Nadia Bozak – Der Junge

Die kanadische Autorin Nadia Bozak arbeitet an einer Trilogie namens Border Trilogy. Manch einer mag da aufhorchen. Ja, es gibt eine gleichnamige Romanserie des amerikanischen Autors Cormac McCarthy: Alle hübschen Pferde, Der Grenzgänger und Land der Freien. Ähnlichkeiten und Bezüge sind offensichtlich. Mit Der Junge wird nun der zweite Teil dieser (geplanten) Trilogie von Nadia Bozak auch auf Deutsch veröffentlicht. Weiterlesen “Nadia Bozak – Der Junge”

Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel

Auch in diesem Jahr ist ein Gastlandauftritt von Kanada auf der Frankfurter Buchmesse zumindest geplant. Inwieweit die Messe dann tatsächlich stattfinden kann und auch ein Besuch kanadischer Verlage und Autoren möglich sein wird, wagt man im Moment kaum vorherzusagen. Literatur aus Kanada sollte aber unabhängig von den durch die Pandemie diktierten Bedingungen auf jeden Fall in den Fokus rücken. Bereits im letzten Jahr gab es eine ganze Reihe spannender Neuerscheinungen und 2021 steht dem in nichts nach. Eine davon ist Der gefrorene Himmel von Richard Wagamese. Weiterlesen “Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel”

Aude – Das Wanderkind

Das wunderbare an Gastlandauftritten bei der Frankfurter Buchmesse, ob sie nun stattfinden oder nicht, ist, dass Literatur aus diesen Ländern Beachtung findet, die es ansonsten vielleicht schwer hätte, übersetzt zu werden. In den vergangenen Jahren habe ich dadurch schon zahlreiche literarische Entdeckungen gemacht. 2020 und 2021 stand und steht Kanada im Fokus der Aufmerksamkeit und ich habe mich schon durch einige sehr schöne Romane hindurchgelesen. Ganz neu erschienen ist bei Alfred Kröner ein schmales Buch aus dem Jahr 1998 von der frankokanadischen Schriftstellerin Aude, Das Wanderkind. Weiterlesen “Aude – Das Wanderkind”

Steven Price – Der letzte Prinz

Giuseppe Tomasi, der letzte Fürst von Lampedusa, schrieb bereits im fortgeschrittenen Alter einen einzigen Roman. Dieser wurde zunächst von verschiedenen Verlagen, darunter dem renommierten Mondadori, abgelehnt und konnte erst nach dem Tod des Autors mit gerade einmal sechzig Jahren erscheinen. Entdeckt wurde er vom Schriftstellerkollegen Giorgio Bassani, der ihn in seiner Reihe “I Contemporanei” 1958 bei Feltrinelli herausbrachte. Das war der Startschuss eines unglaublichen Welterfolgs, der durch die Verfilmung von  Luchino Visconti, 1963 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon starbesetzt, noch einmal Auftrieb erfuhr. Heute zählt er längst zu den ganz großen Klassikern der italienischen Literatur. Der Abgesang auf den sizilianischen Adel war dabei von Tomasi di Lampedusa  eigener Familiengeschichte geprägt. Der kanadische Autor Steven Price widmet dem Fürsten und der Entstehung von „Il gattopardo“ (dt Der Leopard) seinen Roman Der letzte Prinz. Weiterlesen “Steven Price – Der letzte Prinz”

Brian Moore – Schwarzrock

Bereits 1985 erschien „Schwarzrock“ des 1921 in Belfast geborenen, in Kanada und den USA lebenden und dort in Malibu 1999 verstorbenen Brian Moore im Original. Und 1987 auf Deutsch bereits im Diogenes Verlag. Von Moores zwanzig Romanen wurden fünf verfilmt und auch sonst gilt Moore als einer der erfolgreichsten Autoren im angloamerikanischen Raum. Hier in Deutschland ist er ein wenig in Vergessenheit geraten. Sein Stammverlag Diogenes führt nur noch drei seiner Titel als Printausgaben. Darunter nun diese Neuerscheinung, die wir nicht nur dem Gastlandauftritt Kanadas zu den Frankfurter Buchmessen, sondern auch dem bevorstehenden hundertsten Geburtstag Moores am 21. August 2021 zu verdanken haben. Weiterlesen “Brian Moore – Schwarzrock”

Éric Plamondon – Taqawan

Kanada war und ist Gastland der Frankfurter Buchmesse, Dank Corona sowohl 2020 als auch 2021. „Singular Plurality“ ist das Motto, die einzigartige Vielfalt, die die Veranstalter in den Mittelpunkt ihres Auftritts stellen möchten. Die Gleichberechtigung zweier Amtssprachen – Englisch und Französisch -, die vorbildlich erscheinende Einwanderungspolitik (rund ein Fünftel der Kanadier ist neueren Zahlen zufolge im Ausland geboren worden) und die Vielfalt an indigenen Völkern schafft diese Pluralität, die sich offiziell dadurch auszeichnen soll, die Individualität aller friedlich nebeneinander koexistieren zu lassen. Das dies zumindest nicht immer so reibungslos vonstattenging, kann man im neuen Roman von Éric Plamondon, Taqawan, nachlesen. Weiterlesen “Éric Plamondon – Taqawan”

Margaret Laurence – Der steinerne Engel

Eine 90jährige – am Ende ihres Lebens. Das könnte eine Geschichte voller Wehmut werden, ein Roman vom Abschied, ein Rückblick auf ein erfülltes Leben oder eines voller Enttäuschungen und verpasster Chancen – melancholisch, traurig oder auch versöhnlich. Wenn, ja wenn Margaret Laurence in Der steinerne Engel nicht Hagar Shipley zur Hauptfigur gemacht hätte. Denn Hagar ist, hier passt der altmodische Ausdruck perfekt, eine richtige Kratzbürste. Weiterlesen “Margaret Laurence – Der steinerne Engel”

Sarah Leipciger – Das Geschenk des Lebens

Das Geschenk des Lebens – um seine Fragilität drehen sich die drei Handlungsstränge im neuen Roman der Kanadierin Sarah Leipciger, der erste der mit ihrer Familie in London lebenden Autorin, der auf Deutsch vorliegt.

Drei Geschichten, drei Protagonist:innen, drei ganz unterschiedliche Handlungszeiten, Handlungsorte und Erzählperspektiven. Und viele Verknüpfungspunkte. So geht es in allen drei Geschichten um das, was das Geschenk des Lebens erst möglich macht, um das Atmen, das Luftholen, aber auch um das Gegenteil, das Ersticken, das Ertrinken und im Zusammenhang damit um das Element Wasser, in dem ein Atmen für uns nicht möglich ist. Coming up for air – so der englische Originaltitel. Weiterlesen “Sarah Leipciger – Das Geschenk des Lebens”

Madeleine Thien – Sag nicht wir hätten gar nichts

„Die Internationale“, jenes „Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung“, das die Einheit der Arbeiter über alle Ländergrenzen hinweg beschwört, existiert selbst in unzähligen nationalen Textfassungen, die voneinander jeweils nicht unerheblich abweichen können. Ursprünglich stammt der Text von Eugène Pottier, der ihn 1871 nach dem Fall der Pariser Kommune verfasste. In der bekanntesten deutschen Version von 1910 heißt es, neben der allseits bekannten Zeile „Völker hört die Signale, Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht“, am Ende der ersten Strophe: „Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger/Alles zu werden, strömt zuhauf!“ (im Original: „Nous ne sommes rien, soyons tous“). In ihrer chinesischen Version wird daraus, in der englischen Übertragung, „Do not say we have nothing, we shall be the masters of the world“. Von hier stammt der Titel des große Romans von Madeleine Thien über mehr als sechzig Jahre chinesische Geschichte – Sag nicht wir hätten gar nichts – dankenswerter Weise in der deutschen Ausgabe beibehalten. Weiterlesen “Madeleine Thien – Sag nicht wir hätten gar nichts”