Vigdis Hjorth – Bergljots Familie

Über 100 norwegische Autoren waren bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse im Rahmen des Gastlandauftritts anwesend und haben mit viel Leidenschaft ihre Bücher und die Literatur ihres Landes einem sehr interessierten Publikum vorgestellt. Das Medienecho war groß. Und doch haben einige Bücher nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen oder die man erwarten konnte. Vigdis Hjorth ist mit ihrem Roman Bergljots Familie für mich ein solches Beispiel.

Es mag daran liegen, dass das Buch bereits 2017 auf Deutsch veröffentlicht wurde, also keine ganz frische Neuerscheinung ist. Im englischsprachigen Raum hingegen sorgt es, seit September unter dem Titel Will and testament auf dem Markt, gerade für einige Furore und stand auf der Longlist zum National Book Award 2019 für übersetzte Bücher. In Norwegen erschien Arv og miljø bereits 2016 und zählt zu den am besten verkauften und am meisten diskutierten Romanen der letzten Jahre. Vigdis Hjorth erhielt dafür sowohl den Buchhandels- als auch den Kritikerpreis. Weiterlesen „Vigdis Hjorth – Bergljots Familie“

Hanne Ørstavik – Die Zeit die es dauert

Hanne Ørstavik beleuchtet in „Die Zeit die es dauert“ eine Familie in Schieflage.

Signe ist 30 und lebt mit Mann Einar und der kleinen Tochter Ellen zurückgezogen in einem alten Bauernhaus auf dem Land, irgendwo hoch im Norden Norwegens, in der Finnmark, da wo es im Winter gar nicht richtig hell wird.

Es sind die Tage vor Weihnachten und die kleine Familie hat beschlossen, die Feiertage dieses Jahr allein und in Ruhe zu verbringen. Der Rückzug aufs Land hat auch etwas mit der psychischen Anspannung von Signe zu tun, eine Flucht vor ihrem Gefühl, nicht zu genügen, das Leben nicht meistern zu können. Ein fragiles Gleichgewicht. Weiterlesen „Hanne Ørstavik – Die Zeit die es dauert“

Eivind Hofstad Evjemo – Vater Mutter Kim

Eivind Hofstad Evjemo setzt in seinem Roman Vater Mutter Kim die persönliche Trauer einer Mutter um ihr verlorenes Kind durch die Kollektivtrauer eines ganzen Landes nach einem schrecklichen Terrorakt erneut in Gang.

Viele Nationen haben ihre eigenen Traumata, die in jüngerer Zeit meist mit dem internationalen Terrorismus jedweder Couleur zusammenhängen. Anschläge mitten in der Gesellschaft, unerwartet, heimtückisch und vermeintlich unvorhersehbar, die das Sicherheitsgefühl und den Alltag der Menschen nachhaltig erschüttern. 9/11 und die Novemberanschläge in Paris waren solche Ereignisse, die nicht nur in den USA und Frankreich noch sehr lange nachhallen.

Auch das kleine Königreich Norwegen am Rande Europas, durch seine Erdölvorkommen eines der reichsten Länder der Welt, stets ganz weit vorn, wenn es um das demokratischste Land, die glücklichste Bevölkerung oder das beste Sozialsystem geht, erlebte 2011 ein solches Trauma, das nahezu aus dem Nichts zu kommen schien. Am 22. Juli verübte der Rechtsextreme Anders Behring Breivik Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya mit insgesamt 77 Todesopfern, die aufgrund der besonderen Kaltblütigkeit, mit denen sie ausgeführt wurden, und der überwiegend jugendlichen Opfer, die Teilnehmer eines Zeltlagers waren, weltweit große Bestürzung hervorriefen. Weiterlesen „Eivind Hofstad Evjemo – Vater Mutter Kim“

Merethe Lindstrøm – Tage in der Geschichte der Stille

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Unzählige Geschichten erzählen davon, wie diese alte Weisheit in Familien Unheil und Unglück hervorbringt. Wie aus Scham, Feigheit, falscher Rücksichtnahme oder auch einfach nur Denk- oder Fühlfaulheit Missverständnisse und Misstrauen entstehen, unbewältigte und verdrängte Erlebnisse irgendwann wieder hochkommen und mitunter zu Explosionen im Beziehungsgefüge führen können. Und was passiert, wenn der Mensch, mit dem man das meiste Verschwiegene teilt, allmählich völlig verstummt? Merethe Lindstrøm erzählt davon in ihrem 2011 im Original erschienenen Roman „Tage in der Geschichte der Stille“, der 2012 den Literaturpreis des Nordischen Rates erhielt. Weiterlesen „Merethe Lindstrøm – Tage in der Geschichte der Stille“

Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 5

Frankfurter Buchmesse 2019 in Bildern 5

In diesem Jahr begann der Verkauf auf der Buchmesse bereits am Samstag, so dass man eine Entspannung am Sonntag hätte erwarten können. Auf den ersten Blick war das aber irgendwie nicht so, an den Kalenderständen herrschte beispielsweise das gleiche Chaos wie jedes Jahr, nur eben an beiden Tagen. Ich hatte am Morgen einen Einzeltermin und wollte am Nachmittag zur Überreichung der Gastrolle von Norwegen an Kanada dabei sein. Sehr zu meiner Freude war auch Ilke von Buchgeschichten anwesend, mit der ich schon auf der Fischer- und Kiwi-Party mittwochs die Buchmesse eingeläutet habe (gab es einen Tag ohne Ilke? 😉 ). Weiterlesen „Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 5“

Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 4

Frankfurter Buchmesse 2019 in Bildern – 4

Der Samstag ist traditionell der meistbesuchte Tag der Buchmesse. Zu den Besuchermassen gesellen sich noch unzählige Cosplayer, die das Vorankommen vor allem in Halle 3.0 nahezu unmöglich machen. Samstag ist so meistens ein Tag, den ich eher vermeide und nur nutze, wenn jemand aus der Familie sonst keine Zeit hat.

Dieses Jahr sah es ein wenig anders aus, da ich einige interessante Veranstaltungen ein wenig abseits der Massen ausgesucht hatte und für abends noch die Literaturgala im Congress Center stattfand. Und ich muss sagen, es war ein richtig schöner Messetag. Weiterlesen „Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 4“

Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 3

Die Frankfurter Buchmesse 2019 in Bildern

Tag 3 der FrankfurterBuchmesse bot für mich ganz großartige Erlebnisse, die ich so schnell nicht vergessen werde. Zunächst hatte ich aber ein wenig Zeit, um vor meinem Termin bei Matthes & Seitz endlich einmal ein wenig durch die Hallen zu schlendern. Dabei traf ich auch endlich den leidenschaftlichen Verleger des Elif-Verlags Dincer Güçyeter. Sein großes Herz verschaffte mir dann auch den ersten Kaffee des Tages. Dabei zeigte er mir das erste von der Buchmesse für ihn bereitgestellte Standschild, das nicht ganz richtig war. Wer findet den Fehler?

Nach einem längeren Aufenthalt im Norwegen Pavillon ging es dann (leider zu kurz) zum Diogenes Bloggertreffen. Dort traf ich dann zu meiner großen Freude ganz unerwartet auf Ruth. Weiterlesen „Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 3“

Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 2

Die Frankfurter Buchmesse 2019 in Bildern

Der Buchmessen-Donnerstag in Bildern: Aspekteliteraturpreis an Miku Sophie Kühmel für „Kintsugi“, in passender Begleitung von Sarah Jäger von „Das Debüt„; Pressekonferenz des Gastlandes 2020 Kanada im Frankfurt Pavillon; Erika Fatland und Erik Fosnes Hansen am Arte Fjord, präsentiert von Thomas Böhm; Jackie Thomae bei der FAZ; ein Kartoffelsüppchen mit Elena aka Emeraldnotes und dann die Bloggertreffen bei Suhrkamp und Hanser. Danach noch mit Constanze von Zeichen & Zeiten zu Roy Jacobsen in der Evangelischen Akademie und dann zu Katerina Poladjan ins MMK. Ein letzter kurzer Abstecher zum Popup-Empfang #wirmachenbuecher ins Literaturhaus – volles Haus ein spendiertes Bier von Sonja Grau und dann ziemlich k.o. nach Hause – das war mein Donnerstag. Weiterlesen „Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 2“

Frankfurter Buchmesse 2019 – Impressionen von Tag 1

Frankfurter Buchmesse 2019 in Bildern 1

Fünf Tage in Zeichen von Literatur, Büchern, Autoren: Für mich jedes Jahr ein Fest, das dieses Jahr vielleicht sogar noch intensiver zu werden verspricht, da ich mich in sechs Beiträgen mit Norwegen, seinem Buchmarkt und vor allem den Neuerscheinungen norwegischer Autoren in Deutschland beschäftigt habe.

Der erste Termin am Mittwoch war dann auch die Eröffnung des Gastlandpavillon. Dort hatte ich mich mit Tina von Super.lese.helden verabredet, die ich tatsächlich im Vorfeld ein wenig mit meiner Norwegenbegeisterung anstecken konnte.

Sehr licht und kühl, mit verspiegelten Wänden und nüchtern-skulptural gestalteten Themen-Tischen war der Raum gestaltet. Zur Interaktion bot er recht wenig. Ein Tisch war von einer Duftinstallation „Smell: Invisible Silence“ belegt, wo in etwa 20 kleinen Döschen, an denen geschnuppert werden konnte, Düfte wie Mother, getting dressed for party Saturday evening“, „The first kiss, she had gloss lips with fruity peach flavour“oder aber mit einer Portion schwarzem Humors „Death of grandmother, soon after“ präsentiert wurden. Diese wurden von dem norwegischen Autor Erling Kagge erdacht und von der Künstlerin und Geruchsforscherin Sissel Tolaas zusammengestellt.

Anschließend waren Tina und ich noch am Blauen Sofa, wo wir von recht weit hinten den Buchpreisträger Saša Stancic bewundern konnten.

Zwei Verlagsvents standen am Abend an, einmal der traditionelle Empfang bei S. Fischer in der Hedderichstraße mit Blick von der Dachterrasse zu dem ich mit Constanze ging und wo wir dann auch Ines von Letteratura und Stefan von Bookster HRO (und viele andere) trafen, und am späteren Abend die KiWi-Party im Gibson Club anlässlich der neuen KiWi-Musikbibliothek. 1000 Menschen der Buchbranche waren eingeladen. Zum Glück war Ilke von Buchgeschichten ähnlich früh dran wie ich. Später gesellten sich noch Daniel Diek_aiserin, Ulrike von KiWi und Susanne von Diogenes zu uns. Bevor es dann so richtig los ging, musste ich allerdings zu meiner letzten Bahn hechten (Gerüchte sagen, es wurde getanzt bis 3 Uhr früh).

Der Buchmessen-Donnerstag

Der Buchmessen-Freitag

Der Buchmessen-Samstag

Der Buchmessen-Sonntag

Tomas Espedal – Das Jahr

Schon bevor Karl Ôve Knausgård mit seinem Schreiben zum internationalen Literatur-Superstar avanciert ist, verfasste der 1961 im norwegischen Bergen geborene Tomas Espedal Texte, die ganz dicht am Autobiografischen entlang schrieben, dabei gelegentlich auch Grenzen überschritten in Sachen Diskretion, Selbstentblößung und guten Geschmacks. Radikal offen, rücksichtslos gegenüber sich selbst und Menschen aus dem Umfeld, die oft mit Klarnamen auftauchen, bleiben in seinen Texten immer aber auch bewusst Zweifel an der Authentizität, am Wahrheitsgehalt des Erzählten. Autofiktion ist das Genre, das nicht nur, aber vielleicht besonders durch diese beiden Autoren boomt.

Espedal hat seine auf zehn Bände angelegte autofiktionale Werkreihe auf Norwegisch gerade mit „Elsken“ abgeschlossen, in Deutschland erscheint nun mit Das Jahr der neunte Band. Weiterlesen „Tomas Espedal – Das Jahr“