Sorj Chalandon – Wilde Freude

Der französische Autor Sorj Chalandon hat (nicht nur) mich im vergangenen Jahr mit seinem Roman Am Tag davor sehr begeistert, ein Grund für mich, mir auch sein neues Buch Wilde Freude anzuschauen. Und das, obwohl das in den Vorschauen annoncierte Cover, das vier Frauen von hinten/oben in pastellfarbener Umgebung zeigt, mich so gar nicht ansprach. Ein Cover, das so sehr nach „Frauenroman“ schreit, dass ich es ohne den Autor zu kennen, sicher nicht angeschaut hätte. Dem Verlag scheinen auch Bedenken gekommen zu sein, denn nun liegt das Buch mit einem gänzlich anderen Titelbild – reine Schriftgestaltung in starken, feurigen Farben – vor.

Eine gute Entscheidung. Denn wenn die Hauptprotagonisten auch vier Frauen sind, die sich mit typisch weiblichen Krebserkrankungen herumschlagen müssen, die Männer hier meist ein äußerst armseliges Bild abgeben und es um weibliche Selbstermächtigung und Solidarität geht, handelt es sich um alles andere als einen sentimentalen oder gar trivialen Roman. Weiterlesen „Sorj Chalandon – Wilde Freude“

Candice Carty-Williams – Queenie

„Ach, Queenie“, nicht nur einmal entfuhr der Leserin des Debütromans von Candice Carty-Williams dieser Stoßseufzer. Queenie, die 25 jährige Protagonistin des bei den British Book Award als Book of the Year ausgezeichneten Erstlings sucht ihren Platz im Leben. Und stellt sich dabei nicht nur äußerst ungeschickt, sondern auch selbstzerstörerisch an. Letzteres verbietet auch eigentlich den von der britischen Presse herangezogenen Vergleich, den einer „Schwarzen Bridget Jones“ nämlich. Weiterlesen „Candice Carty-Williams – Queenie“

Annie Ernaux – Eine Frau

Zu Annie Ernaux muss man zum Glück nicht mehr viel sagen. Die 1940 geborene Autorin zählt in ihrem Heimatland Frankreich schon lange zu den ganz großen Autor*innen, erklärtes Vorbild für mittelalte bis junge Kollegen, von Didier Eribon bis Edouard Louis. Spätestens seit ihrem autobiografischen Werk „Die Jahre“ genießt sie aber auch in Deutschland eine große Popularität, was den Suhrkamp Verlag zum Glück ermutigt hat, auch ältere Werke von ihr zu veröffentlichen. Im Frühjahr 2019 erschien ein schmales Werk über den Vater, „Der Platz“, nun ist auch das Pendant dazu erschienen, das Buch, das Annie Ernaux über ihre verstorbene Mutter geschrieben hat, „Eine Frau“. Weiterlesen „Annie Ernaux – Eine Frau“

Rachel Cusk – Lebenswerk

Als Rachel Cusk 2001 ihren literarischen autobiografischen Essay „A life´s work“ (deutsch jetzt bei Suhrkamp „Lebenswerk – Über das Mutterwerden“) veröffentlichte, war ihr Projekt noch relativ einzigartig. Es stellt quasi den Urtext eines Genres dar, das in den letzten Jahren zum Beispiel mit Sheila Hetis „Motherhood“ oder der Studie von Orna Donath „Regretting motherhood“ diskutiert wurde. Vieles, das Cusk in Ihrem Text zum ersten Mal zu Papier brachte und für das sie aufs heftigste gerade auch von anderen Frauen kritisiert und angefeindet wurde, ruft mittlerweile keine Empörung mehr hervor. Und doch ist das Buch hochaktuell, gerade durch seine gewisse Zeitlosigkeit. Weiterlesen „Rachel Cusk – Lebenswerk“

Zadie Smith – Swing Time

Es gibt Autorinnen/Autoren die stets das gleiche Buch schreiben, stets zum gleichen Sujet greifen, denselben Ton wahren. Das ist in seltenen Fällen (ich denke da zum Beispiel an Patrick Modiano) spannend und beglückend, viel öfter aber ein Zeichen mangelnder Kreativität oder künstlerischer Fähigkeit. Die britische Autorin Zadie Smith hat auch ein Thema, das sie immer wieder umtreibt und zudem sind ihre Romane meist in dem Teil Londons verortet, aus dem sie selbst stammt, dem Nordwesten. Und doch schafft sie es, jedes Mal ein gänzlich neues Buch zu schaffen. Schaut man sich die beiden letzten Romane von Zadie Smith an, das 2012 auf Deutsch erschienene London NW und das unlängst hier veröffentlichte Swing Time, so unterscheiden sich die verhandelten Themen zunächst einmal gar nicht so sehr. Weiterlesen „Zadie Smith – Swing Time“

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses

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„Die drei Evas“ – wieder einmal trifft das Original das Buch so viel besser als der deutsche Buchtitel.
Die drei Evas sind drei Frauen mit muslimischem Hintergrund, die sich im Jahr 2000 während ihres Studiums in Oxford kennenlernen und zusammenziehen.

Es sind drei auf sehr unterschiedliche Weise starke junge Frauen, alle drei auf unterschiedlichen Wegen unterwegs.
Leicht ironisch nennen sie sich „Die Sünderin, die Gläubige und die Verwirrte.“ Shirin lebt ein westliches, säkulares Leben, Mona ist streng gläubig, hat das Kopftuch gewählt, ist aber auch feministisch sehr engagiert und Peri, aus deren Sicht überwiegend erzählt wird, stammt aus der Türkei und ist „die Verirrte“. Weiterlesen „Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses“