Der Debütroman der jungen Schriftstellerin Nefeli Kavouras Gelb, auch ein schöner Gedanke trägt nicht nur einen der zauberhaftesten (und rätselhaftesten) Titel, sondern ist auch ein absolut skurriles, im besten Sinne seltsames Stück Literatur. Es beginnt mit der Beerdigung von Georg, der so beschrieben wird:
„Wir denken darüber nach, was Georg alles war. Ein Vater, ein Ehemann, ein Architekt, Pflegestufe vier, ein anderes Wesen, ein sterbender Ewignichtsterbender, ein Tier, ein Unmensch, ein tröstliches Gemüt.“
Georg stirbt. Er stirbt lange. Vor acht Jahren erlitt der Familienvater seinen ersten Schlaganfall, dem weitere und weitere Komplikationen folgten. Jetzt macht man ihm, seiner Frau Ruth und seiner Teenagertochter Lea keine Hoffnung mehr und möchte ihn in ein Hospiz überweisen. Doch Ruth entscheidet sich für die Pflege zuhause. Eine fordernde Entscheidung. Fortan bestimmt die Care-Arbeit das Leben der Familie und führt zu einer immensen Überforderung. Ruth, die sich fast obsessiv in die Pflege ihres Mannes stürzt, kommt an ihre Grenzen. Aber auch Lea, einst ein absolutes Papa-Kind, steht in ihrer sensiblen Lebensphase durch das sich dahinziehende Sterben ihres Vaters völlig am Limit. Sie entfremdet sich ihrem Vater zusehends, will einfach nur leben, wünscht sich seinen baldigen Tod sogar.
Zweifel, Trauer, Wut
Sowohl Ruth als auch Lea erzählen abwechselnd über ihren Alltag, ihre ambivalenten Gefühle, auch dem jeweils anderen gegenüber, ihre Zweifel, ihre Trauer und Wut. Der sterbende Georg ist mehr oder weniger eine Leerstelle, körperlich anwesend, aber doch irgendwie schon nicht mehr da. Ihm gehört nur ein kurzer Abschnitt. Diesem entstammt der wunderbare Buchtitel. Das ist todtraurig, oft auch witzig, schnodderig und manchmal auch ärgerlich. Ruth und Lea sind keine perfekten Menschen, natürlich nicht. Und schon gar nicht in ihrer schwierigen Situation.
In der Mitte des Buchs kommt es dann ziemlich unvermittelt zum Bruch, auch wenn bereits im ersten Absatz von Georgs „Verwandlung“ die Rede ist. Es kommt zu einer magischen Wendung, die völlig beiläufig und selbstverständlich daherkommt. Mit seiner Verwandlung in ein Pferd einher geht ein Rollenwechsel. Lea, die bisher – auch aus körperlichem Ekel – Distanz zu ihrem einst geliebten Vater hielt, nähert sich ihm jetzt liebevoll an. Er ist bald ihr „Papapferd“. Ruth wiederum will mit diesem verwandelten Mann nichts zu tun haben. Tiere mochte sie noch nie. Dann kommt Edna ins Spiel, eine Pferdepflegerin, die sich um Georg kümmert, ihn am Ende mit auf ihren Gnadenhof nimmt. Sowohl Lea als auch Ruth entwickeln bald zu ihr eine besondere Beziehung.
Poetisch, zärtlich, verspielt und ziemlich verrückt erzählt Nefeli Kavouras in Gelb, auch ein schöner Gedanke vom Tod und vom Sterben, von Trauer und vom Abschiednehmen.
Beitragsbild: Die kleinen gelben Pferde, Franz Marc, Public domain, via Wikimedia Commons
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Nefeli Kavouras – Gelb auch ein schöner Gedanke
Kiepenheuer&Witsch Februar 2026, gebunden, 240 Seiten, € 23,00







