Sophie van der Linden – Im Licht der Lofoten

Ich bin ein Mensch des Mittelmeeres, des Südens, der Wärme. Trotzdem habe ich Im Licht der Lofoten der französischen Autorin Sophie van der Linden rein zufällig und unbeabsichtigt genau dort gelesen, an der ligurischen Küste, bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Erst andere Leser:innen machten mich darauf aufmerksam, dass darin eine gewisse Ironie steckt. Und ja, das Kontrastprogramm konnte kaum größer sein.

Anna Boberg
Anna Boberg Svenska konstnärer i bild med text, Public domain, via Wikimedia Commons

Im Licht der Lofoten ist ein biographischer Roman, der der Geschichte der schwedischen Malerin Anna Boberg (1864-1935) folgt. Bevor sich Anna der Landschaftsmalerei widmete, arbeitete sie als Porzellanmalerin bei der berühmten Manufaktur Rörstrand. Ein Service dieser Firma zu besitzen, macht mich noch heute, nach über dreißig Jahren, glücklich. (Natürlich nicht von Anna Boberg designt und von daher für diese Buchvorstellung völlig unerheblich, hat es sich hier dennoch hineingedrängt ;))

Leidenschaft für die Lofoten

Bis auf eine kurze Zeit an der Académie Julien in Paris war Anna Boberg Autodidaktin. Ihren Mann, den Architekten Ferdinand Boberg lernte sie in der französischen Hauptstadt kennen. Die beiden heirateten 1888. Annas Malleidenschaft begann bereits zuvor – und zwar im Süden. Es entstanden vor allem Aquarelle in Spanien, Italien, Südfrankreich und Jerusalem. Die Entwicklung zu der Malerin, die internationale Anerkennung erlangte, von der die amerikanische Presse sogar behauptete, „Schwedens größte Künstlerin“ zu sein, auch wenn die Anerkennung im eigenen Land zunächst ausblieb, geschah aber erst nach 1901. Während einer Reise mit ihrem Mann auf die Lofoten packte sie die Leidenschaft für diese nordnorwegische Landschaft derart, dass sie in den folgenden 33 Jahren regelmäßig hierher zurückreiste, um zu malen. Und zwar allein.

Undan för stormen. Studie från Nordlandet
Undan för stormen. Studie från Nordlandet Anna Boberg, Public domain, via Wikimedia Commons

Für eine Frau aus gutbürgerlichen Kreisen war das ein durchaus ungewöhnliches Unterfangen und ihre Obsession wurde zumindest anfangs argwöhnisch beobachtet. Ferdinand hingegen unterstützte seine Frau anscheinend vorbehaltlos, baute ihr in Svolvær eine „Hütte“, beschaffte ihr Materialien, wartete geduldig auf ihre jeweilige Rückkehr.

Von einer dieser Malreisen erzählt nun Sophie van der Linden in Im Licht der Lofoten. Es ist bereits gegen Ende von Anna Bobergs Leben, vermutlich Anfang der 1930er Jahre. Anna ahnt, dass es vielleicht ihre letzte Reise sein könnte. Sie möchte abschließend das eine große Meisterwerk über diese raue, karge Landschaft schaffen, das ihr endlich auch in Schweden Anerkennung bringen soll. Sie reist im Spätherbst und kommt dann auf den Lofoten an, wenn das Wetter am unwirtlichsten ist. Kälte, monatelang Schnee, raue Winde, Sturm. Aber auch Polarlichter und dieses ganz besondere Licht über den hohen, schroffen, schneebedeckten Bergen und eisigen Fjorden, das Anna Boberg so bezaubert und das sie in ihren Werken festhalten möchte.

Der Text von Sophie van der Linden ist in einer Art Tagebuch verfasst, adressiert an Annas geliebten Mann. Sie weiß, was sie ihm mit ihrer unorthodoxen Lebensweise abverlangt, schätzt seine Loyalität, vermisst ihn auch. Aber ihre Malleidenschaft ist stärker, und sie dankbar, dass sie sich nie zwischen ihr und ihrem Mann entscheiden musste.

Mountains. Study from North Norway (Anna Boberg)
Mountains. Study from North Norway (Anna Boberg), Public domain, via Wikimedia Commons

Der Text ist sehr nah dran an der Landschaft und den Maltechniken der Künstlerin. Man spürt die Kälte, stemmt sich gemeinsam mit Anna gegen den Wind, nimmt das arktische Licht in sich auf, versucht es in Farben und Pinselstrichen wiederzugeben. Mir ist das alles ziemlich fremd (s.o. Mensch des Südens etc.), aber durch van der Lindens Beschreibungskunst folgte ich gern. Anna Boberg ist auf jeden Fall eine Künstlerin, die es verdient, auch von der schwedischen Kunstwelt als eine der großen skandinavischen Landschaftsmalerinnen betrachtet zu werden. Seit 2018 wird ihre Kunst im Nationalmuseum, dem schwedischen Museum für Kunst und Design, ausgestellt.

 

Beitragsbild: Anna Boberg, Public domain, via Wikimedia Commons

 

Sophie van der Linden - Im Licht der Lofotenx

.Sophie van der Linden – Im Licht der Lofoten
Aus dem Französischen von Valerie Schneider
Mare Verlag, gebunden, 128 Seiten, € 20,00

 

 

 

 

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