Ibrahima Balde Amets Arzallus – Kleiner Bruder

Spätestens nach den massiven Migrationsbewegungen der Jahre 2015 und 2016 sind die weltweiten Fluchtrouten, auf denen sich heute mehr Menschen als je bewegen – man schätzt die Zahl der sich Ende 2019 auf der Flucht befundenen Menschen laut UNO Flüchtlingshilfe weltweit auf ca. 79,5 Millionen, davon ein Drittel, die ihr Land verlassen haben -, auch dem Laien bekannt. Von der Balkanroute, die bald durch zahlreiche Grenzschließungen erschwert und verlagert wurde, drangen unzählige Fernsehbilder in die heimischen Wohnzimmer. Und immer wieder erreichen uns auch dramatische Bilder von havarierten Booten auf dem Mittelmeer. Nachdem 2015/16 die östliche Mittelmeer-Route die meist frequentierte war, rückt die zentrale und westliche Mittelmeer-Route von Nordafrika nach Lampedusa und Sizilien oder nach Spanien wieder in den Vordergrund. Auch Ibrahima Balde hat diesen Weg genommen und dem baskischen Journalisten Amets Arzallus von seiner Flucht erzählt, der daraus das berührende Buch Kleiner Bruder machte. Weiterlesen „Ibrahima Balde Amets Arzallus – Kleiner Bruder“

Louis-Philippe Dalembert – Die blaue Mauer

Drei Frauen auf der Flucht in ein neues, besseres Leben. Ihre Herkunft und ihre Leben sind so unterschiedlich, aber sie eint die Hoffnung auf einen neuen Start in Europa. Auf einem illegalen Flüchtlingsboot treffen ihre Schicksale aufeinander. Louis-Philippe Dalembert, französischsprachiger Haitianer, nimmt die wahre Geschichte über die im Juli 2014 vom dänischen Öltanker Torm Lotte vor Lampedusa fast 400 geretteten Migranten zum Ausgangspunkt seiner Geschichte in Mur mediterranée, dt. etwas missverständlich Die blaue Mauer betitelt. Weiterlesen „Louis-Philippe Dalembert – Die blaue Mauer“

Nora Bossong – Schutzzone

Mira ist Anfang Dreißig, beruflich erfolgreich, ungebunden, ein wenig einsam, in eine außereheliche Affäre verstrickt. Charakterlich ist sie nicht ganz unangreifbar, öfters zynisch, manchmal verletzlich, aber kämpferisch und sehr reflektiert. Was sie über diese Charakterisierung hinaus, die auf unzählige andere Frauen ihres Alters ebenso zutreffen könnte, für einen Roman interessant macht, ist ihr Arbeitsplatz. Mira Weidner arbeitet an vorderer Front für die Vereinten Nationen. Nora Bossong schreibt in ihrem Roman „Schutzzone“ über sie. Weiterlesen „Nora Bossong – Schutzzone“

Jean-Luc Seigle – Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

Jean-Luc Seigle – Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

Jean-Luc Seigle - Ich schreibe Ihnen im Dunkel

„Auch wenn es um die grässlichsten Verbrechen geht, hat man das Bedürfnis, etwas zu verstehen, sich irgendwie ein wenig zum Verteidiger zu machen, hier und da ein bisschen Mitleid aufzubringen. Mit Pauline, diesem harten Biest, funktioniert das nicht. Sosehr ich es befrage, mein Herz bleibt kalt.“

Wer ist diese Pauline Dubuisson, die der französische Journalist und Autor einer Serie über berühmte Kriminalfälle Frankreichs in „Paris Match“, Jean Cau, fast vierzig Jahre nach ihrer Tat, im Jahr 1991, noch so harsch verdammt? Vielleicht trägt zu Caus rigorosen Urteil die Tatsache bei, dass Cau einst Mitglied der Résistance war.

Denn eines der großen Verbrechen dieser Pauline Dubuisson, 1927 nahe Dunkerque geboren, war, auch wenn das bei ihrem spektakulären Prozess 1953 allenfalls als Vorgeschichte taugte, die Tatsache, dass sie gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, als gerade mal Sechzehnjährige ein Jahr lang ein Verhältnis mit einem deutschen Militärarzt und damit Besatzer hatte. Nach der Befreiung, die für sie keine war, entging sie nur knapp dem Lynchmord durch Mitglieder der Résistance, wurde, wie damals üblich, als Kollaborateurin kahl geschoren, verfemt und gequält. Wie nah Gut und Böse liegen, wie schnell die heroischen Résistancekämpfer sich ihrerseits in rachedurstige, unmenschliche Bestien verwandeln konnten, erschüttert zutiefst. Weiterlesen „Jean-Luc Seigle – Ich schreibe Ihnen im Dunkeln“