Esther Becker – Wie die Gorillas

Es gibt Romane, die kommen auf eher leisen Sohlen und packen die Leser:innen dann unverhofft und hinterrücks umso intensiver. Um solch ein Buch handelt es sich beim Debütroman Wie die Gorillas der 1980 geborenen und bisher vor allem als Dramatikerin hervorgetretenen Esther Becker. Es sind nur gut 150 locker bedruckte Seiten und zunächst recht belanglos scheinende Alltagsepisoden mit denen das Buch beginnt. Weiterlesen “Esther Becker – Wie die Gorillas”

“Das Debüt” – Bloggerpreis für Literatur 2020 – Meine Entscheidung

2020Bereits zum vierten Mal war ich dieses Jahr Mitglied der Bloggerjury für “Das Debüt” – Bloggerpreis für Literatur 2020, der, der Name verrät es, ein besonders gelungenes Debütwerk deutscher Sprache auszeichnen möchte.

Ich sage bewusst “ein besonders gelungenes” Debüt, weil es meiner Meinung nach weder den besten Debütroman noch den besten Roman welcher Kategorie auch immer geben kann. Die Leseerwartungen und -vorlieben sind doch bei allen Leser*innen sehr unterschiedlich und selbst die herangezogenen “objektiven” Kriterien unterscheiden sich stark. Selbst der Zeitpunkt und die Umstände des Lesens haben meist einen Einfluss darauf, wie sehr uns der eine oder andere Titel anspricht. Weiterlesen ““Das Debüt” – Bloggerpreis für Literatur 2020 – Meine Entscheidung”

Cihan Acar – Hawaii

Hawaii – das klingt nach Südseeparadies, nach Blumenketten, nach gutem Leben. (Wenn auch nur in der Fantasie). Das Hawaii, in das der Protagonist und Ich-Erzähler im Debütroman von Cihan Acar zurückkehrt, hat von dieser Fantasie so gar nichts. Hier, im einstigen Problemviertel Heilbronns, wohnen die sozial schwächsten Einwohner der schwäbischen Stadt. Und auch wenn die Zeiten, als Hawaii angesichts der dort herrschenden Drogenproblematik und der Kriminalität gerne „die Bronx“ von Heilbronn genannt wurde, vorbei zu sein scheint, gilt das Viertel immer noch als unterprivilegiert. Weiterlesen “Cihan Acar – Hawaii”

Deniz Ohde – Streulicht

Streulicht entsteht, wenn das Licht an sehr kleinen, in der Luft schwebenden Teilchen, fest oder flüssig, gebrochen wird, diffus wird. Die Luft nahe des Industrieparks, wo die Ich-Erzählerin von Deniz Ohde in ihrem Debütroman Streulicht zuhause ist, ist oft voll mit diesen kleinen Partikeln, Rauch, angereichert mit Säure. Bei Kälte sinkt der ausgestoßene Wasserdampf als Industrieschnee zu Boden. Im Arbeitervorort, der zwar nie direkt benannt wird, leicht aber als Sindlingen bei Frankfurt am Main identifiziert werden kann, wird aber nicht nur das Licht gebrochen. Auch so manche Kindheit und Bildungsgeschichte kommt hier nicht ohne Brüche aus. Weiterlesen “Deniz Ohde – Streulicht”

Daniel Mellem – Die Erfindung des Countdown

Wer kennt Hermann Oberth? Ich muss zugeben, dass mir der 1894 in Hermannstadt/Siebenbürgen geborene und 1989 in Nürnberg gestorbene Physiker und „Raketenpionier“ bislang völlig unbekannt war. Daniel Mellem, seines Zeichens ebenfalls promovierter Physiker und Absolvent des Leipziger Literaturinstituts, widmet ihm seinen Debüt-Roman Die Erfindung des Countdown. Weiterlesen “Daniel Mellem – Die Erfindung des Countdown”

Das Debüt 2020 – Der Bloggerpreis für Literatur

Bereits zum vierten Mal darf ich Mitglied der Jury für Das Debüt 2020 sein – Der Bloggerpreis für Literatur, bei dem ein besonders bemerkenswerter Debütroman auszeichnet wird. Das freut mich sehr! Doch was ist der Debütpreis?

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Valentin Moritz – Kein Held

Der Badische Landwirtschafts-Verlag veröffentlicht neben der Bauern-Zeitung und dem jährlichen Bauern-Kalender nur eine Handvoll Bücher mit regionalem Bezug, ist mir also (nicht verwunderlich) bisher völlig unbekannt geblieben. Im Frühjahr 2020 erschien ein Roman, der zwar auch im Badischen verortet ist, aber doch weit über das rein Regionale hinausweist und eine schöne, liebevolle Generationengeschichte erzählt: Kein Held von Valentin Moritz.

Der 1987 im südbadischen Niederdrossenbach geborene Autor lebt schon seit langem in Berlin. In jungen Jahren galt es, so bald wie möglich raus aus dem Dorf zu kommen, raus aus der ländlichen Enge. Er studierte in Berlin Literaturwissenschaften und lebt seitdem dort. Der Kontakt zu seiner badischen Heimat riss dadurch aber nicht ab. Regelmäßig traf sich dort die Großfamilie rund um dem Großvater Josef Mutter, dessen neun Kinder, fast vierzig Enkel und mittlerweile auch Urenkel. Großmutter Erna starb bereits 1989, mitten in ihrem Bauerngarten. Auf dem Fest zu seinem 90. Geburtstag sprach Josef seinen schreibenden Enkel an. Er hätte da einige Geschichten, die noch erzählt werden müssten, nicht vergessen werden dürften. Und Valentin kenne sich da doch aus. Weiterlesen “Valentin Moritz – Kein Held”

Theres Essmann – Federico Temperini

Das Schöne am Bloggersein ist unter anderem, dass immer wieder einmal Bücher ins Haus flattern, die man ansonsten vielleicht übersehen hätte. Meist von kleineren Verlagen, die nicht so im Fokus der Aufmerksamkeit stehen – der der Medien, aber auch der eigenen. Bücher, die anderen Blogger*innen oder Leser*innen am Herz liegen und die sie einem deswegen an dasselbe legen möchten. Unlängst erreichte mich auf diesem Weg „Federico Temperini“ von Theres Essmann. Weiterlesen “Theres Essmann – Federico Temperini”

Miku Sophie Kühmel – Kintsugi

2019 war ein Erfolgsjahr für die Debütantin Miku Sophie Kühmel: für ihren Roman „Kintsugi“ erhielt sie den Förderpreis der Jürgen Ponto Stiftung, den Aspekte Literaturpreis und einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis. Was machte das Buch trotz recht verhaltener Kritiken im Literaturfeuilleton so attraktiv für die Juroren? Weiterlesen “Miku Sophie Kühmel – Kintsugi”