Katherina Braschel – Heim holen

„Donauschwaben“, dieser von der Ich-Erzählerin zufällig in einem Bus aufgeschnappte Begriff, triggert sie, sich an ihre eigene Kindheit und ihr Verwurzeltsein und Aufwachsen in eben dieser Gemeinschaft zu erinnern. Davon erzählt die Österreicherin Katherina Braschel in ihrem Debütroman Heim holen. Weiterlesen „Katherina Braschel – Heim holen“

Amira Ben Saoud – Schweben

Zukunftsromane, gar Dystopien stehen normalerweise eher selten auf meinen Leselisten. Und heute, wo dystopische Szenarien, die vor einigen Jahren noch völlig fremd erschienen, plötzlich erschreckend nah rücken, mag ich solche Geschichten fast noch weniger lesen. Wie gut, dass die Einladung zur Verleihung des Franz Tumler Preises im letzten Jahr mir Schweben von Amira Ben Saoud in den Lesesessel gespült hat. Weiterlesen „Amira Ben Saoud – Schweben“

Paul Garbulski – Punch – Kurz vorgestellt

Rummel, Jahrmarkt, Kerb – die Älteren von uns und vor allem die vom Dorf oder aus der Kleinstadt können vielleicht noch nachfühlen, welch besonderes Gefühl es war, zwischen Losbuden, blinkenden Lichtern des Autoscooters, den durcheinander tönenden Popsounds der Raupenbahn, den Schlagern vom Kinderkarussell und den Warnsirenen der Fahrgeschäfte, zwischen den Düften von gebrannten Mandeln und Bratwürsten, mit klebrigen Händen von der Zuckerwatte und schmerzenden Zähnen von der Süße der Liebesäpfel über dieses meist nur einmal im Jahr stattfindende Ereignis zu schlendern. Heute, in Zeiten der Freizeitparks, der Groß-Events und kaum zu überbietenden Veranstaltungsvielfalt erscheinen diese Jahrmärkte fast ein wenig anachronistisch. Ähnlich wie der Zirkus. Und vergessen werden oft die Menschen, die hinter diesen Veranstaltungen stehen und deren Leben oft nicht gerade einfach ist, die von der Gesellschaft vielfach sogar ein wenig schräg angesehen werden. „Fahrendes Volk“ hat man sie früher nicht gerade anerkennend genannt. Paul Garbulski hat diesen Menschen mit Punch einen liebevollen, gelungenen Roman gewidmet. Weiterlesen „Paul Garbulski – Punch – Kurz vorgestellt“

Literatur im Marmordorf – Der Franz-Tumler-Literaturpreis in Laas

Zum zehnten Mal wurde im September 2025 der Franz-Tumler-Preis für ein deutschsprachiges Debüt in Laas/Südtirol verliehen

Von 2017 bis 2023 war ich Mitglied der Bloggerjury für den Literaturpreis Das Debüt, den es leider nicht mehr gibt. Meine Liebe zu literarischen Debütromanen wurde spätestens hier geweckt. Wie viele spannende neue erste Verlagsveröffentlichungen es jedes Jahr gibt, wie unterschiedlich die Autor:innen diese sprachlich gestalten, welche vielfältigen Themen sie wählen – das begeistert mich immer wieder. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als im Frühjahr die Anfrage kam, ob ich den Franz-Tumler-Preis, der jedes zweite Jahr in der kleinen Vinschgauer Gemeinde Laas verliehen wird, im Jubiläumsjahr 2025 begleiten möchte. Weiterlesen „Literatur im Marmordorf – Der Franz-Tumler-Literaturpreis in Laas“

Charlotte Gneuß – Gittersee – Kurz vorgestellt

Im Herbst 2023 war wohl keine Debatte in der Literaturwelt so heiß wie die um den Debütroman Gittersee von Charlotte Gneuß. Der Roman war für den Deutschen Buchpreis nominiert und hatte den Preis der Jürgen Ponto Stiftung genauso wie den Aspekte-Literaturpreis gewonnen. Das Lob der Literaturkritik war – teils mit kleinen Abstrichen – fast einhellig. Wäre da nicht die sogenannte „Mängelliste“ gewesen. Eigentlich – zumindest offiziell – nur für den verlagsinternen Gebrauch gedacht, erreichte sie die Öffentlichkeit und auch die Buchpreis-Jury. Und plötzlich wurde heftig diskutiert. Um Ungenauigkeiten, Fehler, vor allem aber darum, ob man das überhaupt darf, als junge, 1992 geborene, westdeutsch aufgewachsene Autorin über die DDR im Jahr 1976 zu schreiben. Eine eigentlich lächerliche Debatte, die aber hohe Wellen schlug. Und die gegenüber einem Debütroman besonders unangebracht war. Weiterlesen „Charlotte Gneuß – Gittersee – Kurz vorgestellt“

Yuko Kuhn – Onigiri

Yuko Kuhn, 1983 in München geboren, schreibt in ihrem Debütroman Onigiri über eine Mutter-Tochter-Beziehung, die stark autobiografisch geprägt ist. Das Aufwachsen in zwei Kulturen thematisiert sie anhand ihrer Protagonistin Aki genauso wie das zunehmende Abgleiten der Mutter Keiko in die Demenz. Keiko, die Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland kam, wo sie ihren zukünftigen Mann Karl, den Vater von Aki beim Chorsingen kennenlernte, zwei Kinder auf die Welt brachte. Und die in Deutschland nie so richtig angekommen ist. Yuko Kuhn erzählt davon still, unaufgeregt und liebevoll. Weiterlesen „Yuko Kuhn – Onigiri“

Mia Raben – Unter Dojczen

„Unter Dojczen“ – mit polnischer Lautschrift betitelt die 1977 geborene Journalistin Mia Raben ihren Debütroman. Unter Deutschen befindet sich die 50jährige Polin Jola schon seit vielen Jahren. Sie ist eine der vielen Pflegekräfte, ohne die die Betreuung und Pflege alter Menschen hierzulande gar nicht mehr denkbar ist. Oft ihre eigenen Familien zurücklassend, auf langen Busfahrten Richtung Osten und Westen pendelnd, häufig – wenn auch zum Glück nicht mehr ganz so oft wie in der Anfangszeit der Neunziger Jahre – unversichert, gnadenlos unterbezahlt, windigen Vermittlungsagenturen ausgeliefert und mit ausbeuterischen Verträgen in deutschen Haushalten beschäftigt, leben geschätzt bis zu 300.000 vorwiegend Frauen aus Ost- und Südosteuropa hierzulande, nicht wenige in der rechtlichen Grauzone der 24 Stunden-Pflege. Menschen, ohne die die Gesellschaft kaum mehr denkbar wäre, die aber viel zu oft übersehen werden. Und denen folgerichtig auch in der Literatur wenig Raum gegeben wird. Weiterlesen „Mia Raben – Unter Dojczen“

Simone Kucher – Die lichten Sommer

Die Transgenerationale Weitergabe von Traumata, Erfahrungen, Verhaltensweisen ist ein weites und in der neueren Literatur eifrig beackertes Feld. Gerade die Erfahrungen von Frauen in und um den Zweiten Weltkrieg sind häufiges Thema. Dass man ihm immer noch neue Aspekte abgewinnen und herausragende Prosa daraus erschaffen kann, beweist die Theater- und Hörspielautorin Simone Kucher in ihrem Debütroman Die lichten Sommer. Weiterlesen „Simone Kucher – Die lichten Sommer“

Bloggerpreis für Literatur – Das Debüt 2023

Seit 2017 darf ich jedes Jahr in der Jury für den Bloggerpreis für Literatur Das Debüt mitwirken, um einen ganz besonderen Romanerstling auszuzeichnen – 2023 ist mir das so schwer wie nie gefallen. Wie jedes Jahr hat die Redaktion, bestehend aus Bozena und Janine, vorab aus einer Fülle an von den Verlagen eingereichten Titeln (dieses Mal 90!) fünf Romane für die Shortlist ausgewählt, die wir als Bloggerjury lesen, begutachten, lieben – oder eben auch nicht. Jedes Jahr ist die Liste überraschend, ungewöhnlich und anregend. Es verging noch kein Jahr, in dem ich meinen bis dahin favorisierten Debütroman auf dieser Liste gefunden habe, es verging noch kein Jahr, in dem ich dafür nicht zumindest einen bis dato noch gar nicht beachteten Roman darauf gefunden habe, der mich dann begeistern konnte. Das spannendste ist immer, wie unterschiedlich die Blogger:innen die einzelnen Bücher gelesen und bewertet haben. Weiterlesen „Bloggerpreis für Literatur – Das Debüt 2023“

Bloggerpreis für Literatur Das Debüt 2022

Zum siebenten Mal seit 2016 wird der Bloggerpreis für Literatur Das Debüt auch für 2022 verliehen. Nach Shida Bazyar, Klaus Cäsar Zehrer, Bettina Wilpert, Nadine Schneider, Deniz Ohde und Jessica Lind wird in diesem Jahr auf jeden Fall eine Autorin den Preis erhalten, denn dieses Jahr sind tatsächlich nur Autorinnen für die Shortlist nominiert. Weiterlesen „Bloggerpreis für Literatur Das Debüt 2022“