Catherine Banner – Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner – Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner - Die langen Tage von CastellamareEs sind die alten Geschichten, über Generationen weitererzählt, die italienischen Volksmärchen mit ihrem magischen Ton, die den Arzt Amedeo Esposito faszinieren, die er in einer dicken Kladde sein ganzes Leben lang sammelt, die auch noch seine Nachkommen lange Zeit begleiten und die Catherine Banners Roman strukturieren.
Es sind schicksalhafte Erzählungen von der Inselheiligen Agata, von den geheimnisvollen Höhlen am Meer, voll mit alten Knochen und Gebeinen, von Königstöchtern und mutigen Fischern, den Fischern der Insel Castellamare irgendwo im weiten Meer vor Sizilien.
So entwickelt auch die Autorin eine im besten Sinne altmodische Familiengeschichte: in epischer Breite, mit einem allwissenden Erzähler, der all die Personen, die zwischen 1914 und 2009 auf der Insel leben, sterben, geboren werden, lieben, hoffen und verzweifeln in einem großen, wunderbar zu lesenden Epos vereinigt. Weiterlesen „Catherine Banner – Die langen Tage von Castellamare“

Thees Uhlmann – Sophia der Tod und ich

Thees Uhlmann – Sophia der Tod und ich

Thees Uhlmann - Sophia,der Tod und ich

Ich mag ja keine betont lustigen Bücher. Besonders eine extra lässige Ausdrucksweise kann ich meist schwer ertragen. Und wenn wieder ein Musiker/Schauspieler/Moderator in die schreibende Zunft wechselt, bin ich extrem skeptisch.

Das Schöne an solchen Voreingenommenheiten ist, dass man damit gehörig falsch liegen kann. Und wenn man dann auf vertrauenswürdige Empfehlungen hört, kann man manchmal ganz unverhofft eine Entdeckung machen. Weiterlesen „Thees Uhlmann – Sophia der Tod und ich“

Delphine de Vigan – Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan – Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan - Nach einer wahren Geschichte

Delphine de Vigan treibt ein listiges Spiel mit dem Leser.

Sie erzählt „Nach einer wahren Geschichte“ und erzählt darin von der Schriftstellerin Delphine, die nach dem überwältigenden und auch überraschenden Erfolg ihres vorherigen, autobiografischen Buchs, das vom Selbstmord der psychisch kranken Mutter erzählt, in eine tiefe Krise gerutscht ist. Eine Schreibblockade, ja geradezu Ekel vor dem Schreiben treibt sie um. Sie steht am Beginn einer Depression, wird immer wieder von Selbstzweifeln geplagt. Weiterlesen „Delphine de Vigan – Nach einer wahren Geschichte“

Elena Ferrante – Meine geniale Freundin

Elena Ferrante – Meine geniale Freundin

Elena Ferrante - Meine geniale Freundin Wie kommt es zu dem unglaublichen Hype, der um dieses Buch gemacht wird? Welcher Nerv wurde da nahezu weltweit getroffen?
Es brauchte erst den unglaublichen Erfolg in den USA und Großbritannien, wo Elena Ferrantes Neapel-Tetralogie auch die Weihen der hohen Literaturkritik und das Lob bedeutender Schriftstellerkollegen wie etwa Jonathan Franzen erhielt, um aus dem beachtlichen Erfolg in Italien einen Sensationserfolg zu machen, der nun auch in Deutschland veröffentlicht wird. Zwar gibt es auch ein Paar Rufer, die mahnen, dass der Kaiser ja nackt ist (wie hier bei lovelybooks Himmelfarb) und auch der Begriff Trivialliteratur fiel das ein oder andere Mal. Insgesamt wird der Roman aber beinahe enthusiastisch aufgenommen. Der Verlag reagiert mit einer enormen Publicitykampagne und sicher kommt dem Ganzen noch die Tatsache zugute, dass es sich bei Elena Ferrante um ein gut gehütetes Pseudonym handelt. Niemand wusste lange Zeit, wer dahinter steckte, die Gerüchteküche kochte hoch. Weiterlesen „Elena Ferrante – Meine geniale Freundin“

Rose Tremain – Und damit fing es an

Rose Tremain – Und damit fing es an

Rose Tremain - Und damit fing es an„Die Gustav-Sonate“, so lautet der Originaltitel des Romans. Und Rose Tremain hat ganz sicher den Sonatensatz zum Vorbild genommen, um diesen Roman so kunstvoll zu konstruieren.
Drei Sätze, drei Buchteile. Darüber eine Haupttonart. Und die steht eindeutig im Moll. Auch wenn das Buch in einem Allegro vivace endet.
Erzählt wird die Geschichte zweier Schweizer Jungen, die sich in der Schule kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges begegnen und deren Freundschaft und Liebe der Leser bis ins Jahr 2002 verfolgen kann. Dabei bedient sich die Autorin einiger Zeitsprünge. Weiterlesen „Rose Tremain – Und damit fing es an“

Han Kang – Die Vegetarierin

Han Kang – Die Vegetarierin

Han Kang - Die VegetarierinAlle reden über Han Kang, alle lesen „Die Vegetarierin“, jenen schmalen Roman der Südkoreanerin, der im Mai diesen Jahres überraschend den Man Booker International Preis erhielt. Die Literaturkritik überschlägt sich dabei in ihrem Lob, „Meisterwerk“, „Ereignis“ sind dabei verwendete Vokabeln.
Ein derart durchschlagender Erfolg in der westlichen Welt war bis dahin anscheinend nicht vorhersehbar, erschien die englische Übersetzung des 2007 im Original veröffentlichten Roman doch erst acht Jahre später in England, in den USA und Deutschland sogar erst in diesem Jahr. Weiterlesen „Han Kang – Die Vegetarierin“

Dorit Rabinyan – Wir sehen uns am Meer

Dorit Rabinyan – Wir sehen uns am Meer

Dorit Rabinyan - Wir sehen uns am MeerNew York, Tel Aviv und Ramallah sind die Orte des Romans „Wir sehen uns am Meer“, der im Original mal wieder viel zutreffender „Borderlife“ betitelt ist. Denn es sind natürlich die Grenzen, die zwischen diesen Orten bestehen, die das Erzählte prägen. Weiterlesen „Dorit Rabinyan – Wir sehen uns am Meer“

Wendi Stewart – Ein unbesiegbarer Sommer

Wendi Stewart – Ein unbesiegbarer Sommer

Wendi Stewart - Ein unbesiegbarer SommerZu Beginn der Sechziger Jahre.
Drei Kinder wachsen in der Kanadischen Provinz auf.
Sie alle leiden in der ein oder anderen Art an ihrer Kindheit, an den Erwachsenen, denen diese Kindheit anvertraut wurde. Weiterlesen „Wendi Stewart – Ein unbesiegbarer Sommer“

Verena Boos – Blutorangen

Verena Boos – Blutorangen

Verena boos BlutorangenWie geht man mit der eigenen Vergangenheit um, besonders wenn sie dunkle Flecken aufweist? Wie geht man mit eigener Schuld um? Wie begegnet man den Menschen, denen man Unrecht getan hat? Ein schwieriges Thema.
Schicksalhafte Dimensionen erreicht es, wenn ganze Staaten, ganze Völker davon betroffen sind. Wie lange der Prozess der Aufarbeitung oder gar Versöhnung dauert, sieht man immer wieder. Südafrika, Kambodscha, Ruanda oder, näher, der Balkan, sind nur einige Beispiele dafür.
Eine offene, ehrliche Auseinandersetzung scheint uns dabei das Wichtigste. Wie schwer dies ist, selbst für eine unserer westlichen Demokratien, sieht man am Beispiel Spaniens. Weiterlesen „Verena Boos – Blutorangen“

Giulio Cisco – Der Dank des Vaterlandes

Giulio Cisco – Der Dank des Vaterlandes

Giulio Cisco - Der Dank des Vaterlandes

 

„Wenn ihr nach Campòn kommt, schaut euch das Kriegerdenkmal an. Ihr geht vom Capitello della Salute hinauf zum Platz vor der Kirche, dann seht ihr es schon, auf der linken Seite, vor der Schule. Eine große Italia in Bronze mit einer Fahne in der rechten Hand. Mit ihre linken hält sie einen Lorbeerkranz über einen einfachen Soldaten mit nacktem Oberkörper. Auf dem Sockel stehen die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Väter, auf dem Gedenkstein daneben die Namen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne. Lest. Ich bitte euch.“

So endet der 1988 erschienene Roman mit den Namen der neunzehn Jungen, deren Geburt 1921 im kleinen venetischen Dorf Campòn eine Sensation war.
Wie die meisten Bewohner sind sie allesamt irgendwie miteinander verwandt oder verschwägert, so tragen sie auch nur fünf verschiedene Familiennamen. Im Dörfchen geht es bescheiden, rustikal und recht handfest zu. Ein Hauch von Don Camillo und Peppone weht durch das Buch. Das ist zunächst recht vergnüglich zu lesen. Es sind einfache Handwerks- und Bauernjungen, die da heranwachsen, nur einer schafft den Sprung aufs Gymnasium.
Sie alle aber melden sich mehr oder weniger freiwillig im Juni 1940, als Italien an der Seite von Hitlerdeutschland in den Krieg eintritt. Kriegsbegeistert oder gar Faschist ist kaum einer von ihnen.
Was darauf folgt, wird mit einer unerbittlichen, oft bitterbösen Lakonie erzählt.
Egal wohin sie die Kriegshandlungen auch verschlagen haben, ob nach Afrika oder Russland, nach Sizilien, Neapel oder Albanien, der grausame, sinnlose „Heldentod“ erwischt sie überall. Selten wurde so eindrücklich, so ergreifend und gleichzeitig so ohne große Worte, so lapidar von den Grausamkeiten und der Absurdität des Krieges erzählt. Und die gnadenlose Zufälligkeit des Todes, die Aneinanderreihung seiner Spielarten zeigt umso deutlicher den Wert eines jeden Lebens.
Ich schließe mich an. „Lest. Ich bitte euch.“ Bücher wie Der Dank des Vaterlandes von Giulio Cisco kann es nicht genug geben, können nicht zu oft gelesen werden. Umso bedauerlicher, dass das Buch nur noch antiquarisch zu haben ist. Eine Neuauflage wäre unbedingt zu begrüßen.