Natascha Wodin – Nastjas Tränen

Nastja ist um die Fünfzig, Tiefbauingenieurin aus Kiew, als sie sich auf die Anzeige der Erzählerin im neuen Buch von Natascha Wodin, Nastjas Tränen, meldet, die eine Putzhilfe sucht. Wie auch in ihren vorangegangenen Romanen Sie kam aus Mariupol und Irgendwo in diesem Dunkel,  in denen sie sich auf die Spuren ihrer Eltern begibt, steckt viel Autobiografisches in diesem Text. Weiterlesen “Natascha Wodin – Nastjas Tränen”

Andreas Moster – Kleine Paläste

„Es ist nicht das erste Mal, dass der Hund versucht, mich zu ermorden.“ Was für ein erster Satz, der sofort auf den neuen Roman von Andreas Moster, Kleine Paläste, neugierig macht. Und es ist nicht gespoilert, wenn ich verrate, dass es Lupus, sollte es wirklich seine Absicht gewesen sein, gelingt. Schon zu Beginn liegt Sylvia zerschmettert am Fuß der Treppe, die sie, über den dort liegenden Bullmastiff stolpernd, hinuntergestürzt ist, während ihr dementer Mann Carl im Wohnzimmer vor dem Fernseher im Rollstuhl sitzt. Weiterlesen “Andreas Moster – Kleine Paläste”

Sven Regener – Glitterschnitter

Zwanzig Jahre nachdem Sven Regener 2001 mit Herr Lehmann sein Berliner Universum rund um die Wiener Straße eröffnet hat, legt er mit Glitterschnitter nun bereits den sechsten Roman mit Frank Lehmann, Karl Schmidt, Kneipenbesitzer Erwin Kächele, Hausbe-setzer/sitzer P.Immel und Aktionskünstler H.R.Ledigt vor. Wieder setzt er dem Berlin der 1980er Jahre, der Stadt in der „alles möglich war“, den Träumern, Verweigerern und Lebenskünstlern, die es bevölkerten, ein so witziges wie nachdenkliches Denkmal. Weiterlesen “Sven Regener – Glitterschnitter”

Nadine Schneider – Wohin ich immer gehe

2019 bezauberte Nadine Schneider mit ihrem Roman Drei Kilometer nicht nur die Jury des Bloggerpreises für Literatur Das Debüt, sondern sie erhielt auch den Hermann Hesse Förderpreis, den Literaturpreis der Stadt Fulda und den Vera-Doppelfeld-Förderpreis. In Wohin ich immer gehe, das diesen Sommer erschien, zeigt Nadine Schneider, dass ihr auch der oft so schwere zweite Roman ganz wunderbar gelungen ist. Weiterlesen “Nadine Schneider – Wohin ich immer gehe”

Henning Ahrens – Mitgift

Mehr als zweihundert Jahre und sieben Generationen einer der eigenen sehr ähnlichen Familie nimmt Henning Ahrens in seinem Roman Mitgift in den Blick. Acht, zählt man den Ich-Erzähler, hinter dem sich nur sehr offensichtlich der Autor verbirgt, mit – aber der war ja noch nicht geboren, als das Buch 1962 endet.

Zweihundert Jahre Familiengeschichte vom niedersächsischen Land, aus Klein-Ilsede bei Peine, zweihundert Jahre landwirtschaftliche Tradition. Der Hof wird an den ältesten Sohn vererbt, das ist Gesetz, sozusagen die Mitgift. Dass außer diesen materiellen Dingen auch ganz anderes von Generation zu Generation weitergegeben werden, ist Thema dieses für die Longlist zum Deutschen Buchpreis nominierten Romans. Weiterlesen “Henning Ahrens – Mitgift”

Dilek Güngör – Vater und ich

Vater und Tochter – eine ganz besondere Beziehung. Meist ist das Verhältnis nicht so angespannt, so geprägt von Identifikation einerseits und Konkurrenz bzw. Abgrenzung andererseits wie zwischen Mutter und Tochter oder Vater und Sohn. Oft ist es auch weniger eng und vertraut. Vielleicht deshalb gibt es im Vergleich auch weniger literarische Auseinandersetzungen damit. Barbara Honigmann hat mit Georg eine geschaffen, Annie Ernaux  mit Der Platz, Natascha Wodin mit Irgendwo in diesem Dunkel. Und nun stehen zwei kurze Romane über Väter auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021. Monika Helfers Vati und Dilek Güngör mit Vater und ich. Weiterlesen “Dilek Güngör – Vater und ich”

Gert Loschütz – Besichtigung eines Unglücks

Seit fünfzig Jahren schreibt Gert Loschütz Hörspiele, Theaterstücke, Erzählungen und immer wieder auch Romane. Mit zwei davon stand er auf der Nominierungsliste zum Deutschen Buchpreis. Dunkle Gesellschaft. Roman in zehn Regennächten schaffte es 2005 auf die Shortlist, Ein schönes Paar 2018 immerhin auf die Longlist. Auch 2021 hat es Gert Loschütz mit Besichtigung eines Unglücks unter die zwanzig Titel geschafft, die ins Rennen um den „Roman des Jahres“ gingen. Weiterlesen “Gert Loschütz – Besichtigung eines Unglücks”

Bov Bjerg – Deadline

Den jüngst erschienenen Roman Deadline des erfolgreichen Schriftstellers Bov Bjerg begleitet eine häufig erzählte Geschichte. 2008 als Debüt des Lesebühnenautors und Literaturinstitutsabsolventen beim Mitteldeutschen Verlag in einer Auflage von 750 Exemplaren erschienen, verkauften sich davon lediglich 224. Die Restauflage, die bei der steigenden Bekanntheit des Autors spätestens nach seinem sehr erfolgreichen Roman Auerhaus (im vergangenen Jahr erhielt Serpentinen dann sogar eine Shortlist-Platzierung beim Deutschen Buchpreis), durchaus nochmal Beachtung hätte finden können, wurde bei einem Lagerbrand 2013 komplett vernichtet. Nun also die Neuauflage im neu gegründeten Kanon-Verlag – wie passend. Weiterlesen “Bov Bjerg – Deadline”

Mithu Sanyal – Identitti

Race, class, gender – Begriffe, die in der interessierten Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen und heftig und kontrovers diskutiert werden. Auch immer zahlreichere Buchveröffentlichungen gibt es zu den Themen, sowohl im Sachbuchsegment als auch im literarischen Bereich. Zu Recht wurde im Frühjahr kritisiert, dass sich keines davon unter den für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Bücher befand, geschweige denn, dass eine/r der Autor:innen einen anderen Hintergrund hat als: Deutsch, Weiß, Cis und Hetero. Besonders das Fehlen von zwei Romanen, die im Frühjahr für viel Aufsehen sorgten und größtenteils positive bis begeisterte Kritiken und viel Publikumszuspruch erhielten, wurde beklagt: Sharon Dodua Otoos Adas Raum und Identitti von Mithu Sanyal. Zumindest letzteres befindet sich nun auf der deutlich diverseren Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021. Zu meiner großen Freude ist Identitti zudem mein Patenbuch, das ich (hoffentlich) bis zur Bekanntgabe der Gewinner:in am 18. Oktober als offizielle Buchpreisbloggerin medial begleiten darf. Weiterlesen “Mithu Sanyal – Identitti”

Sommerlektüre – Von Räubern, einem Monat in Siena, Kunst und der Unschärfe der Welt

Kleiner Nachtrag zu meiner Sommerlektüre. Vor meinem Urlaub hatten sich zum Glück so einige Rezensionen aufgestaut, so dass ich in den 18 Tagen Italien tatsächlich nicht “arbeiten” musste und bereits Fertiges veröffentlichen konnte. Gelesen habe ich natürlich dennoch und damit es nicht einen noch größeren “Nachurlaubsstau” gibt, fasse ich meine Urlaubslektüre mal in einem Sammelbeitrag zusammen. Tolle Bücher, jedes hätte eigentlich einen eigenen langen Post verdient – alles uneingeschränkte Empfehlungen!

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