Oschra und Eli, beide beginnen im hebräischen Alphabet mit dem Buchstaben Aleph, was Eli als Zeichen für ihre große Harmonie als Ehepaar ansieht. Doch Oschra ist früh gestorben. Eli, nun Anfang Fünfzig, trauert, ist ein wenig depressiv. Als Übersetzer sieht er sich zudem von der neuen KI-Technologie bedroht. Die Zukunft ist für ihn düster und einsam. Da lernt er bei einem Essen bei Freunden die deutlich jüngere Cellistin Lia kennen. Und wie ein Wunder kehrt bei ihm wieder die Liebe ein und wird erwidert. Der eigentlich als Krimiautor bekannte Dror Mishani hat mit Nicht einen kleinen Liebesroman geschrieben, der vor allem durch seine feine psychologische Zeichnung lebt und auch Krimi- und Thrillerelemente aufweist.
Eli und Lia – die Initialen ergeben im hebräischen Alphabet allerdings lo, was „nein“ oder eben „nicht“ bedeutet. Ein negatives Vorzeichen für die Beziehung der Beiden? Zunächst verläuft alles aber fast ein wenig magisch. Selbst mit dem recht eigenwilligen Kanaan-Hund, den Lia heiß und innig liebt, freundet sich Eli nach einer gewissen Zeit an. So sehr, dass Lia ihn mit dem Hundesitting beauftragt, als sie zu einer kurzen Konzertreise mit ihrem Kammerquartett nach Wien aufbrechen muss. Auf den Musiker Peter ist Eli gleich eifersüchtig. Und überhaupt hat Eli stets Angst, Lia könnte es sich anders überlegen und mit ihm schlussmachen.
Fatale Lügen
Tatsächlich wird Lias Reise für Eli zur Katastrophe und nach ihrer Rückkehr verstrickt er sich immer mehr in Lügen. Mit Erpressung, einem vermeintlichen Beschatter und einer Polizeiuntersuchung kommt hier auch ein wenig Krimi ins Spiel. Lo würde man Eli gerne immer wieder zurufen. Nein, mach das nicht!
Geschrieben ist das kleine Buch auf ganz besondere Weise. Die Du-Perspektive, kursiv gesetzte Dialoge und Aufzeichnungen und immer wieder Vorausgriffe auf die Handlung ergeben einen ganz besonderen Ton.
„Wir kommen mit der Geschichte nicht recht voran, weil es Dinge gibt, die du aus Angst nicht erzählen willst, aber komm, lass uns das nicht länger aufschieben, das macht keinen Sinn.“
Ein kleines Wunder von einem Buch – klug, unterhaltsam, originell.
Dror Mishani – Nicht
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Diogenes Aprik 2026, Hardcover Leinen, 192 Seiten, € 25.00







