Margaret Laurence – Der steinerne Engel

Eine 90jährige – am Ende ihres Lebens. Das könnte eine Geschichte voller Wehmut werden, ein Roman vom Abschied, ein Rückblick auf ein erfülltes Leben oder eines voller Enttäuschungen und verpasster Chancen – melancholisch, traurig oder auch versöhnlich. Wenn, ja wenn Margaret Laurence in Der steinerne Engel nicht Hagar Shipley zur Hauptfigur gemacht hätte. Denn Hagar ist, hier passt der altmodische Ausdruck perfekt, eine richtige Kratzbürste. Weiterlesen “Margaret Laurence – Der steinerne Engel”

Elizabeth Strout – Die langen Abende

„Olive, again“ – da ist sie wieder, Olive Kitteridge, die Protagonistin des 2009 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichneten Romans von Elizabeth Strout, „Mit Blick aufs Meer“, der nun mit „Die langen Abende“ einen würdigen Nachfolger erhalten hat. Lange haben die vielen Fans von Olive Kitteridge auf diesen Nachfolgeband gewartet. Weiterlesen “Elizabeth Strout – Die langen Abende”

Delphine de Vigan – Dankbarkeiten

Michka Seld ist alt. Über achtzig, keine Familie, zunehmend hinfällig – das ist meistens gleichbedeutend mit Einsamkeit. Michka hat ihr ganzes Leben eigenverantwortlich gelebt, war Fotoreporterin und Korrektorin bei einer Zeitung. Delphine de Vigan schenkt ihr in ihrem neuen Roman „Dankbarkeiten“ ein Lebensende in Würde und Frieden. Weiterlesen “Delphine de Vigan – Dankbarkeiten”

Bernard MacLaverty – Schnee in Amsterdam

Bernard MacLaverty, geboren 1942 in Belfast, seit langem in Schottland lebend, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Irish Book Award für den vorliegenden Roman, „Midwinter Break“ (Schnee in Amsterdam) – ich muss zugeben – war mir völlig unbekannt. Ein bisschen googeln ergab, dass er Vorlage und Drehbuch für „Cal“ geschrieben hat, einen Film aus den 80er Jahren über den Nordirland-Konflikt, den zumindest kannte ich.

Und nun liegt „Schnee in Amsterdam“ vor, wiederum laut Google der erste Roman des Autors seit sechzehn Jahren. Was mich zu diesem Roman hinzog, war weder der Klappentext, noch das Buchcover, sondern etwas, worauf ich ansonsten gar nicht achte: eine Lobhudelei auf der Buchrückseite. Diese hier stammt von Richard Ford, und der ist einer meiner Säulenheiligen der Literatur.

Wie gut, dass ich ihm auch hier vertraut habe, denn „Schnee in Amsterdam“ ist ein ganz wunderbares Buch, dem noch viel mehr Aufmerksamkeit gebührt. Weiterlesen “Bernard MacLaverty – Schnee in Amsterdam”

Andrew O´Hagan – Leuchten über Blackpool

Der nordwestlich von Manchester gelegene Küstenort Blackpool gilt in England als eine Geburtsstätte des Massentourismus und zeigt zugleich dessen Risiken. Schon im 18. Jahrhundert ein Seebad für die nordenglische Bevölkerung, erlebte es im Zeitalter der Industrialisierung einen enormen Aufschwung durch die Arbeiterklasse, die Blackpool zu ihrem bevorzugten Urlaubs- und Ausflugsort machte. Wer schon einmal durch englische Badeorte geschlendert ist, weiß um die Tristesse, die viele von ihnen ergriffen hat, nachdem die Urlaubsziele rund ums Mittelmeer immer billiger zu erreichen sind. Auch Blackpool ist dem Niedergang nicht entkommen. Einmal im Jahr allerdings, wenn der Sommer endet und bevor der Winter die britischen Inseln im Griff hat, erlebt die Stadt ihre berühmten „Illuminations“. Die Stadt, ihre Häuser, der Blackpool Tower und vor allem ihre Promenaden und Piers erstrahlen in einem farbigen (ungeheuer kitschigen) Glanz, der durch sein Leuchten die Trostlosigkeit überdecken und an vergangene Tage als großes Seebad erinnern soll. In seinem bezaubernden Roman “Das Leuchten über Blackpool”erzählt Andrew O´Hagan davon.

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Henning Mankell – Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell – Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell - Die Schwedischen Gummistiefel

Ein letzter Roman von Henning Mankell – da ergreift die Leserin, die über 25 Jahre hinweg immer wieder Bücher des Autors gelesen und geliebt hat, eine gewisse Wehmut.
Wehmut, ja Schwermut sind auch die Grundstimmungen in „Die schwedischen Gummistiefel“, die Mankell bereits mit seiner Krebsdiagnose verfasst und kurz vor seinem Tod im Oktober 2015 veröffentlicht hat.

Die Geschichte knüpft nicht nur im Titel an den 2007 erschienen Roman „Die italienischen Schuhe“ an. Darin wurde von dem alternden Chirurg Fredrick Welin erzählt, der nach einem fatalen Kunstfehler den Beruf aufgibt und sich in die Einsamkeit einer Schäreninsel zurückzieht. Eines Tages steht seine ehemalige Lebensgefährtin Harriet vor der Tür (genauer gesagt mit dem Rollator auf dem Eis) und will ihn, sterbenskrank, nicht nur noch einmal sehen, sondern präsentiert ihm auch die gemeinsame Tochter Louise, von der er bislang nichts wusste.
War auch in dieser Geschichte die Grundstimmung eine melancholische, war Welin auch damals einsam, menschenscheu, wenn nicht gar menschenfeindlich, voll einer unbestimmten Wut, mit einem schwierigen Verhältnis zu seiner Umwelt belastet, so steht über den „Schwedischen Gummistiefeln“ von Beginn an die bereits im Motto, einem Zitat aus dem Rolandslied, erwähnte Trauer.

„Viel hat der gelernt, der die Trauer kennt.“

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