Bodo Kirchhoff – Dämmer und Aufruhr

„Dämmer und Aufruhr“ – das ist ein Titel, der mich eigentlich wegen seiner pompösen Theatralik wenig anspricht, genauso wenig wie andere Werke des Autors Bodo Kirchhoff, „Verlangen und Melancholie“ etwa, oder „Eros und Asche“. Auch sind Liebe und Eros, Begehren und Obsession, um die viele der Romane Kirchhoffs kreisen, nicht die von mir für eine Lektüre bevorzugt ausgewählten Themen, besonders wenn sie immer so etwas Schwüles, Pathetisches umweht. Also, ich gebe es zu, ich bin eigentlich keine Bodo Kirchhoff-Leserin. Auch die 2016 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Novelle „Widerfahrnis“ konnte mich für sich nicht einnehmen.

Nun hatte mir Nadya Hartmann von der FVA, die ich im Rahmen der Aktion „Verlage besuchen“ traf, das neue Buch von Kirchhoff, das damals im Entstehen war, aber so nahe gebracht, das ich es unbedingt lesen wollte. Danke, denn dieses Buch hat mich sehr begeistert. Weiterlesen „Bodo Kirchhoff – Dämmer und Aufruhr“

Richard Ford – Zwischen ihnen

Richard Ford war ein spätes Kind. Nicht mal so sehr, weil seine Eltern, für damalige Verhältnisse, mit 34 bzw. 40 Jahren ungewöhnlich alt für ein erstes Kind waren, sondern vor allem deswegen, weil sie bereits 15 Jahre verheiratet waren, bevor sich unverhofft, aber durchaus erwünscht, Nachwuchs einstellte. Richard Ford fühlte sich stets Zwischen ihnen.

Edna und Parker Carrol Ford stammten beide aus eher problematischen Familien und für beide war die frühe Heirat auch ein wenig Flucht aus dem ungeliebten Elternhaus. Ednas Mutter hat die Tochter bereits in frühen Jahren in eine Klosterschule geschickt, nachdem sie sich vom Vater getrennt hatte. Bei der neuen Beziehung zum schillernden Bennie Shelley wäre ihr die Tochter nur im Weg gewesen, ja diese musste sich sogar zeitweise als ihre Schwester ausgeben. Keine idealen Startvoraussetzungen für eine gelingende Mutter-Tochter-Beziehung. Aber auch Parkers Familie war belastet. Scheiternde Geschäfte trieben seinen Vater früh in den Selbstmord. Die besitzergreifende Mutter intrigierte zeitlebens gegen die Schwiegertochter. Weiterlesen „Richard Ford – Zwischen ihnen“

Matthias Brandt – Raumpatrouille

Eine Kindheit in der alten Bonner Republik. Einige Autoren haben sich schon daran begeben, über eine solche zu schreiben, und besonders diejenigen LeserInnen, die selbst in den Sechziger und Siebziger Jahren großgeworden sind, werden dabei immer wieder auf eine leicht verklärte Zeitreise geschickt. Teewurst und Fürst-Pückler Eis, Kassettenrekorder und Telefone in Brokathülle, James Last und Ricky Shane, Wim Thoelke und Günter Netzer – wen überfällt da nicht dieses besondere Gefühl, das eine Mischung aus träg, langweilig, aber auch irgendwie schön wohlig war. Und das wohl weniger ein Zeitgefühl, denn es blendet überwiegend die negativen Vorkommnisse aus, als ein Gefühl der Kindheit war. Das Gefühl einer noch weitgehend unverplanten, nicht so eng getakteten Kindheit. Und so lässt auch Matthias Brandt seinen  Protagonist in „Raumpatrouille“ mit dem Bonanzarad durch die Seiten fahren und diese Zeit auf wundersame Weise wiederauferstehen. Weiterlesen „Matthias Brandt – Raumpatrouille“

Paul Auster – Bericht aus dem Inneren

Bereits ein Jahr nachdem Paul Auster seine autobiografischen Aufzeichnungen „Winterjournal“ veröffentlicht hatte, erschien der „Bericht aus dem Inneren“.

Da war wohl etwas noch nicht zu Ende erzählt, da wollten Dinge, Erinnerungen, Erkenntnisse niedergeschrieben werden, für die zuvor kein Raum war oder die dem Autor nach der Veröffentlichung noch auf der Seele lagen. So wurde der Bericht quasi zu einem Zwillingsbuch des Journals. Sollte in jenem ein „Katalog der Sinnesdaten“ erstellt werden, folgte nun ein Buch, das sich die Bewusstwerdung des Autors, seine Entwicklung vom vorbewussten Wahrnehmen des kleinen Kindes zum die Welt erfassenden Erwachsenen zum Thema nehmen mochte. Also eine Reise ins Innere. Weiterlesen „Paul Auster – Bericht aus dem Inneren“

Paul Auster – Winterjournal

Paul Auster – Winterjournal

„Sprich jetzt, bevor es zu spät ist, und hoffentlich kannst du so lange sprechen, bis nichts mehr zu sagen ist. Schließlich verrinnt die Zeit. Vielleicht solltest du deine Geschichten fürs Erste einmal beiseite legen und zu ergründen versuchen, wie das für dich war, in diesem Körper zu leben – vom ersten Tag , an den du dich erinnern kannst, bis heute. Ein Katalog der Sinnesdaten. Was man eine Phämenologie des Atmens nennen könnte.

Zur Zeit der Entstehung des Winterjournals 2011 ist Paul Auster gerade 64 geworden, in den „Winter seines Lebens“ eingetreten. So viele seiner Familienangehörigen, Freunde und Weggefährten leben nicht mehr. Nicht zum ersten Mal Zeit, sich seines eigenen Lebens zu vergewissern, sich zu erinnern. Immer wieder tauchten auch in der Vergangenheit autobiografische Texte in Austers Werk auf, nicht zuletzt begann mit einem solchen, „Der Erfindung der Einsamkeit“ seine Karriere als Prosaschriftsteller, nachdem er einiges an Lyrik vorgelegt hatte. Auch in seinen Romanen findet man viel Material aus Austers eigenem Leben. Dieses in seinen autobiografischen Schriften wiederzufinden, ist ein Mehrwert bei der Lektüre. Weiterlesen „Paul Auster – Winterjournal“