Santiago Amigorena – Kein Ort ist fern genug

Kein Ort ist fern genug, um dem Grauen der Judenverfolgung während der Nazidiktatur in Europa zu entkommen – das schildert Santiago Amigorena sehr eindrucksvoll in seinem autobiografisch geprägten, gleichnamigen Roman.

Es ist der Großvater des Autors, der Vorbild war für Vicente Rosenberg, Möbelhändler in Buenos Aires. Als Wincenty in Polen geboren, hat er schon lange keinen Bezug mehr zum Judentum. 1928 verließ er sein Heimatland, um in Argentinien ein neues, freieres Leben zu beginnen. Und auch ein klein wenig, um seiner besitzergreifenden Mutter zu entkommen. Dem Einvernehmen nach ist die jüdische „Mamme“ besonders fürsorglich, wenn nicht gar einengend. So war es für Wincenty auch ein Befreiungsschlag, als er hier in Buenos Aires als Vicente mit der temperamentvollen Rosita eine eigene Familie gründen konnte. Weiterlesen “Santiago Amigorena – Kein Ort ist fern genug”

Minka Pradelski – Es wird wieder Tag

Die Frankfurter Soziologin Minka Pradelski wurde 1947 im Lager für Displaced Persons in Zeilsheim geboren, in ihrem neuen Roman Es wird wieder Tag fügt sie der großen Geschichte der Shoah ein weiteres, persönliches Mosaiksteinchen hinzu. Sie erzählt von Überlebenden, deren Leidensweg weit über die Befreiung der Lager hinausgeht, die ihre Traumata in die Nachkriegszeit mitnehmen und an die Nachfolgegenerationen weitervererben. Gerade weil sie diese davor schützen wollen. Durch Schweigen. Weiterlesen “Minka Pradelski – Es wird wieder Tag”

Maxim Biller – Sechs Koffer

Kann man einen Text völlig losgelöst von seinem Autor lesen, sobald man diesen kennt, sei es durch eigene Begegnungen beispielsweise auf Lesungen, sei es durch Medienpräsenz, durch Interviews, Kolumnen? Vielleicht sollte man das können, mir gelingt es meist nicht. Und so sitzt bei der Lektüre des schmalen Romans „Sechs Koffer“ sein Verfasser, der spätestens durch seine pointierte Beteiligung am „Literarischen Quartett“, aber auch durch etliche Beiträge im Feuilleton bekannte Maxim Biller, neben mir auf dem Sofa, sein charakteristisches Lächeln auf dem Gesicht und schaut mir über die Schulter. „Nun“, scheint er mich zu fragen, „was sagt ihr jetzt?“ Denn nach den fast überall negativen Besprechungen, die sein 900 Seiten starker Roman „Biografie“ vor zwei Jahren erhielt, legt der brillante Maxim Biller mit „Sechs Koffer“ einen diametralen Text vor. Vielleicht gar ein wenig trotzig, denn die Kritik an seinem „Opus magnum“ hat sicher geschmerzt. Und siehe da: die Herzen von Kritik und Lesern fliegen diesem schmalen Buch zu, es erreicht sogleich die Shortlist des Deutschen Buchpreis und hat gar nicht so schlechte Chancen auf den Gewinn. Weiterlesen “Maxim Biller – Sechs Koffer”