Theres Essmann – Federico Temperini

Das Schöne am Bloggersein ist unter anderem, dass immer wieder einmal Bücher ins Haus flattern, die man ansonsten vielleicht übersehen hätte. Meist von kleineren Verlagen, die nicht so im Fokus der Aufmerksamkeit stehen – der der Medien, aber auch der eigenen. Bücher, die anderen Blogger*innen oder Leser*innen am Herz liegen und die sie einem deswegen an dasselbe legen möchten. Unlängst erreichte mich auf diesem Weg „Federico Temperini“ von Theres Essmann. Weiterlesen „Theres Essmann – Federico Temperini“

Marina Frenk – ewig her und gar nicht wahr

Die 1986 geborene Marina Frenk hat mit „ewig her und gar nicht wahr“ einen bemerkenswerten Debütroman über Entwurzelung, Suche und Selbstvergewisserung geschrieben.

Basis ist die bildende Künstlerin Kira Libermann, Altersgenossin und sicher in einigen Bereichen Alter Ego der Autorin. Beide sind in der damaligen Sowjetrepublik Moldawien geboren und als Kind 1993 mit den Eltern nach Deutschland emigriert. Weiterlesen „Marina Frenk – ewig her und gar nicht wahr“

Lutz Seiler – Stern 111

2014 erhielt er für seinen Roman Kruso den Deutschen Buchpreis. Nun erschien von Lutz Seiler Stern 111, der den zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR auf der kleinen Insel Hiddensee spielenden Vorgänger zwar nicht fortsetzt, aber an bestimmte Punkte anknüpft und einen Teil des Personals wiederauftauchen lässt. Weiterlesen „Lutz Seiler – Stern 111“

Felicitas Korn – Drei Leben lang

Felicitas Korn wählt als Schauplatz ihres Debütromans „Drei Leben lang“ Frankfurt und den Taunus. Das bedeutet für mich schon einmal ein wenig Heimatgefühl. Zudem ist die Autorin wie ich in Offenbach am Main geboren. Dennoch hätte ich dieses Buch beinahe verpasst. Was äußerst bedauerlich gewesen wäre, denn dieser Roman hat es in sich und viel mehr Aufmerksamkeit verdient.

Drei Hauptfiguren stehen im Mittelpunkt und erhalten ihren jeweils ganz eigenen Ton. Weiterlesen „Felicitas Korn – Drei Leben lang“

Arno Geiger – Unter der Drachenwand

„Unter der Drachenwand“ – so betitelt Arno Geiger seinen neuen Roman – das klingt ein wenig bedrohlich, ein wenig mystisch und irreal, aber auch ein wenig nach Schutz und Sicherheit. Viel eindeutiger freundlich ist der harmlos klingende „Schafberg“ gleich nebenan. Oder aber auch der verträumt-beschaulich klingende „Mondsee“.

Ohne allzu viel Bedeutung in diese Ortsnamen, die eine bedeutende Rolle in Arno Geigers neuem Roman spielen, zu legen, passen sie ganz wunderbar zu der erzählten Geschichte. Ist es doch auch eine irgendwie irreale, nahezu fantastische Ruhepause, die dem jungen Veit Kolbe da inmitten des gnadenlos entfesselten Kriegsgeschehens des Jahres 1944 gegönnt wird. Und lauert doch dahinter immer das Bedrohliche, das Beängstigende, das Grauen. Weiterlesen „Arno Geiger – Unter der Drachenwand“

Klaus Cäsar Zehrer – Das Genie

Wer kennt William James Sidis? Seit der Veröffentlichung des Debütromans „Das Genie“ von Klaus Cäsar Zehrer dürften das in Deutschland einige Menschen mehr sein. Ansonsten hinterlässt der Name hierzulande, anders als in Sidis Heimatland USA, meist ratloses Schulterzucken. Dabei zählt der 1898 in New York geborene Sidis mit einem Intelligentsquotienten von geschätzt unglaublichen 250 bis 300 zu den intelligentesten Menschen aller Zeiten. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat er sich damit aber nicht in die Wissenschaftsgeschichte und das kollektive Gedächtnis eingeschrieben. Sein Leben und Schicksal, auf das der Autor Zehrer hier aufmerksam macht, ist ein ganz unglaubliches. Weiterlesen „Klaus Cäsar Zehrer – Das Genie“

Alexander Gorkow – Hotel Laguna

„Tourismus“ ist mittlerweile ein fast schon negativ besetztes Wort, besonders wenn es mit dem Präfix „Massen“ daherkommt. Dabei war es nach dem Zweiten Weltkrieg die Erfüllung der großen Sehnsucht so vieler Deutschen, sich mit dem eigenen kleinen Auto oder, je nach Geldbeutel, mit dem Flugzeug, gen Süden zu bewegen, hin zur Sonne, zur Wärme, aber auch zu mehr Leichtigkeit und Lässigkeit im Umgang mit dem Leben. Fort von den Mühen und Sorgen des Wirtschaftswunders, raus aus dem „grauen Alltag“.  Auch heute noch zählen, bei allen Veränderungen beim Reisen, die „schönsten Wochen des Jahres“ für viele Menschen zu den unverzichtbarsten Dingen im Leben. Diese Veränderungen sind ein Thema in„Hotel Laguna Meine Familie am Strand“ von Alexander Gorkow. Weiterlesen „Alexander Gorkow – Hotel Laguna“

Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #5 – Christian Bangel – Oder Florida

Vielleicht Florida? Eine Option. Oder vielleicht mit Nadja nach Berlin? Auch möglich. Oder doch in Frankfurt an der Oder bleiben? Fragen, die Christian Bangel in Oder Florida von seinem Protagonisten stellen lässt.

Der Ich-Erzähler Matthias Freier hat das Abi in der Tasche, aber seine weitere Lebensplanung ist, vorsichtig ausgedrückt, noch recht offen. Wir schreiben das Jahr 1998, Freier gehört irgendwie zur linken Szene, hat mit seinem Kumpel Fliege die Stadtzeitung 0335 gegründet und schreibt gelegentlich Artikel für diese. Fliege ist Punker mit Irokesenschnitt und gleichzeitig ein ganz gewiefter Kopf. Nicht nur verdient er mit seiner Agentur, in der Freier eher wenig motiviert Flyer und Newsletter für die unterschiedlichsten Unternehmen verfasst, ganz gut Geld, nein, er hat auch einen politischen Plan: durch Masseneintritte von Gesinnungsgenossen  und einen geeigneten Kandidaten will er den SPD-Ortsverein übernehmen und bei den kommenden Wahlen gegen den durch seine DDR-Vergangenheit in Schieflage geratenen bisherigen Bürgermeister siegen. Weiterlesen „Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #5 – Christian Bangel – Oder Florida“

Jovana Reisinger – Still halten – Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #4

Der dritte von mir im Rahmen der Juryauswahl für den Bloggerpreis „Das Debüt“ gelesene Roman, „Still halten“ von Jovana Reisinger , war für mich eine Herausforderung, die ich angenommen, aber nur teilweise durchgehalten habe.

Nachdem gleich der erste Titel der Shortlist, Julia Webers „Immer ist alles schön“, so gar nicht meinen Vorstellungen von einem guten Buch entsprochen hat, ich ihn aber bis zum Ende gelesen habe, muss ich zugeben, bei „Still halten“ doch etliche Seiten quergelesen zu haben. Weiterlesen „Jovana Reisinger – Still halten – Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #4“

Juliana Kálnay – Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens – Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #3

Nachdem das erste Buch der Shortlist für den Bloggerpreis „Das Debüt“ mich doch weitgehend und umfassend enttäuscht hat (Julia Weber – Immer ist alles schön) bin ich ein wenig zögerlich an das zweite Buch herangegangen. Denn auch wenn eine Bloggerkollegin mir „Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“ von Juliana Kálnay empfohlen hat, ist doch der Inhalt eigentlich so gar nicht meins. „Surreale und groteske Motive“, von einem „schillernden Fantasie-Universum“ ist da die Rede. Bekennende Anhängerin der realistischen und gern auch ein weniger artistischen Erzählweise, die ich bin, hat mich das ein wenig abgeschreckt.

Doch schon nach wenigen Seiten schwand mein Widerstand gegen das Buch fast ganz dahin. Weiterlesen „Juliana Kálnay – Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens – Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #3“