Jonas Hassen Khemiri – Die Vaterklausel

Bereits mit seinem letzten, 2017 auf Deutsch erschienenen Roman Alles was ich nicht erinnerte konnte mich der schwedische Autor Jonas Hassen Khemiri durch seine multiperspektivische Erzählart überzeugen, die er auch in Die Vaterklausel wieder wählt. Ein Familienkonflikt steht hier im Zentrum, besonders das Verhältnis Vater-Sohn. Und wieder ist es eine schon lange in Schweden lebende Familie mit Wurzeln im arabischen Raum. Diesmal ist das Herkunftsland aber nicht ganz so eindeutig als Tunesien, aus dem auch Khemiris Vater stammt, zu identifizieren wie im Vorgängerroman. Weiterlesen “Jonas Hassen Khemiri – Die Vaterklausel”

Tom Malmquist – In jedem Augenblick unseres Lebens

Vor einigen Jahren, im März 2012, wurde die Welt des schwedischen Musikers und Poeten Tom Malmquist von Grund auf erschüttert. Innerhalb kürzester Zeit verlor er seine Lebensgefährtin Karin. Diese war hochschwanger, als sie plötzlich unter grippeartigen Symptomen zu leiden begann und Anzeichen einer Lungenentzündung entwickelte. Nach einigen Tagen verschlechterte sich ihr Zustand so dramatisch, dass sie als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die schockierende Diagnose lautete: Akute myeloische Leukämie. In seinem 2015 im Original erschienenen autobiografischen Roman In jedem Augenblick unseres Lebens wirft Tom Malmquist den Leser genauso unvermittelt ins Geschehen, wie er sich damals selbst hineingeworfen gefühlt haben muss.

„Der Oberarzt tritt den Kipphebel an Karins Patientenbett fest.“

lautet der erste lapidare Satz. Weiterlesen “Tom Malmquist – In jedem Augenblick unseres Lebens”

Jonas Hassen Khemiris – Alles, was ich nicht erinnere

Ein junger Mann ist bei einem Autounfall nahe Stockholm ums Leben gekommen. Das erfahren wir relativ bald im Roman von Jonas Hassen Khemiri „Alles was ich nicht erinnere“, auch, dass hier jemand ist, der dem Geschehen nachgeht, der Fragen stellt, über den verunglückten Simon, über jenen unheilvollen Tag im Jahr 2012, als das Auto in einer Linkskurve geradeaus fuhr und gegen einen Baum prallte. Weiterlesen “Jonas Hassen Khemiris – Alles, was ich nicht erinnere”

Henning Mankell – Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell – Die schwedischen Gummistiefel

Henning Mankell - Die Schwedischen Gummistiefel

Ein letzter Roman von Henning Mankell – da ergreift die Leserin, die über 25 Jahre hinweg immer wieder Bücher des Autors gelesen und geliebt hat, eine gewisse Wehmut.
Wehmut, ja Schwermut sind auch die Grundstimmungen in „Die schwedischen Gummistiefel“, die Mankell bereits mit seiner Krebsdiagnose verfasst und kurz vor seinem Tod im Oktober 2015 veröffentlicht hat.

Die Geschichte knüpft nicht nur im Titel an den 2007 erschienen Roman „Die italienischen Schuhe“ an. Darin wurde von dem alternden Chirurg Fredrick Welin erzählt, der nach einem fatalen Kunstfehler den Beruf aufgibt und sich in die Einsamkeit einer Schäreninsel zurückzieht. Eines Tages steht seine ehemalige Lebensgefährtin Harriet vor der Tür (genauer gesagt mit dem Rollator auf dem Eis) und will ihn, sterbenskrank, nicht nur noch einmal sehen, sondern präsentiert ihm auch die gemeinsame Tochter Louise, von der er bislang nichts wusste.
War auch in dieser Geschichte die Grundstimmung eine melancholische, war Welin auch damals einsam, menschenscheu, wenn nicht gar menschenfeindlich, voll einer unbestimmten Wut, mit einem schwierigen Verhältnis zu seiner Umwelt belastet, so steht über den „Schwedischen Gummistiefeln“ von Beginn an die bereits im Motto, einem Zitat aus dem Rolandslied, erwähnte Trauer.

„Viel hat der gelernt, der die Trauer kennt.“

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