Gloria Naylor – Linden Hills

Die US-amerikanische Autorin Gloria Naylor (1950-2016) war mir bisher nicht bekannt, obwohl drei ihrer Romane, die ein Quartett rund um das Leben von afroamerikanischen Frauen in den USA bilden, bereits in den 1990er Jahren auch auf Deutsch veröffentlicht wurden. Linden Hills, der zweite Roman, den Gloria Naylor 1985 schrieb, fehlte bisher und wird nun in der Übersetzung von Angelika Kaps vom Unionsverlag veröffentlicht, der auch den ersten, mit dem National Book Award First Novel 1983 ausgezeichneten Roman, Die Frauen von Brewster Place, neu herausgegeben hat. Im nächsten Jahr soll der dritte, Mama Day, erscheinen. Weiterlesen “Gloria Naylor – Linden Hills”

Robert Jones jr. – Die Propheten

Die Propheten – wuchtig, erdig und bedeutungsschwer kommt der Debütroman von Robert Jones jr. daher, mit dem der 1951 geborene New Yorker Autor gleich auf der Shortlist des National Book Award 2021 landete. Als „Son of Baldwin“ bloggt und twittert er über Blackness und Queerness und engagiert sich für Anti-Diskriminierung. Natürlich ist der Name eine Verbeugung vor dem großen Autor James Baldwin, den er neben Toni Morrison als sein Vorbild bezeichnet. Mit Die Propheten erzählt er eine Schwarze, queere Liebesgeschichte aus der Sklaverei des 19. Jahrhunderts. Es ist für ihn das Buch, über das Morrison sagte: „Wenn es ein Buch gibt, das Sie lesen möchten, aber es noch nicht geschrieben wurde, dann müssen Sie es schreiben.“ Weiterlesen “Robert Jones jr. – Die Propheten”

Sarah M Broom – Das gelbe Haus

Am 28. August 2005 braut sich auf der extrem aufgeheizten Meeresoberfläche des Golfes von Mexiko ein verheerender Sturm zusammen und zieht Richtung New Orleans an der Küste Louisianas. Ray Nagin, der Bürgermeister der Stadt, ordnet eine Zwangsevakuierung an. Geschätzt eine Million Menschen machen sich auf völlig verstopften Straßen nach Norden auf, weg von der Küste. Die, die nicht fliehen wollen oder können, werden im Superdome der Stadt untergebracht. Am Morgen des 29. August 2005 erreicht Hurrikan Katrina New Orleans mit einer sechs Meter hohen Bugwelle und drängt sich durch ein Netz von Wasserstraßen und künstlichen Kanälen bis ins Herz der stellenweise unter Normalnull liegenden Stadt. Entlang dieser Kanäle brechen Deiche und Flutmauern, ganze Stadtteile stehen teilweise bis zu den Dachfirsten unter Wasser. 1836 Menschen sterben, Unzählige verlieren ihr Zuhause. Darunter die Familie der Autorin Sarah M Broom, die diese Ereignisse in ihr Memoir Das gelbe Haus einfließen lässt. Weiterlesen “Sarah M Broom – Das gelbe Haus”

Stewart O’Nan – Ocean State

Von Beginn an ist klar, wie Ocean State, der neueste Roman des amerikanischen Autors Stewart ONan enden wird:

„Als ich im achten Schuljahr war, half meine Schwester dabei, ein anderes Mädchen zu töten. Sie sei verliebt gewesen, sagte meine Mutter, als wäre das eine Entschuldigung. Sie habe nicht gewusst, was sie tat.“ Weiterlesen “Stewart O’Nan – Ocean State”

Anne Tyler – Eine gemeinsame Sache

In mittlerweile 24 Romanen hat die 1941 geborene Amerikanerin Ann Tyler immer wieder leise, heitere Kammerspiele des Alltäglichen geschaffen. Vielleicht ist ihr deshalb trotz zahlreicher Nominierungen für die bedeutenden Buchpreise und dem Gewinn des Pulitzer für Atemübungen der ganz große Ruhm, zumindest hier bei uns in Deutschland, versagt geblieben. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Autorin recht konsequent dem literarischen Betrieb entzieht, kaum Interviews gibt, keine Lesereisen macht. Es wäre aber auf jeden Fall ein Fehler, Ann Tyler vorschnell ins Unterhaltungsfach abzuschieben, auch wenn sie sich ihre Themen im Alltag sucht, in der Familie, in Paarbeziehungen, im Durchschnittsleben, und sie immer den heiteren, den liebevollen Blick beibehält. Denn auch wenn die großen Tragödien, die Abgründe und die Politik meist, wenn überhaupt, nur am Rande aufscheinen, beinhalten ihre Bücher doch so viel Klugheit, Lebensweisheit und vor allem einen unbeirrbar scharfen Blick auf die Welt und ihre Menschen, dass man jedes davon ein wenig klüger verlässt. Außerdem ist ihr Stil so schnörkellos wie gekonnt, dass das Lesen einfach Freude macht. Von dieser Tradition weicht Anne Tyler auch in ihrem neuesten Roman Eine Gemeinsame Sache nicht ab. Weiterlesen “Anne Tyler – Eine gemeinsame Sache”

Rumaan Alam – Inmitten der Nacht

Alles beginnt zunächst recht idyllisch: eine typische New Yorker Mittelstandsfamilie ist auf dem Weg in den Sommerurlaub, weit draußen auf Long Island. Das gemietete Ferienhaus ist eigentlich eine Nummer zu teuer, aber dieses Jahr soll alles perfekt sein: Abgeschiedenheit, Pool, Luxus. Doch schon am Abend des ersten Ferientages, Inmitten der Nacht, wird diese Idylle empfindlich gestört, und doch führt uns Autor Rumaan Alam damit zunächst gehörig in die Irre. Weiterlesen “Rumaan Alam – Inmitten der Nacht”

Bryan Washington – Dinge an die wir nicht glauben

Zwei junge Männer leben seit vier Jahren in Houston zusammen und beginnen, an ihrer Beziehung und Liebe zu zweifeln. Beide tun sich nicht leicht mit Nähe. Beide kommen aus zerbrochenen Familien. Der junge Amerikaner Bryan Washington macht aus dieser Konstellation einen sehr berührenden, lässigen Roman mit neuen, überraschenden Facetten: Dinge, an die wir nicht glauben. Weiterlesen “Bryan Washington – Dinge an die wir nicht glauben”

Nella Larsen – Seitenwechsel und Wallace Thurman – The blacker the berry

Die afroamerikanische Künstlergruppe „Harlem Renaissance“ der 1920er Jahre erlebt zurzeit ihrerseits eine kleine Renaissance. Gleich mehrere Romane aus ihrem Umfeld sind unlängst wieder/neu auf Deutsch erschienen: Die Hochzeit von „Nesthäkchen“ Dorothy West (1907-1998), erstmals veröffentlicht 1995, bei Hoffmann und Campe; The blacker the berry von Wallace Thurman (1902-1934), erstmals veröffentlicht 1929, bei Ebersbach und Simon; Seitenwechsel von Nella Larsen (1891-1964), ebenfalls aus dem Jahr 1929, bei Dörlemann. Die aktuelle Verfilmung von Letzterem durch Rebecca Hall startet gerade auf Netflix.

Alle drei Romane bestechen durch eine verblüffende Modernität, Aktualität und gesellschaftspolitische Schärfe und lohnen auf jeden Fall die Wiederentdeckung. Weiterlesen “Nella Larsen – Seitenwechsel und Wallace Thurman – The blacker the berry”

Tayari Jones – Das Jahr in dem wir verschwanden

Zwischen Juli 1979 und Mai 1981 verschwanden in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zahlreiche, vorwiegend afroamerikanische Kinder und Jugendliche. Die überwiegende Mehrzahl waren Jungen im Alter von 8 bis 15. Die amerikanische Autorin Tayari Jones lebte zu der Zeit im gleichen Alter in Atlanta und blickt in ihrem Debütroman Das Jahr in dem wir verschwanden auf diese Ereignisse zurück. Nach dem großen Erfolg ihrer Romane In guten wie in schlechten Tagen und Das zweitbeste Leben veröffentlicht der Arche Verlag nun diesen Erstling in der Übersetzung von Britt Somann-Jung. Weiterlesen “Tayari Jones – Das Jahr in dem wir verschwanden”

Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich

Die ghanaisch-amerikanische Autorin Yaa Gyasi begeisterte bereits mit ihrem Debütroman Heimkehren, einem klug konstruierten, Generationen und Jahrhunderte umspannenden Familienroman. Nun hat Yaa Gyasi ihren zweiten Roman, übersetzt von Anette Grube, unter dem Titel Ein erhabenes Königreich auch auf Deutsch veröffentlicht. Weiterlesen “Yaa Gyasi – Ein erhabenes Königreich”