Jonathan Coe – Middle England

Bevor die Corona-Krise das gesellschaftliche Erschrecken auf eine ganz neue Dimension gehoben hat, haben wir bereits etliche Szenarien durchlebt, die man sich noch vor wenigen Jahren gar nicht vorstellen konnte und die nun Realität geworden sind. Ob das das Wiedererstarken von rechtem Gedankengut mit Wahlsiegen der extremen Rechten und Anschlägen auf Politiker, nach „Migrationshintergrund“ aussehenden Mitbürgern und Synagogen war. Oder die Wahl eines ungehobelten, intellektuell eher dürftig ausgestatteten und extrem narzisstischen Mannes zum Präsidenten des mächtigsten Staates weltweit. Oder aber die Lossagung von „Good Old England“ von der Europäischen Union. All diese Dinge haben alte Überzeugungen vom zivilisatorischen Fortschritt, vom Zusammenwachsen der Menschheit, von der Überwindung nationalstaatlicher Hürden tief erschüttert und wir stecken noch mittendrin in diesen Entwicklungen. Über den Brexit hat Jonathan Coe nun einen Roman veröffentlicht, „Middle England“. Weiterlesen „Jonathan Coe – Middle England“

Ali Smith – Herbst

Überall wird der gerade auf Deutsch erschienene Roman „Herbst“ von Ali Smith als der „erste Brexit-Roman“ gefeiert. Und tatsächlich begann die schottische Autorin 2016 kurz vor dem Referendum mit der Niederschrift und in der Absicht, einen ganz zeitnahen Text zu verfassen. „Autumn“ erschien dann auch bereits im selben Jahr und platzierte sich 2017 auf der Shortlist zum Man Booker Prize. Weiterlesen „Ali Smith – Herbst“

Rachel Cusk – Lebenswerk

Als Rachel Cusk 2001 ihren literarischen autobiografischen Essay „A life´s work“ (deutsch jetzt bei Suhrkamp „Lebenswerk – Über das Mutterwerden“) veröffentlichte, war ihr Projekt noch relativ einzigartig. Es stellt quasi den Urtext eines Genres dar, das in den letzten Jahren zum Beispiel mit Sheila Hetis „Motherhood“ oder der Studie von Orna Donath „Regretting motherhood“ diskutiert wurde. Vieles, das Cusk in Ihrem Text zum ersten Mal zu Papier brachte und für das sie aufs heftigste gerade auch von anderen Frauen kritisiert und angefeindet wurde, ruft mittlerweile keine Empörung mehr hervor. Und doch ist das Buch hochaktuell, gerade durch seine gewisse Zeitlosigkeit. Weiterlesen „Rachel Cusk – Lebenswerk“