Inger-Maria Mahlke – Archipel

Das Archipel der Kanaren ist ein Ort im Abseits. Die sieben Hauptinseln liegen zwischen 100 und 500 Kilometer vor der Küste Nordwestafrikas, zu dem sie geologisch gehören, sind aber als eine von 17 Autonomen Gemeinschaften Teil des fast 1500 Kilometer entfernten Mutterlandes Spanien. So ein Blick vom Rand ermöglicht manchmal einen genaueren, präziseren Blick. Inger-Maria Mahlke legt ihn mit Archipel vor.

Diesen Blick hat die 1977 in Hamburg geborene Inger-Maria Mahlke auch als deutsche Schriftstellerin, wenn sie auf die Geschichte Teneriffas, der größten und bevölkerungsreichsten der Inseln, blickt. Dennoch ist es nicht der Blick der Zugereisten, gar der Touristin, denn Mahlke hat kanarische Wurzeln. Ihre Mutter stammt aus der geschichtsträchtigen ehemaligen Inselhauptstadt San Cristóbal de La Laguna, wo auch die Geschichte um mehrere Familien in „Archipel“ angesiedelt ist. Sie führt uns durch fast einhundert Jahre Inselhistorie, die immer auch spanische und letztlich europäische Historie ist. Ein im deutschsprachigen Roman eher abseitiges Thema, das aber so spannend dargebracht wird, dass es die Autorin damit auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreis geschafft hat, der am Montag verliehen wird. Weiterlesen „Inger-Maria Mahlke – Archipel“

Deborah Levy – Heiße Milch

Deborah Levy schafft von Beginn an eine sehr eindrückliche, sehr sinnliche Atmosphäre für ihren neuen Roman „Heiße Milch“, der 2016 auf der Shortlist des Man Booker Prize stand.„2015. Almería. Südspanien. August.“Sogleich entstehen Kinobilder im Kopf des Lesers, die man sich sehr gut auf großer Leinwand vorstellen kann: die flirrende Hitze, die ausgedörrte Landschaft am Fuße der Sierra Nevada, die sich kilometerlang hinziehenden Gewächshausfolien, unter denen Tomaten und anderes Gemüse heranreifen.

In diese Landschaft stellt die Autorin ein kleines Ferienhaus, in dem zwei Britinnen untergebracht sind, Mutter und erwachsene Tochter. Die Atmosphäre ist aufgeladen und ein wenig surreal. Nebenan ist eine Tauchschule, an der jeden Morgen zwei Mexikaner herumweißeln, während der cholerische Inhaber am Computer spielt und sein auf dem Dach angeketteter Hund sich die Seele aus dem Leib bellt. Weiterlesen „Deborah Levy – Heiße Milch“

Alexander Gorkow – Hotel Laguna

„Tourismus“ ist mittlerweile ein fast schon negativ besetztes Wort, besonders wenn es mit dem Präfix „Massen“ daherkommt. Dabei war es nach dem Zweiten Weltkrieg die Erfüllung der großen Sehnsucht so vieler Deutschen, sich mit dem eigenen kleinen Auto oder, je nach Geldbeutel, mit dem Flugzeug, gen Süden zu bewegen, hin zur Sonne, zur Wärme, aber auch zu mehr Leichtigkeit und Lässigkeit im Umgang mit dem Leben. Fort von den Mühen und Sorgen des Wirtschaftswunders, raus aus dem „grauen Alltag“.  Auch heute noch zählen, bei allen Veränderungen beim Reisen, die „schönsten Wochen des Jahres“ für viele Menschen zu den unverzichtbarsten Dingen im Leben. Diese Veränderungen sind ein Thema in„Hotel Laguna Meine Familie am Strand“ von Alexander Gorkow. Weiterlesen „Alexander Gorkow – Hotel Laguna“

Verena Boos – Blutorangen

Verena Boos – Blutorangen

Verena boos BlutorangenWie geht man mit der eigenen Vergangenheit um, besonders wenn sie dunkle Flecken aufweist? Wie geht man mit eigener Schuld um? Wie begegnet man den Menschen, denen man Unrecht getan hat? Ein schwieriges Thema.
Schicksalhafte Dimensionen erreicht es, wenn ganze Staaten, ganze Völker davon betroffen sind. Wie lange der Prozess der Aufarbeitung oder gar Versöhnung dauert, sieht man immer wieder. Südafrika, Kambodscha, Ruanda oder, näher, der Balkan, sind nur einige Beispiele dafür.
Eine offene, ehrliche Auseinandersetzung scheint uns dabei das Wichtigste. Wie schwer dies ist, selbst für eine unserer westlichen Demokratien, sieht man am Beispiel Spaniens. Weiterlesen „Verena Boos – Blutorangen“