treffen sich in Cafés, freuen sich auf eine Verabredung, streiten miteinander. Ein kleines Mädchen hat eine unheilvolle Vorahnung. Als plötzlich eine Gewalttat geschieht, setzt sich eine Dynamik in Gang, die sich auf die Leben verschiedener Personen auswirkt. Ein lange abwesender Vater nähert sich seiner Tochter wieder an, eine andere junge Frau kommt unter mysteriösen Umständen zu Tode. Ein älteres schwules Paar findet aus einer Beziehungskrise heraus, und ein erfolgreicher Manager muss erkennen, dass er einen großen Fehler gemacht hat.
Auf geheimnisvolle Weise scheint das Leben zahlreicher Menschen in der Stadt miteinander verflochten. Ein temporeicher Episodenroman, der in vierundzwanzig Stunden alle großen Fragen des Lebens stellt.
DTV
12. März 2026
Lukas Rietzschel – Sanditz
Gebunden, 496 Seiten, € 26,00
Sanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler, Orgelbauer, Fliesensammler, Lokaljournalistinnen, selbsternannte Widerständler, Träumerinnen, Frührenter, Kinder, Liebespaare, verhuschte Archivare und die Familie Wenzel.
Warmherzig und multiperspektivisch verwebt Lukas Rietzschel die Erzählung der Familie und der Sanditzer Stadtbewohner zu einem Panorama deutscher Geschichten – vom Ende der DDR bis in die jüngste Gegenwart, vom Besetzen der örtlichen Stasi-Zentrale bis zum Kampf eines Freiwilligen in der Ukraine, vom Abrackern auf westdeutschen Baustellen bis zum isolierten Inseldasein während der Corona-Epidemie.
Ein Roman über Aufbruch und Niedergang, Gelingen und Scheitern des Aufruhrs, Freundschaft und Familie in umwälzenden Zeiten, über den Wunsch nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Freiheit.
18. Juni 2026
Maria Reva – Ein Königreich für eine Schnecke
Übersetzt von Stephan Kleiner
gebunden, 416 Seiten, € 26,00
Ukraine, 2022. Yeva ist eine Schneckenforscherin, die aussterbende Arten in einem mobilen Labor retten will. Die immer erfolglosere Arbeit finanziert sie mit ihrer Schönheit. Als „Braut“ einer Heiratsagentur unterhält sie westliche Männer auf der Suche nach einer fügsamen Frau fürs Leben. So lernt sie die Schwestern Nastia und Sol kennen, die das aktivistische Werk ihrer vermissten Mutter fortsetzen wollen. Ihr Plan: Heiratstouristen in Yevas Transporter kidnappen und aufmerksamkeitsträchtig im Wald aussetzen. Bald geht’s los: drei wütende Frauen, dreizehn ahnungslose Junggesellen und Lefty, eine linksgewundene Schnecke, das letzte Exemplar ihrer Art – doch dann überfallen die Russen das Land … Und der Roman nimmt eine ungeahnte Wendung. Oder zwei. Denn wenn die Wirklichkeit in die Fiktion einfällt, wird es wild und scharzhumorig. ›Ein Königreich für eine Schnecke‹ ist ein meisterhaftes Debüt über Liebe und Verlust, über Zerstörung in vielen Facetten und die rettende Kraft des Humors.
Dumont
01. Mai 2026
Oliver Bottini – Die Summe aller Dinge
400 Seiten, gebunden, € 26,00
Frühjahr 2018: In Duisburg erschießt sich ein Mann am frühen Morgen, in London wird ein anderer von einem geheimnisvollen Wagen totgefahren, auf Capri sprechen alle von Mord, doch am Tatort ist weder ein Körper noch Blut zu finden. Das kann kein Zufall sein, weiß auch die Frankfurter Polizistin Vera Berg, die um ihren verstorbenen Mann Zaid trauert und nach Capri reist, um nach Antworten zu suchen. Was hat er vor ihr verheimlicht? Ist Erik, der langjährige Freund und Kollege ihres Mannes, doch nicht in seiner Villa ermordet worden? Und wenn nicht, wo ist er? Und wo ist ihre Tochter, die nach dem Tod ihres Vaters einfach verschwunden ist?
Zaid, Freddy und Erik sind Studienfreunde, die das große Geld machen wollten und deren Aktiengeschäfte sich in der allzu beliebten Grauzone bewegen – bis eine Staatsanwältin auf sie aufmerksam wird und alles aus dem Ruder läuft.
Meisterhaft erzählt Oliver Bottini davon, zu was ungebremste Gier führen kann: politisch brisant und hoch spannend.
12. Mai 2026
Johanna Sebauer – Das Gurkerl
Illustrierte Erzählung | Zweifach ausgezeichnet beim Bachmann-Wettbewerb 2024
48 Seiten, Hardcover, € 20,00
Sommerzeit in den Zeitungsredaktionen der Stadt. Ein wahrhaft bedeutender Redakteur schreitet zur Zubereitung seiner Frühstückssemmel. Beilage: knackige Gurkerl. Als er hineinbeißt, spritzt ihm das Essigwasser direkt ins Auge. Das Geschrei ist groß, der Redakteur kurz vor der Erblindung! Der Zwischenfall zieht Kreise: Aus dem Missgeschick wird eine Kolumne, dann ein Thema für Leserbriefe, Interviews, schließlich eine öffentliche Debatte. Gurkerl werden verboten, Proteste formieren sich, die Redaktion spaltet sich in Lager. Mit beißender Ironie kommentiert Johanna Sebauer mit ›Das Gurkerl‹, kongenial illustriert von Nikolaus Heidelbach, unsere heutige Empörungskultur.
Edition W
09. Februar 2026
Marie Luise Kaschnitz – Gott und die Welt
Aufzeichnungen aus der Wiesenau
Hrsg. von Rainer Weiss, mit einem Vorwort von Ina Hartwig
Gebunden, . 200 Seiten, 20,00 €
»Gott und die Welt« – nicht mehr und nicht weniger beschäftigt Marie Luise Kaschnitz in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in ihren Aufzeichnungen. Die anstehenden Stürme der Studentenrevolution und der sich bald formierenden außerparlamentarischen Oppositionen sind in den Gedanken der Dichterin bereits präsent. Ausgangspunkt ist eine drohende Kündigung ihrer Wohnung im Frankfurter Westend, eine damit verbundene existentielle Beunruhigung, in der sie die Stadt erlebt – und so von den Nöten ihrer Bewohner erzählt. Und in denen Themen aufleuchten, die uns heute noch und wieder beschäftigen: die Zukunft der Arbeit, die Bedrohung durch technische Entwicklungen, die Veränderungen in der Natur.
Der Lebensmittelpunkt der Kaschnitz ist das sich verändernde Frankfurt, das sie fasziniert und geradezu fesselt. »Ich bin oft genug gefragt worden, warum ich diese hässliche Stadt nicht verlasse, um wie die meisten anderen Schriftsteller in ein hübsches Landhaus zu ziehen …« – auf diese Frage hatte sie keine Antwort, aber sie blieb. Und hinterließ uns ihre wunderbaren erhellenden Aufzeichnungen, die uns – zum 125. Geburtstag der Dichterin – ein Frankfurt zeichnen, in dem man gerne zu Hause ist.
Eichborn
02. März 2026
Florence Knapp – Die Namen
Übersetzt von Lisa Kögeböhn
352 Seiten, Harcover, € 24,00
Kann dein Name den Verlauf deines Lebens ändern?
Eine kleine Stadt in England im Jahr 1987: Cora macht sich mit ihrer neunjährigen Tochter auf den Weg, um die Geburt ihres Sohnes anzumelden. Ihr Mann Gordon möchte, dass sie einer langjährigen Familientradition folgt und das Baby nach ihm benennt. Doch als sie vor der Entscheidung steht, zögert Cora. Gegen seinen Willen zu handeln, ist riskant; aber ist es richtig, dass ihr Kind den Namen ihres brutalen Mannes erbt? Die Entscheidung, die sie in diesem Moment trifft, wird den Verlauf ihres Lebens bestimmen.
Sieben Jahre später heißt ihr Sohn Bear, ein Name, den seine Schwester ausgesucht hat, und der sich als katastrophal erweisen wird. Oder er ist Julian, der Name, den sich seine Mutter ausgesucht hat, weil sie glaubt, dass er damit zu einer eigenen Persönlichkeit heranwächst. Oder er ist Gordon, benannt nach seinem Vater und aufgewachsen nach dessen grausamem Abbild – aber vielleicht gibt es noch eine Chance, die Muster der Vergangenheit zu durchbrechen?
Florence Knapps Debütroman ist die bewegende und hoffnungsvolle Geschichte von drei Namen, drei Versionen eines Lebens und den unendlichen Möglichkeiten, die eine einzige Entscheidung auslösen kann. Es ist die Geschichte einer Familie und ihrer Liebe zueinander – egal, was das Schicksal bereithält.
27. April 2026
Felicitas Prokopetz – Schon schwankte die Welt
240 Seiten, Hardcover, € 22,00
Viktoria und Helene: seit Kindertagen unzertrennlich. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, verbunden durch ein unsichtbares Band, das sie schon als Mädchen spüren und sie über Jahrzehnte nicht loslässt. Als Viktoria schwanger wird und ihre Beziehung zerbricht, steht Helene ihr bedingungslos zur Seite, wird zur zweiten Mutter, vielleicht sogar zum besseren Vater für die kleine Lara. Jahre später verwirklicht Viktoria ihren Traum, ihren Master in Kognitionsbiologie nachzuholen, und forscht an der Kommunikation von Raben. Dabei stößt sie auf unerklärliche Phänomene, denen sie gemeinsam mit Helene nachgeht. Eine Kette unglaublicher Ereignisse wird in Gang gesetzt.
Eisele Verlag
26. Februar 2026
Margaret Laurence – Glücklichere Tage
übersetzt von Monika Baark
Nachwort von Helene Bukowski
Hardcover mit Schutzumschlag, 528 Seiten, € 28,00
Morag Gunns Kindheit in der kanadischen Präriestadt Manawaka hat sie stark gemacht. Früh verwaist, vernachlässigt aufgewachsen bei wenig respektierten Pflegeeltern, gewöhnt sie sich früh daran, im Leben eine Außenseiterin zu sein. Sie entdeckt das Schreiben für sich und findet dadurch die Kraft, die einengende Provinz hinter sich zu lassen und ihr Glück in der Großstadt zu suchen. Sie schlägt sich allein durch, immer auf der Suche nach Liebe und Zugehörigkeit, die sie jedoch nur flüchtig findet.
Immer wieder aufs Neue wird Morag gezwungen, sich ihren Platz im Leben und in der Kunst zu erkämpfen. Schließlich erreicht sie ihr Ziel, sich als anerkannte Schriftstellerin und alleinerziehende Mutter ein autonomes Leben in Ontario aufzubauen. Bis eines Morgens ihre achtzehnjährige Tochter verschwindet, um sich auf die Spuren ihrer Herkunft zu machen und ihren Vater zu finden. Morag geht in Gedanken zurück bis zu ihren Wurzeln, ihrer rauen Kindheit, ihrer ersten Liebe, dem ungezähmten Jules Tonnerre …
Glücklichere Tage wird von vielen Kritikern als Margaret Laurence‘ Meisterwerk gesehen und als Höhepunkt ihres schriftstellerischen Könnens.
Mit Morag Gunn hat sie eine Heldin erschaffen, die starke autobiographische Züge trägt und symbolisch steht für alle Frauen, die mit Mut und Beharrlichkeit ihr Recht auf künstlerische Souveränität und Selbstbestimmung durchsetzen.
Folio
20. Februar 2026
Gianrico Carofiglio – Der Horizont der Nacht
Übersetzt von: Verena von Koskull
272 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 26,00 €
Elvira Castell hat den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen. Die Indizien sind schwerwiegend, sie selbst gibt die Tat zu. War es kaltblütiger Mord oder Notwehr? Avvocato Guerrieri weiß: Die Strategie der Verteidigung ist entscheidend, Vorsatz bedeutet lebenslänglich. Während der Prozess seinem Höhepunkt entgegenstrebt, verliert Guerrieri den Glauben an die Gerechtigkeit. Bei Streifzügen durch die nächtlichen Gassen von Bari befragt er sich selbst. Wie bin ich zu dem geworden, der ich bin? Wie erlange ich Gewissheit über mich und über die Taten anderer? Ist Schuld relativ? Beharrlich versucht er zu den menschlichen Abgründen und zum Kern seines Ich vorzudringen, auf der Suche nach Wahrheit und Glück.
FVA
26. Februar 2026
Franziska Hauser – Am Ende der Kleinigkeiten
352 Seiten, Hardcover, € 26,00
Irma will raus aus den Rollen, die andere ihr zuschreiben – ein kraftvoller Roman über den Mut zum Neuanfang, kämpferische Mutterschaft und die Suche nach der eigenen Stimme jenseits der Bühne.
Mit nichts als einem Seesack ist Irma vor ihrer Mutter nach Berlin geflüchtet. Sie verbringt den Tag auf einer Bank vorm Theater, die zehn Euro Eintritt kann sie sich nicht leisten – was wird erst alles andere in der Stadt kosten?
Dass sie bald schon als Schauspielerin auf der Bühne steht, hatte sie sich nicht auszumalen erhofft. Der Alltag am Theater ist weniger glamourös als erwartet, und doch aufregend anders als die alternative Siedlungsgemeinschaft, in der die vaterlose Irma aufgewachsen ist. Da ist die gefragte Schauspielerin Blanda, die alle umschwirren, die leidenschaftliche Helene, die Irma bei sich aufnimmt, und der exzentrische Regisseur Taron Capla, der ihr die Chance gibt, sich in einem wichtigen Stück zu beweisen. Irma stolpert durch die Dramen auf und hinter der Bühne und kämpft mit ihrer Rolle, während sie immer wieder von ihrem Leben in der Kommune eingeholt wird. Die schmerzlichste Erinnerung von allen ist jene an ihre Mutter, an ihre unbändige Wut, ihr warmes Strahlen, ihre kalte Verachtung. Als Irma beginnt ihre Rolle so zu sprechen, wie ihre Mutter sie gesprochen hätte, erntet sie von allen Seiten Applaus. Als es immer schwieriger wird, diese Rolle nach dem Auftritt wieder abzulegen, wird klar: Sie muss aufhören, ihr Leben nur zu spielen, um den Fluch zu brechen.
Franziska Hauser schreibt über das, was Mütter und Töchter, Freiheit und Abhängigkeit, den Einzelnen und die Gemeinschaft verbindet und abstößt – und über all die schönen und schrecklichen Kleinigkeiten dazwischen. Mit viel Witz und in direktem Ton umarmt sie ihre Figuren und fordert sie gleichzeitig heraus, sich zu zeigen. Ein Roman über Wunden, die nie heilen, und Wunder, die trotzdem passieren.
Mechthild Lanfermann – Wahnsinnszeit
240 Seiten, Hardcover, € 24,00
November 1989, die Mauer fällt, und fünf junge Menschen rasen im klapprigen Audi nach Berlin, um Geschichte zu erleben. Lanfermanns posthum erscheinender Roman fängt das Lebensgefühl einer ganzen Generation ein – mit all der Euphorie, den Hoffnungen und ersten Rissen im Traum von der Einheit.
»Wahnsinn«, sagt ein Typ mit Walkman, während Dauerwellen, Jeansjacken, Babys, die über Zäune gereicht werden, über den Bildschirm flimmern. Es ist 1989, die Mauer fällt, und in Elizas Studentenwohnheim in der nordfriesischen Stadt ist heller Aufruhr. Es hupt, unten hält ein klappriger Audi. Jo, sein schweigsamer Freund Thies und Ava mit rotem Tuch in den kurzen blonden Haaren winken. „Ich komme!“, ruft Eliza. „Wo geht’s denn hin?“, fragt einer und grinst schief. „Na, nach Berlin.“ Im Fieber der Zeit, wo Altes niedergerissen wird und etwas Neues anfängt, finden Eliza, Ava, Maria, Jo und Thies zusammen – zum ersten Mal fühlt sich Eliza als Teil von etwas. Doch so wie die Utopie der Einheit schnell die ersten Risse zeigt, rutscht Ava, das schillernde Zentrum ihrer Freundschaft, immer tiefer in eine Krise. Jo ist überfordert, Thies mit seiner heimlichen Liebe zu Eli beschäftigt und Eli selbst stellt zunehmend infrage, was als »normal« gilt.
Mit wachem Blick und warmem Humor erzählt Mechthild Lanfermann von einer Zeit, in der noch alles möglich schien, von einem soeben wiedervereinten Land, einer aufkeimenden Freundschaft und der Erkenntnis, wie das, was uns letztlich ausmacht, immer auch das Flüchtigste ist. Ein berührender Roman über Freundschaft, Verlust und den Glauben an Neuanfänge – und darüber, wie die 1990er Jahre eine Generation geprägt haben.
05. März 2026
Johann Reißer – Pulver
480 Seiten, Hardcover, € 26,00
In seinem mitreißenden Familien- und Epochenroman erzählt Johann Reißer von den kaum beleuchteten Anfängen der deutschen Rüstungsindustrie, von dem großen Geschäft mit Krieg und Tod, aber auch von den Hoffnungen, Begierden und Abgründen dahinter.
Jeder in der beschaulichen Schwarzwaldstadt kennt den frechen Max mit dem wachen Blick, der sich, statt in der elterlichen Apotheke mitzuhelfen, beim alten Pulvermüller rumtreibt. Dass dieser ehrgeizige Junge die Pulvermühle übernehmen und sie innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem international agierenden Konzern aufbauen wird, ahnt da noch keiner. Seine Erfindung des raucharmen Schießpulvers ist ein Quantensprung für die moderne Kriegsführung und macht ihn zu einem der mächtigsten Männer des Kaiserreichs, der Fabriken in ganz Deutschland und halb Europa baut, geschickte Deals mit Bismarck, Krupp und Nobel einfädelt und sein Pulver bis nach China und Japan verkauft. Als Profiteur der Aufrüstungsspirale, die sich im Ersten Weltkrieg entlädt, floriert sein Geschäft mit dem Tod. Doch nicht allen gefällt, wie Industrialisierung, Militarismus und Nationalismus die Gesellschaft verändern. So etwa Jakob, dem unehelichen Sohn des Pulverfabrikanten, der sozialistischen Widerstand gegen die Pulverfabrik organisiert. Seine Tochter Rosa wird zur wehrhaften Kriegsgegnerin, während sie unter katastrophalen Bedingungen in der Pulverfabrik Munition herstellen muss und ihr Verlobter im Ersten Weltkrieg kämpft. Und schließlich Rose, die drei Generationen später in der Pulverstadt mit alter Waffenbegeisterung und neurechter Gesinnung konfrontiert wird.
Johann Reißers vielstimmiger Debütroman begleitet die Entwicklung der modernen Kriegstechnologie und spannt einen erzählerischen Bogen zwischen dem ausgehenden 19. bis hin zum 21. Jahrhundert, dabei Schauplätze wie Rottweil, Stuttgart, Hamburg und Berlin streifend. Er spürt nicht nur dem Beschleunigungs- und Expansionsdrang der Moderne und dessen Umschlagen in Zerstörung und Gewalt nach, er zeigt auch das Auseinanderdriften der Gesellschaft, die wachsenden sozialen Spannungen und politische Radikalisierung.
Galiani
12. Februar 2026
Peggy Mädler – Selbstregulierung des Herzens
304 Seiten, Gebundene, 23,00 €
Über Liebe und Freundschaft in einer Welt, die Vertrauen nicht kennt
Ein Roman über das Ringen um Nähe, um Liebe, Loyalität und Freundschaft im Schatten staatlicher Kontrolle. Ein bestechendes Porträt von der Kraft und Zerbrechlichkeit menschlicher Bindungen, dem Enthusiasmus des Neuanfangs und dem Verlust von Illusionen.
»Selbstregulierung des Herzens« entfaltet ein vielfältiges Panorama des Lebens in der DDR und im frisch wieder vereinigten Deutschland. Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft, seinen Staat mithilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona. Um sie herum entwickelt sich ein reiches Ensemble an Figuren: der illusionslose Intellektuelle Roland, der in den Westen flieht; Marlies, die versucht, das System von innen zu reformieren, sowie die Künstlerfreunde Monas. Alle treffen sich in einem Dorf in der Nähe von Wandlitz, wo bald seltsame geheime Bautätigkeiten beginnen.
Mit stiller Wucht schreibt Peggy Mädler über das Flirren zwischen Halt und Auflösung – über Nähe und Entfremdung, Anpassung und Resilienz.
Monika Helfer, Kat Menschik – Wer bist du?
Illustrierte Lieblingsbücher, Band 21
96 Seiten , gebunden, € 23,00
Wunderschön und abgründig – In Monika Helfers Novelle erzählen zwei Frauen um ihr Leben. Denn wer erzählt, hat Macht.
Monika Helfers meisterhafte Geschichte über die Begegnung zwischen zwei Frauen erzählt von Nähe und Einsamkeit, Liebe und Lebenslügen, von Angst – und von der Macht des Erzählens selbst.
Eines Tages steht ein Mädchen vor der Tür der Erzählerin, mit einem 1000-Schilling-Schein in der Hand und einer unglaubwürdigen Geschichte dazu. Als das Mädchen wenig später vermisst wird, sucht die Erzählerin vergeblich nach ihr. Jahre später taucht eine junge Frau auf, die behauptet, das Mädchen von damals zu sein, und die sich in ihr Leben drängt. Die Beziehung der beiden Frauen wird zu einem lauernden Tanz, bei dem jede die andere belügt – oder nicht? Wer erzählt wem was? Wer ist wer?
Monika Helfers Geschichte ist ein doppelbödiges Spiel, spannend und abgründig bis zum Schluss. Kat Menschik hat sie mit beunruhigend schwebenden, irisierenden Bildern versehen. Ein großes Lesevergnügen!
Guggolz
12. März 2026
Mkrtitsch Armen – Jerewan
übersetzt von Susanna Yeghoyan
336 seiten, gebunden, € 26,00
Mkrtitsch Armen (1906–1972) schuf mit »Jerewan« einen Roman, der einerseits als Hommage an die alte Metropole Jerewan und ihre vielfältige Kultur, und andererseits als Kritik an der autoritären Umgestaltung des Stadtbilds gelesen werden kann. Jerewan soll in den 1920er Jahren neu geplant werden – vermessen, entworfen, abgerissen und wieder aufgebaut. Arschak Budarjan, in Leningrad ausgebildeter Architekt, kehrt für diese Aufgabe in die geliebte Stadt seiner Herkunft zurück. Doch in Jerewan werden die ästhetischen und politischen Fragen der Zeit ausgetragen: Soll der Fortschritt radikal die Wurzeln ausreißen und etwas gänzlich Neues schaffen? Oder soll er sich an der Wurzel die Kraft holen für eine Modernisierung, die das Bestehende bewahrt und schützt? Arschak Budarjan und sein doppelgängerhafter Antagonist Gurgen Parsadanjan setzen wie in einem Schachspiel Zug um Zug, um am Ende mit ihrer Vision als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen. Doch zu welchem Preis?
Auf dem Spielfeld der Stadt im Umbruch führt Mkrtitsch Armen diese weltanschauliche Auseinandersetzung auf. Er beschwört das alte Jerewan und seine Bewohner, das Leben auf den Straßen und in den Häusern herauf, er gibt sich den Träumen hin, während die Abrisstruppen schon unterwegs sind und die Schönheit der traditionellen orientalischen Welt dem Untergang geweiht ist. Susanna Yeghoyans Übersetzung dringt bis in die Winkel und Schlupflöcher der Stadt und der Sprache, bringt den Erzählrhythmus eindringlich ins Deutsche und lässt uns beim Lesen die Stadt in rauschhafter Wahrnehmung und ständig wechselnden Perspektiven erleben.
Gutkind
26. Februar 2026
Colin Walsh – Kala
Übersetzung Andrea O’Brien
Hardcover, 512 Seiten, € 24,00
In der Kleinstadt Kinlough an der Westküste Irlands treffen drei alte Freunde nach Jahren wieder aufeinander. Im Sommer 2003 gehörten Helen, Joe und Mush zu einer unzertrennlichen Clique um die mutterlose und ungestüme Kala Lanann – das strahlende Zentrum ihres Universums. Bis sie kurz darauf spurlos verschwand.
Jetzt, 15 Jahre später, kehrt Helen widerwillig für eine Hochzeit nach Irland zurück. Joe, mittlerweile ein berühmter Musiker, ist ebenfalls in der Stadt. Und Mush hat es nie aus Kinlough herausgeschafft.
Dann werden menschliche Überreste im Wald gefunden. Als Gegenwart und Vergangenheit aufeinanderprallen, müssen sich die einstigen Freunde ihrer Schuld stellen. Welche Rolle haben sie bei Kalas Verschwinden gespielt?
Aidin Halimi – In den Flügeln das Licht
Hardcover mit Schutzumschlag, 224 Seiten, € 24,00
Politische Zeitgeschichte wird zur Familiengeschichte – packend und schmerzlich aktuell.
Kāveh wächst im Iran der Revolution auf. Während sein Vater als Oppositioneller von einem Tag auf den anderen im berüchtigten Evin-Gefängnis verschwindet, hält die Mutter den brüchigen Alltag für Kāveh und seinen jüngeren Bruder Ābtin aufrecht. Sie verlassen Teheran, ziehen ins Haus der Großeltern am Rande eines Bergs, wo Ābtin Zuflucht im großen Garten und Kāveh in der Buchhandlung von Frau Medādi findet. Zu ihrem neuen Leben gehören auch Besuche bei ihrem Vater im Gefängnis – bis auf einmal alles zerbricht.
Aidin Halimi erzählt leuchtend von einem Heranwachsen im Schatten der Geschichte – zwischen Angst und Hoffnung auf ein freies Leben, getragen von der Liebe der Eltern.
Hanserblau
17. Februar 2026
Betty Boras – Das schönste aller Leben
240 Seiten, Hardcover. 22,00 €
Kurz nach dem Sturz der Diktatur flieht Vio mit ihren Eltern aus dem rumänischen Banat nach Deutschland. Sich anpassen, bloß nicht auffallen – das ist der Preis des Ankommens. Fleiß und Schönheit seine Währung. Trotz aller Widerstände findet Vio ihren Platz in der Gesellschaft. Als jedoch Jahre später ihre zweijährige Tochter bei einem Unfall Narben davonträgt, droht sie, an ihren Selbstvorwürfen zu zerbrechen. Im 18. Jahrhundert muss Theresia einen hohen Preis dafür zahlen, als begehrenswert zu gelten. Sie gerät ins Visier der Keuschheitskommission, wird entrechtet und verschleppt.
Beiden Frauen ist die Banater Erde eingeschrieben, die zwischen den Jahrhunderten ein Band aus Schmerz und Schönheit spinnt.
Hanser
27. Januar 2026
Abbas Khider – Der letzte Sommer der Tauben
216 Seiten, Hardcover, € 24,00
Poetisch und parabelhaft: Wie totalitäre Herrschaft in den Alltag dringt. – Noah ist vierzehn Jahre alt und Taubenzüchter. Eines Tages flattern seine geliebten Tiere unruhig durch die Lüfte, über der Stadt kreisen die Helikopter des Kalifats. Noah erlebt einen Sommer voller Umbrüche: Für seinen Vater muss er Frauenkörper auf Produktfotos schwärzen, sein älterer Bruder steigt zum Leiter einer Sicherheitsbehörde auf, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus – und bald schon steht das Leben seiner Tauben auf dem Spiel. Mit großer Zartheit und feinem Humor erzählt »Der letzte Sommer der Tauben« vom Verlust der Kindheit und vom Erwachsensein in einer von Willkür und Gewalt bestimmten Gesellschaft. Eine mitreißende Geschichte voller eindringlicher Bilder – ein großer neuer Roman von Abbas Khider, der als Junge selbst Taubenzüchter war.
17. Februar 2026
Safae el Khannoussi – Oroppa
Übersetzt aus dem Niederländischen von Stefanie Ochel
352 Seiten, Hardcover, € 26,00
»Oroppa«, enthusiastisch gefeiert und preisgekrönt, ist der europäische Roman der Stunde: Salomé Abergel, eine jüdisch-marokkanische Künstlerin und ehemalige politische Dissidentin, verschwindet überraschend auf dem Höhepunkt ihres Ruhms. Ein loser Kreis von Außenseitern mit ganz unterschiedlichen Migrationsgeschichten begibt sich auf ihre mysteriöse Spur. Von Salomés verlassenem Haus in Amsterdam führen die Wege nach Paris, Tunis, Casablanca – und tief ins Herz der eigenen Sehnsüchte. »Absolut originell, großartig und beeindruckend, voller markanter Charaktere und atemberaubender Prosa.« (Boekblad) »Oroppa« ist ein schwindelerregender, exzessiver Roman, der alle Grenzen ins Wanken bringt.
Norbert Gstrein – Im ers
ten Licht
416 Seiten, Hardcover, € 27,00
Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.
Navid Kermani – Sommer 24
160 Seiten, Hardcover, € 23,00
Wie ist es, wenn sich die vertraute Welt auflöst, wenn das, was gestern noch normal war, heute nicht mehr gilt? Navid Kermani fängt diesen Moment in einem einzigen Sommer ein: Ein Freund, der zuletzt politisch auf Abwege geraten war, hat sich das Leben genommen. Die Kriege rücken näher und die Debatten werden schriller. Seine Freundin hält den Erzähler für einen Macho, aber das bleibt bei weitem nicht der schlimmste Vorwurf, der sein Selbstbild erschüttert. Auf unnachahmliche Weise gelingt es Navid Kermani, unsere Gegenwart aus ihren Widersprüchen heraus zu begreifen, das scheinbar Unversöhnliche zu versöhnen und, wichtiger noch, das wirklich Unversöhnliche auszuhalten. Ein existenzieller, hellsichtiger Roman unserer Zeit.
17. März 2026
Roberto Saviano – Meine Liebe stirbt nicht
Übersetzt aus dem Italienischen von Anna Leube, Wolf Heinrich Leube
384 Seiten, Hardcover, € 26,00
»Ich wollte die erschütterndste Liebesgeschichte erzählen, auf die ich je gestoßen bin«, schreibt Roberto Saviano. Es ist die Geschichte von Rossella Casini, einer zwanzigjährigen Frau aus Florenz, die sich Hals über Kopf in Francesco, einen Studenten aus Kalabrien, verliebt. Was sie nicht weiß: Er stammt aus einer mächtigen Familie der ‘Ndrangheta. Als sie in sein Heimatdorf reist, bricht eine gewaltsame Familienfehde aus. Rossella flieht nicht, sie will kraft ihrer Liebe Francesco dort herausziehen. Doch auf einmal verschwindet sie spurlos. Nach dem Erfolg von »Falcone« erzählt Roberto Saviano die wahre Geschichte einer leidenschaftlichen, mutigen Frau und macht erneut aus Fakten große Literatur.
Colm Tóibín – Die Schwestern
Übersetzt aus dem Englischen von Ditte Bandini, Giovanni Bandini
128 Seiten, Hardcover, € 22,00
Núria, Conxita und Montse sind noch Kinder, als sie nach dem Tod des Vaters ihr Dorf in den Pyrenäen verlassen, um zusammen mit ihrer Mutter nach Argentinien auszuwandern. Sie, die sich so nahestanden, entfremden sich zunehmend. Jede der drei Schwestern geht dort ihren eigenen Weg. Erst als sie Jahrzehnte später das Haus ihrer Tante gemeinsam erben, finden sie in ihrem katalanischen Heimatdorf wieder zusammen. Subtil erkundet Tóibín die fragile Architektur der Beziehung zwischen Töchtern und Mutter, voller Zwischentöne, Verletzlichkeit und jener tiefen Melancholie, die mit Entwurzelung und dem Ringen um Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft einhergeht. »Die Schwestern« ist eine eindringliche Erzählung über Erinnerung und die Möglichkeit von Versöhnung.
Hanser Berlin
17. Februar 2026
David Vajda – Diamanten
176 Seiten, Hardcover, € 23,00
Er nennt sie Mačak – Kater – oder seine Diamanten. Hin und wieder auch Trottel, wenn sie seine Witze nicht verstehen. Doch egal, wie viele Namen ihr ex-jugoslawischer Vater ihnen gibt, wie viel Lammkeule und Wein er serviert, die Lücke, die der Tod der Mutter hinterlassen hat, vermag er nicht zu füllen. In seinem tragikomischen Debüt erzählt David Vajda von vier erwachsenen Geschwistern und ihrer exzentrischen, über die Welt verteilten Familie zwischen Boheme und deutschem Großbürgertum, zwischen Berlin und Hollywood. Sie treffen sich in Griechenland zur opulenten Hochzeit des Onkels, in Belgrad am Grab von Tito, in der Provence mit ihrer esoterischen Tante – nur trauern können sie nicht. Lieber flüchten sie sich in Sarkasmus oder ins Groteske und frönen dem leichten Verweilen. Ein außergewöhnlicher erster Roman: amüsant, zärtlich, ernst.
Cihan Acar – Casino
224 Seiten, Hardcover, € 24,00
Cumali Karagöz ist ein wichtiger Mann in Steinheim, den viele bewundern, andere fürchten und einige hinter Gittern sehen wollen. Mit einem Glücksspielunternehmen zu Reichtum gekommen, lebt er mit seiner Familie in einem pompösen Anwesen; seiner Frau Hannah, die mit ihrer Rolle als Hausfrau fremdelt und davon träumt auszubrechen; seiner Tochter Zaha, die ihn idealisiert und verehrt; und seinem Sohn Ediz, der an sozialer Phobie leidet. Als Cumali ein großes Casino mit neuartigem Konzept eröffnen will, kippt die Stimmung in der Stadt und die Familie steht plötzlich am Pranger.
Ein großer deutsch-türkischer Familienroman – und die Geschichte eines größenwahnsinnigen Mannes, der hin und her pendelt zwischen Aufstieg und Fall, Sehnsucht und Gier, Schuld und Unschuld. Und damit seine Familie vor die entscheidende Frage stellt, auf welcher Seite sie steht.
21. April 2026
Douglas Stuart – John of John
Übersetzt aus dem Englischen von Sophie Zeitz
512 Seiten, Hardcover, € 26,00
Ein großer Roman über Verpflichtung und Verblendung, Liebe und Scham und die verwandelnde Kraft der Wahrheit.
Hoffmann und Campe
03. Juni 2026
Radka Denemarková – Schokoladenblut
Übersetzerin: Eva Profousová
544 Seiten, Hardcover, € 34,00
Jung und Jung
22. April 2026
Alida Bremer – Sommer
176 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 23,–
Wie viele Sommer – der Sommer ist nicht nur eine Jahreszeit, er ist auch ein Maß für die Lebenszeit, die uns bleibt, ein anderes Wort für das Leben in seiner stärksten Intensität. Was immer wir am Sommer lieben, der Abschied fällt uns schwer, Jahr für Jahr, aber auch in der Rückschau, mit Blick in die Vergangenheit. Waren die Sommer früher nicht anders? Und wie anders? Länger, unbeschwerter? Oder waren nur wir anders? Alida
Bremer sucht nach Antworten, in ihrer Lebensgeschichte, in der Literatur, in Archiven und Museen, im Gespräch mit ihrer Familie, mit der Mutter und mit dem Bruder, mit Freundinnen und Cousinen, die ein Leben lang dort geblieben sind, woher sie stammt: aus Split, Dalmatien, aus dem Süden, vom Meer. Was für die meisten
ein Urlaubsziel ist und Sehnsucht weckt, ist für sie ein Lebensraum voller Erinnerungen an die Sommer von früher – etwas, das es gegen die Gegenwart und die Exzesse des Tourismus zu verteidigen gilt.
Kampa
18. Februar 2026
Friederike Köpf – Doras Licht
448 Seiten, Gebunden, € 25,–
Arno Andrich verlässt seine Wahlheimat Wien und ist im Begriff, seine erste ordentliche Professur für Medienkunst in Kassel anzutreten, als er von Dora erfährt. Der unerwartete Tod seiner ehemaligen Studentin macht ihn fassungslos, und sein One-Night-Stand mit der verführerischen jungen Frau geht Arno nicht aus dem Kopf. Dora ist vor der Atlantikküste Frankreichs ertrunken; die Polizei vermutet einen Suizid, lädt Arno aber für eine Zeugenaussage vor. Auf dem Kommissariat erhält er, der seit einem Jahr keinerlei Kontakt mehr zu Dora hat, eine Notiz von ihr, die am Strand gefunden wurde: Arno anrufen und ihm alles erzählen. Er fühlt sich ebenso verdächtigt wie verantwortlich, und es beginnt eine beinahe manische Suche nach den Gründen, nach Mitverantwortlichen für Doras Tod, die Arno bis nach La Rochelle und auch in seine eigene Vergangenheit führt.
22. April 2026
Margot Friedländer – Ihr müsst Menschen sein
Gespräche am Ende eines langen Lebens
176 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, € 22,–
Sie war eine eindringliche Stimme der Menschlichkeit für diejenigen, die nicht mehr für sich selbst sprechen können. Als Jugendliche überlebte Margot Friedländer als Einzige ihrer Familie den Holocaust. Mit achtundachtzig Jahren kehrte sie nach einem langen Leben in den USA in ihre alte Heimat zurück, war noch nicht ganz fertig mit Deutschland. Sie glaubte beharrlich an das Gute, suchte immer wieder gezielt das Gespräch mit jungen Menschen: denen, die Verantwortung für die Zukunft tragen. Für Margot Friedländer wurde es zur Lebensaufgabe, ihre eigene Zeugenschaft weiterzutragen, eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern, die Gespräche über das Unaussprechliche nicht verstummen zu lassen. Bis zum Ende ihres hundertjährigen Lebens setzte sie sich energisch für das »Nie wieder« ein. Zu sprechen, zuzuhören und zu erzählen: Das war ihr Rezept für Begegnungen auf Augenhöhe. Einige dieser Gespräche, ein kleiner Teil ihres Vermächtnisses, hält dieser Band nun fest.
Kanon
18. Februar 2026
Gusel Jachina – Eisen
576 Seiten, Gebunden, € 32,00
Der wohl größte Regisseur des russischen Kinos zwischen der Tyrannei Stalins und der Freiheit der Kunst. Der neue Roman der preisgekrönten und international anerkannten Autorin Gusel Jachina.
1924 betritt Sergej Eisenstein zum ersten Mal einen Schneideraum. In Russland fehlt es an allem: an Drehbüchern, Regisseuren, vor allem aber an Filmmaterial. Stattdessen kauft man im Ausland. Hauptlieferant der Träume in Zelluloid sind Deutschland und die USA, aber diese Filme müssen erst »sowjetisiert« werden. Eisenstein beherrscht diese höchst anspruchsvolle Kunst bald wie kein Zweiter. Er weiß um die Mittel des Films: Was gezeigt wird, wird geglaubt und damit zur Wahrheit . Er schafft furchtbare Propagandafilme – und zugleich Meisterwerke von Weltrang. Doch sein ganzes Leben lang leidet er an einer inneren Zerrissenheit. – Gusel Jachinas literarische Biografie ist ein gründlich recherchiertes Panorama der Zeit, eine faszinierende Charakterstudie und eine augenöffnende Lektüre über das Verhältnis von Kunst und Macht.
Karl Rauch Verlag
17 März 2026
Malin C. M. Rønning – Das zwölfte Haus
Übersetzt von Andreas Donat
Gebunden mit Lesebändchen, 320 Seiten, 27,– €
Molli ist zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder in ihrer Heimatstadt. Ihr Bruder Bill liegt im Koma, nachdem er schwer verletzt neben der Leiche seines Freundes Ib gefunden wurde. An Bills Bett sitzend, erinnert sich Molli an ihre Kindheit. Alles beginnt viele Jahre zuvor, als ihre Mutter Karla sich in Frank verliebt und mit ihm zusammenzieht, zusammen mit Molli und Bill. Von einem Tag auf den anderen wird ihr relativ armes, aber ansonsten normales Leben durch das strenge Regime des kontrollsüchtigen, tyrannischen Frank ersetzt. Als Karla und Frank über den Sommer verreisen und die Kinder unter der unfähigen Aufsicht ihres Onkels zu Hause zurücklassen, treten Chaos und die Gefahren uneingeschränkter Freiheit an die Stelle rigider Kontrolle.
Eindringlich und zart beschreibt Malin C. M. Rønning diese Sommerwochen in Rückblenden der erwachsenen Molli, deren ungesicherte Umgebung und ihren Willen, sich hieraus zu befreien.
Kein&Aber
09. Februar 2026
Daniel Mellem – Einstein im Bade
272 Seiten, gebunden, € 26,00
In Bad Nauheim führt Direktor Kleeberger sein Hotel Rastender Kranich seit Jahrzehnten als Refugium vor den Turbulenzen der Zeit. Die Ruhe droht gestört zu werden, als im Jahr 1920 im beschaulichen Kurort die Versammlung Deutscher Naturforscher mit über zweitausend Teilnehmenden ansteht. Die neue Relativitätstheorie hat die wissenschaftliche Gemeinde gespalten, und die beiden ärgsten Kontrahenten Albert Einstein und Philipp Lenard sind ausgerechnet im Rastenden Kranich einquartiert. Kleeberger wittert eine Chance: Wäre es nicht die beste Werbung für sein veraltetes Hotel, wenn er den Streit dort schlichten würde? Doch hinter fachlichen Differenzen lauern ungeahnte Abgründe, und der Tee, der im Rastenden Kranich einst Bismarck in den Schlaf wiegte, wird kaum ausreichen, um die Gemüter zu besänftigen. Zwischen Schlichtungsversuchen und dem Bemühen, es allen Gästen recht zu machen, entgleitet Kleeberger nach und nach die Kontrolle über sein Hotel.
Galit Dahan Carlibach – Waisenkind
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
304 Seiten, gebunden, € 23,00
Avitals Kindheit und Jugend verlaufen alles andere als glatt. Sie wächst am Rande Jerusalems bei ihren Großeltern in prekären Verhältnissen auf. Auch als sie Reißaus nimmt, wendet sich zunächst nichts zum Besseren: Avital schlittert von einem Unglück ins nächste und träumt dabei unermüdlich von einem Vater, der kommt und sie rettet – wie in den Waisenkindergeschichten, die sie so gerne liest. Und tatsächlich taucht eines Tages der ehemalige Mossad-Agent Ahituv Porat auf und nimmt sie unter seine Fittiche. Endlich scheint Avitals Leben eine gute Wendung zu nehmen, doch war die Begegnung mit Ahituv wirklich so zufällig, wie er vorgibt? Mit Mut, Witz und Unerschrockenheit trotzt die junge Heldin allen Rückschlägen. Spannend und voller unerwarteter Wendungen – ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann.
Kiepenheuer und Witsch
12. Februar 2026
Rachel Khong – Real Americans
Übersetzt von: Tobias Schnettler
Gebundene Ausgabe, 528 Seiten, 24,00 €
Ein großer amerikanischer Roman darüber, was uns zu denen macht, die wir sind
Der große Bestseller aus den USA – so ein Buch gibt es nur alle zehn Jahre! Ein Sommer in New York, der alles verändert. Ein Sohn auf der Suche nach seiner Herkunft. Und die große Frage: Was macht uns zu dem, was wir sind? Sie werden dieses Buch nicht aus der Hand legen können.
New York City, Silvester 1999. Lily Chen ist 22, Tochter chinesischer Einwanderer und unbezahlte Praktikantin in einem hippen Medienunternehmen. Als sie Matthew trifft – charmant, privilegiert, Erbe eines Pharmaimperiums –, verliebt sie sich. Zwei Welten prallen aufeinander. Und doch scheint alles möglich.
21 Jahre später lebt Lilys Sohn Nick mit ihr auf einer abgelegenen Insel. Er spürt: Etwas fehlt. Als er nach seinem Vater sucht, stößt er auf Geheimnisse, die alles verändern – nicht nur für ihn.
12. März 2026
Dana von Suffrin – Toxibaby
Gebundene Ausgabe, 240 Seiten, 23,00 €
Der schlimmste Liebesroman, den man sich vorstellen kann
»Toxibaby« ist ein schonungsloser, zugleich zärtlicher Roman über die Suche nach Liebe, die uns heilt – und die uns zerstören kann. Dana von Suffrin erzählt von einer Beziehung, die alles will: Rettung, Erkenntnis, Erlösung. Mit scharfem Witz und großer erzählerischer Kraft seziert sie die Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation.
Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und trotzdem funktioniert überhaupt nichts. Herzchen ist die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die alles hat, noch mehr will, und doch unglücklich ist, Toxibaby ist Anfang vierzig und meint, die Last der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen.
Doch für Herzchen ist er der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant, wütend auf die Welt – und auf sie. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen.
Nefeli Kavouras – Gelb, auch ein schöner Gedanke
240 Seiten, Gebundene Ausgabe, 23,00 €
Ein wunderbares Buch über eine Mutter-Tochter-Beziehung in einer nicht enden wollenden Ausnahmesituation, mal zärtlich und poetisch, mal wütend, humorvoll und sehr direkt erzählt mit einer überraschenden Wendung, die das Ende eines Lebens und unseren Umgang damit in ein völlig neues und unbekanntes Licht rückt.
Georg stirbt, und das schon viel zu lange. Während Ruth ihren Mann selbstvergessen zu Hause pflegt und sich darüber von ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lea entfremdet, möchte die endlich Normalität und ungebremst ein jugendliches Leben führen. Ruth und Lea brauchen sich, driften aber immer weiter voneinander weg. Und dann passiert etwas mit Georg, mit dem keiner gerechnet hat.
16. April 2026
Olivier Guez – Die Welt in ihren Händen
Die Abenteuer der Gertrude Bell in Mesopotamien
Übersetzt von: Nicola Denis
400 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 €
Bestsellerautor Olivier Guez verwebt die Lebensgeschichte von Gertrude Bell mit den Ereignissen im Nahen Osten nach dem Ersten Weltkrieg. Eine grandiose Mischung aus emotionalem Frauenporträt und eindrucksvollem Orientpanorama.
Archäologin, Abenteurerin, Agentin des Britischen Empire: Gertrude Bell war mit Lawrence von Arabien seelenverwandt, eine enge Vertraute von Winston Churchill und die einzige Frau unter den mächtigen Männern Mesopotamiens. Sie liebte den Orient und wollte diese Region um jeden Preis befrieden. Bell war die missverstandene Tochter einer reichen viktorianischen Familie. Sie verlor viel zu früh ihre Mutter, kämpfte gegen die Erwartungen des Vaters und ging fast an einer tragischen Liebe zugrunde.
Auf zwei Ebenen erzählt Guez atmosphärisch dicht und historisch versiert von den Ursprüngen der heutigen Konfliktregion und setzt der zu Unrecht Vergessenen ein fesselndes Denkmal.
Stuart Nadler – Räume zum Verschwinden
Übersetzt von: Klaus Modick
576 Seiten, Gebundene Ausgabe, 26,00 €
Ein vielschichtiges Epos über Liebe, Familie, Exil und das Weiterleben nach der Katastrophe
Ein großer jüdischer Familienroman über vier Mitglieder einer jüdischen Familie aus Wien, die durch Krieg, Schuld und die Schatten der Geschichte voneinander getrennt wurden. Und doch verbindet sie ein unsichtbares Band: die Geister der Vergangenheit.
Sonja lebt 1979 in London, Fania arbeitet 1966 in einem Hotel in Montreal, Moses durchstreift 2002 das postkommunistische Prag, und Arnold erhält 2016 eine mysteriöse Nachricht aus England. Was sie alle eint: das Trauma ihrer zerbrochenen Herkunft, ein tiefes, unausgesprochenes Vermächtnis – und Räume voller Erinnerung und Schweigen.
Stuart Nadler erzählt eindrucksvoll von jüdischem Leben im 20. Jahrhundert, von Identität, Entwurzelung und dem Wunsch nach innerer Heilung. Ein literarisches Mosaik aus Stimmen, Zeiten und Orten.
7. Mai 2026
Stella Gaitano – Eddos goldenes Lächeln
Übersetzt von: Larissa Bender
288 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 €
Ein unvergesslicher Roman über das Leben und Überleben zweier Frauen im Sudan
Mit beeindruckender Intensität und unerhörter Kraft erzählt Stella Gaitano anhand zweier Frauen und ihrer Familien die Geschichte des afrikanischen Landes Sudan. Ein unvergessliches, ungekanntes Leseerlebnis.
In einem kleinen Dorf im südlichen Sudan wächst Lucy unter dem abfälligen Namen »Irinu« auf, den ihre Mutter Eddo ihr gab, um den Tod abzuschrecken. Als Eddo stirbt, heiratet Lucy Marco und flieht mit ihm vor dem Krieg in den Norden des Sudans, nach Khartum. Dort wohnen sie bei Freunden, doch die politischen Unruhen des Landes holen sie auch in der Stadt ein und bedrohen ihre neue Heimat.
Ein poetischer, intensiver Roman, der die enormen Unterschiede zwischen Stadt und Land, zwischen den Geschlechtern und den Religionen in einem von Gewalt geprägten Land am Beispiel unvergesslicher Figuren erzählt.
Kjona
17. Februar 2026
Megan Nolan – Kleine Schwächen
übersetzt von Stefanie Ochel
Hardcover, 256 Seiten, € 24,00
Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben.
»Adolescence« hat uns wachgerüttelt, was männliche Täterschaft angeht. Aber was, wenn die Täterin ein Mädchen ist?
Eine packende, psychologisch scharfsinnige Geschichte über Klasse und Trauma, Scham und Gewalt.
Klett-Cotta
14. Februar 2026
Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Gesch
ichte
288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 25,00
Der große neue Roman von Kristof Magnusson erzählt von einer Zeit, als alles möglich erschien und doch vieles tragikomisch schief ging: Ein Doppelagent will in Kasachstan ein letztes großes Ding drehen, ein Dichter hofft auf das Abenteuer seines Lebens und eine Italienischlehrerin versucht, das Schlimmste zu verhindern.
Anfang der 90er Jahre ist die Welt eine Verheißung und Jakob Dreiser mittendrin: Der junge Dichter wird in Rom für sein Werk gefeiert, der Kalte Krieg ist endlich Geschichte und die russische Botschaft lädt zum Gartenfest mit Krimsekt und Piroggen. Die Welt strebt nach Frieden und Glück – und diesmal scheint sie es ernst zu meinen. Dieter Germeshausen dagegen kann sein Pech kaum fassen. Jahrelang war er Geheimdienstmitarbeiter und Doppelagent, nun muss er dringend untertauchen. Ausgerechnet jetzt, wo er zum ersten Mal verliebt ist. Germeshausen braucht einen Plan, so viel steht fest. Und er braucht Jakob Dreiser. Denn für seinen großen Coup gibt es keine bessere Tarnung als einen international gefeierten Dichter. Eine herrlich turbulente Geschichte über Sehnsüchte, Täuschungen und das Scheitern im Moment der vermeintlichen Freiheit. Kristof Magnusson verwandelt eine Zeit historischer Umbrüche in einen unvergleichlichen Abenteuerroman.
Michael Wildenhain – Das Ende vom Lied
416 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, € 26,00
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war. Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben. »Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.
Iris Wolff – Halber Stein
320 Seiten, broschiert, € 14,00
Einfühlsam und kraftvoll erzählt Iris Wolff in ihrem beglückenden Debütroman von der Sehnsucht einer jungen Frau nach Zugehörigkeit. Die Reise zu den Menschen und in die Landschaft ihrer Kindheit schenken Sine den rettenden Raum für ihre Erinnerungen. „Halber Stein“ ist von ebenjener poetischen Schönheit getragen, die das preisgekrönte Gesamtwerk von Iris Wolff kennzeichnet.
Sine kehrt nach über zwanzig Jahren an den Ort ihrer Kindheit zurück. Ihre Großmutter Agneta ist gestorben, und gemeinsam mit ihrem Vater Johann reist sie zu deren Begräbnis nach Siebenbürgen. Das Haus der Großmutter zieht sie vom ersten Augenblick an in ihren Bann: das Gebäude mit seiner geheimnisvollen Architektur, dem vermauerten Eingang zur ehemaligen Familienfärberei und den verschiedenfarbigen Räumen wecken Erinnerungen an ein Zuhause, das Sine längst verloren glaubte. Agnetas Lebensgeschichte und die Menschen, die sie umgaben, sind ein erster Schlüssel für Sines Suche nach ihrer eigenen Zugehörigkeit. Doch erst die Begegnung mit Julian, dem Freund der Kindheit, und Sines Eintauchen in die Landschaft Siebenbürgens öffnen Sine den Blick für das Wesentliche: Heimat ist der Ort, an dem die Erinnerungen aufgehoben sind.
Kremayr&Scheriau
Februar 2026
Lisa Wölfl – Ein verlassenes Haus
Hardcover mit Lesebändchen, 240 Seiten, 25,00 €
Die Politiker reden im Fernsehen über die faulen Armen, die einfach nicht mehr arbeiten wollen. Währenddessen schuftet Sonjas Ehemann als Leiharbeiter am Bau, sie verkauft im Bio-Laden teure Tees. Sonja beobachtet ihr Leben dabei, wie es sich verschließt. Zwischen Haushalt, Job, den Kindern und dem Ehemann bleibt von ihr selbst kaum etwas übrig. Als sie auch noch ihre Arbeit verliert, schlittert sie in eine Krise.
Da findet Sonja einen Job, den sie ohne Vorkenntnisse von zu Hause aus machen kann: als schöne, junge Studentin mit nichtsahnenden Männern auf einer Datingplattform chatten. Während Sonja langsam anfängt sich selbst wieder zu spüren und mit Hilfe ihres Fake-Profils an Selbstbewusstsein gewinnt, zerfällt ihre Familie. Sie entfernt sich von ihrem Mann, von den Kindern und kommt einem User näher, der ihr Ausweg sein könnte.
Ein packender Debütroman über Selbstaufgabe, Sehnsucht, weibliche Unsichtbarkeit – und die gefährliche Hoffnung, dass irgendwo da draußen ein besseres Leben wartet.
Kunstmann
12. März 2026
Grégory Cingal – Die letzten auf der Liste
Übersetzt von: Tobias Scheffel, Claudia Steinitz
304 Seiten, gebunden, 25,00€
August 1944. 37 Offiziere des alliierten Nachrichtendienstes kommen in Block 17 des Konzentrationslagers Buchenwald an. Unter ihnen sind Major Forest Yeo-Thomas, Churchills Sonderbeauftragter für die Résistance , Hauptmann Harry Peulevé, Chef des SOE- und Leutnant Stéphane Hessel, Agent des Geheimdienstes der Freien Französischen Streitkräfte. Drei Wochen nach ihrer Ankunft erhält der Blockwart eine erste Liste mit Männern, die hingerichtet werden sollen. Mit Hilfe des im Lager aktiven Untergrundwiderstands entwickeln die drei Offiziere einen ebenso ungewissen wie riskanten Fluchtplan: Sie wollen die Identität von Gefangenen aus einem benachbarten Block annehmen, die für die Entwicklung eines Typhus-Impfstoffs ermordet werden …
Ein Roman über eine der spektakulärsten Rettungsaktion in der Geschichte der Konzentrationslager. Mit einem Stil, der abwechselnd eiskalt und leuchtend, atemlos und akribisch ist, verfolgt er die Tage voller Erwartungen, Ängste, Hoffnungen und schildert den Mut und den Widerstand einer Handvoll Männer, die zwischen grünen und roten Dreiecken, SS-Ärzten und korrupten Kapos versuchen, der mörderischen Vernichtungsmaschine des Nationalsozialismus zu entkommen.
Leykam
3. Februar 2026
Thị Thanh Thảo Trần – Menschen wie wir
Hardcover mit Goldfolie, 288 Seiten, Lesebändchen und Farbschnitt, € 25,50
Ihre Eltern lernen sich auf einer vietnamesischen Insel kennen. Sie sind arm, aber glücklich miteinander. Als ein Angebot aus der DDR kommt, entschließt sich der Vater, nur für ein paar Jahre dort zu arbeiten. Welche Folgen diese Entscheidung für seine Familie haben wird, kann er da noch nicht abschätzen. Seine Frau und seine Tochter – die Erzählerin des Romans – folgen ihm erst Jahre später nach Deutschland. Dort werden sie jedoch nicht mit offenen Armen empfangen. Immer mehr entlarvt sich das Ankommen als eine Fiktion, aber zurückgehen würde sich wie ein Scheitern anfühlen. »Menschen wie wir« sind die, deren Namen hier niemand richtig aussprechen kann. Die jedes Jahr bangen müssen, ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert zu bekommen. Sie erinnern sich an die Lieder und Gedichte aus der alten Heimat und wollen doch nicht zurück. Thị Thanh Thảo Trần erzählt davon, was es bedeutet, in zwei Sprachen und zwei Ländern zu leben. Sie zeigt, zu welchen radikalen Entscheidungen uns Armut führen kann und welche Opfer wir bereit sind für unsere Liebe zu geben.
Luchterhand
14. Januar 2026
Leïla Slimani – Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma
Hardcover, mit Schutzumschlag, 448 Seiten, € 25,00
Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit »brain fog«, einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt. Auf Anraten ihres Arztes reist sie nach Marokko, in das Land ihrer Kindheit, das sie als junge Frau verlassen hat. Als sie auf der Farm ihrer Großeltern in Meknès eintrifft, hat sie das Gefühl eine Fremde zu sein. Sie fragt sich, wer sie ohne die Erinnerungen an ihre Familie ist. Und taucht ein in ihre eigene Geschichte. Eine Geschichte, die auf ganz eigene Weise vom Kampf gegen gesellschaftliche Grenzen erzählt – und von dem Streben nach Freiheit.
Rabat, 1980. Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin. Ihr Vater leitet eine Bank. Die beiden Schwestern könnten nicht unterschiedlicher sein. Mit stillem Befremden verfolgt Mia, wie mühelos sich Ines anpasst, und es braucht Jahre, bis die beiden Schwestern einander näherkommen. Als Mia zum Studium nach Paris zieht, ist es ein Aufbruch in die Freiheit: Zum ersten Mal kann sie dort ihre Homosexualität offen leben. Und es ist ein Versprechen an ihren Vater: das Feuer, das in ihrem Innern brennt, weiterzutragen. So wie Mathilde, ihre Großmutter, und Aisha, ihre Mutter, entscheidet sie sich für einen ganz eigenen Weg.
18. März 2026
Elizabeth Strout – Erzähl mir alles
Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth
Hardcover, mit Schutzumschlag, 400 Seiten, € 25,00
»Wir glauben gern, dass wir unser Leben unter Kontrolle haben, aber das ist vielleicht nicht ganz der Fall.« Es ist Herbst in Crosby, dem kleinen Küstenstädtchen in Maine. Vor ein paar Jahren ist Lucy Barton, erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter zweier erwachsener Töchter, mit ihrem Ex-Mann William hierhergezogen. In ein abseits gelegenes Haus am Meer. Doch die beschauliche Ruhe in Crosby wird gestört, als eine alte Frau spurlos verschwindet. Und auch Lucys Welt gerät still und leise aus dem Lot. Auf den einsamen Spaziergängen mit Bob Burgess, ihrem alten Freund und Vertrauten, sprechen beide über ihr Leben und über das, was hätte sein können. Und dann ist da noch die legendäre Olive Kitteridge, die pensionierte Mathematiklehrerin, die jetzt in einem Altersheim am Stadtrand lebt und auch mit 90 Jahren nichts von ihrem rauen Charme verloren hat. Vorsichtig freunden sich die beiden Frauen an.
16. April2026
Mokhtar Amoudi – Ein ziemlich anderes Leben
Aus dem Französischen von Alexandra Baisc
Hardcover, mit Schutzumschlag, 352 Seiten, € 23,00
Es gibt Entscheidungen, die ein Leben auf den Kopf stellen. Als Skander aus dem Sommerferienlager zurückkehrt, erfährt er, dass er seine Pflegefamilie verlassen muss. Seine eigene Mutter kennt er kaum; mit zwei Jahren hat sie ihn der Fürsorge und damit seinem Schicksal überlassen. Das Jugendamt schickt den Zehnjährigen ausgerechnet an den schlimmsten aller denkbaren Orte: nach Courseine, in die berüchtigte Banlieue von Paris mit ihren Dealern, Gangs und der Gewalt. Skander landet bei der geheimnisvollen Madame Khadija, die eine bunte Schar von elternlosen Schützlingen in ihrer Obhut hat. Madame Khadija ist laut und chaotisch. Die Hälfte der Zeit spricht sie Arabisch, zankt mit ihrer Nachbarin, offenbart unter der rauen Schale jedoch ein großes Herz. Schnell merkt Skander, dass seine guten Noten in der Schule ihm in diesem Viertel wenig nützen werden. Immer mehr gerät er in den Sog der Jugendlichen auf der Straße. Immer mehr beginnt er, das Leben zu leben, das man von ihm erwartet – und nicht das, von dem er träumt.
Ali Smith – Gliff
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
Hardcover, mit Schutzumschlag, 320 Seiten, € 25,00
Es war einmal, in nicht allzu weiter Zukunft: Zwei Geschwister, Bri und Rose, müssen sich von ihrer Mutter trennen, weil diese in einer weit entfernten Stadt Arbeit findet. Als die beiden nach Hause kommen, entdecken sie eine Linie aus noch nasser roter Farbe, die ihr Grundstück umgibt. Was hat das zu bedeuten, in diesem Land, das seine Einwohner mithilfe von Technologie streng kontrolliert und völlig entmenschlicht? Bri und Rose jedenfalls vermuten nichts Gutes und verstecken sich in einem leer stehenden Haus am anderen Ende der Stadt. Dort treffen sie bald auf eine Gruppe von Widerständlern, auf ein Pferd namens Gliff, und auf eine neue Form des Überlebens.
»Gliff« erzählt mit Verweisen auf Klassiker der dystopischen Literatur eine elektrisierende, und so märchenhafte wie erschreckende Geschichte über zwei junge Menschen auf der Suche nach Halt in dieser schönen neuen Welt. Ali Smith zeigt uns, »wo Tapferkeit und Güte über Gefahr und Angst triumphieren.«
Naja Marie Aidt – Aus dem Dunkel
Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein
Hardcover, mit Schutzumschlag, 256 Seiten, € 24,00
Eine Geschichte, in der sich jede Frau wiedererkennt: über männliche Übergriffigkeit und weibliche Solidarität. Und über die Kraft der Freundschaft. Die preisgekrönte dänische Schriftstellerin Naja Marie Aidt erzählt von einer Frau in einer Lebenskrise. Und von vier Freundinnen, die ein Ziel vereint: ihr zu helfen, wieder Licht in das Dunkel zu bringen.
Das Leben könnte so unbeschwert und hell sein. Sie lebt in einer gemütlichen Wohnung, hat drei erwachsene Söhne und wunderbare Enkelkinder. Eines Abends jedoch wird sie aus der Bahn geworfen. Als sie vom Kino nach Hause radelt, beobachtet sie, wie ein Mann eine junge Frau angreift. Sie will dazwischengehen, wird dabei aber selbst verletzt. Wie mit der Angst weiterleben? Ein Therapeut hilft ihr, aus dem Dunkel zu treten. Doch zugleich werden Erinnerungen wach – an den gewalttätigen Vater, den frühen Tod der Schwester, einen sexuellen Übergriff. Wie bleibt man im Kern intakt, egal was einem widerfährt? Es ist ein schier endloses Ringen mit den Gespenstern der Vergangenheit. Wären da nicht die Frauen, die Freundinnen, die sie stützen. Sie sitzen mit ihr am Küchentisch, gehen mit ihr schwimmen und geben ihr letztlich das, wonach sie sucht: Halt, Fürsorge, Verständnis. »Nicola mit den krausen Haaren und kräftigen Händen. Und Annie und Lea und Rose. Meine Freundinnen. Wir sitzen gern in einer unserer Küchen zusammen und trinken Kaffee. Ohne diese Freundinnen, diese Frauen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben, hätte ich mein Leben nie bewältigt. So sehe ich das. Sie sind meine Gefolgschaft und umgekehrt.«
10. Juni 2026
Carys Davies – Das Pfarrhaus
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Hardcover, mit Schutzumschlag, 224 Seiten, € 24,00
Hilary Byrd, Bibliothekar aus dem englischen Petts Wood, ist an einem Wendepunkt in seinem Leben. Anfang 50 und unverheiratet muss er sich von einem Zusammenbruch erholen. Und so reist er in einem Akt mutiger Verzweiflung nach Indien, wo die Hitze den Mann bald in die Berge treibt. An einen wunderschönen Ort inmitten von Teeplantagen – einer »hill station«, wo einst britische Kolonialbeamte in kühler Bergluft ihre Sommerfrische verbrachten. Dort wird Hilary Byrd von einem Pfarrer aufgenommen – und schließt zwei ungewöhnliche Freundschaften. Mit einem Einheimischen, der ihn in seiner Rikscha herumfährt. Und mit der jungen Haushälterin des Pfarrers – einer klugen, stillen Frau aus der christlichen Minderheit des Ortes. Doch bald gibt es Probleme. Inmitten des scheinbaren Idylls gibt es offenbar Dinge, die der schlaksige Englänger nicht versteht. Probleme, die er nicht bemerkt. Unversehens ist die Bühne bereitet für eine stille Tragödie.
Luftschacht
März 2026
Anna Felnhofer – Prosopon
Hardcover, 288 Seiten, € 24,00
Ein siebenjähriger Junge liegt nach einem Unfall im Krankenhaus und ringt nach einer letzten Operation um sein Leben. Wie es zu diesem furchtbaren Unfall kommen konnte und welche Rolle sein Vater Jakob und dessen Gesichtsblindheit (Prosopagnosie), die schon einmal für den Tod eines Menschen verantwortlich zeichnete, dabei spielen, ist auch Monate nach dem Vorfall noch Gegenstand behördlicher Ermittlungen. Der Mutter und Ich-Erzählerin bleibt einstweilen nur, sich selbst auf die Suche nach Antworten zu begeben. Aus Bruchstücken versucht sie Jakobs Leben zu rekonstruieren, um zu erfahren, welche Verantwortung er für den Unfall des Jungen trägt und sie stößt dabei auf ein Leben ohne Kontinuität, ohne Verbindlichkeiten, ohne Halt, als immer andere Person.
Nach ihrem viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten Debüt »Schnittbild« legt Anna Felnhofer ihren zweiten Roman »Prosopon« vor, ein sensibles und vorsichtiges Erkunden, ein poetisches und sprachmächtiges Kreisen um Verlust und Identität.
Beim Bachmannpreis 2023 wurde Anna Felnhofers Text »Fische fangen« – ein Ausschnitt aus dem Roman »Proposon« –mit dem Deutschland-funkpreis prämiert.
Manesse
25 März 2026
Sherwood Anderson – Winesburg, Ohio
Übersetzt von Eike Schönfeld, mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann
Hardcover, mit Schutzumschlag, 250 Seiten, € 24,00
Sherwood Andersons elegisches Midwest-Epos in der für seine Lakonie gerühmten Übersetzung Eike Schönfelds – ein Schlüsselwerk der US-Moderne
Sehnsüchte, Hoffnungen und Träume bestimmen den Alltag der Menschen in Winesburg. Wing Biddlebaum verlor durch ein fatales Missverständnis seine Stelle als Lehrer und mit ihr seine Seelenruhe. Alice Hindman wartet auch elf Jahre nach deren Verschwinden noch verzweifelt auf die Rückkehr ihrer Jugendliebe. Der Arzt Mr. Reefy schreibt seit dem Tod seiner Frau Gedankensplitter auf kleine Zettel und wirft sie weg. Selbst die Existenz des jungen Lokalreporters George Willard, der neugierig all diese Schicksale sammelt, ist nicht frei von tragischen Verstrickungen. Schrullige, einsame Charaktere bevölkern das Städtchen Winesburg in Ohio, einen Ort auf der literarischen Landkarte, dem Autoren bis heute ihre Reverenz erweisen.
Mit der Neuübersetzung lässt sich die archaische Sprachgewalt dieses wegweisenden Klassikers der Moderne neu entdecken.
27. Mai 2026
I Have a Dre
am
herausgegeben von Stefan Gerhard Wagner und Horst Lauinger
Hardcover, 750 Seiten, € 40,00
250 Jahre Vereinigte Staaten von Amerika – Ein Roadtrip in Storys, Gedichten, Songs, Essays, Reden, Briefen und Reportagen
Eine literarische Feier des American Dream und eine Hommage der ältesten Demokratie der Welt anlässlich ihres 250. Jubiläums am 4. Juli 2026
Freiheit, Gleichheit, pursuit of happiness: Dieser facettenreiche Band erweist den Gründungsideen der Vereinigten Staaten und ihrem individuellen Glücksversprechen die Ehre. Er präsentiert ein Amerika unterschiedlicher Kulturen und Herkünfte, ein hoffnungsfrohes, im steten Wandel begriffenes Amerika, die Heimstatt des Geistes und der Dichtung, der Wahrhaftigkeit und Toleranz, des unbeirrten Glaubens an eine bessere Welt, ein Land der Zukunftsvisionen und des mutigen Eintretens für Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung. In «I Have a Dream» kommt eine Nation zur Sprache, die sich immer wieder neu erfunden hat und die der tiefen Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zum Trotz heute dringender denn je verteidigt werden muss.
Die Text-Jukebox mit Proklamationen, Reden, Predigten, Reportagen, Briefen, Essays, Storys, Gedichten und Songs ist ein vielfältiger Kontrapunkt zur einfältigen Gegenwart, eine literarische Echokammer dessen, wofür diese Nation steht: für den American Dream und den American Way of Life, Yankees und Hippies, Jazz Age und Pop Art, Columbo und Kojak, Woodstock und Hollywood, Sitting Bull und Buffalo Bill, Grand Canyon und Silicon Valley, Mardi Gras und Rock’n’Roll, Moby Dick und Donald Duck, Apollo 11 und Route 66, Indian Summer und Brooklyn Bridge, Barfly und Bartleby, Dixie und Diner, Jukebox und Drugstore, Big Apple und Big Business, Harlem und Vegas, Shopping-Malls und Shiloh Ranch, Moonwalk und Wall Street, Crossroads und Broadway …
Die Spurensuche führt in die historischen US-Metropolen Boston, New York City, Chicago, Los Angeles, Philadelphia, Houston, Phoenix, San Francisco oder New Orleans wie auch ins Outback – von Superior, Wisconsin, bis Luckenbach, Texas, von Sacramento bis Winchester, vom Yukon River bis zum Golf von Mexiko.
Mare Verlag
24. Februar 2026
Sophie Van der Linden – Im Licht der Lofoten
Aus dem Französischen von Valerie Schneider
gebunden, 128 Seiten, € 20,00
Eine einsame Hütte auf den Lofoten: Hierher reist die schwedische Malerin Anna Boberg (1864–1935) jeden Winter völlig allein. Sie will die raue Schönheit und das besondere Licht der Arktis auf die Leinwand bannen, auch wenn das die monatelange Trennung von ihrem Mann bedeutet, dem Architekten Ferdinand Boberg, der ihr das arktische Atelier einst erbaute. In diesem Winter Anfang der 1930er ahnt Anna, dass es ihr letzter Aufenthalt sein könnte, und ist von dem Drang getrieben, das eine große Werk zu erschaffen, das ihr endlich auch in ihrer Heimat die Anerkennung bringen wird, die sie in Frankreich und Italien bereits erreicht hat.
Sophie Van der Linden schlüpft in das Innere dieser hierzulande noch zu entdeckenden Künstlerpersönlichkeit und lässt uns mit ebenso feinem Strich wie in leuchtenden Farben an Anna Bobergs bewegtem Werdegang und Schaffensprozess teilhaben.
Nagel & Kimche
24. Februar 2026
Julia Deck – Die Wahrheit über Ann
übersetzt von Sina de Malafosse
Hardcover, Seiten: 288, 24,00 €
Im April 2022 erleidet Julia Decks Mutter Ann einen Schlaganfall. Den Ärzten zufolge sind ihre Überlebenschancen verschwindend gering. Doch die Patientin trotzt der Diagnose. Für Mutter und Tochter beginnt ein langer Weg durch das Labyrinth der Pflegeeinrichtungen, der sie mit einem System konfrontiert, das nicht mehr funktioniert. Gleichzeitig geht Julia Deck den blinden Flecken in der Erzählung der eigenen Familiengeschichte nach und begibt sich auf eine Spurensuche. Ihre Mutter wird in einer Arbeiterfamilie groß, in der Bücher keinen Platz haben, doch gerade die Begeisterung für Literatur und ihre Wissbegierde bieten der jungen Ann die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. Klar, lakonisch und liebevoll zugleich zeichnet Julia Deck das Bild einer Frau, die nach Selbstbestimmung strebt und erzählt einfühlsam von der so komplexen wie absoluten Liebe zwischen Mutter und Tochter.
Ausgezeichnet mit dem Prix Médicis 2024
Orlanda
28. Januar 2026
Marion Kraft – Weltenwechsel
Gebunden, 416 Seiten, € 26,00
Der Debütroman »Weltenwechsel« von Marion Kraft gibt einen tiefgründigen Einblick in die Kriegs- und Nachkriegsjahre aus einer neuen Perspektive.
Erzählt wird die Geschichte des »Besatzungskindes« Julia Bernau, die als Tochter einer weißen Deutschen, Margarete, und eines afroamerikanischen Soldaten, Robert, zur Welt kommt. Der Roman zeichnet ein facettenreiches Bild des Lebens und der gesellschaftlichen Herausforderungen in
Westdeutschland von der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre und verbindet
die Erfahrungen von drei Generationen von Frauen: der Großmutter Berta, der
Mutter Margarete und der Protagonistin und Tochter Julia. Er schildert den Lebensweg eines Mädchens, das am Rand der Gesellschaft steht und sich trotz der Schatten der Vergangenheit zur selbst-bewussten jungen Frau entwickelt. Julias Kindheit ist von Kriegen, Armut, Ausgrenzung, Rassismus und sozialen Gegensätzen geprägt. In einem »bunten Haus« voller außergewöhnlicher Menschen erlebt sie eine Zeit der Geborgenheit, bevor unerwartete Ereignisse ihr Leben verändern und ihren weiteren Weg bestimmen.
Vor dem Hintergrund der beeindruckenden Familiengeschichte von drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen und der Suche nach Identität entfaltet sich ein neues Bild der turbulenten westdeutschen Nachkriegszeit – bewegend, inspirierend und oft verstörend aktuell.
Penguin
25. Februar 2026
Hannah Häffner – Die Riesinnen
Hardcover, mit Schutzumschlag, 416 Seiten, € 24,00
»Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und langgestreckt: Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.«
Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss.
In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Ein lange nachhallender Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur.
18. März 2026
Dana Grigorcea – Tanzende Frau, blauer Hahn
Hardcover, mit Schutzumschlag, 160 Seiten, €22,00
Es sind die Neunzigerjahre in den rumänischen Karpaten, der Staub des Sozialismus ist noch nicht ganz vertrieben. Im kleinen Ort Busteni treffen sich jeden Sommer Roxana und Camil. Sie macht Ferien, er lebt dort, auf der anderen Seite, hinter der Bahnhofsschranke. Hier beobachten sie die Paare im Ort, lassen sich von ihnen inspirieren, versuchen, ihre Geheimnisse zu ergründen – von der erfolgreichen Anwältin, die das Dach abträgt, weil ein Baum in ihrer Wohnung wächst, von dem ungleichen Ingenieurspaar mit dem gleichen Leiden und der einem Fernsehstar gleichenden Schönheit des Dorfes mit einem unscheinbaren Mann. Und mit jedem Sommer schreiben Roxana und Camil damit auch ihre eigene Geschichte weiter – bis sie merken, dass sie stets nur Gast im Leben des anderen sein können.
Federleicht und tiefgründig entwirft Dana Grigorcea ein Kaleidoskop über die Liebe und die Umstände, die sie erst dazu machen. Sie erzählt von Sehnsüchten, die sich überraschend erfüllen, von Chancen, die unbemerkt vorbeihuschen – und Leben, die sich drehen, ob man es sich wünscht oder nicht.
13. Mai 2026
Petra Morsbach – Orion
Hardcover, mit Schutzumschlag, 384 Seiten, € 26,00
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen Sohn auf, wird geschieden. Nach einem Nierenversagen muss sie mit sechzig den Schuldienst verlassen und beginnt in einem Literaturarchiv zu arbeiten. Es ist ein unauffälliges Leben mit der einzigen Besonderheit, dass es von Büchern begleitet wird: Von den Sechzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts bis zur Gegenwart bleibt Nora eine leidenschaftliche Leserin. Regelmäßig gleicht sie ihre Erfahrungen und auch die Erschütterungen der Gegenwart bis hin zum Ukraine-Krieg mit ihrem durch Literatur gewonnen Wissen ab und trifft mal mehr, mal weniger glückliche Entscheidungen. Wie gut lässt sich Bildung vermitteln? Was bringt sie letztlich – Freuden, Erkenntnis, Ernüchterung? Besteht sie im Alltag, obwohl das Leben so viele Pläne blamiert? Wie weit hilft Kultur im Umgang mit menschlichen Abgründen? Oder wäre sonst alles viel schlimmer?
Petra Morsbach entwickelt in ihrem neuen Roman ein großes Thema anhand einer Fülle von komischen, traurigen, abgründigen und tröstlichen Geschichten: ruhig und lakonisch, streng und nachdenklich, mit leisem Humor.
27. Mai 2026
Virginia Tangvald – Wir Kinder der offenen See
Aus dem Französischen von Nathalie Lemmens
Hardcover, mit Schutzumschlag, 192 Seiten, € 24,00
Virginia wird 1986 im Karibischen Meer geboren. Wie schon ihre Geschwister vor ihr erblickt sie das Licht der Welt an Bord der Artemis. Das Segelschiff ist der ganze Stolz ihres Vaters Peter Tangvald: Neun Jahre hat er daran gebaut und fährt nun mit seiner Familie von Hafen zu Hafen. Doch an seinem großen Freiheitstraum wird er schließlich zugrunde gehen: Vor der Insel Bonaire erleidet die Artemis Schiffbruch, Virginias Vater und Schwester kommen ums Leben. Ihr Bruder ist der einzige Überlebende – bis er später selbst auf hoher See verschwindet.
Obwohl Virginia das Schiff schon als Zweijährige mit ihrer Mutter verließ, haben die Tragödie und das Leben auf See sie nie losgelassen. Wie kann sie dem Schatten ihres Vaters entkommen? Wie die eigene Herkunft zwischen den Weltmeeren fixieren? Eine unglaubliche Familiengeschichte von Freiheit um jeden Preis, eine bewegende Irrfahrt von Bonaire über Puerto Rico nach Paris – und eine Hommage an die Kraft des Erzählens.
Pfaueninsel
2. März 2026
Federica Manzon – Alma
Übersetzt von Verena von Koskull
320 seiten, gebunden, € 24,00
Ein italienischer Bestseller: Triest, Liebe und Erinnerung im 20. Jahrhundert – für Fans von Eva Melandri und Elena Ferrante
Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Alma in ihre Heimatstadt Triest zurück – eine Stadt an der Grenze zwischen Ost und West. Hier begegnet sie Vili wieder, ihrer Jugendliebe, der ihr nun das väterliche Erbe übergeben soll. Zwischen den Erinnerungen an die Habsburger Kaffeehäuser ihrer Großeltern, an endlose Kindheitssommer und die Straße gen Osten, auf der ihr Vater einst immer wieder verschwand, wird Alma mit Fragen nach Herkunft, Liebe und Identität konfrontiert. Und da ist auch der Schatten des Krieges jenseits der Grenze, der ihre Liebe zu Vili vor vielen Jahren erschüttert hat …
Ruth Olshan – Immergrün
256 Seiten, gebunden, € 22,00
Mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter im Kofferraum reist Ruth nach Litauen, um sie in der lang verlorenen Heimat der Familie beizusetzen. Auf der endlosen Fahrt erinnert sie sich an ihre Kindheit nach der Emigration in den siebziger Jahren: Erst in Israel und später in West-Berlin beginnt ein neues Leben, geprägt von Sprachschwierigkeiten, Überlebenskunst und den Hürden der Bürokratie. Die Mutter, einst gefeierte Sängerin, ringt mit Depressionen; Ruth wünscht sich Normalität – und findet Halt in Musik und Sport. IMMERGRÜN ist ein Roman über Exil, Neubeginn und die leise Kraft der Kunst im Schatten großer Umbrüche.
Nila – Auf den Straßen Teherans
Übersetzt von Asal Dardan
Vorwort von Natalie Amiri
Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini im September 2022, der landesweite Proteste auslöste, geht auch Nila auf die Straße. Die Angst ist der ständige Begleiter der Frauen, die gemeinsam für ihre Rechte kämpfen – bedroht und eingeschüchtert von der berüchtigten Sittenpolizei, die wahllos verhaftet, foltert und tötet.
Eindringlich und bewegend schildert Nila ihre persönlichen Erfahrungen als Aktivistin auf den Straßen Teherans und setzt diese in den Kontext einer langen Geschichte weiblicher Stärke in Iran.
Ein mutiges Zeugnis, das einen tiefen Einblick in die gegenwärtigen Proteste und die anhaltende Unterdrückung in Iran bietet.
30. März 2026
Tochi Eze – Die Stimmen der Nacht
Übersetzt von Agnes Krup
gebunden, € 25,00
Lagos, 1960er Jahre: In einer Stadt voller Energie und Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit, lernt die selbstbewusste Margaret den in Großbritannien geborenen Benjamin kennen, der eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Sie verlieben sich und entdecken schon bald, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Aber dann wird Margaret psychisch immer labiler, und die Schatten jahrzehntealter Ereignisse in einem kleinen Dorf weit weg von Lagos bringen langsam aber unaufhaltsam den Bruch … Ein mitreißender Roman über Schuld, Glaube und kulturelle Identität – und die Stärke der Frauen in einer patriarchalischen Welt.
Piper
Anne Stern – Die weiße NachtDer erste Fall für Lou & König | Historischer Kriminalroman zur Stunde Null
Band aus der Reihe Lou & König-Kriminalroman
400 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 25,00 €
melskörper am Rande der WeltÜbersetzung: Karl-Ludwig Wetzig
400 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 25,00 €
„Himmelskörper am Rande der Welt“ spricht aus einer fernen Zeit zu unserer Gegenwart – über Liebe, Menschlichkeit und die Verantwortung, die wir füreinander tragen. In einer von Leidenschaft und Neugier geprägten Epoche ringt ein Pfarrer mit dem Glauben – und muss entscheiden, ob er der Macht oder der Wahrheit dient.
Maggie O’Farrell – Schön war das LandÜbersetzung: Nikolaus Hansen, Kathrin Razum
512 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 26,00 €
Residenz
19.01.2026
Katherina Braschel – Heim holen
272 Seiten, gebunden, € 24,00
Familienhistorische Recherche und Erinnerung verwebt Katherina Braschel zu einem zart erzählten Debütroman, der radikale Fragen stellt.
Aufgewachsen ist Lina, ein Kind der 1990er, in einer Welt, die aus der Zeit gefallen scheint: in einer donauschwäbischen Gemeinschaft, die sich nach Vertreibung und Flucht in Salzburg angesiedelt und ihr traditionelles Leben nach 1945 dort fortgesetzt hat. Als Lina eines Abends von der SS-Mitgliedschaft ihres Großvaters erfährt, beginnt sie, nach Antworten jenseits der großen
Opfererzählung zu suchen. Zerrissen zwischen der Liebe zu ihren verstorbenen Großeltern und ihrer eigenen Politisierung, will sie erstmals das Schweigen brechen. Getragen von ihren engen Freund*innen stellt sich Lina ihrer Familiengeschichte und bricht zu einer Recherche auf, die sie bis nach Belgrad führen wird. Als sie endlich auch die Konfrontation mit ihrer Mutter sucht, wird das zur Zerreißprobe …
09.02.2026
Oisín McKenna – Hitzetage
Aus dem Englischen übersetz von Hans-Christian Oeser und Alexandra Titze-Grabec
400 Seiten, gebunden, € 26,00
Mit poetischer Kraft und sozialer Schärfe zeichnet Oisín McKennas Debüt ein lebendiges Porträt der Stadt London.
London in der flirrenden Junihitze, Pubs und Parks sind voller Leben: Oisín McKenna begleitet die Freund*innen Maggie, Ed und Phil, alle Anfang 30, durch ein langes Sommerwochenende. Maggie, pleite und schwanger, fürchtet, in die biedere Vorstadt ihrer Kindheit zurückzumüssen. Ed, ihr Partner, jobbt als Fahrradkurier und verheimlicht seine Bisexualität. Phil, Maggies bester Freund, ist unglücklich in seinen Mitbewohner verliebt. Als Phils Hausgemeinschaft aufgelöst wird, feiern sie, als wäre es das letzte Mal. Denn nach der Party stehen Entscheidungen an, die ihr Leben für immer verändern werden. Mit Intensität und Empathie erzählt „Hitzetage“ von Freundschaft, Sex und Liebe – und davon, wie unsere Lebensträume von der Realität eingeholt werden.
Vladimir Vertlib – Der Jude der Kaiserin
gebunden, 416 Seiten, 28,00
Bilderreich, fesselnd und beklemmend erzählt Vladimir Vertlib von Liebe und Hass, Glaube und Verrat und der Lust, trotz allem am Leben zu sein.
Wien um 1670: Barocke Herrlichkeit und bittere Armut prägen die Stadt. Kaiser Leopold I. leidet nicht nur unter Geldmangel für seine Feldzüge, er braucht auch dringend einen Thronfolger. Nur Leibarzt Pedro de Rojas kann der verzweifelten Kaiserin Margarita Teresa helfen. Der jedoch hat ein gefährliches Geheimnis: Er ist ein spanischer Converso, ein konvertierter Jude, der seinen Glauben im Geheimen praktiziert. Die katholische Kaiserin will die Juden aus der Stadt vertreiben, sie hält sie für die Ursache allen Übels. Wird es Don Pedro und seiner Geliebten, der Hebamme Esther, gelingen, das zu verhindern? Vladimir Vertlib verbindet Komödie und Drama zu einem großen Roman über Glaubenskämpfe und Standesdünkel, Hetze, Intrigen und Verrat, aber auch Liebe, Treue und tiefe Freundschaft.
Rowohlt
13. März 2026
Lena Gorelik – Alle meine Mütter
Hardcover, 272 Seiten, € 24,00
«Mütter prägen uns, auch wenn wir es nicht wollen, sie nisten sich in unseren Köpfen und Herzen ein, flüstern uns zu, schimpfen, trösten, tun es auch noch, wenn sie verstorben sind, tun es selbst dann, wenn wir sie nicht oder kaum kannten. Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden. Tragen sie darin für immer mit uns», schreibt Lena Gorelik.
Alle meine Mütter erzählt von dieser besonderen, oft lebenslang komplexen Beziehung und ihren Facetten, erzählt davon, welche Mütter wir selbst zu sein versuchen, wie wir scheitern, zweifeln, stolpern, welche Ängste uns begleiten, was uns bindet und prägt, aber auch, was uns abhält, was es heißt, ungewollt Mutter oder nicht Mutter zu sein, ein Kind anzunehmen, zu verlieren oder nicht loslassen zu können.
Eine feinfühlige Erkundung der wohl prägendsten Beziehung unseres Lebens, der zu unseren Müttern. Ein bewegend aufrichtiger Roman. Dieses Buch geht alle an.
Siri Hustvedt – Ghost Stories
Ein Buch der Erinnerung
Übersetzt von: Uli Aumüller und Grete Osterwald
Hardcover, 288 Seiten, € 24,00
Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt geworden: eine allzeit spürbare Präsenz, schmerzlich und tröstlich zugleich. Sie trägt seine Jacke, sie meint, seine Zigarillos im Haus zu riechen, sie liest seine Bücher von Neuem. Und zum ersten Mal seit langer Zeit liest sie ihre eigenen Liebesbriefe, vom Beginn einer gemeinsamen Geschichte, die 43 Jahre währen sollte.
Mit ihrem beispiellosen Trauer-, Gedächtnis- und Liebesbuch nähert sie sich dem unmöglichen Wunsch, Paul zu neuem Leben zu erwecken. Und Paul selbst kommt zu Wort, mit Briefen, die er für den Monate vor seinem Tod geborenen Enkel Miles hinterlassen hat.
In diesem großen Werk der Erinnerung werden Fragen aufgeworfen, die alle Menschen angehen; es lässt eine einzigartige Liebes- und Lebensgemeinschaft wiedererstehen, die des legendär gewordenen Autorenpaars aus Brooklyn.
15. Mai 2026
Martin Piekar – Vom Fällen eines Stammbaums
Hardcover, 256 Seiten, € 24,00
Marcin wächst auf in prekären Verhältnissen: Seine Mutter floh in den 1980ern aus Polen nach Deutschland, um ihn, ihr zweites Kind, hier großzuziehen. Sie arbeitet hart als Altenpflegerin, sie trinkt zu viel, und irgendwann sieht sie in ihrem Sohn nur noch den Antagonisten. Währenddessen versucht Marcin, mit Videospielen, Nu Metal und Gedichten herauszufinden, wer er ist und hier in Deutschland sein kann. In dieser Spannung leben die beiden mit- und gegeneinander.
Erst spät im Leben – die alternde Mutter ist schwer krank, und Marcin pflegt sie – offenbart sich die Familiengeschichte in Gänze: eine Lebenserzählung zwischen Anekdote und Abgrund. Der Krieg ist nicht vorbei. Kein Krieg ist je vorbei.
2023 fand Martin Piekar mit einem Auszug aus diesem Roman beim Bachmann-Preis in Klagenfurt begeistertes Echo; er wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis 2024 ausgezeichnet und war 2025 für den Alfred-Döblin-Preis nominiert.
Schöffling
18. Februar 2026
Jami Attenberg – Wir könnten alles sein
Übersetzt von Barbara Christ
288 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, € 25,–
1971, in einem Vorort von Chicago, sitzen die vier Cohens jeden Samstagabend zum Scrabble zusammen. So viel Familienzeit muss sein, findet Frieda, die Mutter, und bereitet Popcorn für alle zu. Als keine fünf Jahre später Patriarch Rudy stirbt, ist nichts wie zuvor. Frieda trinkt zu viel, und die Töchter können es kaum erwarten, wegzukommen von der Mutter, die keine Wärme für sie übrighat. Nancy, die Ältere, wird mit einundzwanzig schwanger und brennt an der Seite eines zwielichtigen Handelsvertreters nach Phoenix durch. Die hochintelligente Shelly stürzt sich in eine lukrative Karriere in der aufblühenden Tech-Branche der Westküste. In sicherer Distanz voneinander versuchen alle drei Cohen-Frauen, sich eine eigene Identität zu erkämpfen. Aber auf ungeahnten Wegen kehren die Erwartungen, Traumata und verdrängten Geheimnisse von damals zurück. Ist ein Verstehen, gar ein Aussöhnen möglich? Und gelingt es der nächsten Generation, Nancys Tochter Jess, die Muster zu durchbrechen? Jami Attenberg verfolgt die Schicksale der vier Cohen-Frauen über vierzig Jahre hinweg, erkundet, auf welche Weisen familiäre Verstrickungen uns prägen, und zeichnet intelligent und realistisch Fortschritt und Backlash in der jüngeren Geschichte der USA nach.
Ulrike Almut Sandig – Im Orkan
208 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, € 24,–
Über Nacht verändern sich die Straßen von Wolnopol: Dünen wehen über die Promenade, künstlich anmutende Wirbelstürme reißen Schneisen durch die ukrainische Küstenstadt. Was wie ein Naturphänomen wirkt, entpuppt sich schnell als existenzielle Bedrohung. Kommen die Stürme aus Russland? Können Menschen und Stadt ihnen standhalten?Inmitten dieses Chaos macht Maksym Karriere – als Dealer von synthetischen Drogen. Sein Großvater Bohdan, der den Gulag überstanden hat, bringt ihm Schach bei und zitiert Puschkin. Seine Mutter Nadia, Herzchirurgin des Städtischen Klinikums, traut weder Staat noch Menschen. Wie Bohdan ist sie bemüht, Maksym die Spuren der sowjetischen Diktatur nicht einzuprägen. Doch während die Stadt im Sand zu verschwinden droht, gerät auch die Familie ins Wanken. Obwohl Maksym sein Drogenbusiness noch als Spiel versteht, steckt er schon in einer gefährlichen Spirale zwischen Macht, Abhängigkeit und Gewalt. Ulrike Almut Sandig spannt in ihrem neuen Roman einen konsequenten sinnbildlichen Bogen über die drängenden Fragen unserer Zeit: Wie sehr brauchen wir einander im Sturm? Und wie hoch ist der Preis unserer Freiheit?
22. April 2026
Ida Fink – Die Reise
224 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, € 24,–
Polen im Herbst 1942. In der Flucht aus dem Ghetto erkennen zwei jüdische Schwestern ihre letzte Überlebenschance. Unter neuen Namen, Elżbieta und Katarzyna, melden sie sich als polnische Freiwillige zur Zwangsarbeit in Deutschland, dem Feindesland. Die »Reise«, die jetzt beginnt, birgt zahllose Gefahren: Denunziationen, Verhöre, Gerüchte zwingen die jungen Frauen wieder und wieder zum Aufbruch. Zunächst im Arbeitslager, später auf Bauernhöfen, wo man sie anheuert – überall müssen sie fürchten, entdeckt zu werden. Wie lebt man unter falscher Identität, ohne sich selbst zu verlieren? Wie verbirgt man die Angst, die das ganze Denken bestimmt? Ida Fink lässt in ihrem autobiographischen Roman Elżbieta die Erinnerungen an eine existenzielle Ausnahmesituation rekonstruieren, an einen jahrelangen Albtraum, einen Seiltanz über dem Abgrund, der »Auschwitz« heißt. Eine Erzählung von hoher atmosphärischer Intensität über Hass und Gräuel, aber auch über unverhoffte Hilfsbereitschaft und bedingungslose Geschwisterliebe. Ein ergreifender Text, in dem das Unfassbare geschichtlicher Wirklichkeit erfahrbar wird.
Secession
27. Februar 2026
Luo Lingyuan – Kinder der roten Erde
Gebunden, 240 Seiten, € 25.00
Xiao Sina zieht als achtjähriges Mädchen mit ihrer Familie vom Dorf in eine kleine Stadt, in der ihr Vater, ein angesehener Mann, eine gut laufende Ölpresse betreibt. Ab Oktober 1949, nach der Machtübernahme der Kommunisten, wendet sich das Schicksal für die Famlie: Der Vater wird als »Grundbesitzer« eingestuft und muss fliehen, die Mutter wird ins Gefängnis geworfen. Inzwischen siebzehnjährig, steht Sina als Kind von »Klassenfeinden« allein in der Welt, sie ist geduldet, aber mehr oder weniger rechtlos.
Wie durch ein Wunder wird sie zur Ausbildung als Lehrerin zugelassen und rettet sich vor dem Hungertod. Als sie 1957 zum Studium auf den berühmten Lushan-Berg kommt, ist sie eine umworbene junge Frau, deren Schicksal noch mehrmals von den politischen Verwerfungen ihres Landes auf das Heftigste gezeichnet wird, und doch gelingt ihr letztendlich ein geglücktes Leben …
Luo Lingyuan zeichnet in ihrem neuen Roman die Volksrepublik China in ihren aufgewühlten, oft sehr grausamen Anfangsjahren. Trotz der Armut und des harten Lebens bewahren die Kinder der roten Erde ihre Sanftheit und geben die Hoffnung auf eine bessere Zukunft über ein ganzes Leben hinweg nie auf.
28. Februar 2026
Juan Gómez Bárcena – Alles andere ist Luft
Eine Dorfchronik voller Weltgeschichte
Aus dem Spanischen übersetzt von Matthias Strobel
Gebunden mit Schutzumschlag, 494 Seiten, € 30,00
Toñanes, ein winziges Dorf, gelegen in Kantabrien, im Norden Spaniens. Der Protagonist Juan – das Alter Ego des Autors – besucht als Kind mit seinen Eltern einen Onkel des Vaters in Toñanes. Am Ende dieses Besuchs wird der Entschluss gefasst, das alte Steinhaus des Onkels zu kaufen und es zum Lebensort während der Sommermonate zu machen. Für Juan wird das Dorf im Norden bald mehr Heimat sein als das eigentlich Zuhause in Santander.
Juan erzählt schließlich die Geschichte dieses Dorfes: von seiner Gründung durch die Römer bis hin in unsere Gegenwart. Zugleich erzählt er seine eigene Familiengeschichte, das Leben im Dorf, seine Entdeckungen als Kind, sein Heranreifen und verhandelt dabei die großen Themen der Menschheit: Sexualität, Liebe, Mutterschaft, Religion, Fanatismus, Recht und Unrecht, Ungleichheit, Rassismus, Emigration, Krieg, Tradition und deren Verlust, Tod.
Auf der Grundlage einer umfangreichen historischen Recherche arbeitet Juan Gómez Bárcena die Biografie eines Ortes heraus, die auch die Biografie eines ganzen Landes ist. Mit einem meisterhaften Erzählstil und filmischen Montagemitteln bietet er großes Kino in Form eines Romans.
Lídia Jorge – Die Stunde der Nelken
Lehrreich und berührend zugleich.
Ü: Marianne Gareis
Gebunden, 450 Seiten, € 30,00
Drei Jahrzehnte nach dem 25. April 1974, dem Tag der portugiesischen Revolution, soll die in den USA lebende Ich-Erzählerin Ana Maria Machado, Tochter eines linken portugiesischen Journalisten, für die CNN eine Fernsehreportage über die sogenannte »Nelkenrevolution« machen. Die junge Generation Portugals will eigentlich nichts mehr wissen von dieser Vergangenheit und sieht die »Helden« der Revolution eher als Verräter an ihren eigenen Idealen. Doch dies ändert sich für Ana Maria und zwei ihrer ehemaligen Kommilitonen, als sie sich gemeinsam an die Reportage für die CNN begeben. Ausgehend von einer Photographie mit den Protagonisten des Umsturzes porträtieren sie einige der damaligen Akteure.
Lídia Jorge setzt mit diesem Roman all jenen Menschen ein Denkmal, die im April 1974 heldenhaft für ihr Land kämpften und nun größtenteils desillusioniert sind, und sie zeigt den Widerspruch zwischen den großen, heroischen Augenblicken der Geschichte und dem späteren Realitäts-Clash auf. Selbst der Revolutionsgeneration angehörend, beschreibt sie diese erinnernswerten Figuren mit liebevoller Einfühlung.
Septime
S.Fischer
25. Februar 2026
Nadine Schneider – Das gute Leben
304 Seiten, gebunden, € 25,00
Nadine Schneiders Roman »Das gute Leben« ist eine große Mütter-Töchter-Geschichte über vier Generationen, ein Buch von Abschied, Neuanfang und der Arbeit des Lebens.
Es ist Spätsommer, und im Garten sind die Trauben reif, als Christina das Haus ihrer Großmutter Anni erbt. Hier, in einem kleinen Dorf bei Nürnberg, ist sie bei Anni aufgewachsen: Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus Rumänien nach Deutschland flieht. Anni, die ganz allein ihr Kind und ihr Enkelkind aufzieht und beim Quelle-Versand Pakete packt, die ins Wirtschaftswunderland verschickt werden. Die gegen Einsamkeit, Armut und Fremdsein kämpft, mit Zähigkeit, Kraft und Pflichtbewusstsein. War das das Leben, von dem sie geträumt hat? Oder hat sie beim Leben das Leben verpasst?
Zögernd verabschiedet sich Christina von Anni und ihrem Haus. In der stillen Wärme der letzten Sommertage versinkt sie immer tiefer in ihren Erinnerungen, stößt auf überraschende Fundstücke und fährt auch zu dem inzwischen verlassenen Gelände des Quelle-Versandzentrums. Ihren eigentlich geplanten Urlaub hat sie abgesagt, und von ihrer Arbeit dringen nur gelegentliche Mails zu ihr. Und allmählich erkennt sie, was sie ihrer Großmutter wirklich verdankt: die Freiheit, loszulassen und selbst den Ort zu finden, wo das gute Leben zu Hause ist.
Judith Hermann – Ich möchte zurückgeh
en in der Zeit
192 Seiten, gebunden, € 24,00
Judith Hermann folgt in »Ich möchte zurückgehen in der Zeit« den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner lange verleugneten Geschichte, reist von Polen aus weiter zu ihrer Schwester nach Neapel und geht Erinnern und Vergessen der folgenden Generationen nach.
In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf. Ebenso magisch wie magnetisch erzählt sie davon, wie fragil wir uns in unseren Leben einrichten – und zeigt auch, welche Schönheit sich darin verbergen kann.
Richard Price – Lazarus Man
Übersetzt von: Henning Ahrens
448 Seiten , gebunden, € 26,00
East Harlem, 2008. Ohne Vorwarnung stürzt ein fünfstöckiges Mietshaus ein, das ganze Viertel versinkt im Chaos. Die Rauchwolke steht dicht über dem Berg aus Schutt, als Rettungsdienste und Medien eintreffen. Als eigentlich keiner mehr mit Überlebenden rechnet, wird Anthony Carter aus den Trümmern geborgen, unversehrt, aber nicht mehr derselbe. Richard Price folgt vier unvergesslichen Charakteren durch die Nachwehen einer urbanen Katastrophe. Ein fesselndes Gesellschaftspanorama voller Spannung und sozialer Visionen.
25. März 2026
Kiran Desai – Die Einsamkeit von Sonia und Sunny
Übersetzt von: Robin Detje
752 Seiten, gebunden, € 28,00
Sonia studiert Literatur in den verschneiten Bergen Vermonts, Sunny arbeitet als Journalist in New York und träumt von einer großen Zukunft. Als sie sich in ihrer indischen Heimat zum ersten Mal begegnen, sprühen die Funken – bis sie feststellen, dass ihre Großeltern einst eine Heirat für sie arrangieren wollten.
Im Strudel ihrer chaotischen Familien, zwischen Tradition und Moderne, gehen sie sich verloren – und geben doch, auch Jahre später, die Suche nach dem gemeinsamen Glück nicht auf.
Alice Austen – 33 Place Brugmann
Übersetzt von: Frauke Brodd
448 Seiten, gebunden, € 26,00
Brüssel, 1939. Am Place Brugmann ist Charlotte zu Hause, hier kennt sie alle Bewohner und jeden verborgenen Winkel. Doch kurz bevor die Nazis in Belgien einmarschieren, verschwinden Charlottes Nachbarn, die Raphaels, über Nacht und lassen alles zurück. Bald wird klar, dass die Schicksale der Hausbewohner sich unlösbar miteinander verbinden.
Alice Austen erzählt von einem Haus, den Menschen, die in ihm leben und warum es sich lohnt, in Zeiten großer Bedrohung an die Kraft der Liebe und der Kunst zu glauben. Eine große Geschichte von Liebe und Verrat, Feigheit und Widerstand im besetzten Brüssel.
Suhrkamp
16. Februar 2026
Svenja Leiber – Nelka
Fester Einband mit Schutzumschlag, 200 Seiten, € 24,00
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Gabriella Zalapì – Ilaria
Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
Fester Einband mit Schutzumschlag, 170 Seiten, € 23,00
An einem Tag im Mai 1980 steigt die achtjährige Ilaria nach der Schule in das Auto ihres Vaters, der sie abholen soll. Es ist der Beginn einer zweijährigen Irrfahrt durch Italien – denn der Vater hat sie entführt. Ständig wechselnde Hotels, die endlosen Stunden im Auto, auf unbeseelten Autobahnraststätten, Triest, Bologna, ein Internat in Rom, ein Bauernhof in Sizilien, und Ilaria denkt ständig an die Mutter und die Schwester und schwört sich, nicht mehr zu weinen. Manchmal sieht das alles aus wie eine normale Kindheit, dank der Spiele, die sie und der Vater unterwegs spielen, wie sie im Auto die Hits lauthals mitsingen. Aber der Vater trinkt, ist ständig nervös, viel zu impulsiv. Hin und wieder darf sie mit der Mutter telefonieren, Ilaria hat schmerzhafte Sehnsucht nach ihr, doch zugleich will sie den Vater schützen. Und bei alledem muss sie irgendwie versuchen, die andauernde Angst, den Zusammenbruch ihres Lebens, ihre stille Verzweiflung zu bewältigen.
Ilaria ist ein Roadtrip durch ein ungekanntes Italien und ein eindringlich erzählter, autobiographisch grundierter Roman – über heikle Nähe, die elementare Schutzlosigkeit eines Kindes und die Notwendigkeit einer viel zu frühen Selbstbehauptung.
09. März 2026
Maylis de Kerangal – Brandung
Aus dem Französischen von Andrea Spingler
Fester Einband mit Schutzumschlag, 240 Seiten, € 25,00
Am Hafen von Le Havre wird ein Mann tot aufgefunden. In der Jackentasche ein Kinoticket und auf dessen Rückseite ihre Telefonnummer. Sie erhält einen Anruf des ermittelnden Polizisten. Nur: Was soll sie – Synchronsprecherin in Paris, Mutter und Ehefrau – mit diesem ermordeten Mann in der 200 Kilometer entfernten Stadt zu tun haben?
Sie reist sofort nach Le Havre. Verlangt, die Leiche zu sehen. Angelangt in der Stadt ihrer Kindheit, begegnet sie unwillkürlich den Bildern ihrer Vergangenheit. Der Hafenkai, das Lichtspielhaus, jeder Ort trägt Spuren vergessener Episoden. Und immer mehr drängt sich ihr die Erinnerung an ihre erste verlorene Liebe auf. Was, wenn der Tote diese Jugendliebe ist, die damals von heute auf morgen wie vom Erdboden verschwunden war?
Ein rätselhafter Todesfall, eine Spurensuche an den Orten der Jugend und eine Hafenstadt, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschwimmen. In ihrem literarischen psychologischen Thriller Brandung verwandelt Maylis de Kerangal ein Kriminalrätsel zum Schauplatz innerlichen Aufruhrs und biografischer Erkundungen.
Josef Winkler – Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht
Fester Einband mit Schutzumschlag, 431 Seiten, € 26,00
»Ich schreibe dich – / Zur Welt bist du wieder gekommen / mit geisternder Buchstabenkraft«, heißt es in einem der Gedichte von Nelly Sachs, das Josef Winkler in seinem neuen Roman zitiert, in dem er seine fünf Jahre ältere, mittlerweile verstorbene Schwester Maria, die sich in ihrer gemeinsamen Kindheit auf dem Bauernhof vor allem um den rebellischen Josef gekümmert hat, in die Welt zurückschreibt. Für eine Ausbildung zur Konditorin verlässt sie das Dorf, arbeitet jahrelang in den verschiedensten Hotels, kehrt nach Ausbruch ihrer seelischen Erkrankung und nach dem ersten Selbstmordversuch in ihr Elternhaus zurück, wo sie auf ihren Bruder Josef trifft, der nach dem Skandal um sein erstes Buch ebenfalls dort Zuflucht sucht.
Der Roman Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht, der mit Josef Winklers »Buchstabenkraft«, auch in surrealen Bildern, andeutet, welche ungeheuerlichen Vorkommnisse das Dasein seiner Schwester bis in den Tod verdunkelt haben mögen, verschränkt die Heimkehr der verlorenen Tochter und die Rückkehr des verlorenen Sohns ineinander. Wie Josef Winkler seelische und körperliche Gewalt der dörflichen Umwelt zur Sprache bringt, ist in der deutschsprachigen Literatur unvergleichlich.
20. April 2026
Sylvia Plath – Die Glasglocke
Illustrierte Ausgabe
Aus dem amerikanischen Englisch von Reinhard Kaiser. Mit Illustrationen von Beya Rebaï
Fester Einband mit Schutzumschlag, 336 Seiten, € 28,00
Als Esther Greenwood ihr Praktikum bei einem New Yorker Modemagazin antritt, scheint es die Schwelle in eine aufregende Zukunft zu sein: Leben in der betörenden Großstadt, waghalsige Männer, hitzige Dinner und Tanzabende. Doch ihr Weltbild gerät ins Wanken, beginnt zu schlingern – und öffnet sich auf eine Dunkelheit, in der ihr alles zunehmend unwirklich erscheint.
Vor 60 Jahren erschien die amerikanische Erstausgabe von Die Glasglocke, Sylvia Plaths einzigem Roman – kurz darauf nahm sie sich das Leben. Der Roman avancierte bald zum Kultbuch, beschrieb er doch wie nie zuvor die Zerrissenheit einer jungen Frau und die Dynamik psychischer Erkrankungen. In dieser Ausgabe vereinen sich nun Plath‘ Roman und Beya Rebaïs Illustrationen zu einem Gesamtkunstwerk.
Sylvia Plath schrieb mit Die Glasglocke bahnbrechend über den Kampf um den eigenen Platz in der Welt – es begründete ihren Ruhm als feministische Ikone. Auch heute hat dieses Jahrhundertbuch nichts von seiner beklemmenden Faszination verloren, kongenial untermalt von Beya Rebaï.
18. Mai 2026
Heike Geißler – Michaela Kohlhaas
Fester Einband, 300 Seiten, € 25,00
»Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.« So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem Unrecht blutige Vergeltung übt. Sein Rachefeldzug ist noch zweihundert Jahre später Vorbild und Handlungsanweisung für Michaela Kohlhaas, eine stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein. Es ist von Nachteil, sich zu wehren. Doch selbst wenn alle Welt sie für wahnsinnig erklärt – sie geht »mit wehenden Fahnen« ihrem Ende entgegen, auf ein gutes Ende hoffend, und doch ahnend: Ein solches Ende wird es vielleicht nicht geben.
Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt.
Transit
23. Februar 2026
Julia Fiedorczuk – Unter der Sonne
aus dem Polnischen von Lisa Palmes und Joanna Manc
340 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, 28 €
Der Roman spielt in Podlasien, einer wilden, dünn besiedelten Region im Nordosten Polens, begrenzt von Litauen und Belarus. Mischa, aus einer streng gläubigen russisch orthodoxen Familie stammend, wohnt an dem einen Ufer des Flusses Narew, Miłka, erzkatholische
polnische Bauerntochter, auf der anderen Seite. Sie heiraten gegen den Willen ihrer Familien. Mischa, ein belesener, melancholischer Feingeist, folgt lieber dem rhythmus der Natur als den großen oder kleinen Querelen zwischen den Menschen. Sie liebt das spirituelle,
Märchenhafte, für das in der neuen Zeit kein Platz mehr ist. Figuren aus der Vergangenheit werden lebendig: Mischas Eltern, die auf der Seite der Partisanen, erst gegen die deutschen, dann gegen die Russen kämpften, sein Lehrer Franciszek, der in ihm die Leidenschaft
für Literatur weckte, Nachbarn, die noch aus jeder politischen Wende siegreich hervorgehen, die aufregende Marianna Zającowa, genannt die Geliebte des Teufels, oder der hypersensible Jurek Bułka, der leidenschaftlich Geräuschen aus dem Inneren der Erde lauscht. Sie alle
bringen uns die Geschichte, die gerade Podlasien heftig aufgemischt hat, auf persönliche, für uns neue Art nahe. Sie geraten zwischen die Fronten, werden aus ihrem alten Leben gerissen und müssen mit Katastrophen zu leben lernen: Kriege, nationale Konflikte, Einmarsch der Deutschen, Partisanenkämpfe, stalinistische Verfolgungen – und am Ende der alles durcheinander wirbelnde Kapitalismus …
Tierno Monénembo – Addi Bâ. Der Schwarze Terrorist
Aus dem Französischen von Gerhard Bierwirth
200 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Abbildungen, 24,00 €
1940. Zweiter Weltkrieg. In den Vogesen zur Zeit der Herbstzeitlosen suchen ein Vater und sein Sohn Pilze. Im Wald stoßen sie auf einen »negre«, zusammengekauert, halbtot und in einer von Schweiß und Schlamm verdreckten Uniform. Es ist Addi Bâ, ein junger Guineer, der im Alter von 13 Jahren nach Frankreich kam und sich bei Kriegsausbruch freiwillig zu den »Senegalesischen Schützen« meldete. Nach der Schlacht an der Maas gefangen genommen, gelingt ihm die Flucht. Er irrt durch die Wälder, bevor er von den beiden entdeckt und im Dorf Romaincourt versteckt und versorgt wird. Die Geschichte wird uns von Germaine erzählt, einem Mädchen aus dem Dorf, das kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Ankunft des Afrikaner wirbelt den scheinbar unveränderlichen Mikrokosmos des Dorfes auf. Die Frauen widersetzen sich ihren Ehemännern, die Söhne träumen davon, Widerstandskämpfer zu werden. Addi Bâ wird von der Dorfgemeinschaft endgültig aufgenommen, als er 1942 der Resistance beitritt. Er gründet den ersten Maquis in den Vogesen mit jungen Leuten, die nicht zur Zwangsarbeit nach Deutschland wollen, sorgt für die Rettung von Juden, abgestürzten Piloten und geflohenen Kriegsgefangenen. Von den Deutschen als »schwarzer Terrorist« bezeichnet und gefürchtet, wird er verraten und im Dezember 1943 in Epinal erschossen. Wer ihn verraten hat, wurde nie bekannt.
Tropen
14. Februar 2026
Tomer Gardi – Liefern
Roman
Aus dem Hebräischen von:
320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos und gibt denen eine Stimme, die in unserer Welt selbst keine haben. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit.
Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Übersetzertreffen nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramon verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramons Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.
Ullstein
30. April 2026
Andrew O’Hagan – Maifliegen
Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié
Hardcover, 320 Seiten, 24,99 €
Tully und James, der eine bereit für das Leben, der andere offen, sich von seinem Freund mitreißen zu lassen, wachsen in den Achtzigern in einer schottischen Kleinstadt auf. Einer Stadt ohne Perspektiven und Zukunft, mit vorgezeichneten Lebensläufen und Schicksalen. Die Musik ist ihnen Zuflucht und Ausweg, Manchester im Jahr 86 ihr Mekka. Ein Wochenende lang spielen dort ihre Heroen, Bands wie The Smiths, New Order oder Joy Division. Mit ihrer Clique ziehen die beiden durch die Clubs, getragen von den Riffs der Gitarren, der Magie des Fortseins von zu Hause und von einem Rausch, wie nur die Jugend ihn kennt. Dreißig Jahre später erhält James einen Anruf. Es ist Tully. Er hat Neuigkeiten. Er wird sterben. Und er hat eine letzte Bitte.
Maifliegen setzt der Euphorie der Jugend ein Denkmal, und ist zugleich eine bewegende Reflexion über Freundschaft und die Zerbrechlichkeit des Lebens.
Park x Ullstein
29. Januar 2026
Sophia Merwald – Sperrgut
Hardcover, 304 Seiten, 22,00
Das außergewöhnliche Debüt der Alfred-Döblin-Preisträgerin 2025
Am Anfang steht Kristalloma: Eigenhändig baut sie auf einer Industriebrache ein Haus, und das Lusthansa wird ein Zuhause für Frauen, die keines haben. Jahre später formt sich dort unter der Obhut von Kristalloma und ihrem Partner Bruno eine neue Gemeinschaft: Die Freundinnen Maj und Stevie, deren Vater und seine Frau Linde stoßen hinzu. Drei Generationen leben unter dem selbstgebauten Dach zusammen, teilen Paprikasuppe, schauen gemeinsam Astro-TV und passen aufeinander auf. Bis die naheliegende Stadt mit einem Abrissbescheid vor der Tür steht und das Lusthansa um seine Existenz kämpfen muss.
Sophia Merwald erfindet in ihrem Debüt eine ganz eigene Sprache – lyrisch-verspielt und doch messerscharf in der Beobachtung, surreal und gleichzeitig von tiefer Wahrhaftigkeit.
Unionsverlag
20. Februar 2026
Nussaibah Younis – fundamentalös
Aus dem Englischen von Jasmin Humburg
Gebunden, 384 Seiten, € 24.00
Nadia, Akademikerin, sitzengelassen von ihrer großen Liebe Rosy, will ihrem miesen Privatleben entkommen – und nimmt einen UN-Job im Irak an. Mit der Aufgabe betraut, IS-Frauen zu deradikalisieren, leistet sie sich in der Welt internationaler Hilfsorganisationen einen Fehltritt nach dem anderen.
Sara, eine wütende Teenagerin, hat sich mit fünfzehn dem IS angeschlossen. Verbunden durch ihr muslimisches Aufwachsen in London und eine Vorliebe für derbe Sprüche, freunden die beiden sich an – doch bald muss Nadia entscheiden, wie weit sie für Sara zu gehen bereit ist.
Eine bissige Auseinandersetzung mit Liebe, Familie, Religion und den Entscheidungen, die wir treffen, um dazuzugehören – Nussaibah Younis erforscht eine der großen Herausforderungen unserer Zeit mit Scharfsinn, Herz und Humor.
Voland&Quist
6. April 2026
Ondřej Hübl – Der Vorhang
Daniela Pusch (Übersetzerin)
gebunden, 320 Seiten, 26.00 EUR
Als Josef Kaarls Tochter – er ein erfolgreicher Unternehmer und großzügiger Mäzen der Prager Philharmonie – als vermeintliche Linksextremistin festgenommen wird, sieht er nur eine Chance: Sie soll erleben, was es heißt, im Arbeiterparadies zu leben. Da kommt ihm das Angebot einer ehemaligen Filmproduktionsfirma und jetzigen Reiseagentur gerade recht: „Ausflug in den Kommunismus! Erleben Sie die Fünfziger Jahre am eigenen Leib!“.
Was als harmlos inszeniertes Experiment beginnt, wird für seine Familie schnell zum Verhängnis. Die akribische Rekonstruktion der 1950er Jahre in der Tschechoslowakei kippt in ein beklemmendes Szenario aus Macht, Manipulation und Angst.
Ein packender, schwarzhumoriger Roman mit internationaler Strahlkraft.
Ein psychologischer Thriller über die Grenzen von Spiel und Realität. Fesselnd und gnadenlos präzise erzählt.
Wagenbach
19. Februar 2026
Dario Ferrari – Die Pause ist vorbei
Übersetzt von Christiane Pöhlmann
352 Seiten, Gebunden, 26,– €
Oblomow in der Toskana: ein Generationenporträt nicht mehr ganz junger Italiener – aus der Sicht des selbstironischen, stets bräsigen und immer beredten Tagediebs Marcello Gori.
Marcello, um die dreißig und frischgebackener Ex-Langzeitstudent ohne richtigen Job, wohnt im Touristenstädtchen Viareggio – natürlich bei seiner Mutter. Er fürchtet, seine Freundin könnte es ernst mit ihm meinen, und ebenso sehr, sie könnte ihn verlassen. Seine größte Sorge aber ist: Er will auf gar keinen Fall die Bar seines Vaters übernehmen. Mehr aus Trotz bewirbt sich Marcello um eine Promotionsstelle an der Uni Pisa – und zur allseitigen Überraschung, auch seiner eigenen, bekommt er sie. Schnell gerät Marcello in die Ränkespiele eines legendären Literaturprofessors, der ihm ein Thema für seine Doktorarbeit aufdrückt: das schriftstellerische Werk des linken Terroristen Tito Sella. Doch warum interessiert sich sein Professor so sehr für den kaum bekannten, im Gefängnis verstorbenen Sella? Und was verrät dessen angeblich verschollene Autobiografie? Hochkomisch und einnehmend erzählt Dario Ferrari von Marcello, der sich erfolgreich dem Erwachsenwerden widersetzt – und dem zusehends die Grenzen verschwimmen: zwischen Literatur und Leben, zwischen dem schreibenden Terroristen und sich selbst.
Wallstein
04. März 2026
Gabriela Adameșteanu – Stimmen auf Abstand
Aus dem Rumänischen übersetzt von Jan Koneffke
360 Seiten, gebunden, Schutzumschlag, € 26,00
In einer Kleinstadt der rumänischen Karpaten erinnert sich die pensionierte Ärztin Anda Movila an ihr Leben mit zwei Ehemännern – der eine starb gewaltsam bei der Revolution von `89, der andere an einer Krankheit. Sie denkt an ihre Kinder Liviu und Delia, die mittlerweile in Frankreich und den Vereinigten Staaten ihr Glück suchen. Andas Erinnerungen lassen auch die Zustände in der Klinik während des Kommunismus, Ehebruch und Eifersucht oder den Urlaub am Schwarzen Meer in einem Luxushotel in Nachbarschaft zur Sommerresidenz des Diktatorenehepaars wiederaufleben. Die Gegenwart erreicht sie als Alarm vor Braunbären, die den Touristenort heimsuchen, als Fernsehnachrichten und Social-Media-Gerüchte oder durch die Stimmen ihrer Kinder und Freunde am Telefon – auf Abstand. Bis sie beschließt, die rätselhafte Geschichte um Ceausescus Oberkellner Trif und seine Frau aufzuschreiben: Denn in Rumänien ist die Vergangenheit nicht selten überraschender als die Zukunft.
Gabriela Adames,teanu entwirft in ihrem neuen Roman ein Panorama der rumänischen Welt: Familien, die durch die Emigration zerfallen; nie vernarbte Erfahrungen von Rechtlosigkeit und Gewalt; und die Verwerfungen einer Gesellschaft, die mit der Vergangenheit nie abrechnen wollte. »Stimmen auf Abstand« vervollständigt die Galerie der großen Romane und Frauenfiguren von Gabriela Adamesteanu auf brillante Weise.
Zeitkind
11. Mai 2026
Emma Kausc – Handlungsstörung
Übersetzung: Martina Lisa
276 Seiten, gebunden, € 27,00
Was heißt es, eine eigene Geschichte zu haben? Wer darf sie eigentlich erzählen?
Und kann sie uns genommen werden?
Im Zentrum des Romans steht die 33-jährige, in London lebende Emma. Sie ist auf
der Suche nach den eigenen tschechischen Wurzeln und versucht zugleich, mit
einem doppelten Verlust zurechtzukommen: mit dem Tod ihrer Mutter Zuzana und
dem plötzlichen Verschwinden ihrer Lebenspartnerin Alyona. Sie tastet sich entlang
der eigenen Erinnerungen und erkundet die Frage, ob das Erzählen hilft, das Erlebte
zu verarbeiten oder zu verstehen. Dafür reist sie nach Tschechien und in die USA, wo
die Brände in Kalifornien immer stärker werden… Gerahmt wird die Handlung zudem
von der wahren Geschichte von William „Mole Man” Lyttle, dem „Maulwurf von
Hackney”, der in den 1960er-Jahren begann, einen Tunnel unterhalb seines Hauses zu
graben und diesen über vier Jahrzehnte im Alleingang zu einem weitverzweigten
Tunnelsystem ausbaute.
Kauscs Prosadebüt ist eine vielschichtige Erzählung von der Suche nach einer
Geschichte, die erzählt werden kann, deren Stränge in viele Richtungen
auseinanderlaufen, sich immer wieder überkreuzen und überlagern. Eine Geschichte,
deren Kontinuität gestört wurde und die, ähnlich wie die Häuser im Londoner
Stadtteil Hackney, an verschiedenen Stellen abzusacken droht. Der Roman spielt
geschickt mit dem Label der Autofiktion und wird von seiner einfühlsamen,
poetischen Sprache getragen
Zsolnay
17. März 2025
Slobodan Šnajder – Engel des Verschwindens
Übersetzt aus dem Kroatischen von Matthias Jacob und Rebekka Zeinzinger
512 Seiten, Hardcover, € 28,00
1941 Okkupation. 1945 Befreiung. 1991 Zerfall: Die Stadt Zagreb, ein zweistöckiges Mietshaus im Zentrum und die Schicksale seiner Bewohner stehen im Mittelpunkt von Slobodan Šnajders epochalem Roman, der die Geschichte Jugoslawiens, ja des ganzen Balkans erzählt: Im oberen Stockwerk residiert Professor Gavranić, ein Homme de Lettres und Menschenfreund, unter ihm Frau Blavatsky, in deren Wohnzimmer es zuweilen übersinnlich zugeht, im Souterrain haust Mile, ein von Mussolini trainierter Ustascha der ersten Stunde, schließlich das Findelkind Anđa Berilo in der Dachkammer, das sich als Dienstmädchen verdingt und zur Partisanin und gemeinsam mit dem Haus selbst zur Erzählerin eines ganzen Jahrhunderts wird.
»Engel des Verschwindens« zeigt Mitteleuropa als Geschichts- und Geschichtenpanorama einer Welt, die im Großen wie im Kleinen aus den Fugen gerät.
Wer nochmal einen Blick auf die Herbst-Neuerscheinungen 2025 werfen will kann das hier tun.











