Es gibt Autorinnen/Autoren die stets das gleiche Buch schreiben, stets zum gleichen Sujet greifen, denselben Ton wahren. Das ist in seltenen Fällen (ich denke da zum Beispiel an Patrick Modiano) spannend und beglückend, viel öfter aber ein Zeichen mangelnder Kreativität oder künstlerischer Fähigkeit. Die britische Autorin Zadie Smith hat auch ein Thema, das sie immer wieder umtreibt und zudem sind ihre Romane meist in dem Teil Londons verortet, aus dem sie selbst stammt, dem Nordwesten. Und doch schafft sie es, jedes Mal ein gänzlich neues Buch zu schaffen. Schaut man sich die beiden letzten Romane von Zadie Smith an, das 2012 auf Deutsch erschienene London NW und das unlängst hier veröffentlichte Swing Time, so unterscheiden sich die verhandelten Themen zunächst einmal gar nicht so sehr. Weiterlesen „Zadie Smith – Swing Time“
Kategorie: Rezensionen
Jean Echenoz – Laufen
Jean Echenoz erzählt in Laufen von Emil Zátopek – „die tschechische Lokomotive“, Ausnahmesportler, Landes- und Europameister, vier olympische Goldmedaillen, davon drei allein 1952, jahrelanger Weltrekordhalter in allen Distanzen ab 5000m, insgesamt 18 Weltrekorde.
Es ist die Magie der Literatur, mir als mäßig an Sportereignissen und nahezu gar nicht an Leichtathletik Interessierter, der das Langstreckenlaufen schon immer als eine der ödesten aller auszuübenden Sportarten erschien, diesen lange vor meiner Zeit aktiven Athleten nahezubringen, mich seine Wettkämpfe mit Spannung verfolgen und an seinem Schicksal Anteil nehmen zu lassen. Es ist die besondere Magie der Literatur von Jean Echenoz, wie leise, unaufdringlich und eindrücklich das geschieht. Weiterlesen „Jean Echenoz – Laufen“
Meine Urlaubslektüre 2017 – Penelope Fitzgeralds „Hausboot auf der Themse“, Husch Jostens „Hier sind Drachen“ und Olivier Bourdeauts „Warten auf Bojangles“
Der Tatsache geschuldet, dass wir dieses Jahr keinen klassischen Erholungsurlaub gemacht, sondern mit Kind und Kegel quer durchs Baskenland gereist sind und von daher sehr wenig Lesezeit blieb, habe ich nur ganz schmale Bücher als Urlaubslektüre mitgenommen und diese zudem noch in der (von mir nicht so geliebten) digitalen Version auf meinem Tolino. Trotz dieser nicht gerade günstigen Lesevoraussetzungen habe ich doch drei Bücher gelesen, die es verdient haben, hier kurz vorgestellt zu werden. Weiterlesen „Meine Urlaubslektüre 2017 – Penelope Fitzgeralds „Hausboot auf der Themse“, Husch Jostens „Hier sind Drachen“ und Olivier Bourdeauts „Warten auf Bojangles““
Sabrina Janesch – Die goldene Stadt
Es ist relativ wenig bekannt über Augusto Rudolpho Berns, den sich Sabrina Janesch in ihrem neuen historischen Abenteuerroman Die goldene Stadt zum Helden genommen hat. Tatsächlich ist er erst durch die hartnäckigen Nachforschungen eines amerikanischen Historikers im Jahr 2008 in die Wahrnehmung einer breiteren Öffentlichkeit und damit auch in die der Autorin gelangt. Vorherige Reisen nach Südamerika und eine Liebe zu willensstarken, abenteuerlichen und kreativen Menschen weckten Janeschs Interesse an diesem Charakter. Intensive Recherchen, Kontakte zu den Forschern in Amerika und eigene Reisen ließen das Bild entstehen, das sie ihren Lesern nun in diesem klassischen Roman darbietet. Weiterlesen „Sabrina Janesch – Die goldene Stadt“
Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt – #Backlist
Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
„Magical mystery – War das nicht eigentlich ein Ding von den Beatles? Und ist das damals nicht irgendwie in die Hose gegangen?“

ist der running gag in Magical Mystery. Aber Raimund und Ferdi, die alten Veteranen der legendären Band „Glitterschnitter“ und nun unerwartet mit ihrem Techno-Label „Bumm-Bumm-Records“ zu Ruhm und Geld gelangt, wollen sich nicht von ihrer Idee abbringen lassen. Es soll so ein „Hippieding“ werden, die Rundumerneuerung des Techno, mit Liebe und Gemeinschaft, kurz: eine Raver-Tournee, bei der verschiedene DJs auf unterschiedlichen Events – das reicht von der Rollstuhldisko in Schrankenhusen-Borstel bis zum Mega-Rave in Essen – ihre Platten auflegen. Weiterlesen „Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt – #Backlist“
Mathias Énard – Erzähl ihnen von Schlachten Königen und Elefanten
Ebenso kunstvoll und kostbar wie die Preziosen am Hofe des Sultans Bayezid II. erscheint mir der schmale Roman von Mathias Énard, Erzähl ihnen von Schlachten Königen und Elefanten , der 2010 auf der Shortlist des Prix Goncourt stand und schließlich den Prix Goncourt des Lycéens gewann und für mich das schönste Buch ist, das ich in diesem Jahr bisher gelesen habe.
Es erzählt von jenem Sultan des Osmanischen Reichs, der 1506 den Künstler Michelangelo Buonarotti nach Istanbul einlud, damit der ihm eine Brücke über den Bosporus entwerfe. Aus dem Jahr 1502 stammt ein Modell des Landsmannes und Konkurrenten Leonardo da Vinci, die dem Herrscher aber nicht zusagte. Weiterlesen „Mathias Énard – Erzähl ihnen von Schlachten Königen und Elefanten“
Katherine Kressmann Taylor – So träumen die Frauen
Katherine Kressmann Taylor, geboren 1903, veröffentlichte ihren Briefroman „Adressat unbekannt“ erstmals 1938 in einer US-amerikanischen Zeitschrift. Die Geschichte zweier deutsch-amerikanischer Freunde, die durch die Übersiedelung des einen 1932 nach Deutschland und seine zunehmende Sympathie für den Nationalsozialismus zerbrach (der Zurückbleibende war jüdischer Abstammung) weckte bei Erscheinen einiges an Aufmerksamkeit und entfachte in den USA eine lebhafte Diskussion. Zum großen, weltweiten Erfolg, der das kleine Buch zu einem modernen Klassiker machte, gelangte es aber erst Jahrzehnte später. Hier liegt von Katherine Kressmann Taylor nun der Roman So träumen die Frauen vor. Weiterlesen „Katherine Kressmann Taylor – So träumen die Frauen“
Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders
Es hätte so ein tolles Buch für mich werden können. Es ist zwar müßig bei einem Buch zu beklagen, wie es hätte sein können – ein anderes Ende, andere Protagonisten, anderer Handlungsverlauf – müßig, und bei Rezensionen oft geradezu ärgerlich. Bei Stefan Ferdinand Etgeton zweitem Roman „Das Glück meines Bruders“, fällt es mir aber schwer, gerade das nicht zu tun. Zu gut hat mir der Anfang gefallen, zu schwach wurde es dann für mich ab einem bestimmten Punkt. Weiterlesen „Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders“
José Eduardo Agualusa – Eine Allgemeine Theorie des Vergessens
José Eduardo Agualusa ist ein angolanischer Schriftsteller portugiesischer Abstammung, der 1960 in Huambo (Angola) geboren wurde und in Angola, Portugal und Brasilien lebt. Bisher wurden vier seiner sehr erfolgreichen Romane auch ins Deutsche übersetzt (im A1- Verlag bzw. bei dtv erschienen). Mit der nun im C.H. Beck Verlag erschienene „Allgemeine Theorie des Vergessens“ stand José Eduardo Agualusa 2016 auf der Shortlist des Man Booker International Prize (den dann Han Kang mit „Die Vegetarierin“ gewann).
Es ist eine äußerst ungewöhnliche Geschichte, die Agualusa hier erzählt. Und sie soll auf wahren Begebenheiten beruhen. Weiterlesen „José Eduardo Agualusa – Eine Allgemeine Theorie des Vergessens“
Matthias Brandt – Raumpatrouille
Eine Kindheit in der alten Bonner Republik. Einige Autoren haben sich schon daran begeben, über eine solche zu schreiben, und besonders diejenigen LeserInnen, die selbst in den Sechziger und Siebziger Jahren großgeworden sind, werden dabei immer wieder auf eine leicht verklärte Zeitreise geschickt. Teewurst und Fürst-Pückler Eis, Kassettenrekorder und Telefone in Brokathülle, James Last und Ricky Shane, Wim Thoelke und Günter Netzer – wen überfällt da nicht dieses besondere Gefühl, das eine Mischung aus träg, langweilig, aber auch irgendwie schön wohlig war. Und das wohl weniger ein Zeitgefühl, denn es blendet überwiegend die negativen Vorkommnisse aus, als ein Gefühl der Kindheit war. Das Gefühl einer noch weitgehend unverplanten, nicht so eng getakteten Kindheit. Und so lässt auch Matthias Brandt seinen Protagonist in „Raumpatrouille“ mit dem Bonanzarad durch die Seiten fahren und diese Zeit auf wundersame Weise wiederauferstehen. Weiterlesen „Matthias Brandt – Raumpatrouille“








