Annie Ernaux – Eine Frau

Zu Annie Ernaux muss man zum Glück nicht mehr viel sagen. Die 1940 geborene Autorin zählt in ihrem Heimatland Frankreich schon lange zu den ganz großen Autor*innen, erklärtes Vorbild für mittelalte bis junge Kollegen, von Didier Eribon bis Edouard Louis. Spätestens seit ihrem autobiografischen Werk „Die Jahre“ genießt sie aber auch in Deutschland eine große Popularität, was den Suhrkamp Verlag zum Glück ermutigt hat, auch ältere Werke von ihr zu veröffentlichen. Im Frühjahr 2019 erschien ein schmales Werk über den Vater, „Der Platz“, nun ist auch das Pendant dazu erschienen, das Buch, das Annie Ernaux über ihre verstorbene Mutter geschrieben hat, „Eine Frau“. Weiterlesen „Annie Ernaux – Eine Frau“

Rachel Cusk – Lebenswerk

Als Rachel Cusk 2001 ihren literarischen autobiografischen Essay „A life´s work“ (deutsch jetzt bei Suhrkamp „Lebenswerk – Über das Mutterwerden“) veröffentlichte, war ihr Projekt noch relativ einzigartig. Es stellt quasi den Urtext eines Genres dar, das in den letzten Jahren zum Beispiel mit Sheila Hetis „Motherhood“ oder der Studie von Orna Donath „Regretting motherhood“ diskutiert wurde. Vieles, das Cusk in Ihrem Text zum ersten Mal zu Papier brachte und für das sie aufs heftigste gerade auch von anderen Frauen kritisiert und angefeindet wurde, ruft mittlerweile keine Empörung mehr hervor. Und doch ist das Buch hochaktuell, gerade durch seine gewisse Zeitlosigkeit. Weiterlesen „Rachel Cusk – Lebenswerk“

Zadie Smith – Swing Time

Es gibt Autorinnen/Autoren die stets das gleiche Buch schreiben, stets zum gleichen Sujet greifen, denselben Ton wahren. Das ist in seltenen Fällen (ich denke da zum Beispiel an Patrick Modiano) spannend und beglückend, viel öfter aber ein Zeichen mangelnder Kreativität oder künstlerischer Fähigkeit. Die britische Autorin Zadie Smith hat auch ein Thema, das sie immer wieder umtreibt und zudem sind ihre Romane meist in dem Teil Londons verortet, aus dem sie selbst stammt, dem Nordwesten. Und doch schafft sie es, jedes Mal ein gänzlich neues Buch zu schaffen. Schaut man sich die beiden letzten Romane von Zadie Smith an, das 2012 auf Deutsch erschienene London NW und das unlängst hier veröffentlichte Swing Time, so unterscheiden sich die verhandelten Themen zunächst einmal gar nicht so sehr. Weiterlesen „Zadie Smith – Swing Time“

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses

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„Die drei Evas“ – wieder einmal trifft das Original das Buch so viel besser als der deutsche Buchtitel.
Die drei Evas sind drei Frauen mit muslimischem Hintergrund, die sich im Jahr 2000 während ihres Studiums in Oxford kennenlernen und zusammenziehen.

Es sind drei auf sehr unterschiedliche Weise starke junge Frauen, alle drei auf unterschiedlichen Wegen unterwegs.
Leicht ironisch nennen sie sich „Die Sünderin, die Gläubige und die Verwirrte.“ Shirin lebt ein westliches, säkulares Leben, Mona ist streng gläubig, hat das Kopftuch gewählt, ist aber auch feministisch sehr engagiert und Peri, aus deren Sicht überwiegend erzählt wird, stammt aus der Türkei und ist „die Verirrte“. Weiterlesen „Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses“