Paul Lynch – Das Lied des Propheten

Noch selten habe ich ein Buch so körperlich gelesen wie Das Lied des Propheten von Paul Lynch. Beklemmend, intensiv, atemberaubend – Adjektive, die nicht nur so dahingesagt bzw. –geschrieben sind, sondern die während des Lesens absolut zutrafen und so manches Mal zum (kurzen) Unterbrechen der Lektüre zwangen. 2023 mit dem Booker Prize ausgezeichnet, heimst der Roman auch hierzulande höchstes Lob ein, etwa bei Markus Gasser in der Neuen Züricher Zeitung, der schreibt:

„So zieht uns «Das Lied des Propheten» existenziell in Mitleidenschaft wie kaum ein Werk dieser Zeit: Es hat nur einmal in einem Jahrhundert einen Franz Kafka gegeben; und in diesem gibt es nur einen Paul Lynch.“ Weiterlesen „Paul Lynch – Das Lied des Propheten“

Shehan Karunatilaka – Die sieben Monde des Maali Almeida

Malinda Albert Kabalana ist unzweifelhaft tot. Wie das passiert sein kann, ist ihm schleierhaft. War er zuvor wie so oft im Casino in Colombo und hat dort sein Geld verspielt? Oder hat er sich mit seinem Geliebten DD in einer Hotelbar getroffen? Oder hatte er ein „Geschäftstreffen“ mit einem Pressevertreter oder einem Mitglied einer Regierungs- oder aber einer Rebellenorganisation, zwischen denen der Fotograf als „Fixer“ Kontakte vermittelte und denen er Fotos aus dem Bürgerkrieg Sri Lankas verkaufte? Maali Almeida, wie er auch genannt wird, dreht sich alles im Kopf, während er in einer ungemütlichen Wartehalle Schlange steht. Der Protagonist im 2022 mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman Die sieben Monde des Maali Almeida von Shehan Karunatilaka ist tot, aber damit ist für ihn noch nichts zu Ende. Auf über 500 wilden, mitreißenden Seiten erzählt er vom „Dazwischen“ in dem er gelandet ist. Weiterlesen „Shehan Karunatilaka – Die sieben Monde des Maali Almeida“

Tatjana Gromača – Die göttlichen Kindchen

„Eine allgemeine Einführung in die Welt meiner Mutter, ihre persönlichen und gesamtgesellschaftlichen Krankheiten“ – so umschreibt Tatjana Gromača das erste Kapitel ihres Buchs Die göttlichen Kindchen. Und beginnt es gleich sehr drastisch:

„Es gibt verschiedene Arten von Messern, aber für das Abschlachten von Menschen im Krieg sind am besten etwas längere Exemplare geeignet, so wie Jagdmesser zum Schlachten von Wildschweinen.“

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Anuk Arudpragasam – Nach Norden

Es ist ein leider beinahe klassisches Szenario in unterschiedlichen Regionen der Welt. In nach der Kolonialzeit in die Unabhängigkeit gelangten Staaten brechen unterdrückte Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen und/oder religiösen Gruppen vehement auf, beim Kampf um Macht und Vorherrschaft kommt es oft zu Konflikten, die häufig in Bürgerkriege, Massaker oder gar Völkermorde, wie 1994 in Ruanda (auch das üblich, Jahrzehnte nach Ende der kolonialen Unterdrückung) münden. Vielfach werden wie dort einstmals (vermeintlich oder real) von den Kolonialmächten bevorzugte Minderheiten im Land nun von der Bevölkerungsmehrheit diskriminiert, verfolgt oder sogar bekämpft. Zwischen 1983 und 2009 tobte ein solcher Bürgerkrieg auf Sri Lanka, dem vormaligen Ceylon, das 1948 die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. Aktuell (und immer wieder) flackert der Konflikt zwischen der singhalesischen, vorwiegend buddhistischen Bevölkerungsmehrheit und den meistenteils hinduistischen Tamilen im Norden des Landes wieder auf. Welche Wunden der Bürgerkrieg neben den geschätzt bis zu 100.000 Todesopfern geschlagen hat und wie diese auch heute noch zu spüren sind, erzählt der sri-lankische Autor Anuk Arudpragasam eindrücklich in Nach Norden. Weiterlesen „Anuk Arudpragasam – Nach Norden“