Spätestens seitdem Donna Leon ihren Brunetti in den (zumindest vorübergehenden) Ruhestand geschickt hat, ist Commissario Dionisio Di Bernardo für mich der unangefochtene König der literarischen Ermittler. In bereits vier Fällen lässt die international renommierte Violinistin Natasha Korsakova Di Bernardo in Rom ermitteln, jedes Mal handelt es sich um Verbrechen in der Musikszene, so auch im jüngsten Quartett.
Es ist Spätherbst in Rom und wenig übrig von den sonnendurchflirrten Bildern, die so mancher Leserin beim Gedanken an die italienische Metropole in den Sinn kommen. Und doch schafft Natasha Korsakova ein atmospärisches, anschauliches Rom zu erschaffen, dass jede(r), der oder die bereits einmal die Stadt besucht hat, sich gleich wieder dorthin versetzt fühlt.
Das angesehene Arcimboldo Quartett hat im Teatro Argentina mit dem Klarinettisten Luca Rinaldi ein gefeiertes Konzert gegeben und die Mitglieder sind danach in ein kleines Wohnzimmerrestaurant weitergezogen, um dort den Abend ausklingen zu lassen. Der erste Geiger Lorenzo Verro verschwindet kurz nach draußen und kehrt nicht wieder. Wenige Meter vom Restaurant entfernt wird er kurz danach in einem dunklen Durchgang erstochen aufgefunden. Commissario di Bernardo, der bereits einige Morde im Musikermilieu aufgeklärt hat, bekommt auch diesen zugeteilt und erbittet die bewährte Unterstützung seines Kollegen Del Pino.
Das Team von Commissario Di Bernardo
Dem Team um Commissario Di Bernardo kommt ein großer Anteil an der Attraktivität der Kriminalromane von Natasha Korsakova zu. Wie sie es schafft, dass die Ermittler:innen schon nach den bisher drei Fällen wie eine Familie erscheinen, zu der man auch nach einiger Zeit Pause gern und vertraut zurückkehrt, ist schon erstaunlich. Federica Giglioli von der Spurensicherung, Riccardo Magno, der IT-Spezialist und Sergio Granata werden so sympathisch und individuell gezeichnet, dass man sie gleich ins Herz schließt. Zwar fehlt immer noch der Rechtsmediziner Fabio Ricci, der sich für einen humanitären Dienst im Kriegsgebiet der Ukraine hat beurlauben lassen, aber die exzentrische Isabella Nardi schließt die Lücke zumindest für die Leser.innen sehr unterhaltsam. (Auch wenn sie für Di Bernardo und seine Kolleg:innen oft unerträglich ist). Das sympathische Team bekommt in Quartett von Natasha Korsakova nun eine neue Kollegin an die Seite gestellt. Giulia Casavola aus Apulien.
Die Lesenden erfahren recht früh, das Team um Di Bernardo erst später, dass Giulia nicht ihr richtiger Name ist und dass die Ispettrice früher bei der organisierten Kriminalität ermittelte. Nach einem traumatischen Erlebnis wurde sie mit einer neuen Identität nach Rom versetzt. Sie fügt sich aufs Beste ins Team ein.
Die Ermittlungen
Die Ermittlungen erweisen sich als zunächst schwierig. War einer der Musiker der Täter oder die Täterin? War Lorenzo Verro in dunkle Geschäfte verstrickt? Oder spielte die von Missbrauchserfahrungen gezeichnete Internatszeit der Musiker eine Rolle?
Eine Nebenhandlung dreht sich um den bevorstehenden Ruhestand des nicht gerade beliebten Vorgesetzten Borghese, der es geschafft hat, nachdem Di Bernardo die Beförderung ausgeschlagen hat, einen absoluten Ekel zu seinem potentiellen Nachfolger zu bestimmen. Wird das das Team zerreißen? Zumindest Federica erwägt nach einigen sexistischen Sprüchen, ihre Versetzung zu beantragen.
Wie gesagt leben die Kriminalfälle von Natasha Korsakova und auch Quartett vor allem durch ihre Charaktere. Aber auch Spannungsbogen kann die Autorin aufbauen. Es wird nicht nervenzerfetzend und es wird auch nicht brutal, aber das ist etwas, das ich in einem Krimi auch nicht suche. Wem es genauso geht, wer sich auch an der Atmosphäre vom Schauplatz Rom erfreut und wer vielleicht zudem noch ein Faible für klassische Musik hat, dem lege ich das Buch und seine Vorgänger sehr ans Herz. Dem Buch sind QR-Codes zu Stücken von Brahms, Schubert, De Falla, Albeniz u.a. hinzugefügt, die im Roman eine Rolle spielen. Wunderbar, dass man sie so direkt hören kann, oft in Aufnahmen mit der Autorin selbst.
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Natasha Korsakova – Quartett
Septime Verlag Mai 2026, 288 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag, 25,00 €






