Berlin Schöneberg, Ende der 1990er Jahre. Ein alte Frau, leicht abgerissen, mit schlohweißem, verfilztem Haar und abgetretenen Pantoffeln läuft durch den Kiez und scheint überall bekannt und beliebt zu sein. Shelly Kupferberg, die dort selbst nach einer Wohnung sucht, fällt diese Frau auf. Obdachlos? In dem Alter? Sehr bald erfährt sie, dass die Frau Martha heißt und millionenschwere Hausbesitzerin sein soll. Gerüchte sagen ihr nach, das Vermögen im Krieg durch eine Affäre mit einem ranghohen Nazi erschlichen zu haben. Die Neugier der Journalistin Shelly Kupferberg, die Jahre später an einem Buch schreibt über ihren reichen Urgroßonkel Isidor, Kommerzialrat, Berater des österreichischen Staates, Multimillionär und Kunstsammler, der 1938 von den Nationalsozialisten enteignet, verfolgt und in den Tod getrieben wurde, ist geweckt. Mit Stunden wie Tage schreibt Shelly Kupferberg nun die berührende Geschichte von Martha auf. Es ist auch eine großartige Berlingeschichte. Weiterlesen „Shelly Kupferberg – Stunden wie Tage – Kurz vorgestellt“
Schlagwort: Judenverfolgung
Vladimir Vertlib – Der Jude der Kaiserin
Wien im November 1668. Die 17-jährige Kaiserin Margarita Teresa hat ihr erstes Kind Ferdinand Wenzel mit nur einem Jahr verloren. Nun lastet der Druck auf der jungen Frau, möglichst schnell einen neuen Thronfolger auf die Welt zu bringen. Leopold I., ihr Gatte, ist gleichzeitig ihr Onkel (Margaritas Mutter ist dessen ältere Schwester) und Cousin (Margaritas Vater, König Philipp IV. von Spanien und Leopolds Vater, Kaiser Ferdinand III., sind Brüder). Um den Besitz im eigenen Haus zu halten, heiratet der spanische Zweig der Habsburger jahrhundertelang innerhalb der Familie, was zu schweren genetischen Defekten und schließlich zum Aussterben der Linie führt. Direkt danach bricht der spanische Erbfolgekrieg aus. Zunächst einmal ruht aber die Hoffnung auf der jungen Kaiserin, noch einen gesunden Thronfolger zur Welt zu bringen. Vladimir Vertlib stürzt sich mit seinem spannenden, vielschichtigen Historienroman Der Jude der Kaiserin in diese Zeit. Weiterlesen „Vladimir Vertlib – Der Jude der Kaiserin“
Marko Dinić – Das Buch der Gesichter
Das Buch der Gesichter von Marko Dinic war unter den für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominierten Romanen mit 464 Seiten der weitaus umfangreichste und sowohl inhaltlich als auch formal sicher auch einer der anspruchvollsten. In acht stilistisch unterschiedlichen Kapiteln aus verschiedenen, sich ergänzenden oder auch widersprechenden Perspektiven werden die Ereignisse an einem ganz bestimmten Tag erzählt.
Es ist ein Sommertag im Jahr 1942 in Belgrad oder genauer gesagt im bis nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängigen Vorörtchen Zemun. Kein x-beliebiger Sommertag, sondern der Tag, an dem Serbien vom SS-Standartenführer Emanuel Schäfer, Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Serbien, für „judenfrei“ erklärt wurde. Serbien war damit der erste Staat im damaligen Dritten Reich, der von sich behauptete, die „Endlösung der Judenfrage“ erreicht zu haben. Angesichts der neuerlichen Bestrebungen, Geschichtsrevisionismus zu betreiben, nicht nur, aber gerade auch in Serbien, und das Gedenken an die Zeit des Nationalsozialismus zu schönen oder zu unterdrücken, ist Das Buch der Gesichter nicht nur ein historisch wichtiges, sondern sehr aktuelles Buch. Weiterlesen „Marko Dinić – Das Buch der Gesichter“


