Corinna Krenzer – Eine einfache Wahrheit

Eine komplexe DDR-Geschichte, eine Familiengeschichte, die sich um Schuld und Schweigen dreht und um die Rückkehr an den Ort der Kindheit: Corinna Krenzer hat mit Eine einfache Wahrheit einen Debütroman geschrieben, den ich sehr gern gelesen habe. Und doch hat mich etwas irritiert, was ich zunächst nicht näher benennen konnte. Dann habe ich gelesen, dass der Roman eigentlich einen männlichen Protagonisten hatte und dass die Autorin dann auf Anraten ihres Verlegers daraus kurzfristig Janna machte, Schriftstellerin Mitte 40, verheiratet mit ihrem Literaturagenten Hannes und in eine heimliche Affäre mit Marie verstrickt. Seitdem überlege ich, ob diese Änderung – die nicht wirklich spürbar und professionell umgesetzt ist – diese Irritation auslöste. Weiterlesen „Corinna Krenzer – Eine einfache Wahrheit“ →

Helene Bukowski – Wer möchte nicht im Leben bleiben

Musik kann Zuflucht sein, Trost, Glück und Heimat, besonders wenn man sie nicht nur hören, sondern selbst zu machen in der Lage ist. Schon für ganz kleine Kinder ist es faszinierend, wenn aus einem „Ding“ plötzlich ein Ton erschallt, wenn man mit ihm interagiert. Noch betörender, wenn daraus wundervolle Melodien tönen. Musikmachen bedeutet neben Faszination aber auch Arbeit, Disziplin, Fleiß und im besten Fall auch Talent, will man nicht nur ein wenig „klimpern“. Das lernen die kleinen Musikschüler bald. Und nicht wenige schreckt das ab. Die anderen verbindet meist eine lebenslange Liebe zur Musik und „ihrem“ Instrument. Nur sehr selten reicht es zu Profiqualitäten, wird die Liebe zur Profession. Viel zu oft verbirgt sich dahinter ein System aus Disziplin, Drill und Druck. Sehr ausgeprägt war (ist) dies in Fernost und den kommunistischen Ländern. Die Autorin Helene Bukowski hat ein Leben, das daran zerbrochen ist, in den Mittelpunkt ihres neuen, für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 nominierten Roman Wer möchte nicht im Leben bleiben gestellt. Weiterlesen „Helene Bukowski – Wer möchte nicht im Leben bleiben“ →

Bettina Flitner – Meine Mutter

Die Fotografin Bettina Flitner veröffentlichte 2022 den autofiktionalen Roman Meine Schwester über ihre Schwester Susanne, die 2017 Suizid beging, nun folgt Meine Mutter. Aus einer akuten Trauer heraus beschäftigte Flitner sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte.

„Ich hatte ein Buch über meine Schwester geschrieben. Und jetzt taucht hinter ihr meine Mutter auf.“

Denn auch ihre Mutter hatte sich, fast genau 33 Jahre zuvor, 1984 das Leben genommen. Und war damit nicht die Erste in der Familie. Bereits der Urgroßvater Richard erschoss 1931 seine todkranke Frau Elfriede und sich selbst. Ihm folgten noch weitere Familienmitglieder. Epigenetik? Oder nur eine besonders hart vom Schicksal verfolgte Familie? Ganz sicher wurde die Familie durch diese Suizide geprägt. Weiterlesen „Bettina Flitner – Meine Mutter“ →

Katrin Seddig – Nadine

Wut – ist das erste Wort, das mir zum neuen Roman von Katrin Seddig, Nadine, einfällt. Seine Protagonistin, 50 plus, verheiratet, Anwaltsgehilfin, ist seit Kindertagen voll mit einer unbändigen, meist erfolgreich unterdrückten Wut. Aber manchmal, besonders wenn Nadine nicht weiter weiß, entlädt sich diese Wut, oft auch in Gewalt. Da wird geschubst, gekratzt, geschlagen. „Mangelnde Impulskontrolle“ wird dem Vater schon während der Schulzeit mitgeteilt, sei Nadines großes Problem. Und der Vater, der seit ihrem zehnten Lebensjahr die Tochter allein erzieht, nachdem ihre Mutter die Familie Hals über Kopf verlassen hat, und selbst vaterlos aufwuchs, ist überfordert, reagiert seinerseits mit drastischen Maßnahmen, beispielsweise der „Kammer“, in die er Nadine immer wieder einschließt. Weiterlesen „Katrin Seddig – Nadine“ →