Emilienne Malfatto – Die Schlangen werden dich holen

Am 5. Januar 2019 wird die 62-jährige Maritza Queiroz Leiva auf der Finca El Diviso im Dschungel der kolumbianischen Sierra Nevada, unweit des karibischen Meers, erschossen. Die Hintergründe der Tat bleiben im Dunkeln und werden von den öffentlichen Stellen nicht näher untersucht. In Kolumbien werden trotz Friedensabkommen der Regierungen mit den verschiedenen Guerillagruppen, wie beispielsweise 2016 mit der FARC, nach wie vor Menschen, die den Mächtigen im Weg stehen – seien es politische Gegner, soziale oder Klimaaktivist:innen – bedroht und ermordet. Nach 50 Jahren Krieg und geschätzt bis zu einer halben Million Todesopfern, zählte man auch 2019 noch 250 Morde, 2023 lag die Zahl bei 188. Ganz gleich, ob sie sich der Drogenmafia, Kaffeebaronen, Tourismusentwicklern oder dem Bergbau entgegenstellen, engagierte Bürger leben gefährlich. Die französische Journalistin, Fotografin und Autorin Emilienne Malfatto hat den Fall Maritza Queiroz Leiva untersucht und darüber die literarische Reportage Die Schlangen werden dich holen verfasst. Weiterlesen „Emilienne Malfatto – Die Schlangen werden dich holen“

Juan Gabriel Vásquez – Lieder für die Feuersbrunst

Juan Gabriel Vásquez ist der bedeutendste zeitgenössische kolumbianische Autor und sicher einer der wichtigsten Südamerikas. Mit dem magischen Realismus etwa seines Landsmannes Gabriel García Márquez hat der 1973 geborene, lange in Europa lebende Schriftsteller nichts zu tun. Die Romane von Juan Gabriel Vásquez zeichnen wie die Erzählungssammlungen Die Liebenden von Allerheiligen und die neu erschienenen Lieder für die Feuersbrunst ein sachlicher, verknappter Erzählstil aus, wie immer hervorragend übersetzt von Susanne Lange. Weiterlesen „Juan Gabriel Vásquez – Lieder für die Feuersbrunst“

Juan Gabriel Vásquez – Die Gestalt der Ruinen

Juan Gabriel Vásquez – Die Gestalt der Ruinen

„Zum letzten Mal hatte ich Carlos Carballo gesehen, als er gerade in einen Polizeiwagen kletterte, die Hände in Handschellen auf dem Rücken, den Kopf eingezogen; am Bildschirmrand gab eine Textzeile Auskunft über die Gründe seiner Verhaftung: Er hatte versucht, den Anzug eines ermordeten Politikers zu stehlen.“

„Ich kann nicht behaupten, dass ich ihn gekannt hätte, aber wir waren so vertraut miteinander, wie es nur die sein können, die einander täuschen wollten.“

Die Begegnung mit Carlos Carballo lässt den Ich-Erzähler tief in die politische Vergangenheit eintauchen, wird seine Arbeit als Schriftsteller über Jahre bestimmen und führt letztendlich zu dem vorliegenden Buch. Juan Gabriel Vásquez ist Ich-Erzähler des Romans „Die Gestalt der Ruinen“ und gleichsam sein Autor – was wirklich autobiografisch und was Fiktion ist, kann der Leser nur mutmaßen. In einer „Anmerkung des Autors“ betont dieser allerdings, dass es sich um ein „fiktives Werk“ handelt.

„Der Leser, der in diesem Buch Übereinstimmungen mit dem realen Leben sucht, tut dies auf eigene Verantwortung.“

Dabei sind die historischen Ereignisse, von denen erzählt wird, gut dokumentiert und alles andere als fiktiv. Weiterlesen „Juan Gabriel Vásquez – Die Gestalt der Ruinen“