Aus den Verlagsvorschauen Frühjahr 2017

Ein Blick in die Verlagsvorschauen Frühjahr 2017

Verlagsvorschauen Frühjahr 2017
Verlagsvorschauen Frühjahr 2017

Ich habe das Gefühl, gerade erst die Herbstvorschauen weggeräumt zu haben, da sind schon die meisten Verlagsvorschauen für das Frühjahr 2017  erschienen.

Einerseits freue ich mich als begeisterte Buchliebhaberin auf diesen Ausblick auf (potentielle) neue Lesefreuden. Andererseits habe ich auch einen etwas bitteren Beigeschmack. Ist es doch tatsächlich so, dass die Verweildauer der einzelnen Bücher sowohl im Buchhandel als auch in den Köpfen der Leser immer kürzer wird. Heute noch heftigst bejubelt und offensiv in sämtlichen Medien beworben, etliche Sonderaktionen gestartet, Gewinnspiele und Interviews mit den Autoren online gestellt, morgen allenfalls von ein paar hinterherhinkenden Kritiker noch besprochen. Das Zeitfenster, um Leserinteresse zu wecken, wird zunehmend kleiner. Weiterlesen „Aus den Verlagsvorschauen Frühjahr 2017“

Lektüre November 2016

Meine Lektüre im November 2016

Lektüre November 2016Zahlenmäßig kein „guter“ Lesemonat. Relativ viel Arbeit, allerlei Adventsvorbereitungen und vor allem die Arbeit hier an meinem neuen Blog haben mir verhältnismäßig wenig Zeit zum Lesen gelassen. Dazu kommt, dass einige Bücher sehr umfangreich waren.

Die Bücher meiner Lektüre im November 2016 waren alle lohnend, ein besonderes Highlight war für mich aber nicht dabei. Ich freue mich jetzt auf viel Lesezeit mit absoluten Wunschbüchern im Dezember.

Nathan Hill – Geister

Brigitte Kronauer – Der Scheik von Aachen

Angelika Felenda – Wintergewitter

auf dem Reader: Lauren Groff – Licht und Zorn

Nathan Hill – Geister

Nathan Hill – Geister

Nathan Hill - Geister

Wähle dein eigenes Abenteuer

Der kleine Samuel hat diese Bücher geliebt. Konnte man doch an entscheidenden Schnittstellen als Leser entscheiden wie es weiter ging, notfalls zurückblättern und doch die andere Abzweigung wählen. Jedes Mal ergab sich eine andere, aber jedes Mal sinnvolle Geschichte.

Schon sehr bald dämmerte es ihm aber, dass es im realen Leben nicht immer so einfach läuft. Dass man nicht immer die freie Wahl besitzt, Entscheidungen zu treffen, geschweige denn, einmal getroffene problemlos zu revidieren. Sehr oft ist man noch nicht einmal in der Lage, Einfluss zu nehmen auf Dinge, die doch das ganze eigene Leben prägen werden. Weiterlesen „Nathan Hill – Geister“

Tobias Wenzel – Solange ich lebe kriegt mich der Tod nicht

Tobias Wenzel – Solange ich lebe kriegt mich der Tod nicht

Tobias Wenzel - Solange ich lebe kriegt mich der Tod nicht

Der November ist der Monat der dunklen Tage, mit Volkstrauertag, Toten- und Ewigkeitssonntag auch traditionell der Trauermonat.

Für mich Anlass, ein bereits 2013 bei Knesebeck erschienenes wunderbares, mittlerweile nur noch antiquarisch erhältliches Buch hervorzuholen: Tobias Wenzels „Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht – Friedhofsgänge mit Schriftstellern“. Weiterlesen „Tobias Wenzel – Solange ich lebe kriegt mich der Tod nicht“

Lauren Groff – Licht und Zorn

Lauren Groff – Licht und Zorn

Lauren Groff - Licht und Schatten

„Zorn ist mein Nachtmahl: so mich selbst verzehrend,

verschmacht ich an der Nahrung.“

Ein Zitat aus Shakespeares „Coriolanus“, das im hintersten Viertel von Lauren Groffs Roman „Licht und Zorn“ auftaucht und für mich genauso für den gesamten Text steht wie der Titel.

Es ist ein unbändiger Zorn, der am Anfang mehr erahnt werden muss, kurz aufblitzt, aber spätestens in der zweiten Hälfte immer mehr Herrschaft gewinnt, über die Seiten, die Personen, das Geschehen. Woher dieser Zorn stammt, sei hier nicht näher verraten, er ist Teil der überraschenden Wende, die die Geschichte im Verlauf nimmt. Weiterlesen „Lauren Groff – Licht und Zorn“

Angelika Felenda – Wintergewitter – Blitzlicht

Angelika Felenda - WintergewitterWintergewitter ist der zweite und mittlere Teil der zwischen 1914 und 1933 angesiedelten Krimireihe von Angelika Felenda und nimmt das Jahr 1920 ins Visier. Es ist die Zeit der Freicorps und Einwohnerwehren, des erstarkenden Nationalsozialismus, der Dolchstoßlegende, der Putschversuche und großen materiellen Not in weiten Teilen der Bevölkerung.

Cilly Ortlieb und Marie Zaumgiebel, zwei jungen Statistinnen aus Rosenheim, die davon träumten, in München Schauspielerinnen zu werden, verdienten ihr Geld schließlich auf anderem Wege und schreckten auch vor der ein oder anderen Erpressung ihrer „Herrenbekanntschaften“ nicht zurück. Ein leichtsinniges Unterfangen, denn beide werden eines Tages ermordet aufgefunden.
Kommissar Sebastian Reitmeyer ermittelt, soll aber, als bald die Spur zu rechtsgerichteten Kreisen und der Einwohnerwehr führt, möglichst nicht zu tief graben. Dabei begegnet er der Berliner Studentin Gerti Blumfeld, die auf der Suche nach ihrer verschollenen Schwester ist und alsbald auch ins Zentrum der Ereignisse gerät.

Der Autorin gelingt die atmosphärische Schilderung ganz ausgezeichnet, auch sprachlich ist der Roman sehr solide. Gegen Ende nimmt die eher beschauliche Ermittlung ein wenig zu sehr Fahrt auf, da knirscht es auch ein wenig in der Handlung und wird das ein oder andere ein wenig unplausibel und unwahrscheinlich. Aber da sich die Leserin bis dahin gut und durchaus klug unterhalten gefühlt hat, lässt sich darüber hinwegsehen.

Rezension: Angelika Felenda – Wintergewitter

Angelika Felenda – Wintergewitter

Wintergewitter von Angelika Felenda

Angelika Felenda - WintergewitterAngelika Felenda verfolgt in ihren historischen Kriminalromanen ein interessantes, aber auch ein etwas heikles Vorhaben: sie sollen nicht nur gut unterhalten, sondern auch bayrische oder genauer noch Münchner Geschichte der Jahre 1914 bis 1933 illustrieren.

Historische Kriminalromane gibt es nun zuhauf und Volker Kutscher deckt mit seinen in Berlin spielenden Krimis einen ähnlichen Zeitraum, nämlich von 1929 bis zunächst 1933, sehr überzeugend ab.
Felendas Konzept ist ehrgeiziger und schwieriger durchzuführen, will sie doch einen Bogen spannen vom Vorabend des ersten Weltkriegs ( das erste Buch ist im Sommer 1914 angesiedelt) bis zum Wahlsieg Hitlers ( der dritte Band soll 1933 spielen). Und das mit demselben Ermittlerteam um den sympathischen, bescheidenen Kommissar Reitmeyer.

Der nun vorliegende zweite und mittlere Teil nimmt das Jahr 1920 ins Visier. Es ist die Zeit der Freicorps und Einwohnerwehren, des erstarkenden Nationalsozialismus, der Dolchstoßlegende, der Putschversuche und großen materiellen Not in weiten Teilen der Bevölkerung. Weiterlesen „Angelika Felenda – Wintergewitter“

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses

Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses

elif-shafak-der-geruch-des-paradieses

„Die drei Evas“ – wieder einmal trifft das Original das Buch so viel besser als der deutsche Buchtitel.
Die drei Evas sind drei Frauen mit muslimischem Hintergrund, die sich im Jahr 2000 während ihres Studiums in Oxford kennenlernen und zusammenziehen.

Es sind drei auf sehr unterschiedliche Weise starke junge Frauen, alle drei auf unterschiedlichen Wegen unterwegs.
Leicht ironisch nennen sie sich „Die Sünderin, die Gläubige und die Verwirrte.“ Shirin lebt ein westliches, säkulares Leben, Mona ist streng gläubig, hat das Kopftuch gewählt, ist aber auch feministisch sehr engagiert und Peri, aus deren Sicht überwiegend erzählt wird, stammt aus der Türkei und ist „die Verirrte“. Weiterlesen „Elif Shafak – Der Geruch des Paradieses“

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe

Elizabeth Strout - Die Unvollkommenheit der Liebe

Auf dem Buchcover leuchtet das Chrysler Building in der New Yorker Nacht. Im Vordergrund flirren einige Lichter.
Auch ein wenig flirrend, leicht surreal ist die Episode, von der Lucy Barton, die Ich-Erzählerin in Elizabeth Strouts Roman „Die Unvollkommenheit der Liebe“, hauptsächlich erzählt.

Es sind 5 Tage und 5 Nächte, in denen sie ihre Mutter am Krankenbett besuchte. Nach einer Routineoperation traten plötzlich Komplikationen auf. Ein unerklärliches, lang andauerndes, lebensbedrohliches Fieber wütete in Lucy, fesselte sie schließlich neun Wochen ans Krankenhaus. Besonders einprägsam blieb die Zeit mit ihrer Mutter, die tage- und nächtelang an ihrem Bett saß und erzählte, niemals zu schlafen schien.

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Hannah Dübgen – Über Land

Hannah Dübgen – Über Land

Hannah Dübgen - Über Land

Am Ende ist es eine grüne Schachtel mit köstlicher Baklava, die Clara, eine junge Berliner Ärztin, ihrer irakischen Freundin Amal aus deren Heimat mitbringen wird. Ein süßer, delikat duftender Gruß aus der Heimat, die Amal aus Angst vor Verfolgung verlassen hat, nachdem ihr Vater auf dubiose Weise spurlos verschwunden ist.

Die Flucht hat sie nach Berlin geführt, in ein Aufnahmeheim an Rande der Stadt. Damit teilt sie das Schicksal von unzähligen Anderen, die nun in vordergründiger Sicherheit leben, aber zu kämpfen haben, mit der Sprache, den ungewohnten Sitten, der Heimatlosigkeit, der Ungewissheit. Was wird drinstehen in dem gleichermaßen herbei gesehnten wie gefürchteten Schreiben der Behörden. Asyl oder Abschiebung? Weiterlesen „Hannah Dübgen – Über Land“