Sally Rooney – Gespräche mit Freunden

Frances und Bobbi sind beide 21 und studieren am Dubliner Trinity College. Sie kennen sich seit der Schule und haben eine fast symbiotische Verbindung. Eine Zeitlang waren sie ein Paar, nun sind sie beste Freundinnen und bilden ein Spoken-Word-Duo, bei dem Frances die Texte schreibt und Bobbi das charismatische Aushängeschild ist. Bei einer ihrer Veranstaltungen lernen die beiden das Ehepaar Melissa und Nick kennen. Diese sind in den Dreißigern, sie Fotografin und Autorin, er Schauspieler, schon arriviert, wohlhabend und ein bisschen glamourös. Man ist voneinander fasziniert und das Beziehungsgefüge gerät heftig ins Schwanken. Davon erzählt die junge irische Autorin Sally Rooney in ihrem hochgelobten Debüt „Gespräche mit Freunden“. Weiterlesen „Sally Rooney – Gespräche mit Freunden“

Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer

Friedrich Ani ist unzweifelhaft einer der bedeutendsten Krimiautoren Deutschlands. Seine Bücher verkaufen sich nicht nur gut und sind in den Bestsellercharts vertreten, sondern sie erhalten auch höchstes Lob der Literaturkritik. Allein der Deutsche Krimipreis ging seit 2002 sechsmal an Ani. Zugleich ist er ungeheuer produktiv. Mehr als 30 Kriminalromane, davon allein 21 mit seiner Hauptfigur Tabor Süden, Jugendromane, Drehbücher, Hörspiele – immer wieder einmal fällt das Stichwort „deutscher Simenon“. Nun ist ein ganz besonderer Roman von Friedrich Ani erschienen: All die unbewohnten Zimmer. Weiterlesen „Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer“

Colson Whitehead – Die Nickel Boys

Berichte und Klagen über schwere Misshandlungen, sexuelle Übergriffe und massiven Amtsmissbrauch gab es schon lange. Diverse Untersuchungen, Überprüfungen und Reformen wurden angestrengt. Passiert ist über lange Zeit nichts. Erst 2010, nachdem die Arthur G. Dozier School for Boys in Marianna eine erneute Inspektion nicht bestanden hat, wurden offizielle Untersuchungen über ungeklärte Todesfälle auf dem Schulgelände eingeleitet. Forensische Anthropologiestudentinnen stellten nicht nur bei den auf dem Boot Hill, dem schuleigenen Friedhof, vergrabenen Leichnamen Zeichen schwerer Misshandlungen fest, sondern fanden auch abseits Knochenreste von augenscheinlich inoffiziell beigesetzten Körpern. Ein geheimer Friedhof neben der Müllhalde der Schule. Der US-amerikanische Autor Colson Whitehead nahm diese Meldungen zum Anlass für seinen neuesten Roman, Die Nickel Boys. Nur zwei Monate vor seiner Veröffentlichung wurden im April 2019 erneut 27 Grabstellen auf dem Gelände entdeckt. Weiterlesen „Colson Whitehead – Die Nickel Boys“

Jurica Pavičić – Fremde Helden

Jurica Pavičić, 1965 geboren in Split/Dalmatien, ist in seinem Heimatland Kroatien ein renommierter Kolumnist, Journalist und Autor. Er veröffentlicht Essays und Romane und seit 2008 vermehrt Short Stories. Beim kleinen Berliner Verlag Schruf & Stipetic sind bislang neun dieser Geschichten in drei Bänden als ebooks erhältlich gewesen. Nun ist ein Sammelband in gebundener Form erschienen: Jurica Pavičić – Fremde Helden. Weiterlesen „Jurica Pavičić – Fremde Helden“

Annelies Verbeke – Dreissig Tage

Alphonse ist 40 und eigentlich Musiker. Warum es mit der Musik nicht so recht geklappt hat, erzählt uns Annelies Verbeke in ihrem Roman „Dreissig Tage“ nicht genauer. Aber Alphonse ist mit seinem neuen Job ganz zufrieden. Er renoviert Häuser und Wohnungen, mal ein neuer Fußboden hier, mal ein neuer Anstrich dort. Über mangelnde Angebote muss er sich nicht beklagen. Das liegt nicht nur an seiner Fachkenntnis und Zuverlässigkeit, sondern auch an einer ganz persönlichen Tugend: Alphonse versteht es zuzuhören und Zuversicht auszustrahlen. Mit seiner gutmütigen, den Menschen zugewandten Art öffnet er die Herzen seiner Kunden. Und bekommt so die absonderlichsten Geschichten erzählt. Weiterlesen „Annelies Verbeke – Dreissig Tage“

Zum Tod von Toni Morrison – Backlist: Heimkehr

Zum Tod von Toni Morrison – Ihr wunderbarer, schmaler Roman Heimkehr

Toni Morrison ist tot.  Sie starb in einem New Yorker Krankenhaus. Sie wurde 88 Jahre alt.

Die große afroamerikanische Schrifstellerin, erste (und bisher einzige) schwarze Frau unter den Nobelpreisträgern für Literatur (1993), Autorin so erfolgreicher Werke wie Menschenkind, vielfach ausgezeichnet und stets eine engagierte Kämpferin gegen den Rassismus in den USA und für die Rechte der Frauen, ist sicher nicht nur für mich eine der Ikonen der US-amerikanischen Literatur. Weiterlesen „Zum Tod von Toni Morrison – Backlist: Heimkehr“

Maylis de Kerangal – Eine Welt in den Händen

Die französische Autorin Maylis de Kerangal ist trotz zahlreicher Auszeichnungen in ihrer Heimat beim Lesepublikum in Deutschland noch relativ unbekannt. Daran änderte weder der Gastlandauftritts Frankreichs auf der Frankfurter Buchmesse 2017 etwas noch die Nominierung ihres 2015 erschienenen Romans „Die Lebenden reparieren“ für den Man Booker International Prize. Mit Eine Welt in den Händen liegt nun der siebte Roman von Maylis de Kerangal vor. Weiterlesen „Maylis de Kerangal – Eine Welt in den Händen“

Fernando Aramburu – Langsame Jahre

Fernando Aramburu Langsame Jahre ist bereits 2012 erschienene  und entgegen dem äußeren Anschein alles andere als nur eine Vorstudie zu seinem großen und großartigen Roman „Patria“. Mit diesem erzielte Aramburu 2018 auch in Deutschland einen beachtlichen Erfolg, nachdem er bereits in Spanien zum absoluten Bestseller geworden war.

Die fast 800 Seiten dicke Erzählung über zwei baskische Familien und die ETA hat zwar einiges mit dem eher schmalen Vorgänger gemeinsam, etwa Ort und Thema und auch die sprachliche Experimentierfreude des Autors, ist aber auch in Vielem ganz anders.

Im Mittelpunkt stehen die Sechziger Jahre im Baskenland und der damals achtjährige Txiki. Er ist der Erzähler, der an den „Herrn Aramburu“ Briefe schreibt und von seiner Kindheit erzählt. Zweck ist, dass der Schriftsteller daraus ein Buch macht. Weiterlesen „Fernando Aramburu – Langsame Jahre“

Maxim Leo – Wo wir zu Hause sind

Rezension – Maxim Leo „Wo wir zu Hause sind – Die Geschichte meiner verschwundenen Familie“ ist eines jener Bücher, die mir beinahe entgangen wären. Als Kolumnist und Krimiautor stand Leo nicht auf meiner Liste beachtenswerter Autoren, obwohl er 2009 bereits eine hochgelobte Familiengeschichte veröffentlicht hat, „Haltet euer Herz bereit“.

1970 in Ost-Berlin geboren, kam der Autor wohl auf der Hochzeitsfeier seines Bruders in einem brandenburgischen Herrenhaus, zu der die weitverzweigte Familie nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Österreich, Frankreich, England und Israel angereist war, auf die Idee zu diesem Buch. Leo, für den nach eigenem Bekunden Familie immer etwas war wo „vier Menschen um einen Tisch sitzen“, spürte einmal mehr, dass seine Familie nicht eine der „typischen“ ostdeutschen Familien ist und war und wollte ihrer Geschichte genauer nachforschen. Weiterlesen „Maxim Leo – Wo wir zu Hause sind“

Backlist: Maylis de Kerangal – Die Lebenden reparieren

Maylis de Kerangal schreibt in ihrem Roman „Die Lebenden reparieren“ über eine der Urängste eines jeden Menschen: Der eine Anruf, der das ganze Leben erschüttert, der mitteilt, dass ein lieber Angehöriger, im schlimmsten Fall ein Kind, tödlich verunglückt ist.
Hier ist es der 19 jährige Simon, der nach einem winterlichen Surfausflug am frühern Morgen auf der vereisten Fahrbahn verunfallt.
Seine beiden Freunde werden nur leicht verletzt, er, nicht angeschnallt, ist hirntot. Irreversibles Koma, EEG-Nulllinie.
Aber seine jungen, gesunden Organe könnten bei einer Transplantation Leben retten. Eine eigentlich unzumutbare Entscheidung für die Eltern, die doch gerade erst von dem Unglück erfahren haben. Aber die Zeit drängt, die Organentnahme muss zeitnah geschehen, die medizinische Maschinerie in Gang gesetzt werden. Weiterlesen „Backlist: Maylis de Kerangal – Die Lebenden reparieren“