Sarah Jäger – Das Feuer vergessen wir nicht – Kurz vorgestellt

Frisch mit dem Jugendliteraturpreis für ihren vorigen Roman „Und die Welt, sie fliegt hoch“ (zusammen mit Illustratorin Sarah Maus) ausgezeichnet, legt Sarah Jäger mit Das Feuer vergessen wir nicht bereits ein neues Buch vor. Auf LiteraturReich ist die sogenannte Jugendliteratur eher die Ausnahme. Eine Ausnahme, die ich immer wieder gerne mache, denn Sarah Jäger besitz eine ganz großartige, authentische Sprache, schreibt wunderbare Dialoge schreibt und erzählt in jedem Buch eine sehr besondere Geschichte. Es sind Bücher, die vor Problemen und Konflikten nicht die Augen verschließen, und die dennoch auf eine stille Art glücklich machen. Weiterlesen „Sarah Jäger – Das Feuer vergessen wir nicht – Kurz vorgestellt“

Volker Kutscher Kat Menschik – Westend

Volker Kutschers grandiose Krimiserie um den Berliner Kommissar Gereon Rath, angesiedelt im Berlin der Jahre 1929 bis 1938, ist im vergangenen Jahr zu Ende gegangen. Zum Abschied „schenkt“ uns der Autor ein ganz besonderes kleines Büchlein. Schon zweimal hat er mit der Illustratorin Kat Menschik ein schmales, wunderbar bebildertes Ergänzungsbändchen zur Serie geschaffen. Moabit war eine Art Prequel, das die Geschichte von Charlotte Ritter, spätere Frau Rath erzählte. In Mitte wurden ergänzende Begebenheiten rund um die Olympiade 1936 geschildert, besonders die Liebesgeschichte von Adoptivsohn Fritze zur Jüdin Hannah stand dort im Mittelpunkt. Und in Westend nun erzählt uns Volker Kutscher, was mit den Hauptprotagonist:innen der Rath-Romane nach 1938 geschehen ist und Kat Menschik illustriert gewohnt stimmungsvoll. Weiterlesen „Volker Kutscher Kat Menschik – Westend“

Tanja Paar – Am Semmering

Der Semmering ist auch außerhalb Österreichs als Traditionsferienort bekannt. Der Semmeringpass verbindet die österreichischen Bundesländer Niederösterreich und Steiermark und ist damit die wichtigste Verbindung zwischen dem Großraum Wien und der Steiermark. Auf der Passhöhe liegt der Luftkurort Semmering, der um die Jahrhundertwende von der wohlhabenden Wiener Gesellschaft als Sommerfrischeziel entdeckt wurde. Die Semmeringbahn, die 1854 eröffnet wurde, brachte dem Ort einen enormen Aufschwung. Sie war eine der ersten Eisenbahnen, die durch die hochalpinen Berge führte. 2005 wurde sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Legendär ist auch das Grandhotel Panhans geworden. In neuerer Zeit ist Semmering für den alpinen Skisport bekannt und war schon mehrmals Austragungsort von Weltcuprennen. Tanja Paar geht mit ihrem wunderbaren Roman Am Semmering zurück in die Jahre 1928 bis Kriegsende. Weiterlesen „Tanja Paar – Am Semmering“

Katrina Tuvera – Die Kollaborateure – Kurz vorgestellt

In diesem Jahr sind die Philippinen Gastland bei der Frankfurter Buchmesse. Wie bei jedem Gastland werden zu diesem Anlass außergewöhnlich viele Übersetzungen ins Deutsch präsentiert. So auch zum ersten Mal ein Buch der Nationalpreisträgerin Katrina Tuvera, Die Kollaborateure. Darin erzählt die Autorin über die stark postkolonial geprägte Geschichte ihres Landes anhand einer Familie. Mehr als 300 Jahre unter spanischer Herrschaft, amerikanische Kolonie bis 1946, brutale Besatzung durch Japan im Zweite Weltkrieg – die Philippinen standen seit dem 16. Jahrhundert durchgehend unter Fremdherrschaft. Und rutschten nach der Unabhängigkeit 1946 von einer starken Abhängigkeit von den USA in die zunehmend diktatorische Herrschaft von Ferdinand Marcos und seinem Clan. Der durchschnittliche Lesende wird eher wenig Kenntnis über die philippinische Geschichte haben. Da ist das sachkundige Nachwort von Annette Hug sehr hilfreich. Ein bisschen Recherche im Internet kann auch nicht schaden. Weiterlesen „Katrina Tuvera – Die Kollaborateure – Kurz vorgestellt“

Julia Kelly – Das Geschenk des Meeres – Kurz vorgestellt

Im Debütroman Das Geschenk des Meeres von Julia R Kelly befinden wir uns im Jahr 1900 in dem kleinen schottischen Küstenort Skerry. Hier lebt man vom Fischfang, das Wetter ist rau und die See gefährlich und tückisch. An einem stürmischen Wintertag rettet der Fischer Joseph einen kleinen Jungen aus dem Meer und bringt dadurch Erinnerungen an einen dramatischen Tag vor fünfzehn Jahren wieder ins Bewusstsein der Dorfgemeinschaft, die dadurch ordentlich durcheinandergewirbelt wird. Weiterlesen „Julia Kelly – Das Geschenk des Meeres – Kurz vorgestellt“

Jean-Baptiste Andrea – Was ich von ihr weiß

2023 erhielt Jean-Baptiste Andrea, 1971 in Cannes geboren, für seinen Roman „Vieller sur elle“ den renommierten Prix Goncourt, jetzt ist dieser unter dem Titel Was ich von ihr weiß auch auf Deutsch erschienen. In einem breiten epischen Bogen erzählt der Autor das Leben des äußerst talentierten, kleinwüchsigen Bildhauers Michelangelo Vitaliani, genannt Mimo, von seiner Geburt 1904 bis zu seinem Sterben in einem italienischen Kloster im Jahr 1986. Weiterlesen „Jean-Baptiste Andrea – Was ich von ihr weiß“

Yulia Marfutova – Der Himmel vor hundert Jahren

Mit Der Himmel vor hundert Jahren schreibt Yulia Marfutova einen ganz erstaunlichen Debütroman und erzählt mit einer ganz eigenen Sprache über einen kleinem, abgelegenen russischen Ort zu Beginn des russischen Bürgerkriegs 1918, der erfahren muss, dass auch hier eine neue Realität Einzug hält. Weiterlesen „Yulia Marfutova – Der Himmel vor hundert Jahren“

Stephan Lohse – Johanns Bruder

Johanns Bruder ist der zweite Roman des Autors und Schauspielers Stephan Lohse. Gemeinhin gilt der zweite Roman immer als der schwierigste, besonders wenn das Debüt so viel Aufmerksamkeit erhielt und so gelungen war wie Ein fauler Gott von 2017. Stephan Lohse stellt sich der Herausforderung und wagt einiges. Zwar ist auch Johanns Bruder – der Name verrät es – eine Brüdergeschichte, diesmal packt der Autor aber noch eine schwere zeitgeschichtliche Last in seinen Text. Weiterlesen „Stephan Lohse – Johanns Bruder“

Steven Price – Der letzte Prinz

Giuseppe Tomasi, der letzte Fürst von Lampedusa, schrieb bereits im fortgeschrittenen Alter einen einzigen Roman. Dieser wurde zunächst von verschiedenen Verlagen, darunter dem renommierten Mondadori, abgelehnt und konnte erst nach dem Tod des Autors mit gerade einmal sechzig Jahren erscheinen. Entdeckt wurde er vom Schriftstellerkollegen Giorgio Bassani, der ihn in seiner Reihe „I Contemporanei“ 1958 bei Feltrinelli herausbrachte. Das war der Startschuss eines unglaublichen Welterfolgs, der durch die Verfilmung von  Luchino Visconti, 1963 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon starbesetzt, noch einmal Auftrieb erfuhr. Heute zählt er längst zu den ganz großen Klassikern der italienischen Literatur. Der Abgesang auf den sizilianischen Adel war dabei von Tomasi di Lampedusa  eigener Familiengeschichte geprägt. Der kanadische Autor Steven Price widmet dem Fürsten und der Entstehung von „Il gattopardo“ (dt Der Leopard) seinen Roman Der letzte Prinz. Weiterlesen „Steven Price – Der letzte Prinz“

Sebastian Barry – Tausend Monde

Paris im Henry County, Tennessee in den 1870er Jahren. Der Amerikanische Bürgerkrieg ist noch nicht lange beendet, die elf Südstaaten, die sich nach der Wahl des Sklavereigegners Abraham Lincoln zum Präsidenten von den Vereinigten Staaten abgespalten haben, sind besiegt. Die Sklaven wurden durch Verfassungszusätze zu freien Bürgern. Zumindest offiziell. Besonders in den ehemaligen Südstaaten schlägt ihnen aber immer noch roher Rassismus entgegen. Gleichzeitig ziehen immer noch marodierende Milizen, die von den Truppen der Konföderierten übriggeblieben sind, durchs Land. Vagabunden, die nach Kriegsende nicht wissen, wohin mit sich. Und die die Veränderungen im Staat nicht akzeptieren wollen. Hier siedelt Sebastian Barry seinen neuen Roman Tausend Monde an. Weiterlesen „Sebastian Barry – Tausend Monde“