James Baldwin – Giovannis Zimmer

Zum ersten Mal begegnete ich James Baldwin im Radio. Auf SWR2 lief ein Feature über einen afro-amerikanischen Schriftsteller, der Anfang der 1950er Jahre in einem kleinen Dorf im Schweizer Kanton Wallis auftauchte und die dort lebenden Menschen in einiges Staunen versetzte. „Wie ein Schaf in der Wüste: Als Baldwin die Schweiz besuchte“ nannten die Autoren Rolf Hermann und Michael Stauffer ihren Beitrag von 2011. Damals begann die Wiederentdeckung eines der wichtigsten US-amerikanischen Autoren, der in seinem Heimatland zwar ein Klassiker, aber doch ein wenig vergessen war. Nicht zuletzt die Wahl von Barack Obama, der James Baldwin als eine seiner Leitfiguren nannte, aber auch das Wiedererstarken der Bürgerrechtsbewegung in Zuge von „Black lives matter“ verschaffte seinem Werk erneut Aufmerksamkeit. Auch in Deutschland war die auf dem unvollendeten Manuskript „Remember This House“ beruhende filmische Collage von Raoul Peck (2017), in der er dem weißen Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft nachspürt, ein großer Erfolg. „I´m not your negro wurde vielfach ausgezeichnet und Oscar nominiert. Seit 2018 erscheinen bei DTV hervorragende Neuübersetzungen der Werke von James Baldwin, zuletzt „Giovannis Zimmer“. Weiterlesen „James Baldwin – Giovannis Zimmer“

Cora Sandel – Café Krane

Die 1880 als Sara Cecilie Margarete Gørvell Fabricius in Christiania geborene und in Tromsø aufgewachsene Schriftstellerin Cora Sandel kennt kaum eine Leser*in hier in Deutschland. In ihrem Heimatland gehört sie allerdings zu den ganz großen Autorinnen, den Klassikern. Auf Deutsch wurde in den 1960er Jahren im Schweizer Rascher Verlag ihre als Hauptwerk geltende Alberte-Trilogie veröffentlicht. Anlässlich des Gastlandauftritts Norwegens zur Frankfurter Buchmesse 2019 erschien nun ein anderes Werk von Cora Sandel: Café Krane. Weiterlesen „Cora Sandel – Café Krane“

Giuseppe Tomasi di Lampedusa – Der Leopard

Ein italienischer Klassiker, ja als „Jahrhundertroman“ gilt das 1958, ein Jahr nach dem Tod des Autors erschienene erste und einzige Buch von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, „Der Leopard“. Und das, obwohl es zuvor von den bedeutenden Verlagshäusern Italiens abgelehnt wurde und erst der Schriftsteller und damalige Lektor von Feltrinelli Giorgio Bassani seinen Wert erkannte.

Es waren die tief im 19. Jahrhundert verankerte Thematik und Erzählweise, die zu einer Zeit, in der man eher von der Avantgarde fasziniert war, von der Moderne, dem Experimentellen, wenig Interesse weckte. Beim Publikum wurde der Roman allerdings gleich ein großer Erfolg und 1963 von Luchini Visconti legendär mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon verfilmt. Weiterlesen „Giuseppe Tomasi di Lampedusa – Der Leopard“