Steven Price – Der letzte Prinz

Giuseppe Tomasi, der letzte Fürst von Lampedusa, schrieb bereits im fortgeschrittenen Alter einen einzigen Roman. Dieser wurde zunächst von verschiedenen Verlagen, darunter dem renommierten Mondadori, abgelehnt und konnte erst nach dem Tod des Autors mit gerade einmal sechzig Jahren erscheinen. Entdeckt wurde er vom Schriftstellerkollegen Giorgio Bassani, der ihn in seiner Reihe „I Contemporanei“ 1958 bei Feltrinelli herausbrachte. Das war der Startschuss eines unglaublichen Welterfolgs, der durch die Verfilmung von  Luchino Visconti, 1963 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon starbesetzt, noch einmal Auftrieb erfuhr. Heute zählt er längst zu den ganz großen Klassikern der italienischen Literatur. Der Abgesang auf den sizilianischen Adel war dabei von Tomasi di Lampedusa  eigener Familiengeschichte geprägt. Der kanadische Autor Steven Price widmet dem Fürsten und der Entstehung von „Il gattopardo“ (dt Der Leopard) seinen Roman Der letzte Prinz. Weiterlesen „Steven Price – Der letzte Prinz“

Zora del Buono – Die Marschallin

Zora del Buono schreibt über Zora Del Buono. Dabei ist die Groß- bzw. Kleinschreibung in der Mitte des Namens von Bedeutung. Denn die Großmutter Zora Del Buono, deren Lebensgeschichte die Schweizer Autorin des gleichen Namens vor ihrem Lesepublikum ausbreitet, die titelgebende „Marschallin“, ist überzeugte Kommunistin und jeder Adelsdünkel ihr, zumindest offiziell, ein Gräuel.

Nach einem kurzen Prolog beginnt der Roman 1919 in einem kleinen Dorf im Nordwesten Sloweniens, Bovec. Hier am Grenzfluss Isonzo ((italienisch), Soča (slowenisch), Sontig (deutsch), Lusinç (friaulisch) – je nach aktuellem Besatzer), fand die letzte von insgesamt zwölf Isonzoschlachten im Ersten Weltkrieg statt. Dank Einsatz von Giftgas konnten die Österreicher mit Unterstützung der Deutschen die Italienischen Truppen zurückdrängen. Die Schlachten forderten Hunderttausende an Toten und formten dieses Grenzgebiet nachhaltig. Weiterlesen „Zora del Buono – Die Marschallin“

Donna Leon – Geheime Quellen

Seit 1992 liefert Donna Leon pünktlich jedes Jahr einen neuen Roman mit ihrem charismatischen venezianischen Commissario Guido Brunetti. Und auch wenn die Autorin der Lagunenstadt seit Jahren schon der Rücken gekehrt hat und in der Schweiz lebt, weiß sie doch immer noch deren ganz besondere Atmosphäre einzufangen. In seinem 29. Fall schickt Donna Leon Brunetti durch ein von Touristen überfülltes, brütend heißes, sommerliches Venedig auf der Suche nach „Geheime Quellen“. Weiterlesen „Donna Leon – Geheime Quellen“

Esther Kinsky – Hain

Esther Kinsky beginnt ihren Roman Hain mit einer Tradition aus rumänischen Kirchen. Dort wird an verschiedenen Stellen für die Lebenden und die Verstorbenen gebetet. Viǐ und morțǐ. Stirbt ein Mensch, für den eine Kerze entzündet wurde, wird diese nach seinem Tod auf die andere Seite getragen.

Ein Bild für die Seelenverfassung der Ich-Erzählerin und für den Charakter des Erzählten. Es ist eine Zwischen-, eine Übergangszeit nach dem Tod des Lebenspartners, M., ein Hinübergehen von der Zeit der lebendigen Zweisamkeit zum Leben ohne ihn. „Hain“ ist ein Buch der Trauer. Weiterlesen „Esther Kinsky – Hain“

Donna Leon – Stille Wasser

Donna Leon – Stille Wasser: Commissario Brunetti-Romane zu lesen, ist ein wenig wie ein Familientreffen.

Seit nunmehr 25 Jahren erscheint pünktlich jedes Jahr ein neuer Band, zuverlässig wie Ostern und Weihnachten. Zeit genug, die Charaktere, die seltsam alterslos sind – aber ist das in Familien nicht auch so, dass Eltern, Tanten und schließlich auch man selbst gefühlt nicht altern?- in und auswendig kennenzulernen. Venedig, oder Donna Leons Bild von Venedig, sind dem Leser schon fast so vertraut wie der eigene Heimatort. Um das zu unterstützen, gibt der Diogenes Verlag wunderbare kleine Stadtpläne heraus: Venedig mit Donna Leon und es gibt sogar eigene Internetseiten, die die Spuren des Commissario in seiner Lagunenstadt verfolgen. Weiterlesen „Donna Leon – Stille Wasser“

Catherine Banner – Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner – Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner - Die langen Tage von CastellamareEs sind die alten Geschichten, über Generationen weitererzählt, die italienischen Volksmärchen mit ihrem magischen Ton, die den Arzt Amedeo Esposito faszinieren, die er in einer dicken Kladde sein ganzes Leben lang sammelt, die auch noch seine Nachkommen lange Zeit begleiten und die Catherine Banners Roman strukturieren.
Es sind schicksalhafte Erzählungen von der Inselheiligen Agata, von den geheimnisvollen Höhlen am Meer, voll mit alten Knochen und Gebeinen, von Königstöchtern und mutigen Fischern, den Fischern der Insel Castellamare irgendwo im weiten Meer vor Sizilien.
So entwickelt auch die Autorin eine im besten Sinne altmodische Familiengeschichte: in epischer Breite, mit einem allwissenden Erzähler, der all die Personen, die zwischen 1914 und 2009 auf der Insel leben, sterben, geboren werden, lieben, hoffen und verzweifeln in einem großen, wunderbar zu lesenden Epos vereinigt. Weiterlesen „Catherine Banner – Die langen Tage von Castellamare“