Franziska Hauser – Die Glasschwestern

Drei Schwestern, die völlig verschieden sind. Zwei davon sind Zwillinge, die dritte deutlich jünger und besitzt – im Verlauf des Buches deutet sich so etwas an – vielleicht einen anderen Vater. Ein Familiengeheimnis und dazu noch ein wenig dunkle DDR-Geschichte – leider geht das Konzept von „Die Glasschwestern“ von Franziska Hauser für mich nicht auf. Weiterlesen „Franziska Hauser – Die Glasschwestern“

Alexandra Riedel – Sonne, Mond, Zinn und Jacqueline Thör – Nenn mich einfach Igel

Zwei schmale Debütromane von deutschen Autorinnen. Die 1980 geborene Alexandra Riedel schreibt über entgangene Elternliebe und Geborgenheit in „Sonne, Mond, Zinn“. Jacqeline Thör wählt als Protagonist einen jungen Hermaphrodit. Weiterlesen „Alexandra Riedel – Sonne, Mond, Zinn und Jacqueline Thör – Nenn mich einfach Igel“

Jasmin Schreiber – Marianengraben

Paula trauert. Paula hat ihren kleinen Bruder verloren. Tim war zehn Jahre alt und ein angehender Meeresforscher, Tiefseeexperte und Wissenschaftler. Nichts liebte er mehr als Fische, Kraken und das Meer. Ausgerechnet in letzterem sollte er dann in einem Sommerurlaub den Tod finden. Paula war nicht mitgereist, ein Rockkonzert war wichtiger. Zu ihrer bodenlosen Trauer um den innig geliebten, viel jüngeren Bruder kommen deshalb Vorwürfe und Schuldgefühle. Hätte sie ihren Bruder vor dem Ertrinken bewahren können? War Tims letzter Gedanke etwa: „Paula, rette mich!“ Jasmin Schreiber lässt in ihrem Debütroman „Marianengraben“ die junge Frau ganz allmählich aus ihrem seelischen Abgrund auftauchen. Kapitel für Kapitel, aus 1100 Metern Tiefe bis an die Oberfläche. Weiterlesen „Jasmin Schreiber – Marianengraben“

Nadine Schneider – Drei Kilometer

Nadine Schneider gewinnt mit „Drei Kilometer“ den Bloggerpreis für Literatur „Das Debüt“ 2019. Und das völlig zu Recht. In ihrem schmalen Roman erzählt sie leise, poetisch und völlig unsentimental eine berührende Geschichte. Weiterlesen „Nadine Schneider – Drei Kilometer“

Miku Sophie Kühmel – Kintsugi

2019 war ein Erfolgsjahr für die Debütantin Miku Sophie Kühmel: für ihren Roman „Kintsugi“ erhielt sie den Förderpreis der Jürgen Ponto Stiftung, den Aspekte Literaturpreis und einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreis. Was machte das Buch trotz recht verhaltener Kritiken im Literaturfeuilleton so attraktiv für die Juroren? Weiterlesen „Miku Sophie Kühmel – Kintsugi“

Tommi Kinnunen – Das Licht in deinen Augen

„Das Licht in deinen Augen“ des finnischen Autors Tommi Kinnunen ist die Fortsetzung des auch in Deutschland sehr erfolgreichen Familienromans „Wege, die sich kreuzen.“ Aber auch ohne diesen zu kennen (mir ging es so) kann man das Buch ohne Probleme lesen. Am Ende wird man sich aber wünschen, auch die Vorgeschichte zu kennen. Weiterlesen „Tommi Kinnunen – Das Licht in deinen Augen“

Deniz Utlu – Gegen Morgen

Besitzt das Leben einen abnehmenden Grenznutzen? Das ist eine der Fragen, die sich der Protagonist in  „Gegen Morgen“, dem neuen Roman von Deniz Utlu, stellt.

„Existiert ein Punkt im Leben, an dem ein betrachtetes Individuum das Leben satt hat, weil zusätzliche Lebenseinheiten kaum mehr einen zusätzlichen Nutzen bringen?“

Eigentlich soll Kara, 32, studierter Volkswirt in Berlin, für eine Versicherungsgesellschaft die „erwartbaren Kosten eines Lebens“ berechnen. Gedacht, um Versicherungssummen besser kalkulieren zu können, trifft diese Aufgabe Kara gerade an einem heiklen Punkt seines eigenen Lebens. Er scheint in einer existentiellen Sinnkrise zu stecken, viele wichtige Fragen, die sich in diesem Alter verstärkt stellen, die nach der Familienplanung, die nach der beruflichen Zukunft oder auch nur die des zukünftigen Wohnorts, scheinen für Kara in der Schwebe zu hängen. Weiterlesen „Deniz Utlu – Gegen Morgen“

Nino Haratischwili – Die Katze und der General

„Wie kommt der Krieg in den Menschen“, so könnte man sich an einem anderen Titel der Buchpreislonglist, der ansonsten nichts mit dem 760 Seiten starken Roman von Nino Haratischwili gemein hat und es zu meinem Bedauern auch nicht auf die Shortlist geschafft hat, bedienen, um das Hauptthema von „Die Katze und der General“ zu beschreiben.
Was macht der Krieg mit den Menschen, die ihn erleiden? Aber auch mit denen, die ihn führen? Was geschieht in den sogenannten „rechtsfreien Räumen“ mit den in ihnen Agierenden? Was bedeutet und wie geht man um mit Schuld? Und was ist Sühne? Kann es sie überhaupt geben? Und wie könnte sie aussehen? Weiterlesen „Nino Haratischwili – Die Katze und der General“

Kamila Shamsie – Hausbrand

Kamila Shamsie – Hausbrand:

 

„Die wir lieben…sind Feinde des Staates.“

    Sophokles – Antigone

 

Schon im Motto ihres Romans „Hausbrand“ erzählt die britisch-pakistanische Autorin Kamila Shamsie eigentlich die ganze Geschichte.

„Homefire“ im Original trifft es, wie so oft genauer, denn es ist nicht das Haus, das hier brennt, sondern das Heim, die Familie, die Heimat, der Westen, Großbritannien. Und die große, klassische Geschichte, die hier neu gefasst wird, ist die der Antigone. Weiterlesen „Kamila Shamsie – Hausbrand“

Brit Bennett – Die Mütter

Brit Bennett – Die Mütter

„Aubrey fragte sich, ob sie die Einzigen waren, die das Gefühl hatten, ihre Mütter nicht zu kennen. Vielleicht waren Mütter an sich unermesslich und unmöglich zu kennen.“

Mit „Die Mütter“ schrieb die junge amerikanische Autorin Brit Bennett gleich mit ihrem Debüt einen Roman, der es auf die New York Times Bestsellerliste schaffte. Die dunkelhäutige Kalifornierin ließ ihn in ihrer Heimatstadt Oceanside im San Diego County spielen. Und auch ihr Studienort Ann Arbour in Michigan ist Schauplatz der Geschichte. Sie begann bereits mit 17 Jahren, daran zu schreiben, neun Jahre später wurde er veröffentlicht. Und die Hauptprotagonistin ist ebenfalls 17 Jahre alt. Aber auch wenn sicher viele persönliche Erfahrungen eingeflossen sind, ist es doch kein autobiografischer Roman, hat Bennett, die aus gutbürgerlichem Haus stammt – der Vater war der erste schwarze Staatsanwalt der Stadtverwaltung –  doch einen ganz anderen familiären Hintergrund als die Figur der Nadia Turner. Weiterlesen „Brit Bennett – Die Mütter“