Donna Leon – Flüchtiges Begehren

Seit fast dreißig Jahren ermittelt der kultivierte, gebildete und mit besten Manieren versehene Guido Brunetti für die Questura in Venedig. Anders als viele seiner literarischen Ermittlerkollegen ist Brunetti frei von persönlichen Abgründen oder Lastern, liebt gutes Essen, seine Familie und die klassischen Autoren. Seinen Plinius oder Tacitus in der Hand, ein gutes Glas Wein in der Nähe, hat er seit jeher ein entspanntes Verhältnis zu seiner Arbeit. Das kommt seinen LeserInnen zugute, können sie ihn doch so auf seinen ausgedehnten Spaziergängen durch die Gassen Venedigs und in die vielen kleinen Cafés und Trattorien begleiten. So auch im neuesten Fall von Donna Leon: Flüchtiges Begehren.

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Sommerlektüre – Von Räubern, einem Monat in Siena, Kunst und der Unschärfe der Welt

Kleiner Nachtrag zu meiner Sommerlektüre. Vor meinem Urlaub hatten sich zum Glück so einige Rezensionen aufgestaut, so dass ich in den 18 Tagen Italien tatsächlich nicht „arbeiten“ musste und bereits Fertiges veröffentlichen konnte. Gelesen habe ich natürlich dennoch und damit es nicht einen noch größeren „Nachurlaubsstau“ gibt, fasse ich meine Urlaubslektüre mal in einem Sammelbeitrag zusammen. Tolle Bücher, jedes hätte eigentlich einen eigenen langen Post verdient – alles uneingeschränkte Empfehlungen!

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Zadie Smith – Grand Union

Geschrieben hat sie Short Stories schon immer. Nun veröffentlicht Zadie Smith ihren ersten Erzählungsband, Grand Union. Handlungsorte sind Smiths Heimatstadt London, New York, wo sie an der New York University kreatives Schreiben unterrichtete und verschiedene Ort in Europa. So divers wie die Schauplätze sind auch die Themen, Perspektiven und Erzählweisen. Von ganz klassischen Short Stories über dystopische Settings zu sehr experimentell angelegten Geschichten bietet die Sammlung ein Kaleidoskop von Betrachtungen unseres gegenwärtigen Lebens, das so schnelllebig, schwer zu greifen und zu verstehen ist. Themen, die überall aufblitzen sind die aus ihren bisher fünf Romanen bekannten: Rassismus, Klassismus und Sexismus. Weiterlesen „Zadie Smith – Grand Union“

Deutscher Buchpreis 2021 – Die Longlist

Deutscher Buchpreis 2021 – Die Longlist

Wer mir schon eine Weile folgt, weiß, dass ich den Deutschen Buchpreis schon sehr lange verfolge, viele Titel der jeweiligen Long- und Shortlists gelesen und teilweise auch besprochen habe. Ich freue mich über das Interesse an Literatur, in diesem Fall deutschsprachiger, das durch diesen Preis jedes Jahr angefacht wird, gerade auch was die Medienaufmerksamkeit betrifft. Und wenn natürlich auch nie der eine “beste” Roman erwählt werden kann, da es diesen bei der Divergenz der Lesevorlieben und -erwartungen gar nicht geben kann, habe ich persönlich doch in den letzten Jahren durch den Preis einige Bücher entdeckt, die mir sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Umso mehr freue ich mich, dass ich in diesem Jahr als eine von zwanzig offiziellen Buchpreisblogger:innen dabei sein darf und ein zugelostes Patenbuch in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit rücken wird. Beiträge dazu werden hier in den nächsten Wochen bis zur Preisverleihung am 18. Oktober, bei der ich auch dabei sein werde, erscheinen. Weiterlesen „Deutscher Buchpreis 2021 – Die Longlist“

Juan Gabriel Vásquez – Lieder für die Feuersbrunst

Juan Gabriel Vásquez ist der bedeutendste zeitgenössische kolumbianische Autor und sicher einer der wichtigsten Südamerikas. Mit dem magischen Realismus etwa seines Landsmannes Gabriel García Márquez hat der 1973 geborene, lange in Europa lebende Schriftsteller nichts zu tun. Die Romane von Juan Gabriel Vásquez zeichnen wie die Erzählungssammlungen Die Liebenden von Allerheiligen und die neu erschienenen Lieder für die Feuersbrunst ein sachlicher, verknappter Erzählstil aus, wie immer hervorragend übersetzt von Susanne Lange. Weiterlesen „Juan Gabriel Vásquez – Lieder für die Feuersbrunst“

Deutscher Buchpreis 2005-2020 – Ein Rückblick

Manche von euch haben es vielleicht schon gesehen: Ich darf dieses Jahr als eine von 20 offiziellen Buchpreisblogger:innen den Preis begleiten und nehme das zum Anlass: hier ein kleiner Rückblick auf 16 Jahre Deutscher Buchpreis und die Gewinner der Jahre 2005-2020. Weiterlesen „Deutscher Buchpreis 2005-2020 – Ein Rückblick“

Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter – Der Kranz

Als ich 2019 zum Gastlandauftritt Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse in dessen Literaturgeschichte und den Autor:innen-Verzeichnissen stöberte, stieß ich immer wieder auf einen Namen: Sigrid Undset. 1928 erhielt die Norwegerin Sigrid Undset den Literaturnobelpreis, vor allem für ihre Mittelalter-Trilogie um eine eigenwillige Frau – Kristin Lavranstochter. Jetzt wird der Romanzyklus im Kröner Verlag neu herausgegeben und startet mit Teil 1 – Der Kranz. Weiterlesen „Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter – Der Kranz“

Dorothy West – Die Hochzeit

Nur zwei Romane veröffentlichte die afroamerikanische Autorin Dorothy West neben zahlreichen Erzählungen in den 91 Jahren ihres Lebens. Der ersten, The living is easy, erschien 1948. Da war West 41 Jahre alt. Der Erfolg blieb aus, vielleicht weil das Publikum von einer Schwarzen Autorin etwas anderes erwartete. West, die aus einer der reichsten Familien Bostons stammte – der Vater wurde noch als Sklave geboren, kam dann aber mit Lebensmittelhandel zu Geld -, schrieb über das wohlhabende Schwarze Bürgertum. Chauffeure, Kricket-Turniere auf gepflegtem englischen Rasen, Ferien auf Martha´s Vineyard, das war nicht das, was man von Autor:innen der Harlem Renaissance erwartete. Dieser sozialen, kulturellen und künstlerischen Bewegung, die ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen Bevölkerung ausdrücken wollte, fühlte sich Dorothy West zugehörig. Allerdings war sie wenig politisch, die radikalen Black Panther und Malcolm X verachtete sie regelrecht. Erst die Überredungskünste einer Nachbarin auf Martha´s Vineyard, einer Lektorin namens Jackie Kennedy Onassis, ermutigten Dorothy West, ihren zweiten Roman Die Hochzeit zu vollenden. Er erschien 1995, drei Jahre vor Wests Tod und wurde, auch dank der Unterstützung von Oprah Winfrey, ein Erfolg und prominent verfilmt. Weiterlesen „Dorothy West – Die Hochzeit“

Yanick Lahens – Sanfte Debakel

Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass der Haitianische Präsident Jovenes Moïse in seinem Haus erschossen wurde. Leser:innen des packenden Romans Sanfte Debakel von Yanick Lahens dürften davon nicht allzu überrascht sein und tatsächlich auch die Meldung von „spanisch sprechenden Angreifern“ zumindest in Zweifel ziehen. Welches Gewaltpotential, welches rücksichtslose Machtstreben und welche Menschenverachtung inmitten von Teilen der haitianischen Gesellschaft herrscht, wie hilflos ihnen die Bevölkerung ausgesetzt ist und wie wenig greifbare Hoffnung zur Zeit herrscht, das macht die 1953 geborene Autorin, die zu den wichtigsten intellektuellen Stimmen des Landes gehört, eindrücklich deutlich. Weiterlesen „Yanick Lahens – Sanfte Debakel“