Almudena Grandes – Kleine Helden

Es sind kleine Helden, oder oft auch die kleinen Heldinnen, von denen die spanische Autorin Almudena Grandes erzählt. Diejenigen, die ihr Leben trotz aller Widrigkeiten jeden Tag von Neuem stemmen, manchmal maulend, manchmal laut zeternd, aber immer wieder dafür sorgen, dass es irgendwie weiter geht, die Kinder in die Schule, das Essen auf den Tisch kommen und darüber hinaus aber auch nicht die Gemeinschaft vergessen wird. Denn darum geht es Almudena Grandes in ihrem unterhaltsamen, leichten, bunten, aber nicht trivialen Roman: um Solidarität. Weiterlesen „Almudena Grandes – Kleine Helden“

Jaume Cabré – Eine bessere Zeit

Vor etwas mehr als zehn Jahren erschien der Roman „Die Stimmen des Flusses“ auf Deutsch. Ein großangelegtes katalanisches Epos, das die spanische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ebenso gekonnt ins Visier nahm wie die menschlichen Verstrickungen in einem Dorf tief in den katalanischen Pyrenäen. Der Autor Jaume Cabré, Jahrgang 1947 und vielfach ausgezeichnet, schuf damit ein Meisterwerk, nun erschien ein „neues“ Werk auf Deutsch, das sich bei genauerem Hinsehen aber als ein bereits 1996 im Original erschienenes erweist, „Eine bessere Zeit“.

Und wenn auch so manches, das in den „Stimmen“ so überwältigte, auch hier angelegt ist – die virtuose Konstruktion, die Zeit- und Perspektivensprünge, die Personen- und Detailfülle, die vielfältigen Reminiszenzen -, kommt dieser Roman doch leider nicht an den Nachfolger heran. Dieser vereinte Familienepos, historischen Roman und Polit-Thriller auf kunstvolle und überzeugende Weise, war gleichzeitig erschütternde Erinnerung an die blutigen Zeiten des Spanischen Bürgerkriegs. Weiterlesen „Jaume Cabré – Eine bessere Zeit“

Fernando Aramburu – Patria

Für Fernando Aramburu ist „Patria“, Heimat, „Euskal Herria“, das Land der Basken. Viele können es vielleicht gerade noch geografisch einordnen, dort am westlichen Rand der Pyrenäen, mit San Sebastian und Bilbao als bekannte Städte. Manch einer weiß, dass es sich sowohl über Spanien als auch über Frankreich erstreckt; die Baskenmütze kennt natürlich jeder, aber wie ist es mit den Pintxos, diesen leckeren Happen, die man im Baskenland überall in den Restaurants gereicht bekommt, oder mit dem Pelota, jenem an Squash erinnernden Rückschlagspiel? Auch dass die baskische Sprache nichts mit der spanischen, ja mit gar keiner anderen europäischen Sprache, gemein hat, also eine der sogenannten „isolierten“ Sprachen (mit unglaublich vielen X) ist, ist nicht vielen bekannt.

Wer ein wenig älter ist, verbindet mit dem Baskenland allerdings auch jene Form des politischen Terrors, die in den 1970er und 1980er Jahren ihren blutigen Höhepunkt erreichte und gerne von Drei-Buchstaben-Organisationen verübt wurde, seien es die RAF, die IRA oder eben die ETA, die Euskadi Ta Askatasuna – Baskenland und Freiheit. Weiterlesen „Fernando Aramburu – Patria“

Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz

Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz

Rafael Chirbes - Paris-AusterlitzAm 15. August 2015 starb der spanische Autor Rafael Chirbes im Alter von 66 Jahren.

Chirbes war nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller seines Landes, er war auch einer der schärfsten Analytiker der spanischen Gesellschaft seit den Zeiten des Bürgerkriegs.

1990 erschien sein erster Roman, „Mimoun“, auf Deutsch. Und zeitweise war Rafael Chirbes in Deutschland erfolgreicher als in seinem Heimatland.

Mit diesem ging er stets hart ins Gericht, thematisierte immer wieder, dass Spanien seine Vergangenheit nie offen aufgearbeitet hat, die durch den Bürgerkrieg entstandenen Gräben nur locker zugeschüttet wurden. Auch mit der Nachkriegsgesellschaft kannte er kein Pardon. Die Verlogenheit, der Materialismus der Mittel- und Oberschicht, besonders auch das Umgehen mit dem Wirtschaftsboom und dann der Wirtschaftskrise, in der immer nur die „Kleinen Leute“ die Verlierer waren, vor allem auch die Immobilienblase, die in Spanien besonders ausgeprägt war, waren ihm als altem „Linken“ ein Dorn im Auge. Weiterlesen „Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz“