David Grossman – Was Nina wusste

Was für eine Geschichte erzählt uns der israelische Schriftsteller David Grossman da in seinem neuen Roman „Was Nina wusste“! Welch einen weiten Bogen spannt er da vom Kibbuz im gegenwärtigen Israel über die nordkroatische Kleinstadt Čakovec vor und während des Zweiten Weltkriegs zur kargen Felseninsel Goli Otok im adriatischen Meer. Dabei macht er noch Stippvisiten an den Polarkreis ins norwegische Tromsø und den Big Apple New York und spannt dazwischen die dramatische, leidenschaftliche Geschichte dreier Frauen – Großmutter, Mutter und Tochter. Weiterlesen “David Grossman – Was Nina wusste”

Tayari Jones – Das zweitbeste Leben

„Mein Vater, James Witherspoon, ist ein Bigamist.“ So lässt Tayari Jones ihren etwas ungewöhnlichen Familienroman Das zweitbeste Leben beginnen. Sie gibt Dana Yarboro die Stimme, einer der beiden Töchter, die James Witherspoon mit seinen beiden Ehefrauen hat. Denn Dana weiß seitdem sie klein ist, dass sie und ihre Mummy „ein Geheimnis“ sind. Jeden Mittwochabend isst der Vater mit seiner kleinen Zweitfamilie, oft begleitet von seinem Freund und Quasi-Bruder Raleigh. Er möchte zu seiner Tochter und deren Mutter stehen, Verantwortung übernehmen. Auch wenn dies in der Regel durch Geld geschieht, mit dem er den Lohn der Krankenschwester aufbessert, die Ausbildung Danas und kleine Extraausgaben bezahlt. Weiterlesen “Tayari Jones – Das zweitbeste Leben”

Brit Bennett – Die verschwindende Hälfte

Die 1990 in Kalifornien geborene Brit Bennett gilt nach ihrem vielbeachteten Essay „I don’t know what to do with good white people“ und ihrem erfolgreichen Debütroman „Die Mütter“ als eine der vielversprechendsten jungen Schriftstellerinnen der USA. Mit ihrem neu erschienenen Buch Die verschwindende Hälfte scheint Brit Bennett einen Roman zur Stunde, einen Beitrag zur Black Lives Matter-Bewegung geschaffen zu haben. In Amerika erschien „The vanishing half“ eine Woche nachdem George Floyd von einem Polizisten getötet wurde. Weiterlesen “Brit Bennett – Die verschwindende Hälfte”

Zora del Buono – Die Marschallin

Zora del Buono schreibt über Zora Del Buono. Dabei ist die Groß- bzw. Kleinschreibung in der Mitte des Namens von Bedeutung. Denn die Großmutter Zora Del Buono, deren Lebensgeschichte die Schweizer Autorin des gleichen Namens vor ihrem Lesepublikum ausbreitet, die titelgebende „Marschallin“, ist überzeugte Kommunistin und jeder Adelsdünkel ihr, zumindest offiziell, ein Gräuel.

Nach einem kurzen Prolog beginnt der Roman 1919 in einem kleinen Dorf im Nordwesten Sloweniens, Bovec. Hier am Grenzfluss Isonzo ((italienisch), Soča (slowenisch), Sontig (deutsch), Lusinç (friaulisch) – je nach aktuellem Besatzer), fand die letzte von insgesamt zwölf Isonzoschlachten im Ersten Weltkrieg statt. Dank Einsatz von Giftgas konnten die Österreicher mit Unterstützung der Deutschen die Italienischen Truppen zurückdrängen. Die Schlachten forderten Hunderttausende an Toten und formten dieses Grenzgebiet nachhaltig. Weiterlesen “Zora del Buono – Die Marschallin”

Franziska Hauser – Die Glasschwestern

Drei Schwestern, die völlig verschieden sind. Zwei davon sind Zwillinge, die dritte deutlich jünger und besitzt – im Verlauf des Buches deutet sich so etwas an – vielleicht einen anderen Vater. Ein Familiengeheimnis und dazu noch ein wenig dunkle DDR-Geschichte – leider geht das Konzept von „Die Glasschwestern“ von Franziska Hauser für mich nicht auf. Weiterlesen “Franziska Hauser – Die Glasschwestern”

Monika Helfer- Die Bagage

Es beginnt fast wie ein Märchen: am Ende eines finsteren Tals im tiefen Bregenzerwald lebte einmal eine wunderschöne Frau. Diese Frau lebte mit ihrem feschen Mann in großer Armut auf kargem Grund. Die beiden hatten vier Kinder und waren trotz einiger Not eigentlich ganz zufrieden und glücklich. Sie lebten abseits vom Dorf und die Dorfbewohner, besonders die Frauen neideten ihnen ihr Glück und der Frau ihre Schönheit. Da der Mann aber stattlich, stark und fleißig war, ließen sie sie in Ruhe. Dann kam der Große Krieg und der Mann musste fort. Davon erzählt Monika Helfer in ihrem schmalen, aber nachhaltigen Roman „Die Bagage“. Weiterlesen “Monika Helfer- Die Bagage”

Liz Moore – Long Bright River

Ein spannender Krimi, der auch für Nicht-Krimileser einiges zu bieten hat: „Long Bright River“ von Liz Moore.

„Als ich meine Schwester das erste Mal tot auffand, war sie sechzehn“.

Und seitdem fürchtet Michaela Fitzpatrick, genannt Mickey, die als Polizistin in Philadelphia Streife fährt, bei jedem hereinkommenden weiblichen Leichenfund, dass es diesmal tatsächlich die jüngere Schwester Kacey getroffen haben könnte. Diese ist seit ihrer Jugend drogenabhängig und zuletzt als Straßenprostituierte in Mickeys Revier Kensington unterwegs gewesen. Seit einiger Zeit wurde sie aber nicht mehr gesehen, weshalb sich Mickey nun große Sorgen macht, als sie an einen Tatort gerufen wird: weibliche Leiche an den Bahngleisen, vermutlich Überdosis. Weiterlesen “Liz Moore – Long Bright River”

Alix Ohlin – Robin und Lark

Kanada wirft als künftiges Gastland der Frankfurter Buchmesse (so sie denn wie geplant stattfinden kann) zaghaft seine Schatten voraus. In einigen Verlagen erscheinen bereits kanadische Autor*innen mit ihren aktuellen Büchern. Auch wenn das Land sich bisher nicht annähernd so aktiv und mitreißend präsentiert wie das Norwegen im vergangenen Jahr getan hat, habe ich doch einige Titel in den Frühjahrs-Programmen entdeckt. Einer davon stammt von Alix Ohlin, „Robin und Lark“. Weiterlesen “Alix Ohlin – Robin und Lark”

Alexandra Riedel – Sonne, Mond, Zinn und Jacqueline Thör – Nenn mich einfach Igel

Zwei schmale Debütromane von deutschen Autorinnen. Die 1980 geborene Alexandra Riedel schreibt über entgangene Elternliebe und Geborgenheit in “Sonne, Mond, Zinn”. Jacqeline Thör wählt als Protagonist einen jungen Hermaphrodit. Weiterlesen “Alexandra Riedel – Sonne, Mond, Zinn und Jacqueline Thör – Nenn mich einfach Igel”

James Wood – Upstate

Amerikanische Autoren sind Meister im Genre des Familienromans. In immer wieder neuen Ausprägungen wird die kleinste gesellschaftliche Institution beleuchtet, analysiert und beschrieben. Mehr oder (meistens) weniger glücklich, als klassische Vater-Mutter-Kinder-Konstellationen, generationenübergreifend oder mittlerweile auch zunehmend als Patchwork oder queere Familien, aus allen sozialen und gesellschaftlichen Schichten, mit oder ohne biografischen Hintergrund begegnen der Leser*in unzählige Familiengeschichten von US-amerikanischen Schriftstellern. Der bekannte Literaturkritiker James Wood hat diesen mit „Upstate“ eine weitere hinzugefügt. Weiterlesen “James Wood – Upstate”