Verlagsvorschauen Herbst 2026 – Ein Blick auf die Neuerscheinungen

Es ist wieder soweit. Nahezu alle Verlage haben bereits ihre Verlagsvorschauen für den Herbst 2026 online gestellt und die ersten Neuerscheinungen erscheinen tatsächlich bereits im Mai. Auch wenn ich jedes Jahr bereits auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig vor Neugier platze, was da an literarischen Schätzen auf uns zukommen wird, ist mir als eigentlich langsam und mit Genuss lesende Person das Ganze immer viel zu früh. Ich stecke noch tief im Frühjahrsprogramm und freue mich über dessen Titel. Da ich aber weiß, dass der Blick auf die Neuerscheinungen eines der liebsten Themen hier auf dem Blog ist und ich natürlich auch selbst gerne zumindest eine Vorahnung bekommen möchte, mit welchen Büchern ich dann ab Frühherbst wieder unter die Lesedecke verschwinden kann: Hier mein Blick in die Verlagsvorschauen des Herbst 2026.

Und es gibt da wirklich viel zu entdecken. Besonders beim Suhrkamp Verlag und bei Luchterhand könnte ich mir fast das ganze literarische Programm auf die Leseliste packen. Das wird nicht geschehen. Denn ich habe mir dieses Jahr ganz fest vorgenommen, mehr Backist zu lesen. Die Verlage machen es mir aber nicht leicht. Mal schauen, wie es mir gelingen wird.

Sehr viele von mir geschätzte Autoren kommen im Herbst mit einem neuen Buch heraus, z.B. Shida Bazyar, Dana Vowinckel und Martina Hefter, es gibt Neues von Richard Ford und Colson Whitehead, Stefan Thome setzt seinen Grenzgang mehr als 30 Jahre später hier vor unserer Haustür fort und Natasha Korsakova lässt ihren Commissario di Bernardo erneut ermitteln. Da kommen spannende Debüts und zahlreiche Neuerscheinungen aus dem Gastland der Frankfurter Buchmesse 2026, Tschechien. Die beiden Letzteren habe ich im Text besonders markiert:Neuerscheinung Debüt und  tschechische literatur

So, nun ganz viel Spaß beim Stöbern und Entdecken. Schreibt mir gern in die Kommentare, auf welche Bücher ihr euch besonders freut, welche Bücher ich übersehen oder nicht erwähnt habe, die das aber unbedingt verdient hätten.

Und jetzt zurück zur Frühjahrstitel-Lektüre ♥

 

Die Texte entstammen sämtlich den Verlagsankündigungen.

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Arche

12. August 2026

Tayari Jones – Goodbye, HoneysuckleTayari Jones - Goodbye, Honeysuckle
Übersetzt von Britt Somann-Jung
432 Seiten, gebunden, € 25,00

Mutterlosigkeit, eine lebenslange Freundschaft und die Schikanen der rassistischen 50er-Jahre: In »Goodbye, Honeysuckle« erzählt Tayari Jones von zwei sehr unterschiedlichen jungen Frauen und ihrer Suche nach dem Glück. Tür an Tür im ländlichen Louisiana aufgewachsen, verbindet Niecy und Annie mehr als nur Freundschaft: Beide haben sie ihre Mütter nie kennengelernt, und beide sind sie fest entschlossen, diese klaffende Lücke in ihrem Leben zu füllen. Niecy geht nach Atlanta, um am berühmten Spelman College zu studieren. Dort schließt sie sich einem Kreis von selbstbewussten Schwarzen Frauen an und erlebt ihre erste Liebe, muss sich aber auch in einer gnadenlosen Welt des Reichtums behaupten. Annie verschlägt es nach Memphis und mitten hinein in Armut, Sex und Jazz. Abend für Abend mixt sie Cocktails in einem Nachtclub und hofft, dass ihre verschollene Mutter am Tresen auftaucht. Während all der Zeit schreiben Annie und Niecy einander wunderschöne Briefe – bis eine Tragödie ihre Leben wieder zusammenführt und das Band zwischen ihnen auf die Probe stellt.

 

Aufbau

12. August 2026

Neuerscheinung Debüt

Hannah Mann – Zeppelin und Karpfen  Hannah Mann - Zeppelin und Karpfen
Hardcover, 208 Seiten, 24,00 €

Suzanna ist Fotografin. Sie hält die Träume anderer fest und die Geister der Familie in Schach. Ihre Tochter, Daria, ordnet sich die Welt, indem sie Cornflakes zählt. Nina, die Oma und Grande Dame, die ihre Emigration aus Russland nie verwunden hat, lebt in Erinnerungen – bis sie plötzlich verschwindet. Auf der Suche nach ihr geraten Suzanna und Daria auf die Spur eines Geheimnisses, das sie durch das Westberlin der 80er-Jahre und die Tiefen ihrer Familiengeschichte führt.
Ein zarter und spannender Roman über Emanzipation und die Sehnsucht nach einem Zuhause, das im Gegenwind der Geschichte unerreichbar scheint.

 

10. November 2026

Ko Hyewon – Die NachtapothekeKo Hyewon - Die Nachtapotheke
Übersetzer:in: Sebastian Bring
Hardcover, 233 Seiten, 24,00 €

Manchmal finden wir an den unwahrscheinlichsten Orten zu uns selbst.
In einem tristen Randbezirk von Seoul befindet sich ein unscheinbares Geschäft, das nachts zu einem Leuchtturm für diejenigen wird, die sonst nirgendwohin können: Die Nachtapotheke ist Zufluchtsort für die Schlaflosen, die Getriebenen, die Angeschlagenen. Menschen, die nach einem Medikament fragen, aber eigentlich jemanden zum Reden brauchen, einen Rat, jemanden, der ihnen zuhört. All das bietet die Apothekerin Boho – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang, jede Nacht. Eine Pause gönnt sie sich nicht. Und von dem Geheimnis, warum sie ihr Leben auf die Dunkelheit beschränkt, weiß niemand. Bis ihr einsamer, sorgsam austarierter Alltag aus dem Gleichgewicht gerät und Boho sich fragen muss, ob es nicht Zeit ist, aus dem Schatten ins Licht zu treten.

 

Berlin

04. September 2026
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Sabdra Hoffmann - MogadischuSandra Hoffmann – Mogadischu
240 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, € 25,00
Sommer 1977: Während eines Italienurlaubs verschwinden eine Mutter und ihr fünfjähriger Sohn Kornelius spurlos. Zurück bleiben der Vater, der keine Worte findet, und die elfjährige Tochter Fritzi, die zu viele hat. Sie wartet auf ein Lebenszeichen der beiden. Und auf eine Erklärung. Es gibt keine. Da beginnt sie, sich selbst eine zu bauen: aus Blicken, aus Andeutungen, aus den Bildern der Tagesschau. Draußen hält der Deutsche Herbst das Land in Atem. Fahndungsplakate, Sondersendungen, die Entführung der Landshut nach Mogadischu – für Fritzi wird jede Meldung zur möglichen Spur. Vielleicht steckt in der Gewalt der Welt endlich eine Logik, die das private Unglück entschlüsselt?
47 Jahre später ist Friederike Innenarchitektin und trifft nach dem Tod ihres Bruders Kornelius zum ersten Mal dessen Sohn Tim: Er ist zwanzig und Klimaaktivist der Letzten Generation. Über ihn wird sichtbar, wer ihr Bruder unter der Regie der Mutter geworden ist – und wie das, was nie ausgesprochen wurde, trotzdem weiterwirkt. Zwischen Tante und Neffe entsteht eine fragile Gemeinschaft: zwei Gegenwarten und ein vorsichtiges neues Sprechen. Ein Roman über das, was Familien zerstört, ohne dass es je laut wird – und darüber, ob sich das Erbe des Schweigens brechen lässt.
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Kerstin Preiwuß - Wir alleKerstin Preiwuß – Wir alle
224 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, € 25,00
Eine Pfandleiherin, die die Welt nicht mehr versteht. Ein Laubenbewohner, der auch mal Glück im Leben haben will. Ein Mann, der trotz Ruhestand weitermacht. Eine junge Frau, die sich nicht entscheiden kann. In einer überhitzten Stadt im Osten des Landes treffen diese Menschen aufeinander. Obwohl sie wenig gemein haben, werden sie zu einer Schicksalsgemeinschaft, denn die Zeiten sind schwierig, der Druck steigt. Kerstin Preiwuß entwirft ein gestochen scharfes Bild der kulminierenden Krisen unserer Zeit und macht sich auf die Suche nach einem Wir im langen Jetzt. Denn es betrifft uns alle.
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30. Oktober 2026
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Bert Natter - Am Ende des KriegesBert Natter – Am Ende des Krieges
übersetzt von Andreas Gressmann und Rainer Kersten
784 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, € 30,00

20. April 1945, irgendwo in Deutschland. Der elfjährige Ernst, Sohn des SS-Obersturmführers Karl Zehlendorf, wird in der Nähe eines Konzentrationslagers vermisst. Sein Bruder behauptet, ihn beim Angeln am Seeufer zurückgelassen zu haben. Was ist passiert? Während die russische Artillerie in der Ferne schon zu hören sind und alle im Lager wissen, dass das Ende des Krieges nahe ist, hat Karl ganz andere Sorgen als die Suche nach seinem Sohn Denn Führers Geburtstag muss gefeiert werden …

 

Blessing

29. Juli 2026
Miriam Burdelski - Ist doch schön hierMiriam Burdelski – Ist doch schön hierNeuerscheinung Debüt
Hardcover, mit Schutzumschlag, 384 Seiten, € 24,00
Familie ist nicht das, was bleibt, sondern das, was wir immer wieder neu erfinden
Als Liesel ihre Großmutter Emmi auf eine Reise in die ehemalige Provinz Ostpreußen begleitet, sucht sie mehr als nur einen Ort – sie sucht Antworten. Antworten auf die Fragen, die zwischen den Generationen stehen, auf die Geheimnisse, die sich in vergilbten Kalendern und in Emmis Schweigen verstecken. Zwischen Birkenalleen, alten Gutshäusern und dem Rauschen der Ostsee entfaltet sich eine Geschichte von Verlust und Hoffnung, von Schuld und Liebe. Doch je näher Liesel der Vergangenheit kommt, desto deutlicher spürt sie: Heimat ist kein Ort, den man auf der Landkarte findet. Heimat sind die Menschen, die bleiben, wenn alles andere verschwindet.
Ein gewaltiger und zutiefst berührender Roman über das Erinnern, das Vergeben und die Sehnsucht, irgendwo anzukommen.
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Luca Kieser - Simsalabim, Simon BrennerLuca Kieser – Simsalabim, Simon Brenner
Hardcover, mit Schutzumschlag, 336 Seiten, € 24,00
An den Universitäten brodelt es. Immer öfter flammen die Proteste auf. Dann werden die ersten Hörsäle besetzt und es dauert nicht lang, da ist auch Simon Brenner auf den Barrikaden. Eigentlich hat er nach einer Schlosserlehre nur noch ein Studium in Heidelberg anhängen wollen, jetzt organisiert er sich in immer radikaleren Gruppen, taucht schwarz vermummt auf Demonstrationen auf und fährt zum Ersten Mai nach Berlin – endlich fühlt er sich angekommen. Die Sache dabei ist nur, er wird bezahlt. In Wahrheit ist er Polizist, ein Verdeckter Ermittler vom LKA, der über die neuen Freunde Buch führen und seine Gefühle im Griff haben muss.
Ein raffiniertes, wagemutiges Spiel mit doppeltem Boden, zwischen True Crime und linksradikaler Telenovela.

 

Blumenbar

14. Juli 2026

Candice Carty-Williams - Queenie is working on itCandice Carty-Williams – Queenie is working on it
Übersetzer:in: Henriette Zeltner-Shane
Hardcover, 560 Seiten, 24,00 €

Queenie Jenkins, die charmant-chaotische Hauptfigur aus Candice Carty-Williams‘ gefeiertem Bestseller, ist zurück, und zwar entschlossener und liebenswerter denn je!
Queenie ist Schwarz, hat jamaikanische Wurzeln und lebt in Südlondon. Sie ist Journalistin beim The Good Sis-Magazin und hat seit einem Jahr Spaß mit Vin, auch wenn er noch immer kein Label auf ihre Quasi-Beziehung kleben will. Nur scheint die Zeit in jeder Hinsicht gegen sie zu laufen, ob es um ihre Fruchtbarkeit geht, eine gesettelte Beziehung oder die Gesundheit ihres Großvaters. Queenie ist verwirrt, frustriert, verängstigt … aber sie arbeitet dran.
Die preisgekrönte Autorin Candice Carty-Williams kehrt mit einem smarten, unglaublich lebendigen und urkomischen neuen Buch zurück, das ein erhellendes Licht auf die Realitäten des modernen Frauseins wirft. Eine düster-komische und bissig subversive Betrachtung des Lebens.

 

C.H.Beck

09. Juli 2026

Anousch Mueller - LoriAnousch Mueller – Lori
208 Seiten, Hardcover, € 24,00

Anousch Muellers Roman Lori erzählt von einer Familie, die an den politischenVerwerfungen ihrer Zeit zu zerbrechen droht und von den Nachwirkungen des Unausgesprochenen, die sich durch die Generation der Kinderziehen wie Haarrisse, deren Ursprung niemand kennt. Mit psychologischem Feingefühl und enormer Intensität erzählt Mueller eine Geschichte über Schuld und Verdrängung, Sprachlosigkeit und Verlust – und über den tastenden Versuch, Wahrheit zuzulassen.
Thüringen, 1995. Auf einem verlassenen Bahnhof wächst Helena Ross, genannt Leni, mit ihren fünf Geschwistern auf. Seit sie denken kann, spürt sie, dass etwas nicht stimmt: Weshalb ist ihre Mutter so kühl, ihr Vater voller Sorge? Was hat es mit den Narben an den Händen ihrer Eltern auf sich? Warum lässt ihr Gedächtnis sie im Stich? Als Leni den Mutterpass ihrer Mutter findet, entdeckt sie, dass ihr Gefühl sie nicht trügt. Als junge Frau macht sie sich auf die Suche nach dem Geheimnis, das ihr Leben bestimmt. Im Zentrum des Geheimnisses steht ihre Schwester Lori und die Frage, was mit ihr geschah. Die Suche nach Antworten führt sie bis in die frühen siebziger Jahre der DDR zurück.

 

Christiane Hoffmann - Die Träume, die wir hattenChristiane Hoffmann – Die Träume, die wir hatten
Meine Freundin, Russland, die Ukraine und ich.
272 Seiten, Hardcover, € 26,00

Ende der achtziger Jahre: eine Gruppe von jungen Frauen studiert Russisch. Sie lesen Dostojewski, trinken Wodka und reisen durch die Sowjetunion, die sich gerade auflöst. Es ist eine Zeit des Aufbruchs, der Hoffnungen und Träume von einem demokratischen Russland und einem friedlichen Europa. Jahrzehnte später nimmt sich eine von ihnen das Leben. Es ist die Woche, in der Russland die Ukraine überfällt.
Auf bewegende Weise verbindet dieses Buch ein persönliches Schicksal mit den weltpolitischen Umbrüchen. Es erzählt vom Unheil, das wir nicht kommen sahen, weil wir es nicht sehen wollten. Von unseren Träumen, die nicht wahr wurden und vielleicht nicht wahr werden konnten. Es fragt, was wir ändern können und was unausweichlich ist. Und es erzählt die Geschichte einer Freundschaft, deren Bedeutung man erst dann ganz erfasst, wenn sie plötzlich fehlt. Christiane Hoffmanns aufwühlendes Buch ist nicht nur feinfühlig beobachtet und glänzend geschrieben, es erzählt zugleich die Geschichte der deutsch-russisch-ukrainischen Beziehungen auf eine Weise, die Raum lässt für Zweifel und Trauer, für Fragen und Ambivalenzen. Damit gibt sie den Debatten die emotionale Tiefe zurück, für die im ersten Schock nach dem russischen Angriff kein Platz mehr war, und schlägt zugleich Brücken über die Gräben, die dieses Thema in die deutsche Gesellschaft eingezogen hat.

 

Michael Riepl - Ferne Heimat AltmontalMichael Riepl – Ferne Heimat Altmontal
Das Leben meiner Großmutter zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus.
304 S., mit 5 Abbildungen und 1 Karte, Hardcover, € 25,00

Altmontal, ein deutsches Dorf in der Schwarzmeerebene. Hier wird Hedwig Krämer 1919 geboren und erlebt, wie ihre Bullerbü-Märchenwelt durch Hungersnöte, Verfolgung und Krieg zur Hölle wird, der sie 1942 entkommt. Michael Riepl erzählt einfühlsam die frühen Jahre seiner Großmutter und blickt dabei immer wieder auf die heutige Ukraine im Krieg. Sein glänzend geschriebenes Buch liest sich fesselnd wie ein Roman – aber es ist eine wahre Geschichte von Familie, Heimat, Not und einem unfassbaren Lebensmut.
«Vollgefressen hat sich Iwan …» Der Spruch der Großmutter nach einem üppigen Essen steckte voller Erfahrungen: die Herkunft aus der Sowjetunion, grausamer Hunger, Trauer um die verlorene Familie und Heimat. Aber niemand fragte danach. Als sie 75 Jahre alt war, begann sie, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben, die Kindheit in Altmontal, die Jugend bei einem Verwandten im Kaukasus, die Arbeit als junge Hilfsärztin in der Ukraine und die Flucht nach Bayern im Zweiten Weltkrieg. Als ihr Enkel diese Erinnerungen nach ihrem Tod entdeckt, ist er gerade im Aufbruch nach Kiew, um für eine Hilfsorganisation zu arbeiten. Sein humanitäres Engagement überschneidet sich schicksalhaft mit einer Erkundung auf den Spuren seiner schwarzmeerdeutschen Vorfahren. Michael Riepl verwebt auf geniale Weise die Geschichte seiner Großmutter mit seinen eigenen Erfahrungen in der Ukraine und im Kaukasus zu einer atemberaubenden Erzählung über eine junge Frau, die sich in der größten Not in den Kopf setzt, gegen alle Widerstände Ärztin zu werden. Ein bewegendes Buch über Mut und Menschlichkeit in finsteren Zeiten.

 

24. Juli 2026

Kristina Milz und Julia Schneidawind - Klassenfoto 1937Kristina Milz und Julia Schneidawind – Klassenfoto 1937
Die Geschichte einer jüdischen Schulklasse.
368 Seiten, Hardcover, € 28,00

Es ist eine Momentaufnahme: Im Mai 1937 versammelt sich die dritte Klasse der Jüdischen Volksschule in der Herzog-Rudolf-Straße in München zu einem Klassenfoto. Ausgehend von dieser Aufnahme entwirft das Buch eine vielstimmige Kollektivbiografie all der Kinder, die darauf zu sehen sind. Mithilfe von Tagebüchern, Erinnerungen und Interviews macht es sichtbar, wie vielfältig jüdische Lebenswelten in Deutschland vor dem Nationalsozialismus waren und wie radikal sie zerstört wurden. Aus einem einzigen Foto entfaltet sich so das Panorama einer Generation zwischen kindlicher Unschuld, brutaler Verfolgung, Flucht und vorsichtigem Neubeginn – immer verbunden mit der Frage: Welche Lehre ziehen wir aus der Geschichte?
Sie heißen Hugo, Bertel, Sigi und Mella: Das Buch folgt den Spuren der Schülerinnen und Schüler auf dem Foto und nähert sich ihrer Geschichte aus der Perspektive einzelner Kinder. Es erzählt von wachsender Diskriminierung und einer Jugend im Ausnahmezustand, vom «Kindertransport» nach England, der Emigration in die USA, die Türkei oder nach Argentinien ebenso wie von der Deportation «in den Osten», von den Ghettos und Lagern und vom Leben im Versteck. Elf der Kinder erleben das Ende des Krieges nicht. Andere beginnen fern der alten Heimat ein neues Leben. Manche von ihnen machen sich später auf die Suche nach ihren ehemaligen Schulfreunden und tragen diese eine Frage ein Leben lang mit sich: «Meine Klasse. Wer hat überlebt?»

 

Classen

30. Juli 2026

Alexandra Stahl - TschikagoAlexandra Stahl – Tschikago
272 Seiten, gebunden, € 25,00

Frangfodd is schlimmer als Tschikago! Mit dieser Warnung des Großvaters, der fast Amerikaner geworden wäre, aber doch Elektriker in Unterfranken blieb, wächst die Ich-Erzählerin auf. Ihre Großmutter hat es mit Katzen und Puppen, ihr Großvater hält sich an Steckdosen und Kabel. Auch wenn die beiden zanken wie Laurel und Hardy – sie verbindet diese eine Art von Liebe, die siebenundfünfzig Jahre hält. Als der Großvater stirbt, beginnt die Erzählerin als Freiwillige in einem Berliner Seniorenheim – ohne zu ahnen, wie sehr ihre alte und ihre neue Welt zusammengehören. Frau Bellmann, die Wasserratte vom Werbellinsee. Herr Uhlig, der Träumer, der Schach mit der dänischen Königin spielen will. Frau Schubert mit ihrem scheuen Lächeln.

Mit scharfem Blick und großem Herz erzählt Alexandra Stahl vom Älterwerden. Von den Dingen, an die man nicht denkt, bis sie passieren. Und von den Dingen, an die man nicht denken will, bis sie passieren. Ein atemberaubend zärtliches Buch über unsere Vergänglichkeit und das Abschiednehmen – und darüber, was wir festhalten können, wenn alles andere verschwindet

 

Culturbooks

15. September 2026

Prag noirPrag Noir
Geschichten einer Stadt
herausgegeben von Pavel Mandys
übersetzt von Hana Hadas u.a.
Paperback mit Klappen, 304 Seiten, € 20,00

Prag, die Stadt der hundert Türme, der Geschichte, der Schönheit. Und der Abgründe.
Hinter den Fassaden warten keine Postkarten, sondern Geschichten von Schuld, Verlust, Begehren und Gewalt. Vierzehn tschechische Autorinnen und Autoren führen an die verborgenen Schauplätze dieser Stadt: auf Brücken und Friedhöfe, in Wohnungen und Hinterhöfe, hinein in jüdische Legenden, die Nachwirkungen des Kommunismus und in eine Gegenwart, in der Gewissheiten jederzeit ins Wanken geraten.
Mal hart und schnell, mal unheimlich, mal leise und genau erzählt, entfalten die Geschichten eine große Vielfalt an Stimmen, Tonlagen und Motiven. Sie greifen historische Brüche auf, folgen den Spuren alter Mythen und legen die dunklen Schichten Prags frei.
Über die einzelnen Geschichten hinweg wird Prag selbst zur Hauptfigur – eine Stadt, in der sich Mythos und Verbrechen, Geschichte und Gegenwart überlagern.
Pavel Mandys, Literaturkritiker und Organisator des Buchpreises Magnesia Litera, versammelt maßgebliche Stimmen der tschechischen Gegenwartsliteratur, darunter Kateřina Tučková, Miloš Urban, Petra Soukupová, Petr Šabach, Ondřej Neff, Petr Stančík und Markéta Pilátová.

 

01. Oktober 2026

Carl Nixon - Die WatersCarl Nixon – Die Waters
übersetzt  von Jan Karsten
Hardcover mit Lesebändchen, 304 Seiten, € 24,00

Eine Familie. Vier Jahrzehnte. Und eine Vergangenheit, die nicht loslässt.
1979 verkauft Pat Waters das Familienland und investiert den Erlös in ein Bauprojekt an der Küste von Christchurch. Ein Vorhaben, das scheitert, die Familie aus dem Gleichgewicht bringt und das Leben seiner Kinder nachhaltig prägt.
Mark wird hart und verschlossen. Davey, schön und rastlos, treibt von Beziehung zu Beziehung. Und Samantha beginnt zu begreifen, wie tief die Geschichte ihrer Familie – mit all ihren Brüchen und Verletzungen – in ihr eigenes Leben hineinwirkt.
Aus wechselnden Perspektiven und in verdichteten Momenten erzählt Carl Nixon vom Leben der Familie Waters. So entsteht ein vielstimmiger Familienroman über alte Verletzungen und die Frage, ob man der eigenen Geschichte entkommen kann.

 

Diogenes

19. August 2026

Alice Horácková - Geteiltes Haustschechische literatur    Alice Horácková – Geteiltes Haus
Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff
Hardcover Leinen, 704 Seiten, € 28.00

Benetzko im Riesengebirge in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Hier wachsen zwischen Regimewechseln und verheerenden Kriegen auch Zdenka und Anežka auf. Die eine tschechisch, die andere deutsch, werden sie beide eigensinnige Frauen, die im Laufe der Jahrzehnte mit so einigem kämpfen und hadern – wildernden Männern, keifenden Schwiegermüttern, desertierenden Kindern oder ihren Nationalitäten – und vieles verlieren, aber niemals ihre Freundschaft.

 

21. Oktober 2026

Katharina Höftmann - OzeanKatharina Höftmann – Ozean
Hardcover Leinen, 272 Seiten, €  25.00

Friedchen und Paula lernen sich 1932 kennen und »verfreunden« sich auf den ersten Blick. Zwei junge Frauen voller Lebenshunger, voller Hoffnungen und großer Träume. Ihre Freundschaft, so schwören sie sich in durchtanzten Nächten in Berlin, wird für immer halten. Und wie nebenbei verliebt sich Friedchen in Paulas charmanten Cousin Max. Doch dann kommt Hitler an die Macht – und Paula und Max sind Juden. Katharina Höftmann nimmt uns mit auf eine Reise durch ein Jahrhundert, über den Ozean und all die Erschütterungen hinweg, die bis heute nachwirken.

 

DTV

30. Juli 2026

Ruth-Maria Thomas – Die zweitgrößte Liebe
288 Seiten, gebunden, € 24,00

Michelle ist Anfang dreißig, als ihr Leben im Osten des Landes auseinanderbricht. Sie lässt alles hinter sich und fängt von vorne an: Als Rezeptionistin eines Hotels trifft sie auf Luxus, westdeutschen Reichtum und – Henry. Einer, der ganz andere Startmöglichkeiten hatte als sie, dem es nie an irgendetwas gemangelt hat. Sie verlieben sich, allen Unterschieden zum Trotz. Es erscheint Michelle zum ersten Mal möglich, ein sorgloses Leben. Aber es wäre kein Buch von Ruth-Maria Thomas, wenn nicht alle schönen Gewissheiten irgendwann gehörig ins Wanken gerieten … Mit großer Sogkraft und berückender Leichtigkeit erzählt der Roman von Aufstiegswünschen, Abstiegsängsten und von der Frage, was Freiheit und Sorglosigkeit für einen Preis haben.

 

20. August 2026

Alex Schulman - Jetzt beginnt das LebenAlex Schulman – Jetzt beginnt das Leben
übersetzt von Hannah Granz
352 Seiten, gebunden, € 24,00

Vidars Leben ist aus den Fugen geraten. Nach einem gewalttätigen Vorfall in der Schule wird er vom Lehrdienst suspendiert. Als er zu Hause zufällig die Telefonnummer des alten Sommerhauses der Familie findet, wählt Vidar aus einer Laune heraus die Nummer. Es meldet sich sein Vater, der längst tot ist. Bald versteht Vidar: Am anderen Ende der Leitung ist immer der 17. Juni 1986, ein Tag aus seiner Kindheit. Es öffnet sich eine Falltür in die Vergangenheit. Anruf für Anruf versucht Vidar, jeden Schritt seiner Familie an diesem Tag nachzuvollziehen. Er überschreitet eine Grenze nach der anderen. Und während sich der Tag seiner Kindheit langsam auflöst, zieht sich die Schlinge in der Gegenwart immer enger zu.

 

Dumont

11. August 2026

Karosh Taha – GulistanKarosh Taha - Gulistan
240 Seiten, gebunden, €25,00

Gulistan lebt mit ihrem Mann Çiya in einem Land, das sie anfeindet für ihre Sprache, ihr Denken, ihr ganzes Sein. Unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins werden sie als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Nichts kann ihren Willen brechen, ihren Geliebten wiederzufinden, auch wenn ihr immer wieder das Ausmaß ihrer eigenen Ohnmacht vor Augen geführt wird. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder – in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und verliert zunehmend den Verstand, doch entwickelt umso stärkere Widerstandskräfte, nicht erst, als sie von ihrer Schwangerschaft erfährt.
Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen alles nimmt und nichts kennt als die Sprache der Gewalt? Karosh Taha schreibt über die Angst in den Straßen, die Grausamkeit eines paranoiden Systems und den Widerstand durchs Erzählen, vielstimmig, lyrisch, dicht.

 

15. September

Alexa Hennig von Lange – Alte Pfade
304 Seiten, gebunden, € 24,00

Als Liliane von ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurückkommt, erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Schottland: Ihr 89-jähriger Vater ist allein in die Highlands gereist und hat in der Wildnis einen Herzinfarkt erlitten. Noch in Strandschuhen und T-Shirt fährt Liliane ihm nach, um ihn nach Hause zu holen. Doch ihr geschwächter Vater will nur eines: bis zur nördlichsten Spitze Schottlands laufen, wie damals als junger Student. Liliane sieht keine andere Möglichkeit, als ihn zu begleiten. Gemeinsam brechen Vater und Tochter in die alten Pfade der Highlands auf. Sie übernachten in Feldsteinhütten, werden von Unwettern überrascht und sprechen zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte – die Kriegskindheit des Vaters in Potsdam, den frühen Tod seiner Frau, Lilianes Mutter. Während der einst so starke Mann sich auf seine Tochter stützen muss, erkennt Liliane, wie sehr die Härte ihres Vaters ihre Beziehungen zu Männern und das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der letzte Weg des Vaters wird für seine Tochter zu einem Aufbruch.

 

Twan Eng Tan - Die Gabe des RegensTwan Eng Tan – Die Gabe des Regens
übersetzt von Simone Jakob
544 Seiten, gebunden, € 26,00

Penang 1939. Der 16-jährige Philip Hutton ist ein Einzelgänger. Halb englisch, halb chinesisch kommt er sich nach dem Tod seiner chinesischen Mutter in seiner reichen, gänzlich englischen Familie wie ein Fremder vor. Als er Hayato Endo, einen japanischen Diplomaten, kennenlernt und mit ihm Freundschaft schließt, fühlt er sich nach langer Zeit erstmals wieder einem Menschen zugehörig. Philip zeigt seinem neuen, deutlich älteren Freund seine geliebte Insel Penang, Endo seinerseits führt Philip in die Kunst und die Disziplin des Aikido ein. Ihre Freundschaft stößt auf viel Feindseligkeit: Die Chinesen hassen die Besatzungsmacht Japan, die im in Europa aufziehenden Krieg die Position der Faschisten unterstützt. Als Japan Malaya besetzt, erfährt Philip, dass sein Lehrer, dem er zu absoluter Loyalität verpflichtet ist, ein japanischer Agent ist. Der junge Philip ist, ohne es zu ahnen, zum Verräter geworden und muss sein Wissen für sich behalten, um so viele Leben wie möglich retten zu können – denn auch seine Familie ist in Gefahr.

 

Edition Nautilus

07. September 2026

Lena Müller - Der Club der VerschwenderinnenLena Müller – Club der Verschwenderinnen
Hardcover, 136 Seiten

Wie können wir heute zusammenleben? Eine Geschichte über drei Frauen, die sich gegen die Vereinzelung verbünden: hoffnungsvoll, zugewandt und kämpferisch
Wenn Eli das Kind ins Bett gebracht hat und die Enge der eigenen vier Wände spürt, flieht sie in die Kneipe unten im Haus, an die Theke zu Gunda, der Wirtin – Hauptsache, nicht alleine sein. Durch das Aufkommen von KI ist ihr Job als Übersetzerin unsicher geworden, und als alleinerziehende Mutter bleibt ihr oft wenig Zeit für sich selbst.
Gunda, über sechzig und ständig rauchend, steht seit fast zwanzig Jahren allein hinter dem Tresen. Als eine sommerliche Hitzewelle über die Stadt hereinbricht, trommelt sie die Mütter und Kinder des Hauses zusammen. Gemeinsam trotzen sie den extremen Temperaturen und verbringen ihre Zeit im kühlen Kneipenraum, spannen feuchte Laken über die städtische Betonwüste und hacken den asphaltierten Gehweg auf.
Die gemeinschaftlichen Tage bringen Gunda und Eli einander näher und Gunda beginnt zu erzählen: von ihrem Leben in der DDR zwischen Gehorsam und kritischem Denken, von leidenschaftlichen Diskussionen im Lesezirkel, vom Festhalten an gesellschaftlichen Utopien auch nach der sogenannten Wende – und von der Angst, mit steigendem Alter immer weniger in die Gesellschaft hinein wirken zu können. Und auch Eli erzählt: vom quälenden Blick auf das ständig leere Konto und der Schwierigkeit, als Mutter dem eigenen Kind gerecht zu werden, ohne sich selbst darüber zu verlieren.
Zwischen aufgeheizten Asphaltstraßen, Camping im Getränkelager und einer schattigen Datsche am Waldrand bei Gundas alter Gefährtin Claude entfaltet sich eine ungeahnte Freundschaft.

 

Eichborn

02. November 2026

Anna Mallamo – Dinge, die im Dunkeln liegenAnna Mallamo - Dinge, die im Dunkeln liegen
Übersetzt von Jan Schönherr
Hardcover, € 24,00

Kalabrien in den frühen 80ern: Die 16-jährige Lucia lebt mit ihrer Familie in ärmlichen Verhältnissen und hat genug davon, dass die `Ndrangheta überall die Strippen zieht, im Geheimen sowie im bestenfalls halbherzig Verborgenen. Als ihre Tante unter merkwürdigen Umständen zu Tode kommt und ihre beste Freundin Beatrice sich ausgerechnet in Rosario verliebt, Mitschüler und Sohn des örtlichen Mafia-Bosses, will Lucia nicht länger tatenlos zusehen und greift zu drastischen Mitteln.
Ein literarischer Coming-of-age-Roman vor dem Hintergrund der politischen Unruhen in Kalabrien, feinsinnig und packend erzählt, klug beobachtet und mit einer unvergesslichen, widerspenstigen Protagonistin.

 

Eisele Verlag

30. Juli 2026

Miguel Bonnefoy - Der Flug des KondorsMiguel Bonnefoy – Der Flug des Kondors
Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig
272 Seiten, gebunden, € 24,00

Eine mitreißende Familiensaga zwischen Frankreich und Chile
Alles beginnt mit einer Irrfahrt: Ende des 19. Jahrhunderts landet der Franzose Lonsonier schiffbrüchig und krank in Chile statt in Kalifornien. Mit nichts als einem Weinstock im Gepäck legt er in Santiago den Grundstein für eine Dynastie, die über vier Generationen hinweg zwischen den Kontinenten zerrissen bleibt.
Miguel Bonnefoy webt ein bildgewaltiges Epos:
Vom Sohn Lazare, der für ein ihm fremdes Frankreich in die Schützengräben zieht, über die Flugpionierin Margot bis hin zum Revolutionär Ilario, der der Pinochet-Diktatur in einer waghalsigen Flucht über die Anden entkommt.
Eine Geschichte von Migration, Identität und unbändiger Resilienz.
Mit magischen Details und erzählerischer Wucht entfaltet sich ein Panorama, in dem sich das Schicksal einer Familie mit der großen Weltgeschichte vereint. Mit seinem unverwechselbaren Stil, der an den magischen Realismus großer lateinamerikanischer Vorbilder wie Gabriel García Marquez und Isabel Allende erinnert, erschafft Bonnefoy ein ein literarisches Highlight über den Mut, in der Fremde neu zu beginnen, ohne die eigene Herkunft zu vergessen.
Ausgezeichnet mit dem renommierten Grand Prix du Roman de l’Académie française und dem Prix des Libraires ist dieser Roman ein Muss für Fans anspruchsvoller Generationenromane und historischer Literatur.

 

Folio

18. September 2026

Dacia Maraini - Die stumme HerzoginDacia Maraini – Die stumme Herzogin
Übersetzt von: Sabina Kienlechner
Hardcover mit Schutzumschlag, 380 Seiten, 28,00 €

Dacia Maraini beschwört in ihrem preisgekrönten Klassiker und großen Familienroman eine untergegangene Welt herauf. Die nicht sprechende Herzogin Marianna Ucrìa wird mit 13 Jahren an ihren über 30 Jahre älteren Onkel verheiratet. Ihr Vater bringt ihr Lesen und Schreiben bei, so kann sie mit ihrer Umgebung kommunizieren. Die Literatur wird für sie Rückzugsmöglichkeit aus der emotionalen Leere ihrer Ehe und Mittel zur intellektuellen Emanzipation. Dank der Bücher und ihrer geschärften Sensibilität nimmt sie die Umwelt aufmerksamer wahr und kann die Freuden und Ängste ihrer Mitmenschen fast körperlich spüren. Erst als Witwe erfährt sie den schockierenden Grund ihrer Taubstummheit und erlebt die wahre Liebe über Standesgrenzen hinweg.
Blühende Orangenbäume, der Duft von Jasmin – die Geschichte einer Emanzipation und das farbenprächtige Gemälde Siziliens im 18. Jh.

 

FVA

27. August 2026

tschechische literatur     Lucie Faulerová – Ich habe den Tod gerettet
übersetzt von Julia Miesenböck
224 Seiten, Hardcover, € 24,00

Was bleibt, wenn eine Schwester geht? Ein meisterliches Familienmosaik von großer erzählerischer Intelligenz – zart, poetisch und mit einem Humor wie eine Kampfansage. Lucie Faulerovás international gefeierter Roman über Verlust und die Kunst des Weiterlebens.

Im Zugabteil sitzt eine junge Frau, das Ziel ihrer Reise ist unbekannt. Die Stirn gegen die Scheibe gelehnt, legen sich Maries Erinnerungen an ihre Familie über das Bild der vorbeiziehenden Landschaft. Sie sieht die vielen fröhlichen Momente mit ihrer Schwester vor sich, die im Alter von zwanzig Selbstmord begangen hat. Warum? Der Zug rollt dahin und Marie denkt über alle möglichen Methoden des Sterbens nach, aber auch darüber, wie man trotz allem weiterlebt.
Erinnerungen, die sich wie Mosaiksteine zusammensetzen, zeigen ein Bild einer zerbrochenen Familie. Wie die verbliebenen Familienmitglieder versuchen, trotz allem zusammenzuhalten, ist packend und berührend und immer wieder auch absurd-komisch. Zart, poetisch und mit einem Humor, der dem Tod trotzt, erzählt Lucie Faulerová in ihrem international gefeierten Roman von einer Reise voll tiefem Lebenssinn, und vor allem: von der Liebe und dem Leben.

Ausgezeichnet mit dem Europäischen Literaturpreis, dem Premio Salerno Libro d’Europa und nominiert für den Magnesia Litera Award

 

Galiani

03. September 2026

Sven Regener - Frankie und FreddieSven Regener – Frankie und Freddie
288 Seien, gebunden, € 24,00

Zwei Brüder, Frankie und Freddie Lehmann. Eine verlorene Tasche. Schnee. Und das Hin und Her der Himmelsmacht.
Frankie und Freddie Lehmann, zwei Brüder aus Bremen, in Westberlin, im Jahr 1980. Während der eine seit Wochen damit beschäftigt ist, in Kreuzberg Fuß zu fassen, will der andere weiterziehen nach New York, musste aber erst einmal am Kudamm im Probandenhotel wohnen und als Versuchskaninchen für Antidepressiva herhalten. Jetzt, einen Tag vor Heiligabend, hat er Angst vor Menschen, kann nicht mehr U-Bahn fahren und verliert eine wichtige Tasche.
Sven Regener schickt die beiden auf eine Odyssee durch eine Stadt zwischen den Welten, einen Ort von Spaß und Kälte, Trotz und Anarchie, Resignation und Überlebenswillen. Ein Roman über Brüder, Aufbrüche und plötzliche Liebe – klug, poetisch, warmherzig und sehr sehr lustig.

 

01. Oktober 2026

Nele Pollatschek - Wie ich so glücklich wurdeNele Pollatschek – Wie ich so glücklich wurde
160 Seiten, gebunden, € 20,00

Die Fähigkeit, glücklich zu werden, ist zur Hälfte vererbt. Nele Pollatschek schreibt für alle, die das Glück nicht einfach in den Genen haben.
Manche Menschen sind von Natur aus gut drauf. Nele Pollatschek gehört nicht dazu. Trotzdem stellt sie eines Tages überrascht fest, dass sie ungewöhnlich glücklich ist. In Begegnungen mit Wissenschaftlern und Hinduisten, Psychologen, Philosophen, Schriftstellern und Fussballspielern erzählt sie, wie es soweit kommen konnte. Pollatschek erzählt von Selbstfürsorge und Selbstdisziplin, erklärt, warum Trigger-Warnungen Quatsch sind und Traumata besser als ihr Ruf. Vor allem erzählt sie, wie man glücklich wird, auch wenn man echt nicht dafür gemacht ist.

 

Hanns Zischler - Yumikos ParaventHanns Zischler – Yumikos Paravent
192 Seiten, gebunden, € 23,00

Gibt es Nähe, die (nur) in der Distanz überlebt? Klug und poetisch erzählt Hanns Zischler die faszinierende Liebesgeschichte einer Modemacherin, die zwischen Berlin und Japan zwei Leben führt.
Die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Mutter Johanna im fernen Japan erreicht Hanaka Wochen zu spät. Sie reist nach Kobe, um Johannas Modeatelier aufzulösen. In einer unvollendeten Leinenjacke findet sie ein ganzes Bündel Luftpostbriefe – von einem einzigen Absender, dem Berliner Maler Kusmín. Offenbar haben die beiden nach Johannas Wegzug aus Berlin über zwanzig Jahre eine intime, innige Brief-Beziehung geführt. Die überraschte Hanaka begibt sich auf eine Spurensuche, die auch in ihre eigene Vergangenheit führt.

 

Hanser

28. Mai 2026

Miriam Carbe - Unerwünschte TöchterMiriam Carbe – Unerwünschte TöchterNeuerscheinung Debüt
576 Seiten, Hardcover, 26,00 €

Die Familie eines deutschen Jahrhunderts: Margarethe, Marianne, Monika, Miriam. Vier Generationen. Sie lieben sich, sie tun sich weh, sie kämpfen um ihre Unabhängigkeit. Sie stammen aus dem Bildungsbürgertum Dresdens, die Männer und Väter fallen in den Weltkriegen. Zum schlimmsten Zerwürfnis kommt es nach der Übersiedlung in den Westen, als die hochintelligente, labile Enkelin Monika in den Sechzigerjahren gegen alle Widerstände ein uneheliches schwarzes Kind zur Welt bringen will. Die Autorin selbst ist dieses Kind. Menschlich, eindringlich und mitreißend macht Miriam Carbe ein ganzes Jahrhundert erlebbar. Wer dieses Buch liest, begegnet sich selbst und den eigenen Familiengeschichten. Episch und epochal – ein Meisterwerk.

 

06. Oktober 2026

Colson Whitehead - Cool MachineColson Whitehead – Cool Machine
Hanser Verlag
Hardcover, 448 Seiten, 27,00 €

New York in den Achtzigern: Reagan-Jahre, Immobilienboom, entfesselter Kapitalismus, wilde Musik. In Harlem scheint Ray Carney angekommen zu sein: Möbelhändler des Monats, Familienmensch, respektabler Geschäftsmann – trotz seiner Vergangenheit als Hehler. Doch als seiner Frau der Kredit für ihre Reiseagentur verweigert wird, wagt er einen riskanten Coup: den Einbruch in einen Tresor im Waldorf Astoria, in dem die Goldmedaille von Jesse Owens liegt. Nachdem Carney in ein Netzwerk afrikanischer Raubkunst gerät, stellt sich immer dringlicher die Frage, ob Wiedergutmachung in Amerika ohne Selbstjustiz möglich ist. Colson Whitehead erzählt eine packende Kriminalgeschichte und entwirft zugleich ein furioses Porträt New Yorks im Umbruch.

 

Hanser Berlin

15. September 2026

Richard Ford - In einfachen WortenRichard Ford – In einfachen Worten
Übersetzt aus dem Englischen von Frank Heibert
112 Seiten, Hardcover, 20,00 €

Ein unbedarfter junger Mann mit Legasthenie liest sich im tiefsten Mississippi der 1960er-Jahre durch Dichter und Denker und beschließt zu schreiben. Wusste er, was er da tat? Und weiß er es heute, als einer der bedeutendsten Schriftsteller seines Landes? Mit dem glasklaren, unsentimentalen Blick, der sein Werk auszeichnet, betrachtet Richard Ford den eigenen Weg, besichtigt und hinterfragt sein Schreiben und stellt dabei fest, wie stark es immer schon von seinem politischen Bewusstsein geprägt war.
Ein berührendes, erhellendes Selbstporträt des großen amerikanischen Schriftstellers, der es wie kein Zweiter versteht, die Conditio humana und die Lage der Welt auf den Punkt zu bringen.

 

06. Oktober 2026

Marica Bodrožić - SterbenMarica Bodrožić – Sterben
112 Seiten, Hardcover, 20,00 €

Ein sonniger Klinikgarten, ein Liegestuhl vor dem Hospiz – und die Erkenntnis: Die Autorität des Todes ist die Autorität des Lebens. Als die Autorin eine Diagnose bekommt, die ihren baldigen Tod bedeuten könnte, betritt sie einen „Zwischenraum“, jene Zone, in der die Zeit zwei Takte hat, den des Körpers und den des Bewusstseins. Aus dieser Grenzerfahrung heraus beschreibt sie, wie Sterblichkeit die Wahrnehmung schärft und Freiheit ermöglicht. Sie vollzieht die Denkbewegungen großer Philosophen und Schriftstellerinnen nach und fragt, was von uns bleibt, wenn alles Überflüssige abfällt. Ein literarisch-philosophischer Essay über Sterblichkeit als Schule des Sehens – und darüber, wie uns das Leben, das uns bleibt, intensiver, wahrhaftiger, freier werden lässt.

 

Hanserblau

Eva Kranenburg - Falls jemand fragt, wer wir warenEva Kranenburg – Falls jemand fragt, wer wir waren
Hardcover, 288 Seiten, 22,00 €

Als Rena spurlos verschwindet, macht sich ihre beste Freundin Tilla auf die Suche. Doch schnell merkt sie: Nichts von dem, was Rena über sich erzählt hat, ist wahr. Die Verkäuferin, die angeblich Renas Mutter ist, hat gar keine Kinder. Das Haus an der Adresse, die ihre Freundin ihr genannt hat? Eine ausgebombte Ruine.
Je verzweifelter Tilla in ihrer Heimatstadt Halle nach Rena sucht, umso klarer treten die Abgründe der noch jungen DDR hervor. Als sich die brodelnde Unzufriedenheit in der Bevölkerung schließlich im Volksaufstand des 17. Juni entlädt, muss Tilla sich entscheiden, wie weit sie gehen will – für die Wahrheit, für ihre Freundin und für die Frage, woran sie wirklich glaubt.

 

HarperCollins

22. Dezember 2026

Mira Malewski - UnterströmungenMira Malewski – UnterströmungenNeuerscheinung Debüt
336 Seiten, Hardcover, € 24,00

Die 15-jährige Mila liebt das Meer, fantastische Bilder und ihre beste Freundin Lissy, in ihrem lieblosen Elternhaus am Rande einer schleswig-holsteinischen Kleinstadt fühlt sie sich fremd. Als eine unbedachte Äußerung Rätsel über ihre Herkunft aufwirft, begibt sie sich auf die Suche nach Antworten.
Sonni ist fast 16, als sie in den letzten DDR-Jahren nach der Republikflucht ihres Vaters Halt in einer Gruppe Punks findet.
Und dann ist da noch der junge Kubaner Gilberto, der nach einer enttäuschten Liebe fern seiner Heimat auf eine erfolgreiche Zukunft hofft.
Drei junge Menschen, die sich zu ganz unterschiedlichen Zeiten auf die Suche nach ihren Wurzeln begeben und deren Schicksale miteinander verflochten sind. Unterströmungen ist eine bemerkenswerte Odyssee durch die Geschichte eines gespaltenen Landes und eine emotionale Erinnerung an den Weg, den wir alle zurücklegen müssen, bevor wir bei uns selbst ankommen können.
Eine berührende Erzählung über junge Menschen, denen es in den Wirren der großen Weltpolitik dennoch gelingt, den eigenen Weg zu finden

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Hoffmann und Campe

02. September 2026

Radka Denemarková - Koboldtschechische literatur   Radka Denemarková – Kobold
übersetzt von Rajia Hauck
544 Seiten, gebuden, € 27,00

Dieser einzigartige Roman erzählt zwei miteinander verwobene Geschichten, die sich wie Wasser und Feuer begegnen – gegensätzlich und doch untrennbar. Im Zentrum stehen unbezwingbare Liebe und raffinierte Gewalt, familiäre Prägungen und ideologische Verführungen. Die Figuren dieses Romans tragen die Narben ihrer Herkunft und ihrer Zeit: einer Gesellschaft, die nach innen wie an ihren Rändern verhärtet ist – gegenüber den Sensiblen, den Verletzlichen, den sogenannten Schwächeren. Ihr Leiden ist kein individuelles Versagen, sondern Symptom einer Epoche. Und hinter allem scheint eine dunkle Macht zu wirken: die Kobolde.

 

Kampa

17. September 2026

Jess Walter - So weit wegJess Walter – So weit weg
Übersetzt von Georg Deggerich
320 Seiten | Gebunden, €  25,–

Sieben Jahre ist es jetzt her, dass Rhys Kinnick genug hatte. Als hätten die Wahlen 2016 nicht gereicht, ihm die Verrottung der USA vor Augen zu führen, war da auch noch sein Schwiegersohn Shithead Shane, ein strahlendes Beispiel für rechtskonservatives, christliches Geschwurbel. Seine Ehe hatte Rhys damals längst an die Wand gefahren, seinen Job bei der Spokesman-Review verloren. Nach einem Eklat an Thanksgiving im Kreise der Familie – wem wäre bei Shanes Dummschwätzerei nicht die Hand ausgerutscht? – setzte sich Rhys ins Auto, warf das Handy aus dem Fenster und zog sich in ein Häuschen im Wald zurück, wo er seither lebt, liest und an seiner Komposttoilette herumbastelt. Und dann stehen plötzlich zwei Kinder vor seiner Tür, die er beinahe nicht wiedererkannt hätte: seine Enkel Asher und Leah. Ihre Mom – seine einzige Tochter – sei verschwunden, berichten sie. Schwebt Bethany in Gefahr? Hätte Rhys das Fiasko verhindern können, wenn er sich nicht im Wald verschanzt hätte? Und: Kann er es wieder geradebiegen?

 

Karl Rauch

15. September 2026

tschechische literatur    Jiří Hájícek - Der Drache auf dem FeldwegJiří Hájícek – Der Drache auf dem Feldweg
Übersetzt von Kristina Kallert
Gebunden mit Lesebändchen, 240 Seiten, € 26,00

Die Musiklehrerin Kristýna kehrt nach Jahren in Prag in ihr Heimatdorf zurück. Mit fünfunddreißig versucht sie, die Fäden zu ihrer Familie wiederaufzunehmen.
Mit Tomáš, der auf dem alten Hof seiner Familie lebt, verbindet sie eine lebenslange Bekanntschaft – und bald mehr als das. Doch nach und nach treten Spannungen auf – leise Unstimmigkeiten, die aus den Gegensätzen zwischen Stadt- und Landleben erwachsen.
Plötzlich tauchen im Dorf schwarze Autos auf, aus denen junge Männer in Anzügen steigen und Geld für Anteile an den Höfen anbieten. Was wie ein verlockendes Angebot klingt, entpuppt sich als Angriff. Und Tomáš begreift, dass ihm eine weit größere Krise bevorsteht als seine persönliche.

 

Kein&Aber

13. Juli 2026

Judith Fanto - Der BetrachterJudith Fanto – Der Betrachter
Hardcover, 464 Seiten, € 26,00

1916. Nach dem Tod seiner Mutter muss der zehnjährige Manno seine Heimatstadt Haarlem verlassen und zur Familie seines Vaters nach Wien ziehen. In der neuen Stadt fühlt er sich einsam und verloren, bis er in der Sommerschule Béla, Franzi, Max, Bertl und Lotte kennenlernt. Es entsteht eine Freundschaft, die die sechs jeden Sommer erneuern. Außerhalb Wiens bei den gemeinsamen Ferien in Altaussee scheint es keine Rolle zu spielen, dass Béla schwul ist, oder dass Max und Franzi jüdisch sind. Doch im antisemitischen Wien wird ihre Freundschaft zunehmend politisch, und spätestens als Hitler am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Österreich einmarschiert, tun sich innerhalb der Freundesgruppe Abgründe auf, die unüberwindbar scheinen. 1948 blickt der Kunstrestaurator Manno zurück und legt die Freundschaft Stück für Stück frei.

 

17. August 2026

Franziska Gänsler – Orca
Hardcover, 368 Seiten, € 25,00

Die Fleischtheke des Supermarkts am Tag, Stille bei Nacht: So sieht Coras Leben aus. Bis ihre Kindheitsfreundin Olympia verhaftet wird und alles zurückkommt. Der Sommer, in dem sie sich wiedergetroffen haben, in dem alles gesummt hat in ihr, das Seewasser noch auf der Haut, der Glitzer auf der Cap, die verzierten Fingernägel. Die langen Tage im großen, leeren Haus mit Olympia, die Cora erkennt, wie sie ist. Und wie schnell sie Olympia nicht mehr nur für sich hat nach der illegalen Party, auf der sie zum ersten Mal eine Grenze überschreiten, nach der Olympia so viel Zeit mit Ariel und ihrer Aktivistengruppe verbringt. Während Cora versucht, in der Schule und zu Olympia den Anschluss zu halten, schlägt eine radikale Idee ihre Triebe aus – und Cora verstrickt sich in ein Lügengespinst, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Eindringlich und betörend erzählt Franziska Gänsler von der Freundschaft zweier junger Frauen, ihrer Loyalität und dem unbedingten Willen, dazuzugehören. Sie zeichnet die Träume einer ganzen Generation.

 

Kiepenheuer und Witsch

13. August 2026

Eva Menasse - AlleinruhelageEva Menasse – Alleinruhelage
288 Seiten, gebunden € 23,00

Nach dem Ende der Ehe steht eine Frau mit ihrem Wochenendhaus plötzlich allein da. Hier hat sie einst mit der Familie die Idylle gesucht und will nun den Neuanfang wagen.
Die nötige Hilfe ist quasi vom Himmel gefallen, Alla und Bolek aus Polen, zwei Kettenraucher, die alles können. Die Renovierungen und Rückschläge, die geplatzten Wasserleitungen und die Bosheiten der benachbarten Schrebergärtner lösen viele Erinnerungen und neue Erkenntnisse aus – und so manche Fallstricke der deutsch-deutschen Geschichte nimmt die Erzählerin womöglich genauer wahr, als Wienerin in der doppelten Fremde. Dann beschließt sie, das geliebte Haus zu verkaufen, um noch einmal aus- und aufzubrechen aus ihrer »stabilen Alleinruhelage«.
Eva Menasse hat einen vielschichtigen Roman über die Zwischenbilanz eines Lebens geschrieben, eine gewitzte Reflexion über Fremdheit und Heimat – und das Abschiednehmen.

 

03. September 2026

Shida Bazyar – Die LückenShida Bazyar - Die Lücken
512 Seiten, gebunden, € 25,00

Ein Roman über die Fundamente unserer Heimat
Nach ihren gefeierten Romanen über Exil und postmigrantische Gegenwart legt Shida Bazyar eine literarische Archäologie der Heimat vor. In einer präzisen Tiefenbohrung der Provinz stellt sie die radikale Frage: Auf welchen Fundamenten bauen wir unsere Heimat?
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre Vergangenheit aktiv verschweigt und zugleich zum Zufluchtsort für diejenigen wird, die hier Geborgenheit suchen. Der Roman führt uns durch die Jahre und die Köpfe derer, die das Dorf prägten: von jüdischen Familien, die alles verloren, über NS-Profiteure, die sich als unschuldige Mitläufer neu erfanden, bis hin zu den Familien Sharifi und Karimpour, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten. Shida Bazyar gelingt ein virtuoses Erzählmosaik über die Last der Geschichte, die Lüge des Neubeginns und den Wunsch, endlich eine Heimat zu finden.

 

Kjona

21. Juli 2026

Corinna Krenzer - Eine einfache WahrheitCorinna Krenzer – Eine einfache WahrheitNeuerscheinung Debüt
Hardcover, 240 Seiten, € 23,00

Kurz vor dem Mauerfall flieht Janna mit ihren Eltern in den Westen. Drei Monate später nimmt sich ihr Vater, ein Schriftsteller, das Leben. In seinen Händen ein Zettel, auf dem nur fünf Buchstaben stehen: Janna.
30 Jahre später kehrt sie, inzwischen selbst Schriftstellerin, auf der Suche nach Antworten ins mecklenburgische Kohltal, das Dorf ihrer Kindheit, zurück. Niemand hat hier auf sie gewartet. Selbst Oskar, Sohn des SED-Ortssekretärs und damals ihr bester Freund, geht ihr aus dem Weg. Als Janna schon wieder abreisen will, stößt sie im baufälligen Bootshaus des Vaters auf dessen Tagebücher. Es scheint, als hätten Jannas Eltern die DDR damals nicht freiwillig verlassen. Und als hätte das ganze Dorf davon gewusst.

 

18. August 2026

Banu Mushtaq - Meistens bleibt ja die Frau zu HauseBanu Mushtaq – Meistens bleibt ja die Frau zu Hause
Storys.
übersetzt von Katrin Binder
Hardcover, Klebebindung, 224 Seiten, € 23,00

Ausgezeichnet mit dem International Booker Prize 2025

12 Frauen gegen das Patriarchat. In ihren Storys, die über drei Jahrzehnte hinweg entstanden sind, feiert Banu Mushtaq die kleinen, alltäglichen Arten weiblichen Widerstands. Die Kulisse: ein von Klassismus und Korruption zerfressenes Land – Indien. Aashraf, die von ihrem Mann verlassen wird, weil sie ihm nur Töchter zur Welt bringt. Jamila, deren Bruder versucht, sie im Namen der Religion um ihr Erbe zu betrügen. Akhila, deren Mann ihr kaum in die Augen schauen kann, aber herumspringt wie ein junges Kalb, wann immer er seine Mutter sieht. Sie alle sind in ihrer Trauer und Wut vereint. Und sie lachen den Mächtigen mit aufmüpfigem Witz ins Gesicht.

 

15. September 2026

Suzie Miller - Inter aliaSuzie Miller – Inter alia
übersetzt von Katharina Martl
Hardcover, 304 Seiten, € 25,00

Tagsüber flößt Richterin Jessica Parks Sexualstraftätern – und ihren Anwälten – in London Respekt ein. Fall für Fall entlarvt sie, wie Männer die Gesetze zugunsten von Männern auslegen. Abends ist sie die überforderte Mutter eines siebzehnjährigen Sohnes, der in der Schule gemobbt wird. Als man Harry vorwirft, eine Mitschülerin vergewaltigt zu haben, stürzt Jessica in einen schier unaushaltbaren Konflikt. Zeit ihres Lebens kämpft sie dafür, dass wir als Gesellschaft den Opfern Glauben schenken. Aber ihr Sohn schwört auf seine Unschuld. Und sie fühlt sich verpflichtet, ihm beizustehen.

 

Klett-Cotta

15. August 2026

Hans-Joachim Gögl - VatertagHans-Joachim Gögl – VatertagNeuerscheinung Debüt
288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 25,00 €

»Vaterbücher gibt es viele, und doch fügt Hans-Joachim Gögl etwas Neues hinzu, überraschend und betörend.« Ilija Trojanow
Wer lebt besser, schöner? Zeitlebens sind sich ein Vater und ein Sohn darüber nicht einig. Als der Vater stirbt, probiert der Sohn von nun an montags, mittwochs und freitags das Vaterleben aus. Eine einzigartige Geschichte über Nähe und Fremdheit, so feinfühlig wie humorvoll erzählt.
Dieser Vater weiß ganz genau, wie man richtig lebt. Er ist der Meister des perfekt dosierten Mittelmaßes: lange Spaziergänge, frei verfügbare Zeit, Gelächter im Kreis der Kollegen. Das Leben seines Sohnes, der eine Designagentur leitet, missbilligt er. Zu fremdgesteuert, zu ehrgeizig, zu eilig. Der aber will die Welt nicht nur hinterfragen, sondern auch verbessern. Als der Vater stirbt, kommen dem Sohn Zweifel. Führt die Lebenskunst des Vaters vielleicht doch zu einem glücklicheren Leben? Er beschließt, es auszuprobieren, und schlüpft von nun an montags, mittwochs und freitags in die Rolle seines Vaters. Hans-Joachim Gögl ist ein spielerisch leichter und tiefgründiger Debütroman gelungen.

 

17. Oktober 2026

Martina Hefter - Nach der Sonne schauenMartina Hefter – Nach der Sonne schauen
272 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 25,00 €

Auf der Suche nach Schönheit in der Welt: Der neue Roman von Martina Hefter
Mit präziser Leichtigkeit und schlichter Eleganz erzählt Martina Hefter von einer Frau, die in einer ehemaligen Tagebaulandschaft eine neue Zukunft findet. Sie erzählt von der Notwendigkeit, sich gegen die Zudringlichkeiten der Gegenwart zur Wehr zu setzen, sie erzählt von inneren Kämpfen und jenen Momenten, die uns aneinander binden – oder voneinander lösen.
Die Installationskünstlerin Iona Bartschok zieht sich den Sommer über ins Leipziger Umland zurück. Die Landschaft hier besitzt eine eigensinnige Lebendigkeit: eine ehemalige Tagebau-Region, künstlich geflutet, von Abraumhalden und einem immerwährenden Wind geprägt. Iona will in dieser Umgebung an einem neuen Projekt arbeiten. Aber sie sucht auch Abstand, nachdem ein Maler öffentlich eines ihrer wichtigsten Kunstwerke, ein Baumhaus, mit dem Wort „Bullshit“ besprüht und beschädigt hat. Sie bezieht eine umgebaute Industriehalle, deckt sich mit Lebensmitteln ein, wird nur von einem Bildschirmhund begleitet, den ihr Vermieter an der Wand installiert hat. Doch dann läuft ihr Bella zu, eine Hündin aus Fleisch und Blut, die ihr nicht mehr von der Seite weicht. Eines Tages steht eine weitere Fremde vor der Tür: Nova, die kämpferische Nichte des Vermieters. Und während draußen der Wind zunimmt, der Regen die Straßen flutet, drängt sich mit aller Macht das Leben zurück in die Halle.

 

Luchterhand

26. August 2026

Jaroslav Rudiš  - Wo die Toten sprechentschechische literatur    Jaroslav Rudiš  – Wo die Toten sprechen
Hardcover, mit Schutzumschlag, 176 Seiten, € 24,00

Lorenzo, Caspar und Miss Detroit: Drei Freunde – alle irgendwo zwischen Lebensmitte und Lebensmüdigkeit – machen sich auf die Reise durch das Herz Mitteleuropas. Im Kofferraum: die Knochen eines NS-Verbrechers, die sie einem Berliner Friedhof entwendet haben, um den plündernden Reichsbürgern zuvorzukommen. Was als absurde Mission beginnt, wird zum Roadtrip über Friedhöfe und in die Vergangenheit. Während Lorenzo versucht, auf der Rückbank ein Gedicht über die toten europäischen Dichter zu schreiben, träumt Miss Detroit davon, Friedhofsbotanikerin zu werden. Und Caspar erinnert sich an den Großonkel, der noch als Kind im Krieg tragisch ums Leben kam und seitdem durch die Familiengeschichte geistert. Mit jedem gefahrenen Kilometer rücken die drei näher aneinander und sehnen sich nach einer Antwort auf die Frage, die Grab um Grab lauter wird: Wovon erzählen die Toten, wenn man ihnen zuhört?
Ein temporeicher Roman voller lakonischem Humor: Jaroslav Rudiš bricht auf zu einer rasanten Odyssee entlang der Grenzen der europäischen Mitte und dessen, was uns zusammenhält.

 

Tash Aw - Der SüdenTash Aw – Der Süden
Aus dem Englischen von Pociao, Roberto de Hollanda
Hardcover, mit Schutzumschlag, 320 Seiten, € 25,00

Malaysia, Ende der 90er: Der sechzehnjährige Jay fährt mit seiner Familie in den Süden des Landes. Kürzlich ist der Großvater verstorben und hat ihnen Haus und Land hinterlassen. Einst eine blühende Farm, scheint der fortschreitende Verfall kaum noch aufzuhalten. Die Bäume sind krank, die Felder nach monatelanger Dürre vertrocknet. Dennoch soll Jay – auf Geheiß seines Vaters – zusammen mit Chuan, dem Sohn des Farmvorstehers, das Land bestellen. Oder das, was davon noch übrig ist. In der erstickenden Hitze auf den Feldern und in den Straßen der Stadt fühlt sich Jay immer mehr zu Chuan hingezogen. Doch das Erbe der Farm und die zunehmende Machtlosigkeit gegenüber der Natur und der Welt lasten schwer auf der Familie. Wird Jay überhaupt Gelegenheit haben, Chuan seine Gefühle zu zeigen?
So intim wie weitsichtig erzählt Tash Aw in »Der Süden« von einer jungen Liebe, von Erbschaft und Familie und von dem existenziellen Hadern mit einer sich verändernden Welt.

 

16. September 2026

Claire Adam  - Was uns immer bleibtClaire Adam  – Was uns immer bleibt
Aus dem Englischen von Charlotte Breuer
Hardcover, mit Schutzumschlag, 352 Seiten, € 25,00

Nominiert für den Booker Prize 2025
Die meiste Zeit ihres Lebens hatte Dawn das Gefühl, dass etwas fehlte. Jetzt, mit 58 Jahren, zwei erwachsenen Söhnen und einer Scheidung hinter sich, ist sie entschlossen, diese Lücke zu schließen. Sie setzt alles daran, die Tochter zu finden, die sie vor vier Jahrzehnten zur Adoption freigegeben hat. Mit sechzehn war Dawn damals schwanger geworden. Auf einer Party am Strand von Trinidad, ihrer karibischen Heimat. Ihre Familie gehört zu den angesehensten auf der Insel, reich geworden mit dem Export von Früchten. Und diese hatte nur eine Antwort auf die Schwangerschaft: vertuschen. Dawn wird nachts mit einem Schmugglerboot übers Meer nach Venezuela geschafft. Dort bringt sie ihr Kind zur Welt, in einem von Nonnen geführten Heim. Doch immer war da die Frage: Wo könnte diese Tochter sein? Und so durchforstet Dawn Internet-Foren und kehrt zurück auf die Insel ihrer Kindheit, zu ihrer Familie. Entschlossen, das Schweigen zu brechen.

 

23. September 2026

Andrew Miller - Das Land im WinterAndrew Miller – Das Land im Winter
Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl
Hardcover, mit Schutzumschlag, 416 Seiten, € 26,00

Shortlist Booker Prize 2025
England, Dezember 1962: Es ist der kälteste Winter des Jahrhunderts. Die Welt ist wie in Eis erstarrt. Eric Parry, ein Landarzt, ist stolz auf das Leben, das er an der Seite seiner schönen Frau Irene führt. Seine bescheidene Herkunft hat er hinter sich gelassen. Die beiden erwarten ein Kind – und doch wird die Distanz zwischen ihnen unweigerlich größer. Während Eric sich auf den Weg zu seinen Hausbesuchen im Dorf macht, wandert Irene durch die Zimmer des stillen Hauses und sehnt sich zurück zu ihrer Familie in London. Sie vermutet nicht zu Unrecht, dass Eric eine Affäre mit einer verheirateten Frau hat. Irene findet Trost in der Freundschaft mit Rita Simmons, ihrer Nachbarin, die ebenfalls schwanger ist und zusammen mit ihrem Mann Bill kürzlich auf den benachbarten Bauernhof gezogen ist. Auch dieses Ehepaar steckt in Schwierigkeiten: Bill, gescheiterter Oxford-Student, hat Schwierigkeiten, sich an das Leben auf dem Land zu gewöhnen, und Rita versucht, eine unrühmliche Vergangenheit hinter sich zu lassen. Während der Schnee unaufhörlich fällt, die Straßen unpassierbar macht und die Menschen in ihre Häuser verbannt, entladen sich die latenten Spannungen der beiden Paare. Nicht zuletzt wegen eines folgenschweren ärztlichen Fehlers, den Eric begeht.

 

Assaf Gavron - Das Leben nach den großen FerienAssaf Gavron – Das Leben nach den großen Ferien
Aus dem Hebräischen von Stefan Siebers
Hardcover, mit Schutzumschlag, 560 Seiten, € 28,00

Die Lebenswege von vier Freunden, in denen sich das Schicksal eines ganzen Landes spiegelt: Kermit, Gershon, Schneid und Travis wachsen in den 80er Jahren in einem Dorf in der Nähe Jerusalems auf, das von der Geschichte Israels geprägt ist wie durch ein unsichtbares Kraftfeld. Es geht um Musik, Popkultur, euphorische Liebe und den Traum von Freiheit und Selbstverwirklichung, aber auch um die Schrecken der Vergangenheit, um Pogrome und Kriege, die weiter ständig drohende Gewalt. Als einer der Freunde bei einem Militäreinsatz im Libanon stirbt, wird das für die anderen zum Wendepunkt: Einer gründet eine erfolgreiche Falafel-Kette, ein weiterer gestaltet Grabsteine, der dritte zieht von Ort zu Ort, auf der Suche nach seiner großen Jugendliebe und nach sich selbst. Die Erfahrung des tragischen Verlustes wird sie jedoch für immer verbinden.
Einfühlsam und lebensprall erzählt „Das Leben nach den großen Ferien“ von Freundschaft, dem Ende der Unschuld und der lebenslangen Suche nach Zugehörigkeit und Identität – sowie von einer Generation in Israel, die versucht, der scheinbar unausweichlichen Gewaltspirale zu entkommen.

 

07. Oktober 2026

George Saunders - NachtwacheGeorge Saunders – Nachtwache
Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert
Hardcover, mit Schutzumschlag, 240 Seiten, € 24,00

Jill ›Doll‹ Blaine rast im freien Fall auf die Erde zu – nicht zum ersten Mal, denn als himmlische Sterbebegleiterin gehört genau das zu ihrem Job: aus höchster Höhe auf eine arme Seele zustürzen und ihr beim Übergang ins Jenseits tröstend zur Seite stehen. Diesmal jedoch landet Jill vor der Villa von K.J. Boone, der sein Ölunternehmen als CEO mit harter Hand an die Weltspitze geführt hat. Und Boone braucht keinen Trost. Er hat ein tatkräftiges, heldenhaftes, visionäres Leben gelebt, durch ihn ist diese Welt eine bessere. Oder etwa nicht? Je näher der Tod rückt, desto mehr Besucher (lebendige wie tote) erscheinen – es sind Reisende aus fernen, von Naturkatastrophen heimgesuchten Erdteilen und aus lang vergangenen Lebensphasen des sterbenden Patriarchen. Und einige von ihnen wollen nur eines: Rache.
Am Sterbebett eines Öltycoons: George Saunders neuer großer Roman begibt sich auf einen wilden Ritt zwischen Himmel und Hölle, Leben und Tod, Gut und Böse – und geht der Frage nach, wie lange ein Mensch die Stimme seines Gewissens überhören kann.

 

Matthes&Seitz

01. Oktober 2026

Emmanuel Carrère - KolchoseEmmanuel Carrère – Kolchose
Aus dem Französischen von Claudia Hamm
512 Seiten, gebunden, 28,00 €

2023 stirbt Hélène Carrère d’Encausse, die berühmteste Russland-Historike-
rin Frankreichs und Vorsitzende der Académie française, und kurz darauf ihr
Mann Louis. Beim Ausräumen ihrer Wohnung entdeckt Emmanuel Carrère
die Nachforschungen seines Vaters zum weitverzweigten Stammbaum der
Familie, und er beginnt, durch die großen Umbrüche des 20. und 21. Jahrhun-
derts hindurch humorvoll, zärtlich und manchmal voller Grauen die Lebens-,
Liebes- und Leidensgeschichten von vier Generationen in Russland, Geor-
gien, im deutschen Exil und in Frankreich nachzuzeichnen. Wie politische
Geschichte die persönliche schlagartig umwerfen kann, wird dabei bis in die
Jetztzeit erkennbar, das heißt bis zum Ukrainekrieg, dessen Beginn Carrère
in Moskau miterlebt, und den Umwälzungen in Georgien, denen sich seine
Cousine, die Präsidentin Salome Surabischwili, stellen muss. Die Entstehung
eines »gigantischen Dystopia« und die weltweite Fassungslosigkeit darüber
werfen einmal mehr die Frage auf, wie wir uns unser Leben erzählen.
Carrères Mutter begegnete diesem unheimlichen Chaos mit Disziplin und
Intelligenz, aber auch der Verdrängung von Traumata: Als Spross eines
georgischen Kollaborateurs und einer mittellosen russischen Adeligen
bestand ihr Leben oft aus Anpassung und Scham, zugleich aber auch der
Freiheit, sich neue Realitäten zu erschaffen. So taucht dieser Roman tief in
»die horizontale und vertikale Dimension« von Beziehungen ein, um auf der
für Carrère typischen Suche nach Wahrheit persönliche und staatliche
Lügen, Illusionen und Scheinrealitäten zu durchbrechen.

 

Can Xue - Welt aus LeidenschaftCan Xue – Welt aus Leidenschaft
Aus dem Chinesischen von Eva Schestag
Mit einem Nachwort von Ann Cotten
600 Seiten, gebunden,  32,00 €

Als Mora zum ersten Mal die schmale Treppe hinabgeht, weiß sie nicht, ob
sie einen realen Ort betritt oder bereits Teil einer Lektüre geworden ist. Die
Buchbar heißt ›Taubenschlag‹. Sie öffnet nur nachts, verborgen im Inneren
der Stadt, für Menschen, die lesen, als hinge ihr Leben davon ab.
Tagsüber arbeitet Mora in einem Kaufhaus. Nachts sucht sie die Gespräche
mit dem Lesekreis, der sich hier versammelt, um überkommene Vorstellun-
gen von Literatur aufzubrechen und anders zu leben und zu lieben. Bücher
ohne Titel stehen im Mittelpunkt ihrer Treffen. Aus Sätzen werden Erinne-
rungen, aus Gesprächen Nähe. Lesen verändert Wahrnehmung, verschiebt
Beziehungen, öffnet Begehren. Mora hat das langsame, widerständige Lesen
von ihrem Mentor, dem Literaturkritiker Yishu, gelernt. Im Taubenschlag
begegnet sie Heishi, einem Freund, Vertrauten, möglichen Liebhaber, und
Hanma, einer jungen und ebenso talentierten wie mutigen Schriftstellerin.
Zwischen ihnen erfährt Mora, dass Liebe unsicher ist – Literatur jedoch ver-
bindend wirkt, auch dort, wo Beziehungen scheitern.
Als sich ihr Leben neu ordnet, findet Mora Rückhalt im Taubenschlag. Nicht
aus Hoffnung auf Erfüllung, sondern aus Gewissheit: Lesen ist Handeln.
Risiko. Und eine Kraft, die weiterträgt, wenn anderes vergeht.
Welt aus Leidenschaft, Can Xues bisher zugänglichstes Werk, ist eine utopi-
sche Komödie und ein Werk von aufrichtiger Freude, ein Liebeslied an die
literarische Inspiration und die bemerkenswerte Schönheit des Alltäglichen
– vor allem aber eine Hymne an die transformative Kraft des Lesens.

 

Nagel & Kimche

25. August 2026

tschechische literatur  Klára Vlasáková – Die Kugel
übersetzt von Sonja Marzolff
Hardcover, 250 Seiten, € 24,00

Als eines Tages urplötzlich und unerklärlicherweise ein kugelförmiges Objekt über der Erde nahe einer tschechischen Kleinstadt schwebt, passiert: erst mal nichts. Die Kugel bleibt völlig unberührt von allem. Unter den Stadtbewohnern aber, die sich ihr zunächst neugierig nähern, brechen sich bald lang unterdrückte Frustrationen Bahn, und seltsame Dinge geschehen, so auch in Otos Familie. Seine Tochter Kristýna fällt nach einem Besuch der Kugel in einen tiefen Schlaf. Oto wiederum verliert seinen Job und gerät in den Bann von Predigern, die die Kugel als Aufruf zur Veränderung verstehen. Kann es den Menschen gelingen, gemeinsam ins Handeln zu kommen und eine Lösung des Kugelrätsels herbeizuführen? Erfrischend kafkaesk bringt Klára Vlsasáková die Aporien unserer Gegenwart auf den Punkt.

 

24. November 2026

Anne Serre - Ein LeopardenhutAnne Serre – Ein Leopardenhut
übersetzt von Patricia Klobusiczky
192 Seiten, gebunden, € 24,00

Fanny ist ein unergründliches Wesen. Die junge Frau mit dem verlorenen Blick ist faszinierend, schelmisch, sprunghaft und lässt in dieser Vielschichtigkeit immer wieder neue Facetten ihrer Persönlichkeit aufscheinen. Hinter der glatten Maske, die sie ihrer Umgebung zeigt, existieren noch viele andere Fannys: wie die, die eines Tages einen Leopardenhut stiehlt. Voller Zuneigung, Bewunderung, aber auch Unverständnis blickt der Erzähler auf das Leben seiner rätselhaften Freundin Fanny, die einen großen Schmerz in sich trägt, der sie immer weiter von ihm entfernt.
Einfühlsam, elegant und mit der ihr eigenen Leichtigkeit erzählt Anne Serre von der Zerbrechlichkeit des Lebens und lehrt uns voller Trost, wie wir uns an einen geliebten Menschen erinnern können.

 

Orlanda

29. August 2026

 Otonyia Juliane Okot Bitek - Der einzige Stern am Himmel Otonyia Juliane Okot Bitek – Der einzige Stern am HimmelNeuerscheinung Debüt
übersetzt von Anette Grube
Paperback mit Klappen, 200 Seiten, € 23,00

Helen, Josephine, Lucia, Maggie, Susannah und Miriam – junge Frauen, die als Schulkinder die Gefangenschaft durch die Lord’s Resistance Army im Norden Ugandas überlebt haben. Heute führen sie ein neues Leben in der Stadt: Sie gehen einkaufen, kümmern sich um ihre Kinder, schmieden Pläne und denken über ihre Zukunft nach. Doch immer wieder wird spürbar, wie stark ihre Vergangenheit ihre Gegenwart prägt.
In ihrem vielstimmigen Roman gewährt Otoniya Juliane Okot Bitek Einblicke in das Leben der Mädchen vor dem Krieg und erzählt von den Jahren der Gefangenschaft sowie von der gefährlichen Rückkehr in ihre Heimat. Sie zeigt mit großer Eindringlichkeit, wie schwierig der Weg zurück in ein scheinbar normales Leben nach solchen Erfahrungen ist. Gleichzeitig hebt sie die Widerstandskraft und den Überlebenswillen der Frauen hervor. Okot Bitek verbindet die Tradition des afrikanischen Oral Storytellings mit einem authentischen, unverblümten Blick auf die Wirklichkeit. So gelingt es ihr, individuelle Geschichten zu einem kollektiven Erleben zu verweben und einen Text von großer poetischer Kraft und klanglicher Schönheit zu erschaffen.

 

Otto Müller Verlag

17. September 2026

Luka Leben - Nachts nur RauschenLuka Leben – Nachts nur das Rauschen
Hardcover, 270 Seiten, € 26,00

In Jules Nächten rauscht es: im Babyphon, das den Schlaf ihres Kindes überwacht, vom Bach her, der unablässig am Haus vorbeifließt – und in ihrem Kopf, wo Fragen, Zweifel und Sorgen kreisen, die sie nicht zur Ruhe kommen lassen: Was heißt es, Mutter zu sein in einer Gegenwart, die alles verlangt und wenig trägt?
Jule und Elias haben ein Kind, das sich anders entwickelt als die meisten. Während das Umfeld ausweicht oder wegschaut, wächst in Jule eine leise Gewissheit, für die lange die Worte fehlen. Selbst innerhalb der Familie wird es zunehmend schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden – mit dem Kind, das nicht sprechen lernt, aber auch zwischen Elias und Jule. Elias ist da und doch entzieht er sich, gestützt von Strukturen, die ihn entlasten und Jule überfordern.
Eine Diagnose gibt Jules Suche endlich eine Richtung. In digitalen Räumen findet sie, was im Alltag fehlt: Austausch, Resonanz, ein vorsichtiges Gefühl von Zugehörigkeit, und immer wieder die Erfahrung, nicht allein zu sein.
Nachts nur das Rauschen ist ein intensiver Roman über die Widersprüche moderner Elternschaft und über Mutterschaft als Ort tiefer Verbundenheit und zugleich von Schuldgefühlen und Einsamkeit. Er erzählt von gesellschaftlichen Erwartungen, ungleich verteilter Verantwortung und strukturellen Hürden, die Familien formen. Eine Prosa von großer Nähe, die nicht beschwichtigt, sondern sichtbar macht.
Intimes Porträt moderner Mutterschaft: von der Zerrissenheit zwischen Liebe, Überforderung und dem Wunsch, verstanden zu werden.
Eine Familie auf der Suche nach Sprache: für ein Kind, das nicht spricht – und füreinander, wo Worte zunehmend fehlen.
Eine leise, eindringliche und körperlich spürbare Erzählung über Elternschaft jenseits von Idealbildern.

 

Penguin

19. August 2026

Gregor Sander - Troja, später NachmittagGregor Sander – Troja, später Nachmittag
Hardcover, mit Schutzumschlag, 320 Seiten, € 24,00

Ein packender, psychologisch nuanciert erzählter Roman über den Aufstieg Heinrich Schliemanns zum Star-Archäologen
Von Ankershagen in die Welt: Als der junge Heinrich in seinem mecklenburgischen Heimatdorf zum ersten Mal von der »Ilias« hört, ahnt er noch nicht, dass dieses Buch sein Leben entscheidend prägen wird. Doch aus dem Pfarrerssohn, der sich vor den Schlägen des Vaters in Träumereien flüchtet, wird einmal der Weltstar Heinrich Schliemann werden, der Entdecker des mutmaßlichen Troja und Begründer der modernen Archäologie. Als Kaufmann häufig auf Reisen, verschlägt es ihn von Amsterdam über Sankt Petersburg, Sacramento und Panama bis nach Griechenland, wo sich Schliemann auf die fieberhafte Suche nach dem Palast des Odysseus begibt. Halt findet er stets im Austausch mit seiner Kindheitsfreundin und großen Liebe Minna Meincke – Minna, die einen anderen Mann geheiratet hat und zu der trotz vieler Kilometer Entfernung die Nähe nie abreißt.
In rasantem Tempo und voller Witz zeichnet Gregor Sander das bewegte Leben der Ausnahmeerscheinung Heinrich Schliemann nach. Ein opulenter, sinnlicher und spannungsreicher Roman über das Suchen und Finden.

 

09. September 2026

Dörte Hansen – BroderDörte Hansen - Broder
Hardcover, mit Schutzumschlag, 304 Seiten, € 26,00

Der lang erwartete, große neue Roman von Dörte Hansen
»Es zählt nur einer auf dem Hof, das ist der Sohn, der bleibt. Aber die anderen, die übrig sind, die zweiten, dritten, vierten Söhne und die Töchter, die nicht zählen, bleiben Teil der Herde, ob sie wollen oder nicht. Weil sie mit großen Tieren aufgewachsen sind, ihr Atmen und ihr Brüllen kennen, und den Geruch von Milch und Mist noch an sich haben. Weil sie im Glauben an die alte, ungerechte Ordnung großgeworden sind: Vater, Sohn und heiliger Hof, schon immer so gewesen.«
Broder Bahnsen wollte nie etwas anderes als Bauer werden, Nachfolger seines Vaters, der ihm den »Kuhverstand« vererbt hat, das Gespür für Tiere. Aber den Hof bekommt sein Zwillingsbruder Henning, nur wenige Minuten älter, immer schon selbstbewusster und mehr an Maschinen interessiert.
Vom Hof vertrieben, baut Broder Bahnsen sich ein Gegenleben auf, wird Tierarzt und hält Abstand zum Betrieb, bis er nach über zwanzig Jahren wiederkommt und eine Praxis in der Nähe der Familie übernimmt. Ab da kümmert er sich auch um die Herde seines Bruders, der den elterlichen Hof zu einem hochmodernen Vorzeigebetrieb gemacht hat, mit Kühen, die auf maximale Milchleistung gezüchtet wurden.
Doch der Erfolg hat seinen Preis. Broder ist der erste, der bemerkt, dass Henning langsam die Kontrolle über seinen Hof verliert. Und muss sich plötzlich fragen, ob er darauf nicht all die Jahre nur gewartet hat. Ist das die Gelegenheit, endlich den Platz seines Bruders einzunehmen? Oder hegt er genau wie seine Tochter Claire schon längst Zweifel an dieser Art der Tierhaltung?
Dörte Hansen schreibt mit großer Klarsicht über eine Welt, in der unser Wachstumsglaube an seine Grenzen stößt und sich die Frage nach der Verantwortung gegenüber der Schöpfung immer dringender stellt.

 

Pfaueninsel

31. August 2026

Caroline Bernard - Am Rand der WeltCaroline Bernard – Am Rand der Welt
304 Seiten, Hardcover, € 23,00

»Caroline Bernard schreibt sanft und verlockend.« Christine Westermann
Im Sommer 1935 folgt die fünfundzwanzigjährige Grete ihrem Mann und zieht mit den kleinen Zwillingen in den neu gegründeten Hermann-Göring-Koog auf der Halbinsel Eiderstedt. Die Weite der Nordseeküste ist atemberaubend – und lebensgefährlich. Grete kämpft gegen den schweren, salzigen Boden, gegen Sturmfluten und gegen die Einsamkeit, die sie an den Rand ihrer Kräfte bringt. Doch noch schwerer wiegt eine Entscheidung, die sie trifft, um ihre Tochter zu schützen – und die sie ein Leben lang mit Schuld belasten wird. Sechzig Jahre später stößt ihre Enkelin Kristine auf diese verdrängte Vergangenheit. Auch sie sucht am Meer nach Antworten und erkennt, wie eng ihr eigenes Leben mit dem Schicksal der Frauen vor ihr verbunden ist.

 

Piper

30. Oktober 2026
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Susan Choi - LeuchtzeichenSusan Choi – Leuchtzeichen
übersetzt von Tanja Handels und Katharina Martl
612 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, € 28,00
Ein Mädchen am Strand, ein Licht im Dunkeln – und ein Vater, der nie zurückkehrt. Als die zehnjährige Louisa nach einem Spaziergang mit ihrem Vater allein an der Westküste Japans entdeckt wird, scheint zunächst festzustehen: Serk ist ertrunken. Louisa und ihre Mutter Anne werden Jahre und Jahrzehnte brauchen, um die Geschichte des Vaters zu ergründen und ihn wiederzufinden. Als Sohn koreanischer Flüchtlinge in Japan aufgewachsen, setzte Serk alles daran, seine Herkunft hinter sich zu lassen und sich in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Bis die Vergangenheit ihn einholt und seine Familie zerreißt.
Susan Choi entfaltet ein Panorama schmerzlich-zarter Erinnerungen, Verluste und Verbundenheit – ein meisterhaft komponierter literarischer Roman.

 

 

Residenz

10. August 2026

Boris Schumatsky - Die Seine fließt ins Schwarze MeerBoris Schumatsky – Die Seine fließt ins Schwarze Meer
Hardcover, 256 Seiten, € 26,00

Ein vielschichtiger Roman über Heimat und Exil, Liebe und Gewalt, Wahn und Widerstand
Der russisch-jüdische Erzähler lebt in Berlin, seine kranke Mutter kann er aus Angst vor Verhaftung nicht mehr in Moskau besuchen. So bleiben ihm nur Telefonate mit ihrer immer leiser werdenden Stimme, Erinnerungen an ein Aufwachsen in einer gewaltvollen Diktatur und die unzähligen Geschichten, die am Küchentisch der Eltern erzählt wurden. Vor allem von der umtriebigen Nathalia, die in Paris einst Concierge in dem Hotel war, in dem Paul Celan lebte, und die über Celans Liebesbeziehungen mehr zu berichten hat, als die Forschung weiß. Überzeugend verbindet Schumatsky seine politische Verzweiflung über den Krieg in der Ukraine und den Antisemitismus vor seiner Haustür mit Kindheitsbildern und einer persönlichen Lesart von Celans Leben, Schreiben und Tod.

 

Rowohlt

14. August 2026

Valeria Luiselli - Anfang Mitte EndeValeria Luiselli – Anfang Mitte Ende
Übersetzt von: Brigitte Jakobeit
400 Seiten, Hardcover,€ 26,00

Ein wundersamer, zärtlicher Roman über vier Generationen von Frauen, über den Lauf der Zeit und die Macht der Natur: Nach dem Scheitern ihrer Ehe macht sich eine Mutter mit ihrer Tochter auf eine Reise nach Sizilien. Es soll ein Neuanfang werden, aber auch eine Reise zu den Ursprüngen der Familie. Es ist ein heißer Sommer, ein Sommer der plötzlich auftosenden Stürme. Der Ätna droht auszubrechen, Waldbrände überziehen die Insel.
Valeria Luiselli erzählt mit Leichtigkeit und voller Überraschungen davon, was es bedeutet, als Frau in der Mitte des Lebens angekommen zu sein und zu beobachten, wie die Kinder heranwachsen und sich einen eigenen Platz in der Welt erobern, während die Eltern sich bereits langsam von ihr verabschieden.

 

04. September 2026

Edgar Selge - Juras letzter WinterEdgar Selge – Juras letzter Winter
304 Seiten, Hardover, € 26,00

Nach dem sensationellen Debüt «Hast du uns endlich gefunden» befasst sich Edgar Selge erneut mit den dunkelsten Jahren der deutschen, der eigenen Geschichte und macht daraus große Literatur. In seinem neuen Roman stößt der Erzähler, Edgar, auf das Schicksal eines Jungen, der während der Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht verhungert ist. Jura hat ein Tagebuch hinterlassen, das Edgar immer wieder liest, sodass er bald glaubt, den Jungen zu kennen. Jura wird zur Romanfigur, wie Edgar auch. Ihre Begegnung beginnt vorsichtig und wird im Lauf der Geschichte immer enger. Zwischen den beiden entspinnt sich ein Austausch über Jugend, Träume, Literatur, Mütter, Gewalt, Fremdheit und Nähe, und sie geben einander ihre persönlichsten Geschichten preis.

Edgar Selge setzt einem jungen Menschen, der brutal von den Nazis ermordet wurde, ein Denkmal und lässt ihn für seine Leserinnen und Leser lebendig werden. Eine bewegende Lektüre, ein Buch von unbändiger literarischer Fantasie.

 

Rowohlt Berlin

04. September 2026

Sabrina Janesch - TerritoriumSabrina Janesch – Territorium
480 Seiten, gebunden, € 26,00

Hawai‘i 1893: Noch wiegen sich Kokospalmen im Wind, stehen Regenbögen am Himmel, da braut sich am Horizont bereits ein Sturm zusammen. Amerikanische Großkapitalisten stürzen in einem Staatsstreich die Königin und bereiten die Annexion durch die USA vor. In Honolulu brodelt es, gehen die Risse auch durch die einflussreiche deutsche Gemeinschaft des Archipels, denn ein Land wird gestohlen – und wehrt sich.
Inmitten des Geschehens drei außergewöhnliche Frauen: Die weise, gewitzte Königin Lili‘uokalani, ihre deutsche Beraterin Gertrude Wolf und die mutige Journalistin Emma Nāwahī verbindet nicht nur die Liebe zum Land Hawai‘i und die Vision seiner Zukunft, sondern vor allem tiefe Freundschaft – die angesichts des drohenden Untergangs ihrer Welt auf die Zerreißprobe gestellt wird. Als die alles entscheidende Schlacht naht, muss jede für sich eine Entscheidung treffen: Kampf oder Unterwerfung, Liebe oder Hass, Haltung oder Resignation.
Mit Leidenschaft erzählt Sabrina Janesch davon, wie Menschen in schicksalhaften Zeiten über sich hinauswachsen – oder sich verführen lassen. Ein mitreißender, bildgewaltiger Roman über den Preis der Freiheit und der Selbstbestimmung.

 

26. Januar 2027

André Kubiczek - LuxusAndré Kubiczek – Luxus
384 Seiten, gebunden, € 24,00

Januar 1990. Die DDR ist am Ende. Die Grenzen sind offen. René, gerade zwanzig, wird aus der Armee entlassen. Draußen herrscht die Anarchie des Interregnums: Neue Zeitungen, Galerien und Parteien entstehen. Häuser werden besetzt und nachts von Skinheads aus den Vorstädten überfallen. Aus dem Westen sind fliegende Händler mit Pornos und Gebrauchtwagen zur Stelle. Auch in Leipzig, wo René sein Studium beginnt, herrscht Auflösung. Desillusion breitet sich aus. Bleibt nur die Flucht nach vorn. René zieht nach Bonn. Statt zu studieren, arbeitet er für die Miete und schreibt abends. In einem Künstlerhaus lernt er Bettina kennen, angehende Künstlerin aus gutem Hause bei Freiburg. Die beiden verlieben sich. In Berlin ziehen sie zusammen. Hier gibt es Straßenschlachten und die Loveparade, sie gehen auf Vernissagen und in die Luxus-Bar. Doch während alles auf die magische 2000 wartet, suchen René und seine Freunde noch immer ihren Platz in diesem neuen System, das ihnen die verlorene Heimat ersetzen soll.
André Kubiczek erzählt in seinem großen Nachwenderoman vom Leben in den wilden Neunzigern – das atmosphärische Sittenbild einer bewegten Zeit.

 

Schöffling

20. August 2026

Michael Kumpfmüller - Böse KinderMichael Kumpfmüller – Böse Kinder
336 Seiten | Gebunden mit Schutzumschlag, € 26,–

Vincent, einst hoher Ministerialbeamter, kommt kurz nach seinem Fünfundachtzigsten ins Krankenhaus, zu überraschend, um im Keller noch für Ordnung zu sorgen. Was seine Söhne Tom und Alexander da in einem Aktenschrank finden, rückt ihre Kindheit in ein völlig anderes Licht: Fotos von allen dreiundzwanzig Liebhaberinnen des Vaters. Und auch die Mutter hatte andere Männer, allerdings nur drei. Erst jetzt, als Erwachsene, trauen sich die Brüder, das Bild von der Vorzeigefamilie als Lüge zu entlarven. Doch wer waren Vater und Mutter wirklich, die beiden in der jungen Bundesrepublik viel zu früh Verheirateten, Angehörige einer von Krieg und Faschismus beschädigten Generation? Und was haben sie an ihre Kinder weitergegeben, an Tom, der um sein berufliches Überleben als Fotograf kämpft, und an Alexander, in dessen Ehe es vorübergehend leise kriselt? Auch sie beide sind Väter und sehen sich Kindern gegenüber, die ihre eigenen Wege gehen und sie zu hinterfragen beginnen …
In seinem Drei-Generationen-Roman erzählt Michael Kumpfmüller von den verdrängten Konflikten einer ebenso speziellen wie normalen deutschen Familie und zeichnet mit viel Empathie und Realismus den Wandel von Familienbildern vom Zweiten Weltkrieg bis in unsere unmittelbare Gegenwart nach.

 

17. September 2026

Ayşegül Savaş - Die AnthropologenAyşegül Savaş – Die Anthropologen
Übersetzt von Cornelia Künne
208 Seiten | Gebunden, €  23,–

Asya und ihr Freund Manu leben in einer Großstadt, weit weg von ihren Familien und Herkunftsländern. Wie viele junge Menschen bewegen sie sich zwischen Träumen und Provisorien, auf der Suche nach etwas, das sich nach Zuhause anfühlt. Während sie von einer Wohnungsbesichtigung zur nächsten ziehen, beobachtet Asya ihre Umgebung mit dem neugierigen Blick einer Anthropologin: im Park, in Cafés, in Gesprächen mit Freunden und Nachbarinnen. Mit ihrer Kamera fängt sie scheinbar banale Alltagsszenen ein, überzeugt, dass hinter den Routinen das eigentlich Wichtige verborgen liegt.
Gleichzeitig geht das Leben in der Ferne weiter: Eltern werden älter, Großeltern krank, Nichten und Neffen erwachsen – und sie können nur per Videocall daran teilhaben. Doch mit der Zeit entsteht in ihrem Umfeld etwas Eigenes. Zwischen Feierabenddrinks, gemeinsam vertrödelten Sonntagen und leisen Zweifeln erkennen Asya und Manu allmählich, was sie festhalten wollen und was sie loslassen müssen, um in der neuen Heimat Wurzeln zu schlagen und vielleicht so etwas wie Familie zu finden.
Mit einem liebevollen Blick auf ihre Figuren erzählt Ayşegül Savaş von der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Die Anthropologen ist ein kluger, feinsinniger Roman über das Glück im Dazwischen – und eine poetische Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir heute leben wollen.

 

Secession

28. Juli 2026

Steven Uhly - Nichts als FreudeSteven Uhly – Nichts als Freude
Eine Liebeserklärung an die Literatur
gebunden, 150 SEITEN, € 22.00

Zum ersten Mal seit seinem gefeierten Debüt Mein Leben in Aspik (2010) gibt uns Steven Uhly mit seinem neuen Roman Nichts als Freude! Einblick in seine Kunst. Er tut es im Stil eines echten Erzählers und mit einer Geschichte, deren Auslöser auf ein scheinbar unbedeutendes Ereignis während eines Aufenthalts in Kanada im Sommer 2025 zurückgeht: Die Tochter eines Freundes und selbst angehende Erzählerin wollte wissen, wie es ist, einen Roman zu schreiben.
Dabei fragte sie nicht nach Techniken oder Skills, sondern nach dem Gefühl. Und genau diese Neugier war impulsgebend für eine meisterhaft erzählte Erforschung jener mysteriösen Quelle, aus der wir Menschen etwas schöpfen, das im Nachhinein als Geschichte, Erzählung, Roman oder wie auch immer bezeichnet wird.
Doch der Erzähler weiß, dass wir dies nicht im leeren Raum tun. Denn wir sind eingebunden in ein Leben, in Umstände und Situationen. Und so erzählt Steven Uhly uns wie nebenbei eine sehr persönliche Liebesgeschichte und lässt uns wissen, warum er immer noch und immer wieder in der Lage ist, sich selbst neu zu erfinden und uns mit seinen außergewöhnlichen Geschichten zu beschenken.
Nichts als Freude! ist ein Muss für jeden, der begreifen will, was dieses Sprechen, das Welten und Leben erschafft, eigentlich ist. Eine aufregend kluge Erzählung, die gerade in unseren schwierigen Zeiten ihre rettende Macht jedem anbietet, der sie als das ernstnimmt, was sie im Kern schon immer war: ein Schlüssel zum Verständnis des Daseins, ein wahrhaftiger Spiegel unserer selbst und eine Feier dieser unerschöpflichen Freude, die wir Leben nennen.

 

28. August 2026

David Uclés - Die Halbinsel der verlassenen HäuserDavid Uclés – Die Halbinsel der verlassenen Häuser
Aus dem Spanischen von Steven Uhly
Gebunden, 800 Seiten, € 36.00

Eine Halbinsel der verlassenen Häuser und ein Buch voller Menschen, berühmter und weniger berühmter – so könnte man diesen preisgekrönten und von der Presse einhellig gefeierten Bestseller über den spanischen Bürgerkrieg benennen.
Doch der Roman des jungen spanischen Romanciers ist weitaus mehr: David Uclés ist Enkel und Urenkel derer, die diesen tragischen Krieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts miterlebt haben. Er nimmt sich das Recht, beide Parteien für ihre Untaten anzupran- gern und erlaubt sich zugleich die künstlerische Freiheit, mit Mitteln der Literatur zu erkunden, was es bedeutet, wenn Nachbarn, Freunde, Söhne, Geschwister zur Waffe greifen, um ihre Nächsten zu töten.
Uclés benennt diesen Krieg akribisch und sprachgewaltig. Er führt uns mit seinen Ro- manfiguren an alle wichtigen Schauplätze, um das Geschehene zu rekapitulieren, es nachzuempfinden und uns die zerstörerische, brutale Natur von Krieg begreiflich zu machen. Ein monumentales Werk, aber auch eine kreative Eruption, ein Schelmenstück auf großer Leinwand, ein Sight-Seeing-Trip ins Desaster, und ein Summasummarum der spanischen Kultur.

 

Septime

26. Mai 2026

Natasha Korsakova - QuartettNatasha Korsakova – Quartett
Gebunden mit Schutzumschlag, 288 Seiten, 25,00 €

Rom, Frühjahr 2025. Nach dem gefeierten Konzert endet der Abend für den ersten Geiger des berühmten »Arcimboldo«-Quartetts tödlich: Lorenzo Verro wird in einer Seitengasse in Trastevere erstochen aufgefunden. Für Commissario Di Bernardo beginnt ein verzwickter Fall, der ihn erneut in die widersprüchliche Welt der klassischen Musik führt – und in die Schatten dahinter.
Zwischen den verletzten Egos, Rivalitäten und verschwiegenen Affären stößt der Commissario auf ein Geflecht aus Lügen, das bis in die feinsten Strukturen des Quartetts reicht. Doch ist der Täter wirklich unter den verbliebenen Musikern zu suchen? Und wenn angeblich niemand von ihnen ein Motiv besaß, weshalb verschweigt dann jeder etwas?
Als Di Bernardo glaubt, endlich ein Muster zu erkennen, ist der Täter ihm einen Schritt voraus: ein zweiter Mord bricht das fragile Gerüst. Alles driftet wieder auseinander – wie ein Quartett, das seinen Halt verliert.
Vor der Kulisse des vielschichtigen Rom entdeckt Di Bernardo allmählich Abgründe, die weit über die Bühne hinausreichen. Und je weiter er den Geheimnissen auf die Spur kommt, desto erschütternder wird die Wahrheit.

 

 

S.Fischer

26. August 2026

Vigdis Hjorth - Der gute Mensch von SandvikaVigdis Hjorth – Der gute Mensch von Sandvika
Übersetzt von: Gabriele Haefs
208 Seiten, Harcover, € 24,00

Vom Unglück eines Lottogewinns – Der neue Roman von Norwegens eindrücklichsten Gegenwartsautorin
»Die arbeitende Bevölkerung war verreist, wir waren in der Kneipe, Sandvika schlief, die meisten Bewohner Sandvikas hatten Hütten oder Geld, um ans Mittelmeer zu reisen, wir waren in der Kneipe, es war verschlafen und schön, still und schön, in derselben Bar und gleichsam im selben Boot, so konnte es mir vorkommen, ab und zu.«
Eine alte Kneipe in Sandvika, einem Vorort von Oslo, ist der Ort, an dem sie immer wieder zusammentreffen: die junge Frau, die jeden Samstag Lotto spielt, das ältere Ehepaar, das kein Wort miteinander wechselt, der streitlustige Mann mit dem Schnurrbart, der lebensmüde Trinker, der weinend an der Bar sitzt und – eine Schriftstellerin, die sie beobachtet. Das Geld ist knapp, getrunken wird alleine, und doch sind sie hier weniger einsam. Eines Abends gewinnt die junge Frau, Ada, tatsächlich im Lotto und das Unglück nimmt seinen Lauf.
Vigdis Hjorth schreibt über das Leben, wie es gelebt wird, über das Gewöhnliche, sodass es außergewöhnlich wird.
Der gute Mensch von Sandvika erzählt präzise und nervenstark von den Unterschieden, die von außen nicht immer sichtbar sind. Davon, was es heißt, ein guter Mensch zu sein und wer es sich leisten kann in Würde zu leben – und davon, wie viel Zärtlichkeit das Leben braucht. Ein tragikomischer Roman über Wirtschaft, Glücksspiel, Bier, Schicksal und soziale Schichten.

 

Valeria Gordeev - Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden HülleValeria Gordeev – Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden HülleNeuerscheinung Debüt
464 Seiten, gebunden, € 26,00

Der Debütroman der Bachmann-Preisträgerin Valeria Gordeev
Eine Familie zwischen Kyjiw, Moskau und Berlin und eine Welt, die aus den Fugen geraten ist
Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester Lada in Berlin mit einer Sanierung, die ihr Wohnhaus unbewohnbar macht. Auch versteht sie nicht, warum ihr Bruder nach Kriegsbeginn in Moskau geblieben ist, doch steckt Konstantin bis zum Hals in Schwierigkeiten, an denen sein Patenonkel nicht unschuldig ist, ein Oligarch mit transhumanistischen Ambitionen, der auch Lada in Bedrängnis bringt. Sprachgewaltig, lustvoll und berauschend. Eine Wunderkammer und ein Höllenritt.
Mit Zeichnungen der Autorin, farbigem Vorsatzpapier und Lesebändchen

 

Jarka Kubsova - Im Licht des neuen TagesJarka Kubsova – Im Licht des neuen Tages
304 Seiten, Hardcover, € 25,00

»Vielleicht war der Wald nicht bloß eine Zuflucht. Vielleicht war er ein Ort, an dem sie endlich frei sein konnte.«
Eine Schriftstellerin auf der Suche nach sich selbst. Und eine uralte Geschichte, die sie nicht loslässt: Die Geschichte von Viktorka. Tief im märchenhaften böhmischen Wald verschränken sich die Schicksale zweier Frauen.
Als Elli Hajek sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht, erinnert sie sich an eine Figur, von der ihr einst ihre tschechische Großmutter erzählte: Viktorka, die junge Frau, die nach einem schwerwiegenden Ereignis für wahnsinnig erklärt wurde und fortan allein im böhmischen Wald lebte. Als Elli erfährt, dass Viktorka wirklich existierte, reist sie in das Land, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Elli will mehr erfahren – doch tief im Wald, zwischen leuchtendem Farn und reißendem Fluss, wartet eine andere Aufgabe auf sie: Bevor sie die Wahrheit über Viktorka erfährt, muss Elli sich ihrer eigenen verdrängten Geschichte stellen.
Eine große, leuchtende Geschichte um Gerechtigkeit und Vergangenheit, weibliche Geschichtsschreibung und den Mut zur Wahrheit. Nach »Marschlande« der neue Roman von Jarka Kubsova.

 

08. September 2026

Thomas von Steinaecker - SchwesternThomas von Steinaecker – Schwestern
352 Seiten, gebunden, € 26,00

Zwei Schwestern, zwei Leben und eine Verbindung, die für immer bleibt
Bettina wächst mit ihrer älteren Schwester Simone in der bayerischen Provinz auf. Die Nachmittage verbringen sie zwischen Karpfenteich und dem leer stehenden Nachbarhaus. Früh übernimmt Bettina dabei Verantwortung für Simone, die seit ihrer Geburt geistig beeinträchtigt ist. Doch Bettina träumt davon, Schauspielerin zu werden, und erkennt bald: Will sie ihr eigenes Leben führen, muss sie sich von ihrer Familie lösen. Auf unverwechselbare Weise erzählt Thomas von Steinaecker in »Schwestern« von drei entscheidenden Tagen im Leben von Bettina, von einer Münchner Faschingsnacht 1989 bis in eine melancholische nahe Zukunft. Ein Roman über Nähe und Abgrenzung und den Mut zur eigenen Stimme. Kunstvoll montiert und tief berührend.

 

Suhrkamp

21. Juli 2026

Stephan Thome - Besser als nieStephan Thome – Besser als nie
Fester Einband mit Schutzumschlag, 500 Seiten,

Zweimal musste er pandemiebedingt verschoben werden, jetzt soll im oberhessischen Bergenstadt wieder Grenzgang gefeiert werden – doch plötzlich wird das traditionelle Heimatfest zum Streitfall. Linda Preiss, Schulpsychologin am Städtischen Gymnasium, ist empört: Man will sie als Reiterin nicht dabei haben, weil sie eine Frau ist! War es also ein Fehler, nach so vielen Jahren in die alte Heimat zurückzukehren? Jürgen Bamberger gerät als Bürgermeister gleich doppelt in Erklärungsnot: Der Hessische Rundfunk hat Fragen zu dem sogenannten »Mohren«, und seine Tochter macht ihre ablehnende Haltung zum Fest öffentlich. Je hitziger die Diskussionen geführt werden, desto fremder wird Jürgen der Ort, an dem er sein gesamtes Leben verbracht hat.
Siebzehn Jahre sind vergangen, seit in der Literatur schon einmal Grenzgang gefeiert wurde, in Stephan Thomes gleichnamigem Romandebüt. Inzwischen allerdings hat sich das gesellschaftliche Klima grundlegend verändert. Und so stoßen die Protagonisten, während sie ihr privates Glück verfolgen, auf die großen Streitfragen unserer Zeit. Als das Fest schließlich beginnt, hat auch ihr Leben eine ganz neue Richtung eingeschlagen.

 

20. August 2026

Stephan Lohse - Das Knistern im AllStephan Lohse – Das Knistern im All
Fester Einband, 180 Seiten, € 24,00

Matti, fünfzehn Jahre alt, Sohn reicher Eltern, ist auf Klassenfahrt. Zehnte Klasse, Amrum. Wattwürmer ausgraben, rumhängen am Strand, kiffen und küssen. Während dieser Tage erlebt Matti einen psychischen Zusammenbruch. Es ist, als würde er die Welt von unten sehen. In den Dünen erscheint ihm eine Antilope. Seine Freunde, Anna, Can und die anderen, helfen ihm. Ein Jahr später sieht er die Antilope noch immer und wird von seinen Eltern zur Therapeutin geschickt. Als er in der zwölften Klasse ist, kommt er in die Psychiatrie. Seine Freunde befreien ihn daraus. Einige Stunden später sind sie erneut auf Amrum. Und während sie das Ende der Schulzeit erwarten, blickt Matti in eine ungewisse Zukunft, doch er weiß: Er ist nicht allein.
Die letzten Schuljahre, das erste Mal mit einem Mädchen, das erste Mal mit einem Jungen und eine Diagnose, die alles noch komplizierter macht. Stephan Lohse erzählt mit viel Empathie von psychischer Gesundheit, mit Witz und Poesie vom Jugendlichsein und Erwachsenwerden. Und davon, wie viel leichter es wird, wenn man bei alldem so gute Freunde hat wie Matti.

 

Clemens J. Setz - Mein Leben als NoisebandClemens J. Setz – Mein Leben als Noiseband
Erzählungen
Fester Einband mit Schutzumschlag, 380 Seiten,

Pauls Sprache ist Noise: monströs dahertosende Tracks, auf denen er mit verzerrter Stimme seine Verzweiflung hinausschreit. Abseits der Bühne herrscht Leere, niemand scheint ihn und seine Lyrics zu verstehen, sein Leben verbringt er weitgehend allein. Bis auf Mark, der Teil der Band ist, sich aber mehr und mehr zurückzieht – und bis Paul nach einem Konzert Annika kennenlernt. Sie teilt seine Faszination für Noisebands wie Hanatarash oder Atrax Morgue, und Paul verliebt sich übergangslos in sie. Als sie ein Kind bekommen, lässt sein Druck nach, alles in mörderisch lauter Musik auszudrücken. Doch was bleibt jetzt noch von seiner Kunst? Und wieso ist Mark endgültig abgetaucht?
Einzelgänger, Außenseiter, im Stillen Leidende – in Mein Leben als Noiseband versammelt Clemens J. Setz Erzählungen über Figuren am Rand der Gesellschaft. Mit so präzisen wie poetischen Alltagsbeobachtungen führen sie uns durch verschobene Realitäten, in denen das Vertraute, das Groteske und das Obsessive umeinander kreisen. Gewalt und Einsamkeit stehen neben Momenten unkonventioneller Zärtlichkeit sowie der Sehnsucht nach Nähe und Verbundenheit.

 

02. September 2026

Dana Vowinckel - Anton und AlmaDana Vowinckel – Anton und Alma
Fester Einband mit Schutzumschlag, 541 Seiten, dekoratives Vorsatzpapier, € 26,00

Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren an derselben Universität – doch das ist auch schon alles, was sie verbindet. Anton entstammt einer Akademikerfamilie, Alma ist bei ihrer Mutter und ihrem lieblosen Stiefvater am östlichen Stadtrand aufgewachsen. Anton ist Jude. Alma nicht. Doch die beiden verlieben sich, ziehen zusammen, streiten und versöhnen sich, bis Anton nach New York geht, um dort seine Masterarbeit über die Massenkonversion der Chasaren zum Judentum zu schreiben. Alma bleibt allein zurück und sucht Halt in Antons Gemeinde. Erst die Ereignisse des 7. Oktober 2023 und des Gaza-Kriegs, die polarisierte Stimmung sowohl auf dem Campus als auch in seiner eigenen Familie lassen Anton zu Alma zurückkehren, bei ihr Trost und Zuflucht finden. Doch dann reißt ein tiefer Abgrund auf, und die Hoffnung auf Glück scheint ferner denn je.
Anton und Alma erzählt die Geschichte einer großen Liebe in einer zunehmend gespaltenen Welt. Von der Sehnsucht nach Aufrichtigkeit und Geborgenheit, von Trauer und Verlust, von Glauben und Zugehörigkeit – und von unser aller Versuch, dem Leben einen Sinn zu geben. Ein herzzerreißender, mutiger Roman darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein.

 

Ilija Matusko - JugoIlija Matusko – Jugo
Fester Einband mit Schutzumschlag, 180 Seiten, € 24,00

Sie sehen sich nur einmal im Jahr, und jedes Mal geraten sie in Streit. Der Vater, der als junger Mann nach Deutschland kam, hier eine Familie gründete, in der Gastwirtschaft arbeitete und das Land dreißig Jahre später wieder Richtung Kroatien verließ. Und der Sohn, der in Berlin lebt, Schriftsteller geworden ist und im Gästehaus seines Vaters an der Adriaküste Urlaub macht. Im Streit befreien sie sich von den Dingen, die zwischen ihnen stehen. Und sie entdecken in scheinbar kleinen Momenten eine unerwartete Nähe: wenn sie, begleitet vom Jugo, dem warmen Südwind, mit dem Boot zur Insel vor der Bucht fahren, Tennis auf dem Platz eines verfallenen Hotels spielen oder den kleinen Acker der Familie in Bosnien besuchen. Nach und nach legen sie alte, zugewachsene Wege frei – zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte.
Jugo ist ein berührendes Vater-Sohn-Porträt. Eine Liebeserklärung an den gleichzeitig nahen und fernen Vater, dessen Rückkehr in die alte Heimat schwieriger war als seine Ankunft in einem fremden Land. Einfühlsam erkundet Ilija Matusko die Vergangenheit, die eigene und die gemeinsame, erzählt von Familie und den Konflikten im zerfallenen Jugoslawien. Und er spürt einem Gefühl nach, das Vater und Sohn verbindet: nie ganz angekommen zu sein.

 

30. September 2026

Jáchym Topol - Die Hölle gibt es nichttschechische literatur    Jáchym Topol – Die Hölle gibt es nicht
Aus dem Tschechischen von Eva Profousová
Fester Einband mit Schutzumschlag, 480 Seiten, € 28,00

Prag, am 24. Februar 2022, dem Tag des russischen Großangriffs auf die Ukraine. Tom, ein alternder Journalist, bricht mit seiner Geliebten zu einem Ausflug in die Umgebung auf. Ein südböhmisches Barockkloster verspricht Ablenkung von innerer und äußerer Konfusion: Seine Ehe ist kaputt, der Job hängt am seidenen Faden, der schwule Sohn macht ihm Sorgen. Da meldet sich die Redaktion – Point, ein angesagtes Organ, finanziert von einem undurchsichtigen Geschäftsmann mit Verbindungen nach Russland. Man braucht sofort einen Artikel über das Vertrauen der Tschechen in die Nato …
Die Hölle gibt es nicht erzählt voller Komik und Verzweiflung, was aus den Hoffnungen und Träumen von 1989 geworden ist. Da taucht nicht nur die alte, sehr tschechische Geschichte wieder auf – gegen die Panzer einer Invasionsarmee ist der Einzelne machtlos. Sondern auch die akute Erfahrung: verstrickt in Liebes- und Familienchaos, wird man dem historischen Augenblick kaum gewachsen sein.

 

Bohumil Hrabal - Allzu laute Einsamkeittschechische literatur   Bohumil Hrabal – Allzu laute Einsamkeit
Aus dem Tschechischen von Peter Sacher
Fester Einband mit Schutzumschlag, 114 Seiten, € 18,00

Haňťa, Dichter wider Willen, steht seit 35 Jahren in einem stinkenden Keller in Prag und presst Altpapier zu Ballen. Zwischen blutigem Fleischereipapier, verbotenen Büchern und Lederbänden mit funkelndem Goldschnitt nimmt er all das in sich auf, was ihm in die Finger fällt: Sätze, Ideen, ganze Welten. Er liest, während er die Altpapierpresse bedient – und bewahrt so im Akt der Vernichtung die Essenz der Literatur. Doch die Zeit holt ihn ein: Moderne Maschinen, Effizienzdenken und eine sich verändernde Gesellschaft drohen seine stille, eigenwillige Existenz auszulöschen.
Hrabal erzählt mit melancholischem Humor und philosophischer Tiefe von der Würde des Einzelnen, von der Kraft der Literatur und vom Widerstand des Geistes gegen die Zumutungen der Wirklichkeit. Allzu laute Einsamkeit ist eine Hymne auf das Lesen – und zugleich eine berührende Meditation über Vergänglichkeit, Erinnerung und das Überleben der Seele in einer lärmenden Welt.

 

13. Oktober 2026

Lutz Seiler - Das tickende HerzLutz Seiler – Das tickende Herz
Fester Einband mit Schutzumschlag, 450 Seiten, € 28,00

Zu Beginn des neuen Jahrtausends kehrt Carl Bischoff aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin zurück, doch nur, um bald wieder aufzubrechen. Seine Pilgerschaft folgt jener wie aus dem Nichts aufgetauchten Tochter eines kasachischen Schamanen, die fast alles über ihn zu wissen scheint. Amsterdam, Rotterdam, die Kurische Nehrung und die winterkalte Steppe Kasachstans sind die Stationen ihrer märchenhaft-magischen wie zweifelhaften Liebe. Einen surrealen Ausgang findet Ayshas und Carls Geschichte mitten im alten Atombombentestgelände, in dem sich Ayshas Sippe verschanzt hat, um ein Opfer zur Rettung der Erde vorzubereiten – während Carl der Welt abhandenkommt.
Ist das Liebe, Verhängnis – oder Verschwörung? Dieser große, Grenzen sprengende Roman beginnt mit einer kleinen, nicht heilenden Wunde, die ein Kuss verursacht hat, und führt uns um den halben Erdball. Nach den preisgekrönten Bestsellern Kruso und Stern 111 erzählt Lutz Seiler das Leben seines Helden weiter, in dem sich Weltgeschichte und persönliches Schicksal überschneiden.

 

24. November 2026

Andrzej Stasiuk - Der Fluss der KindheitAndrzej Stasiuk – Der Fluss der Kindheit
Aus dem Polnischen von Renate Schmidgall
Fester Einband mit Schutzumschlag, 160 Seiten, € 24,00

Plötzlich steht er da, in nassen Hosen, am Frühstücksbüffet des Hotels an der Grenze. Ein junger Syrer, der gerade noch im Fluss trieb. Wohin er will? »Germany.« Der Erzähler überlegt nicht lange – ich fahr dich, nach Berlin.
Am Bug, der heute Belarus und die Ukraine, eine Diktatur und ein Kriegsgebiet, von Polen trennt, hat der Erzähler als Kind die Sommerferien verbracht. Dieser Fluss und seine östlichen Weiten verbindet die meisterhaften Prosastücke des Bandes: ein Schreiben »on the road«, wahrnehmungssatt, reich an Erinnerungen, gelegentlich ins Halluzinatorische kippend.
Der Erzähler geht eine innige, fast körperliche Beziehung mit dieser Gegend ein. Wenn er nicht irgendwo am Fluss zeltet, allein, oder in einem Kiewer Vorort unter freiem Himmel übernachtet, den Luftalarm im Halbschlaf registrierend, ist er auf den Wegen und Straßen unterwegs – was er sieht, gräbt sich ihm tief ein.
Nie hat Stasiuk die Versehrtheit dieser geliebten Landschaft so genau benannt wie hier, im Schatten des großen, von Russland begonnenen Landkriegs. Ein packendes, drängend formuliertes Buch über das osteuropäische Heute.

 

13. Januar 2027

Anna Kim - Das verlorene JahrAnna Kim – Das verlorene Jahr
Fester Einband mit Schutzumschlag, 200 Seiten, € 25,00

Jeden Sonntag besucht Hanna mit ihrem kleinen Sohn Jacob die Großmutter Ok-hi am Stadtrand von Wien. Oma, ruft Jacob, sobald sich die Tür öffnet, dann ŏm-ma, »Mama« auf Koreanisch, und läuft ihr entgegen. Jacob glaubt, ŏm-ma bedeute »Oma«, Hanna korrigiert ihn. Dabei ist Koreanisch für sie schon lange keine Muttersprache mehr, mal fehlen ihr einzelne Wörter, mal ganze Sätze; und Ok-hi spricht kaum Deutsch. So brüchig wie die Sprache ist auch ihre Beziehung. Ok-hi hat Hanna, als diese zehn Jahre alt war, allein in Wien zurückgelassen, in der Obhut einer Nachbarin, um sich in Seoul um ihren kranken Mann, Hannas Vater, zu kümmern. Vor der Geburt Jacobs dachte Hanna kaum an diese Zeit, doch seit sie selbst Mutter ist, kann sie immer weniger Verständnis für Ok-his Entscheidung aufbringen. Als Ok-hi Hanna bittet, sie nach Südkorea zu begleiten, um das Grab ihres Mannes nach Wien zu verlegen, bricht die Wunde von damals erneut auf.
Das verlorene Jahr erzählt von Verlusten – der Mutter, der Sprache – und von der Trauer, die daraus folgt. Aber auch von dem Wunsch nach Versöhnung und der tröstenden Erkenntnis, dass sich eine Muttersprache neu erfinden lässt, voller Zartheit und Liebe.

 

Transit

31. August 2026

Stefan Çapaliku - Sarajevo SagaStefan Çapaliku – Sarajevo Saga
übersetzt von Zuzana Finger
Hardcover, 128 Seiten, € 20,00

Leka Cucali, Schriftsteller aus dem nordalbanischen ­Shkodra, wird als Stipendiat ins bosnische Sarajevo eingeladen. Er weiß aus Erzählungen, dass seine Vorfahren gegen Ende des Ersten Weltkriegs aus Shkodra geflohen waren, um Straßenkämpfen mit der französischen Armee zu entkommen. Ursprünglich wollten sie nach Österreich fliehen, blieben aber in Sarajevo hängen. Er begibt sich auf Spurensuche, fragt in einer Bar, die er oft besucht, eher beiläufig, ob jemand die Familie gekannt hätte. Die Reaktion ist erstaunlich – schließlich kommt heraus, dass der Besitzer mit der bosnischen Mafia eng verbandelt war …
Nach und nach erfährt er immer mehr Details und empfindet so in seiner Phantasie die Fluchtgeschichte seiner Familie nach: Die Saga einer Mutter, die sich allein mit ihren vier Kindern in den Kriegswirren mutig durchschlägt, sich gegen Verfolgungen durch Nationalisten jeder Couleur wehrt, aber auch Hilfsbereitschaft und schließlich ihre Rettung durch eine jüdische Familie erfährt (die im Zweiten Weltkrieg dann von ihr vor den Nazis gerettet wird) und so nach Shkodra zurückkehren kann.

 

tschechische literatur   IIvan Klima – Mein Pragvan Klima – Mein Prag
übersetzt von Maria Hammerich-Maier
Hardcover mit Schutzumschlag, 180 Seiten

Im Nachlass des tschechischen Autors fand sich ein Konvolut sehr persönlicher Texte über Prag, über die Stadt, in der er geboren wurde und fast ein Jahrhundert bis zu seinem Tod im Oktober 2025 gelebt hat. Ivan Klima schreibt über unbekannte, aber besonders schöne Ecken in Prag, über Paläste und deren frühere Besitzer, über die Sehenswürdigkeiten, über deren oft grausamen historischen Hintergrund man aber wenig weiß, über Menschen, die bis heute das Bild Prags prägen wie Albrecht von Wallenstein oder Franz Kafka, Vaclav Havel oder Alexander Dubcek, von dem Miteinander, oft auch Gegeneinander der tschechischen, jüdischen und deutschen Kultur, über Orte, die außerhalb Prags zu besichtigen snd, aber viel mit der Prager Geschichte zu tun haben.

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park x Ullstein

27. August 2026

Ilona Hartmann - JunkIlona Hartmann – Junk
192 -seiten, gebunden, € 22,00

Sieben Tage hat sie Zeit. Sieben Tage zwischen einer beunruhigenden Diagnose und dem klärenden Arzttermin, der alles verändern könnte. Sieben Tage, um nicht nachzudenken – oder endlich aufzuräumen. Statt in den Urlaub zu fahren oder sich ablenken zu lassen, steigt sie hinab in ihr Kellerabteil, ausgestattet mit Stirnlampe, Müsliriegeln und dem festen Vorsatz, sich von allem zu trennen, was sie nicht mehr braucht und freizulassen, was ohne sie besser dran ist.
Doch zwischen Umzugskartons und Erinnerungskisten, XXL-Plüschteddys und 20 Jahre alten Zahnbürsten beginnt eine unerwartete Expedition: durch Chaos und Ordnung, Konsum und Identität, durch die Geschichte ihrer Dinge und eine Meditation über Schrott. Begleitet von ihrer minimalistischen Schwester, einer pragmatischen Gebrauchtwarenhändlerin und den Fabelwesen, die im Keller rascheln, stellt sie fest: Wegwerfen ist Trennung ohne Hintertür.
Ein Roman über eine junge Frau, die ihren Keller aufräumt und dabei herausfindet, worauf es im Leben eigentlich ankommt.

 

 

Unionsverlag

09. Juli 2026

Liz Allen - In BloomLiz Allan – In Bloom
Aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
272 Seiten, Hardcover, € 24.00

1994, eine abgehängte australische Kleinstadt: Vier Freundinnen wollen dem Mindestlohn-Schicksal ihrer Mütter entkommen und mit ihrer Musik beim Battle of the Bands durchstarten. Kurt Cobain ist ihr Kompass, Grunge ihr Rhythmus, und dieser Wettbewerb soll ihr Ticket in die Freiheit werden – auch wenn sie nur drei Akkorde können. Doch als die Leadsängerin Lily ihren verehrten Musiklehrer Mr P des Missbrauchs beschuldigt, droht alles zu zerbrechen. Wie weit sind die übrigen drei Mädchen bereit zu gehen, um ihren Traum zu retten – und was sind sie bereit zu opfern?
Eine kritische Hommage an die nicht so rosigen 90er und ihre zweifelhaften Helden, ein ungeschönter Blick auf Freundinnenschaft und das Aufwachsen in prekären sozialen Verhältnissen – smells like disillusioned teen spirit.

Verbrecher Verlag

Voland&Quist

05. Oktober 2026

Tereza Semotamová - Radikale Bedürfnissetschechische literatur   Tereza Semotamová – Radikale Bedürfnisse
Martina Lisa (Übersetzerin)
gebunden, ca. 280 Seiten, € 24,00

Hana ist Bildhauerin, Mitte dreißig, und mit ihren unerfüllten Wünschen und verdrängten Bedürfnissen gerade erst aus dem inneren »Schrank« in die Welt gestolpert. Auf der Suche nach einem gangbaren Weg durchs Leben bewegt sie sich zwischen der Prager Intellektuellenbubble und einem mährischen Dorf, zwischen internationaler Kunstszene und städtischer Peripherie. Aus diesen Polen entsteht ein reißender
Strom aus Gedanken, Eindrücken und Emotionen.
Mit Humor und bitterer Ironie versammelt Tereza Semotamová intime Bekenntnisse, durchzogen von Anspielungen auf Literatur, Popkultur und aktuelle gesellschaftspolitische Debatten. Zeitlich verankert rund um die Pandemie, entsteht so ein präzises Generationsporträt — und zugleich eine Ermutigung, sich den eigenen Bedürfnissen zu stellen, Verletzlichkeit zuzulassen und Scheitern nicht zu fürchten.

 

Wagenbach

20. August 2026

Jiří Weil - Moskau - Die GrenzeJiří Weil – Moskau – Die Grenze
Übersetzt von Reinhard Fischer / Mit einem Nachwort von Bettina Kaibach
400 Seiten, gebunden, 32,– €

Moskau in den dreißiger Jahren. Die Pragerin Ri muss sich entscheiden: Will sie das kleine luxuriöse Glück in ihrer Wohnung im Ausländerpalast – oder doch einen eigenen Weg gehen in der fremden Gesellschaft? Nach »Mendelsohn auf dem Dach« und »Leben mit dem Stern« nun Jiři Weils umstrittener Debütroman: vom Zusammenleben in politisch wirren Zeiten.
Ri ist aus Prag nach Moskau gekommen, wo ihr Mann Robert als Vertragsingenieur arbeitet, um den Sozialismus aufzubauen. Früher ist sie fast täglich ins Kaffeehaus gegangen, jetzt lebt sie in diesem merkwürdigen, schmutzigen Land, wo die Menschen keinen Kaffee trinken und keine Automobile besitzen, sondern sich rempelnd durch die Menge drücken, um einen Platz in der Straßenbahn erkämpfen. Zuhause, das steht fest für Ri, würde sie ein europäisches Leben haben. Wofür hatte sie schließlich die ganzen Dinge samt der roten Porzellantassen mitgebracht?
Aber nach und nach begreift sie, dass ein Leben außerhalb der Gesellschaft nur schwer möglich ist: Sie beginnt, den politischen Zirkel für Ausländer zu besuchen, fängt als einfache Arbeiterin in der Fabrik an und macht dort schnell Karriere. Wieder geht es um Privilegien, aber auch um Loyalität, etwa gegenüber dem von der Kommunistischen Partei ausgeschlossenen Freund Jan Fischer. Wie wird sie entscheiden?
Der erste Roman des großen tschechischen Autors Jiři Weil entwirft ein facettenreiches Panorama der dreißiger Jahre, wobei sich sein Blick von Prag aus Richtung Osten wendet.
»Moskau – die Grenze«, erschienen 1937 in Prag, wurde nach 1945 als zersetzendes Werk aus den Bibliotheken entfernt. Sein Autor wurde wegen seiner Kritik an den stalinistischen Prozessen aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und distanzierte sich schließlich sogar von seinem Roman. Die Auslieferung einer zweiten Ausgabe 1969 wurde verboten. Die erste deutsche Ausgabe erschien in Berlin 1992.

 

Munir Hachemi - Lebendige DingeMunir Hachemi – Lebendige Dinge
Übersetzt von Matthias Strobel
160 Seiten, broschiert, 20,– €

Sie wissen, was sie letzten Sommer getan haben: In Munir Hachemis Debüt wird ein gemütlicher Ferienjob in Südfrankreich zum flirrend-unheimlichen Ökothriller zwischen Campingplatz und Hühnerfabrik.
Vier Studenten – Munir, G, Ernesto und Álex – reisen in den Semesterferien von Madrid nach Südfrankreich, um bei der Weinlese zu arbeiten und »Erfahrungen zu sammeln«. Denn drei von ihnen wollen unbedingt Schriftsteller werden.
Doch die Dinge laufen nicht wie geplant: Die Jungs landen auf einem Campingplatz, wo eine diffus bedrohliche Stimmung herrscht. Und statt der romantischen Weinernte finden sie nur einen prekären Job in einer Hühnermastanlage.
Was als hintergründig-ironische Sommerkomödie über hochfliegende Jungs-Träume beginnt, wandelt sich zu einem fesselnden politischen Roman über das Grauen einer Industrie, die massenhaft »Lebendige Dinge« produziert. Munir Hachemi erzählt von einer tatsächlichen Erfahrung – und er verhandelt auf originelle Weise die Frage, wie von etwas Wahrem überhaupt erzählt werden kann.

Wallstein

05. August 2026

Thea Mengeler - Öffentlicher NahverkehrThea Mengeler – Öffentlicher Nahverkehr
232 Seiten, gebunden, € 22,00

Eine junge Frau führt ein erfolgreiches Leben als Influencerin – bis ihr Expartner gegen ihren Willen ein intimes Video von ihr veröf-fentlicht. Ihr Account wird daraufhin überschwemmt von Nachrichten, in denen sie gedemütigt und bedroht wird. Sie geht offline, flieht in eine fremde Stadt, in die Anonymität des öffentlichen Nahverkehrs. Der Bus wird zu ihrem Rückzugsort und zu einem Spiegel: Sie beobachtet ihre Mitfahrenden, gibt ihnen Namen, stellt Vermutungen über sie an – und richtet dabei immer wieder den Blick zurück auf sich selbst.
Der Roman erzählt eindringlich von sexualisierter, von digitaler Gewalt, von Blicken, Hass und Scham. Und er erzählt von den ganz alltäglichen Grausamkeiten: von sexistischen Rollenbildern, von dauernden Belästigungen und ständiger Angst. In der Protagonistin wächst die Wut über all das – und es erwacht in ihr eine Stimme, die nicht länger schweigen will.

 

19. August 2026

Helena Černohorská - IdaHelena Černohorská – Ida
Aus dem Tschechischen übersetzt von Kristina Kallert
112 Seiten, gebunden, € 18,00

Der Bauer František stemmt sich gegen die sozialistische Kollek-tivierung. Er möchte Herr auf seinem Hof und seinem Grund bleiben, auch wenn ein Nachbar nach dem anderen vor den neuen politischen Bedingungen kapituliert. Sein Sohn Venoušek ist fast noch ein Kind und eine Frau fehlt.
Als ihm für die schwere Feldarbeit nicht der erhoffte junge Mann zugeteilt wird, sondern die schmächtige 29-jährige Ida, ist das seitens der neuen politischen Führung der erste Versuch, ihn in die Knie zu zwingen. Aber Ida ist nicht nur äußerst tüchtig und eine verlässliche Stütze bei allen folgenden Schikanen, sie haucht Haus und Hof auch ein helleres Leben ein, es wird wieder gelächelt. Zärtliche Gesten dringen kaum sichtbar in den harten Alltag, und beide Männer finden an ihr Halt. Doch beim Dorftanz kommt es zum Eklat, František erfährt von Idas Vergangenheit und zeigt sich dem nicht gewachsen – ein Tiefpunkt; dazu scheint der Verlust der Eigenständigkeit und damit seines Selbstverständnisses unabwendbar, František sieht sich aus seiner traditionellen Lebenswelt stürzen und mit einem Mal in der gleichen Lage wie Ida. Liegt darin sogar eine Chance?
Helena Černohorskás ungewöhnlicher Roman fesselt durch seine unprätentiöse, stille und genaue Sprache.

 

Zsolnay 

21. Juli 2026

Tamara Štajner - Luft nach untenTamara Štajner – Luft nach unten
336 Seiten, Hardcover, € 25,00

Nach vielen Jahren kommt Iva zurück an den Ort ihrer Kindheit, um ihr geliebtes Kindermädchen zu beerdigen. Im Hotel am Ohridsee, das Ivas Familie gehörte, hat sie wesentlich mehr Zeit mit Marija verbracht als mit ihrer eigenen Mutter. Als Iva auf Marijas Grabstein einen zweiten Namen entdeckt, kommt sie einem Familiengeheimnis auf die Spur Tamara Štajners Protagonistin unternimmt eine intensive, berührende, aber auch herrlich komische Tour in die Vergangenheit. Und in die Zukunft, denn Iva versucht gerade auf komplizierten Wegen, mit ihrem Freund ein Kind zu bekommen. »Luft nach unten« ist eine moderne Familiengeschichte, die von ganz unterschiedlichen Frauen geprägt ist. Ein beeindruckender Roman über das Mutter- und Tochtersein.

 

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