Tsitsi Dangarembga – Verleugnen

Mit Verleugnen ist nun auch der letzte Band der Tambudzai-Trilogie der Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga auf Deutsch erschienen. Ich habe ihn nach der eigentlichen Reihenfolge, in der er im Original 2006 als The book of not nach dem ersten Teil Aufbrechen (Original Nervous conditions, 1988) folgte, gelesen, kenne also den im letzten Jahr ebenfalls in der Übersetzung durch Annette Grube erschienenen dritten Teil Überleben bisher noch nicht. Weiterlesen “Tsitsi Dangarembga – Verleugnen”

Julia Wolf – Alte Mädchen

Dreimal drei Frauen bevölkern die drei Abschnitte im neuen Roman von Julia Wolf, Alte Mädchen, der zwar völlig unabhängig, von der Autorin aber als abschließender Teil einer Trilogie (Alles ist jetzt -2015, Walter Nowak bleibt liegen – 2017) gedacht ist. Weiterlesen “Julia Wolf – Alte Mädchen”

Elena Medel – Die Wunder

Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte sie, Jahrgang 1985, Gedichte und leitet mittlerweile einen eigenen Lyrikverlag. 2020 gelang Elena Medel dann ein Riesenerfolg mit ihrem Debütroman, der in 15 Sprachen übersetzt wurde und nun als Die Wunder in der Übersetzung von Susanne Lange auch auf Deutsch vorliegt, rechtzeitig zum Gastlandauftritt Spaniens bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Für idiesen feministischen Gesellschaftsroman über die jüngere Geschichte Spaniens erhielt Medel als erste Frau überhaupt 2020 den renommierten Premio Francisco Umbral. Weiterlesen “Elena Medel – Die Wunder”

Najat El Hachmi – Am Montag werden sie uns lieben

Ein weiterer mit dem Nadal-Preis (2021) ausgezeichneter Roman stammt von der marrokanisch-spanischen Autorin Najat El Hachmi. Eindringlich und bewegend erzählt sie darin vom Aufwachsen junger Mädchen aus Migrantenfamilien weit vor den Toren Barcelonas. Zerrissen zwischen den autoritären Ansprüchen ihrer im unangetasteten Patriarchat sozialisierten Eltern und den modernen westlichen Lebensformen, die sie umgeben, suchen Naíma und ihre Freundinnen ihren Weg. Najat El Hachmi lässt sie hoffen, dass nach all den Anstrengungen, es richtig zu machen, sich selbst und sein Verhalten zu perfektionieren, dass dann endlich gilt Am Montag werden sie uns lieben. Weiterlesen “Najat El Hachmi – Am Montag werden sie uns lieben”

Djaïli Amadou Amal – Die ungeduldigen Frauen

Munyal, munyal – wie ein stetig wiederkehrender Refrain durchzieht dieses Wort das Buch der kamerunischen Autorin und Frauenrechtsaktivistin Djaïli Amadou Amal, das im Original auch den Titel „Munyal, les larmes de la patience“ (Munyal, die Tränen der Geduld) trägt und in der deutschen Übertragung von Ela zum Winkel als Die ungeduldigen Frauen im Orlanda Verlag erschienen ist. Geduld trifft es nur unzureichend, dieses Munyal, das von den Frauen im Buch und mit ihnen mit Millionen Frauen Westafrikas und vieler anderer Gebiete der Welt ständig eingefordert wird. Geduld mit dem ihnen aufgezwungenen Schicksal, das allzu oft aus Ohnmacht, Unterdrückung, Ausbeutung und Gewalterfahrungen besteht. Weiterlesen “Djaïli Amadou Amal – Die ungeduldigen Frauen”

Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter Die Frau

Nachdem Kristin Lavranstochter im ersten Teil der Trilogie, für die die Autorin 1928 den Literaturnobelpreis erhielt, als junge eigenwillige Frau ihre Ehe mit dem angebeteten Erlend Nikulaussohn durchgesetzt hat, führt Sigrid Undset die Geschichte in Die Frau fort. Gegen den Willen ihres geliebten Vaters Lavrans Bjørgulvssohn hat sich Kristin diese Ehe ertrotzt. Ihre voreheliche Schwangerschaft konnte dadurch gerade noch legitimiert werden. Der schlechte Ruf Erlends, der zuvor mit einer anderen Frau in unehelicher Gemeinschaft lebte, aus der zwei gemeinsame Kinder stammen, erholt sich durch Kristins sorgsames Haushalten und erfolgreiche Geschäfte ihres Mannes langsam. Weiterlesen “Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter Die Frau”

Helga Flatland – Zuunterst immer Wolle

Für die 67-jährige Anne ist es keine leichte Entscheidung, ihren stark pflegebedürftigen, dementen Ehemann Gustav in ein Pflegeheim zu geben. Zu sehr ist sie ihm noch emotional verbunden. Aber es liegen lange Jahre der Pflege bereits hinter ihr. Gustav war erst vierzig, als er den ersten Schlaganfall erlitt. Es folgten noch etliche weitere. Zunächst büßte er sein Sprachvermögen, dann motorische Fähigkeiten und schließlich auch noch Gedächtnis und Persönlichkeit ein. Zunehmend reagierte er auch aggressiv. Was für Anne nun trotz ihrer regelmäßigen Besuche im Pflegeheim eine Art Befreiung und Unabhängigkeit hätte werden können, durchkreuzt das Schicksal erneut aufs härteste. Bei ihr wird ein Darmtumor entdeckt, der bereits Metastasen gebildet hat. Anne wird sterben. Dass ihre Geschichte in Zuunterst immer Wolle dennoch keine deprimierende oder dunkle geworden ist, verdankt sich der pragmatischen, manchmal etwas ruppigen Art, mit der Helga Flatland ihre Protagonistin ausgestattet hat. Weiterlesen “Helga Flatland – Zuunterst immer Wolle”

Margaret Laurence – Eine Laune Gottes

Als 2020 anlässlich des geplanten Gastlandauftritts von Kanada der Roman Ein steinerner Engel  in neuer Übersetzung bei Eisele erschien, war ich nicht nur sehr begeistert, sondern auch sehr erstaunt, dass dieser großartige Text trotz zweimaliger Veröffentlichungen auch auf Deutsch (1965, 1988) hierzulande doch wenig Beachtung erhalten hat. Genauso verwunderlich ist, dass das nun ebenfalls bei Eisele erscheinende Eine Laune Gottes von Margaret Laurence bisher noch nicht einmal in deutscher Übersetzung vorlag. Nun hat ebenfalls Monika Baark diesen u.a. von Margaret Atwood hochgelobten und mit dem Govenor General´s Award, Kanadas renommiertestem Literaturpreis, ausgezeichneten Roman übertragen. Weiterlesen “Margaret Laurence – Eine Laune Gottes”

Jessica Lind – Mama

Jessica Lind - MamaJessica Lind – Mama

Verlagstext:

Amira wünscht sich ein Kind. Als sie schwanger wird, gesellen sich Ängste und Sorgen zu ihrer Vorfreude. Wie wird sie die Mutterschaft verändern? Ein Ausflug zur abgelegenen Waldhütte ihres Partners Josef bringt nicht die ersehnte Entspannung: Rätselhafte Begegnungen häufen sich, Raum und Zeit scheinen außer Kraft und Amira weiß nicht, ob sie ihrer Wahrnehmung noch trauen kann. Was ist Traum, was Realität? Zwischen tiefer Verunsicherung und inniger Mutterliebe beginnt ein Ringen um Selbstbehauptung und Unabhängigkeit – denn der Wald scheint seine Gäste ungern wieder freizugeben …

Jessica Lind wandelt in ihrem Debütroman stilsicher zwischen den Genrewelten. Was als klassische Beziehungsgeschichte beginnt, entfaltet Seite für Seite einen subtilen Horror. Lind taucht tief in die Psychologie der Protagonistin ein, spielt souverän mit dem Unheimlichen und entwickelt eine erzählerische Sogwirkung, die niemanden unberührt lässt. Weiterlesen “Jessica Lind – Mama”

Annie Ernaux – Das Ereignis

Annie Ernaux ist die Grande Dame der französischen Literatur, die Meisterin der soziologisch geprägten Autofiktion und darin Lehrmeisterin ihrer jüngeren Kollegen wie Didier Eribon oder Edouard Louis. Seit der Übersetzung ihres Buchs Die Jahre 2017 erlebt sie auch in Deutschland eine begeisterte Rezeption. Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht nach und nach ihr Werk in den wunderbaren Übersetzungen durch Sonja Finck. Nach dem Buch über einen sexuellen Übergriff in ihrer Jugend (Erinnerung eines Mädchens), ihrer Texte über die Eltern (Der Platz, Eine Frau) und über ihre eigene schambesetzte Loslösung von der Gesellschaftsschicht, aus der ihre Eltern stammen (Die Scham) erscheint nun ein im Original bereits 2000 erschienenes Memoir, das zugleich noch unerschrockener und  noch schmerzerfüllter als ihre bisher übersetzten Bücher ist. Annie Ernaux erzählt in Das Ereignis von einem Schwangerschaftsabbruch, den sie 1964 durchführen lassen hat. Weiterlesen “Annie Ernaux – Das Ereignis”