Colm Tóibín – Die Schwestern – Kurz vorgestellt

Zu Beginn von Colm Tóibíns Erzählung Die Schwestern steckt eine von ihnen, Montse, in ihrem Haus in der argentinischen Kleinstadt Chivilcoy fest. Schon zum zweiten Mal wurde Klebstoff in ihr Türschloss gespritzt, es ist Wochenende und die Schlosser gehen nicht ans Telefon, die Nachbarn können sie nicht leiden und die Polizei nimmt ihren Anruf nicht ernst. Ein merkwürdiges Szenario.

Am folgenden Montag erreicht sie ein Brief aus einer katalanischen Anwaltskanzlei. Sie und ihre Schwestern Núria und Conxita haben von ihrer verstorbenen Tante Julia Grau ein kleines Häuschen in den Pyrenäen geerbt. Vor Jahrzehnten sind die drei Schwestern mit der Mutter aus den von dort nach Buenos Aires ausgewandert. Nach dem Tod des Vaters meinte diese, dass die Mädchen dort bessere Chancen haben würden.

Damals waren sie Kinder, jetzt sind alle drei um die 60. Die Zeit allerdings scheint seltsam stillzustehen in dieser Geschichte. Núria ist die Älteste und mittlerweile Witwe. Aus einer armen Einwanderer-Familie stammend, hat sie in die Upperclass von Buenos Aires eingeheiratet und führt ein Leben zwischen Country Clubs und Eigenheim mit Dienstboten. Ihre Schwestern behandelt sie herablassend und distanziert. Conxita, die mittlere Schwester, lebt offiziell als Gesellschafterin der wohlhabenden Señora Maria Luisa Bustamante, ist in Wahrheit aber wohl deren Lebenspartnerin. Montse selbst hat sich als junge Frau mit einem wesentlich älteren, verheirateten Mann eingelassen, der für sie eine Wohnung gekauft hat und sie auch sonst ausgehalten hat. Nach seinem Tod zwingt sie seine Familie, auszuziehen. Nun arbeitet sie in einer Autowerkstatt.

Die drei Schwestern haben nahezu keinen Kontakt mehr, seit die Mutter gestorben ist. Was soll jetzt mit dem Haus in Spanien geschehen? Für Núria ist der Verkauf ausgemachte Sache, aber Montse hat andere Pläne. Die Schwestern fliegen nach Barcelona und verfallen in ihre alten Schwestern-Rollen. Montse will das Haus nicht verkaufen und nicht nach Argentinien zurückkehren. Dafür schreckt sie auch nicht vor einem Betrug zurück.

Es passiert nicht wirklich viel in Colm Tóibíns Erzählung Die Schwestern. Vieles spielt sich im Inneren von Montse ab. So wirklich nah kommt man den Protagonistinnen dabei aber nicht. Zurück bleibt ein etwas gespaltenes Gefühl.

 

Colm Tóibín - Die Schwestern.

Colm Tóibíns – Die Schwestern
Übersetzt aus dem Englischen von Ditte Bandini und Giovanni Bandini 
Hanser Verlag März 2026, Hardcover, 128 Seiten, 22,00 €

 

 

 

 

 

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