Christian Mitzenmacher ist mit seinem Debütroman Knallkrebse ein federleichtes Buch über ein ernstes und eigentlich bedrückendes Thema gelungen. Sein Protagonist Tom ist wie der 1986 geborene Autor studierter Physiker und Pate eines aus Afghanistan Geflüchteten.
Der 16-jährige Farid hat sehr schnell Deutsch gelernt, ist wissbegierig, interessiert und aufgeschlossen. Eigentlich ein idealer Fall für die so vehement geforderte Integration in die Gesellschaft. Wären da nicht – und das wird so oft einfach ignoriert und bekommt auch in der Öffentlichkeit trotz der vielen Warnsignale zu wenig Beachtung – die traumatischen Erinnerungen an seine Flucht, die Farid immer wieder einholen und ihn psychisch belasten. Vor allem bedrückt ihn der Verlust von Pari, die er auf der Flucht kennengelernt hat und die irgendwann von Bewaffneten aus dem Schlepperbus herausgezogen wurde. Und von der er seitdem nichts mehr gehört hat.
Unbegleiteter Jugendlicher
Farid ist die Flucht als unbegleiteter Jugendlicher geglückt und er ist in München gelandet, auch wenn eigentlich Frankreich sein Ziel war, da dort ein Onkel wohnt. Wie viele Geflüchteten schleppt auch er aber so viele schlimme Erinnerungen mit sich herum, plagt ihn die Sorge um Mutter und Schwester, die in Pakistan zurückgeblieben sind, und vor allem die Angst um Pari. Irgendwann beschließt er, trotz gerade erhaltener Aufenthaltserlaubnis wieder Richtung Osten aufzubrechen, um seine Freundin zu suchen. Ein Wahnsinnsplan, besonders da ihm eine erneute Einreise nach Deutschland mit Sicherheit verwehrt würde. Das erkennt Tom, mit dem Farid wie mit dessen Partnerin Laura und Freund Yev mittlerweile eine enge Freundschaft verbindet. Tom weiß, dass er diesen verrückten Plan verhindern muss. Für Farid bedeutet dies aber erneuten psychischen Stress. Er bricht zusammen, kommt in die Psychiatrie und wird mit Medikamenten ruhiggestellt.
Die Realität von Geflüchteten in Deutschland fühlbar zu machen, ist das Anliegen dieses Romans. Er tut dies aber ohne erhobenen Zeigefinger und ist vor allem eine Geschichte über Freundschaft und Vertrauen, von Überforderung und Solidarität. Am Ende hätte ich mir noch mehr Offenheit gewünscht, der Epilog lässt mich etwas ratlos zurück. Insgesamt ist Knallkrebse aber ein schöner Debütroman, der trotz seines eher schweren Themas auch ein herrlich leichtes Sommerbuch mit viel Atmosphäre ist und der am Ende an die Französische Atlantikküste führt. Es ist kein autofiktionales Buch, aber es steckt viel Christian Mitzenbacher in Knallkrebse, wie der sympathische Autor bei einem Treffen in Frankfurts Buch & Wein verriet.
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Christian Mitzenmacher – Knallkrebse
Frankfurter Verlagsanstalt März 2025, 256 Seiten, Hardcover, € 24,00







