Zadie Smith – Grand Union

Geschrieben hat sie Short Stories schon immer. Nun veröffentlicht Zadie Smith ihren ersten Erzählungsband, Grand Union. Handlungsorte sind Smiths Heimatstadt London, New York, wo sie an der New York University kreatives Schreiben unterrichtete und verschiedene Ort in Europa. So divers wie die Schauplätze sind auch die Themen, Perspektiven und Erzählweisen. Von ganz klassischen Short Stories über dystopische Settings zu sehr experimentell angelegten Geschichten bietet die Sammlung ein Kaleidoskop von Betrachtungen unseres gegenwärtigen Lebens, das so schnelllebig, schwer zu greifen und zu verstehen ist. Themen, die überall aufblitzen sind die aus ihren bisher fünf Romanen bekannten: Rassismus, Klassismus und Sexismus. Weiterlesen „Zadie Smith – Grand Union“

Robin Robertson – Wie man langsamer verliert

Das erstaunliche Prosagedicht des schottischen Lyrikers Robin Robertson stand 2018 auf der Shortlist des Man Booker Prize – nun ist es unter dem Titel Wie man langsamer verliert in der sehr gelungenen Übersetzung von Anne-Kristin Mittag auf Deutsch erschienen. Im Original ist dem Titel noch ein anderer vorangestellt. The Long Take or A Way To Lose More Slowly verrät die große Affinität des Romans zum Film. Eigentlich kein Wunder, denn ein Großteil des Romans spielt in Los Angeles zur Glanzzeit von Hollywood. Weiterlesen „Robin Robertson – Wie man langsamer verliert“

Ali Smith – Frühling – Der Jahreszeitenzyklus

Die britische Autorin Ali Smith hat mit ihrem Jahreszeiten-Zyklus, dem aktuell nach Herbst und Winter der Frühling zugesellt wurde, eines der interessantesten Buchprojekte der letzten Jahre geschaffen. 2016 begonnen und jährlich um einen Band erweitert, waren und sind die Romane nah dran an den aktuellen Geschehnissen und Befindlichkeiten auf der Britischen Insel und der Schieflage, die in vielen Bereichen dort aufgetreten ist. Ob Brexit, zunehmende soziale Kälte oder Ende des Wohlfahrtstaats, ihre politisch brisanten Themen kombiniert sie mit zahlreichen literarischen Anspielungen, viel Geist und Witz. Shakespeare und Dickens ihre literarischen Heiligen, in Frühling huldigt sie zusätzlich noch Rainer Maria Rilke, Katherine Mansfield, Charlie Chaplin und Beethoven – wie immer augenzwinkernd.

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Leila Aboulela – Minarett

Glaube als einziger Ausweg aus Desorientierung, Kultur- und Identitätsverlust? Religion als Zufluchtsort? Westliche Leser:innen, vor allem säkular lebende oder gar atheistische, werden mit diesem Ansatz ihre Schwierigkeiten haben. Das geht mir nicht anders. Dennoch habe ich den bereits 2005 im Original erschienenen Roman Minarett von Leila Aboulela, die dieses Modell unzweifelhaft unterstützt, mit viel Gewinn gelesen. Weiterlesen „Leila Aboulela – Minarett“

George Orwell – Farm der Tiere und 1984 – Neuübersetzungen

Im vergangenen Jahr jährte sich der Todestag von George Orwell zum 70. Mal. Der 1903 im damaligen Britisch-Indien geborene Eric Arthur Blair, der hinter dem Schriftsteller-Pseudonym steckte, starb 1950 erst sechsundvierzigjährig an den Folgen einer Lungentuberklose in London. Neben seinen weltberühmten Werken Farm der Tiere und 1984, die nun nach Beendigung des Urheberschutzes in zahlreichen Neuauflagen und Neuübersetzungen in verschiedenen Verlagen erscheinen, verfasste George Orwell drei weitere Romane, Sozialreportagen, Autobiographisches und Essays. Weiterlesen „George Orwell – Farm der Tiere und 1984 – Neuübersetzungen“

Barney Norris – Die Jahre ohne uns

2017 erschien Das Debüt des britischen Autors Barney Norris: Hier treffen sich fünf Flüsse. Mich hatte die multiperspektivische Erzählung über fünf Menschen rund um das alte Städtchen Salisbury sehr für sich eingenommen. Es war klar, dass ich den nächsten Roman des britischen Autors auch lesen möchte. Diesmal verblüfft Barney Norris seine Leser:innen mit Die Jahre ohne  nun ganz gehörig. Weiterlesen „Barney Norris – Die Jahre ohne uns“

Bernardine Evaristo – Mädchen Frau etc.

Die wohl mit am meisten ersehnte, am häufigsten besprochene und höchst gelobte Neuerscheinung dieses Bücherfrühlings ist wohl „Mädchen, Frau etc.“ von Bernardine Evaristo. 2019 relativ unerwartet mit dem Booker Prize ausgezeichnet (neben Margaret Atwoods Die Zeuginnen), hat sich der Roman über zwölf sehr diverse (Frauen)leben nicht nur blendend verkauft und wurde zu einem Lieblingsbuch für viele Leser:innen, sondern erhielt auch durchweg begeisterte Besprechungen. Weiterlesen „Bernardine Evaristo – Mädchen Frau etc.“

Jane Gardam – Robinsons Tochter

Vor einigen Jahren wurde die britische Autorin Jane Gardam, immerhin schon weit über 80 damals, in Deutschland entdeckt. Ihre Old-Filth-Trilogie wurde – völlig zu Recht – hochgelobt und bestens verkauft. Man begann sich zu fragen, warum ihre Werke erst jetzt ins Deutsche übersetzt wurden, schließlich gab es schon zahlreiche Erzählungsbände, Kinderbücher und auch einige Romane und in ihrem Heimatland zählt sie schon lange zu den ganz Großen. Sicher haben auch die vorzüglichen Übersetzungen von Isabel Bogdan zum Erfolg in Deutschland beigetragen. Und nun begann man, sich auch bei den älteren Werken umzuschauen. Nach den frühen Jugendbüchern Weit weg von Verona und Bell und Harry und einem Erzählungsband erscheint nun ein früher, ganz bezaubernder Roman von Jane Gardam, Robinsons Tochter, von 1985. Weiterlesen „Jane Gardam – Robinsons Tochter“

David Szalay – Turbulenzen

Bereits der letzte, sehr erfolgreiche Roman von David Szalay, Was ein Mann ist, war ein Reigen von Geschichten ganz unterschiedlicher Figuren an verschiedenen europäischen Orten, und auch Turbulenzen, das neue Werk, arbeitet mit demselben Muster. Hier sind es aber nicht nur Männer, in deren Leben Einblick gewährt wird. Und die Reise geht per Flugzeug einmal um die ganze Welt. Weiterlesen „David Szalay – Turbulenzen“

Ali Smith – Winter – Der Jahreszeitenzyklus

Ali Smith zu lesen, ist immer ein Erlebnis. Geistreich sind ihre Romane, virtuos, anspielungsreich, sprunghaft. Ihr jüngstes Projekt ist das Jahreszeitenquartett, mit dem die 1962 geborene Schottin 2016 kurz vor dem Brexit-Referendum begann. Herbst war der erste Teil betitelt, der im vergangenen Jahr auch auf Deutsch erschien. Nun folgen in jahreszeitlichem Rhythmus die weiteren Bücher. Winter ist der gerade aktuelle Roman von Ali Smith. Mit ihm macht es die Autorin der Leser:in zunächst nicht ganz leicht. Weiterlesen „Ali Smith – Winter – Der Jahreszeitenzyklus“