Zwanzig Lektionen für den Widerstand lautet der Untertitel dieses schmalen Bändchens, das der bekannte US-amerikanische Historiker mit Forschungsschwerpunkt Osteuropäische Geschichte und Holocaustforschung bereits 2017 veröffentlicht hat. Den aufmerksamen Leser:innen wird nicht nur das fast zehn Jahre zurückliegende Datum auffallen, sondern sie werden gleich eine Parallele zum damaligen neuen US-Präsidenten ziehen können. Und auch wenn der Name niemals fällt, ist dieses Buch als Reaktion auf die erste Amtszeit von Donald Trump entstanden. Wie schnell und umfassend die Lage sich seitdem verschärft hat, hat sich wahrscheinlich noch nicht einamal Timothy Snyder ausmalen können. Dennoch hält er in Über Tyrannei eine „Brandrede“ für eine wehrhafte Demokratie und eine Handlungsanleitung, gerade auch für jüngere Menschen, sich gegen Populismus und die Antidemokraten zu stellen, die die Errungenschaften der Demokratie nutzen, um sie zu zerstören. Weiterlesen „Timothy Snyder – Über Tyrannei – Kurz vorgestellt“
Schlagwort: Politik
Katrina Tuvera – Die Kollaborateure – Kurz vorgestellt
In diesem Jahr sind die Philippinen Gastland bei der Frankfurter Buchmesse. Wie bei jedem Gastland werden zu diesem Anlass außergewöhnlich viele Übersetzungen ins Deutsch präsentiert. So auch zum ersten Mal ein Buch der Nationalpreisträgerin Katrina Tuvera, Die Kollaborateure. Darin erzählt die Autorin über die stark postkolonial geprägte Geschichte ihres Landes anhand einer Familie. Mehr als 300 Jahre unter spanischer Herrschaft, amerikanische Kolonie bis 1946, brutale Besatzung durch Japan im Zweite Weltkrieg – die Philippinen standen seit dem 16. Jahrhundert durchgehend unter Fremdherrschaft. Und rutschten nach der Unabhängigkeit 1946 von einer starken Abhängigkeit von den USA in die zunehmend diktatorische Herrschaft von Ferdinand Marcos und seinem Clan. Der durchschnittliche Lesende wird eher wenig Kenntnis über die philippinische Geschichte haben. Da ist das sachkundige Nachwort von Annette Hug sehr hilfreich. Ein bisschen Recherche im Internet kann auch nicht schaden. Weiterlesen „Katrina Tuvera – Die Kollaborateure – Kurz vorgestellt“
Shehan Karunatilaka – Die sieben Monde des Maali Almeida
Malinda Albert Kabalana ist unzweifelhaft tot. Wie das passiert sein kann, ist ihm schleierhaft. War er zuvor wie so oft im Casino in Colombo und hat dort sein Geld verspielt? Oder hat er sich mit seinem Geliebten DD in einer Hotelbar getroffen? Oder hatte er ein „Geschäftstreffen“ mit einem Pressevertreter oder einem Mitglied einer Regierungs- oder aber einer Rebellenorganisation, zwischen denen der Fotograf als „Fixer“ Kontakte vermittelte und denen er Fotos aus dem Bürgerkrieg Sri Lankas verkaufte? Maali Almeida, wie er auch genannt wird, dreht sich alles im Kopf, während er in einer ungemütlichen Wartehalle Schlange steht. Der Protagonist im 2022 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka ist tot, aber damit ist für ihn noch nichts zu Ende. Auf über 500 wilden, mitreißenden Seiten erzählt er vom „Dazwischen“ in dem er gelandet ist. Weiterlesen „Shehan Karunatilaka – Die sieben Monde des Maali Almeida“
Yanick Lahens – Sanfte Debakel
Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass der Haitianische Präsident Jovenes Moïse in seinem Haus erschossen wurde. Leser:innen des packenden Romans Sanfte Debakel von Yanick Lahens dürften davon nicht allzu überrascht sein und tatsächlich auch die Meldung von „spanisch sprechenden Angreifern“ zumindest in Zweifel ziehen. Welches Gewaltpotential, welches rücksichtslose Machtstreben und welche Menschenverachtung inmitten von Teilen der haitianischen Gesellschaft herrscht, wie hilflos ihnen die Bevölkerung ausgesetzt ist und wie wenig greifbare Hoffnung zur Zeit herrscht, das macht die 1953 geborene Autorin, die zu den wichtigsten intellektuellen Stimmen des Landes gehört, eindrücklich deutlich. Weiterlesen „Yanick Lahens – Sanfte Debakel“
Nora Bossong – Schutzzone
Mira ist Anfang Dreißig, beruflich erfolgreich, ungebunden, ein wenig einsam, in eine außereheliche Affäre verstrickt. Charakterlich ist sie nicht ganz unangreifbar, öfters zynisch, manchmal verletzlich, aber kämpferisch und sehr reflektiert. Was sie über diese Charakterisierung hinaus, die auf unzählige andere Frauen ihres Alters ebenso zutreffen könnte, für einen Roman interessant macht, ist ihr Arbeitsplatz. Mira Weidner arbeitet an vorderer Front für die Vereinten Nationen. Nora Bossong schreibt in ihrem Roman „Schutzzone“ über sie. Weiterlesen „Nora Bossong – Schutzzone“




