Lektüre Dezember 2016

Dank der Tatsache, dass ich den gesamten Dezember nicht arbeiten musste, hatte ich trotz der immer etwas geschäftigen Vorweihnachtszeit recht viel Zeit zum Lesen, so kam ich zu ergiebiger Lektüre im Dezember 2016

Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit

Ann Tyler – Die störrische Braut

Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz

John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr

Françoise Frenkel – Nichts, um sein Haupt zu betten

Sylvie Schenk – Schnell, dein Leben

Jane Gardam – Letzte Freunde

Ian McEwan – Nussschale

begonnen habe ich ferner mit Howard Jacobson – Shylock, den nehme ich aber noch mit ins Neue Jahr.

Es waren einige sehr schöne Lektüren dabei. Und das The Hogarth Shakespeare Project, das mich zwischen den Jahren begleitet, finde ich großartig, auch wenn nicht alle Texte gleich überzeugen sollten. Die Idee ist einfach großartig.

Lektüre Dezember 2016

Das war meine Lektüre im Dezember 2016. Nun wünsche ich Allen, die dies noch lesen sollten einen wunderbaren Jahresausklang, ein glückliches, gesundes Neues Jahr 2017 mit viel bereichernder oder auch einfach nur schöner Lektüre. Danke, dass ihr mich in der Anfangszeit dieses Blogs schon so eifrig unterstützt habt. Das gibt Motivation für 2017 und macht einfach nur froh!  Liebe Grüße Petra

Ann Tyler – Die störrische Braut

Ann Tyler – Die störrische Braut

Die stoerrische Braut von Anne TylerIm Rahmen des Hogarth Shakespeare Projects, im Herbst 2015 anlässlich des 400. Todestages des großen Dramatikers 2016 gestartet, erschien im Oktober 2016 Ann Tylers Adaption von „Der widerspenstigen Zähmung“ („The taming oft he shrew“) unter dem Titel „Die störrische Braut“ auf Deutsch (Originaltitel: „Vinegar girl“). Weiterlesen „Ann Tyler – Die störrische Braut“

The Hogarth Shakespeare Project

The Hogarth Shakespeare Project

Wiliam ShakespeareBy John Taylor (Unknown) [Public domain], via Wikimedia Commons

2016 war erneut ein Shakespeare Jahr. 400 Jahre sind seit seinem Tod vergangen, seine Stücke sind aber so aktuell wie eh und je. Das zeigt ein Blick auf die Programme der großen und kleinen Theater landauf und landab. Zahlreiche Film- und Literaturadaptionen sind über die Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte immer wieder entstanden und haben den Menschen „ihren“ Shakespeare präsentiert. Weiterlesen „The Hogarth Shakespeare Project“

Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz

Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz

Rafael Chirbes - Paris-AusterlitzAm 15. August 2015 starb der spanische Autor Rafael Chirbes im Alter von 66 Jahren.

Chirbes war nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller seines Landes, er war auch einer der schärfsten Analytiker der spanischen Gesellschaft seit den Zeiten des Bürgerkriegs.

1990 erschien sein erster Roman, „Mimoun“, auf Deutsch. Und zeitweise war Rafael Chirbes in Deutschland erfolgreicher als in seinem Heimatland.

Mit diesem ging er stets hart ins Gericht, thematisierte immer wieder, dass Spanien seine Vergangenheit nie offen aufgearbeitet hat, die durch den Bürgerkrieg entstandenen Gräben nur locker zugeschüttet wurden. Auch mit der Nachkriegsgesellschaft kannte er kein Pardon. Die Verlogenheit, der Materialismus der Mittel- und Oberschicht, besonders auch das Umgehen mit dem Wirtschaftsboom und dann der Wirtschaftskrise, in der immer nur die „Kleinen Leute“ die Verlierer waren, vor allem auch die Immobilienblase, die in Spanien besonders ausgeprägt war, waren ihm als altem „Linken“ ein Dorn im Auge. Weiterlesen „Rafael Chirbes – Paris-Austerlitz“

John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr

John Fante - 1933 war ein schlimmes Jahr

John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr: Ein kleines Buch kommt groß heraus. Spätestens durch das 4:0 im Literarischen Quartett „geadelt“, bekommt dieses nur 144 Seiten starke Buch, eher eine Erzählung als ein Roman, endlich eine größere Aufmerksamkeit.

Erschienen ist es im Original 1985 posthum und bereits 1986 in deutscher Übersetzung, damals im Eichborn Verlag unter dem Titel „Es war ein merkwürdiges Jahr“. Vielleicht glaubte man, durch das Nennen der Jahreszahl 1933 im deutschsprachigen Raum falsche Assoziationen zu wecken. Auch Fantes andere Werke sind auf Deutsch veröffentlicht worden sind, vorwiegend im Goldmann Verlag. Diese nur noch antiquarisch zu bekommenden Exemplare erzielen mittlerweile hohe Preise, was das Interesse des Lesepublikums wiederspiegelt und hoffentlich zu weiteren Neuauflagen führen wird. Seit 2003 zeichnet der Schweizer Autor Alex Capus für die Übersetzung verantwortlich, so auch für „1933 war ein schlimmes Jahr“.

 

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Françoise Frenkel – Nichts um sein Haupt zu betten

Françoise Frenkel – Nichts, um sein Haupt zu betten

Françoise Frenkel - Nichts um sein Haupt zu betten

„Aber, Madame, Sie scheinen mir das politische Klima im gegenwärtigen Deutschland nicht zu kennen!“

rief der französische Generalkonsul, die Arme zum Himmel erhoben aus, als ihm Françoise Frenkel ihren Plan, im Jahr 1921 in Berlin eine französische Buchhandlung zu eröffnen unterbreitete. Der Erste Weltkrieg war noch nicht lange beendet, es war die Rede von der „Schmach von Versailles“, die Dolchstoßlegende kursierte und rechte Kräfte rotteten sich bereits zusammen. Die Stimmung in der Stadt und ganz Deutschland war alles andere als frankophil.

„Man wird Ihnen den Laden zertrümmern!“

prophezeite der obige Herr. Weiterlesen „Françoise Frenkel – Nichts um sein Haupt zu betten“

Sylvie Schenk – Schnell, dein Leben

Sylvie Schenk – Schnell, dein Leben

Sylvie Schenk - Schnell dein Leben

„Deine Kindheit ist eine kaum verblasste Musik. Man kann die Noten hintereinander staccato anklopfen oder jeder Zeit lassen, sich zu einer gebundenen Melodie auszudehnen.“

Sylvie Schenk macht in ihrem autobiografisch geprägten Roman eher ersteres: in 34 kurzen Kapiteln mit ebenso kurzen prägnanten Überschriften (Mädchen, Die Moral, Die Natur etc.) bei gerade mal 160 Seiten komprimiert sie ein Leben in eindringliche Szenen. Und dennoch gelingt ihr zugleich zweites, denn die kleinen Mosaiksplitter, die sie aus dem Leben Louises erzählt, ergeben insgesamt ein zwar verdichtetes, aber eben auch rundes Bild auf ein Leben und eine bestimmte Epoche unserer Geschichte. Weiterlesen „Sylvie Schenk – Schnell, dein Leben“

Jane Gardam – Letzte Freunde

Jane Gardam – Letzte Freunde

Jane Gardam Letzte Freunde Es ist wieder eine Beerdigung, die den Ausgangspunkt des Abschlussbandes der „Old-Filth-Trilogie“ von Jane Gardam bildet.

Nach Betty Feather und wenige Jahre danach Terry Veneering ist nun Old Filth selbst, der ehemalige Kronanwalt Edward Feathers bei einem Besuch in seiner alten Heimat Malaysia ums Leben gekommen.

Seine Kindheit als Raj-Waise, sein zunächst unglückliches Aufwachsen in einer Pflegefamilie in England, seine glückliche Ausbildung in „Sirs“ Schule, seine Studien, die Ehe mit Betty und die langen Jahre in Hongkong, schließlich die Rückkehr ins beschauliche Dorset und der dortige Lebensabend waren Teil der ersten beiden Bände. Waren es in ihnen bereits die unterschiedlichen Perspektiven, der gänzlich andere Blick auf dieselben Begebenheiten, die immer wieder neue Aspekte und ganz andere Wahrheiten zutage förderten, setzt Jane Gardam dies in diesem dritten Band fort. Weiterlesen „Jane Gardam – Letzte Freunde“

Brigitte Kronauer – Der Scheik von Aachen

Brigitte Kronauer – Der Scheik von Aachen

Brigitte Kronauer - Der Scheik von Aachen

„Der Scheik von Aachen“ – zunächst einmal ein ziemlich ungewöhnlicher Titel, der sich aber schon mit dem Blick auf den Klappentext erklärt: Es ist Wilhelm Hauffs Märchenzyklus „Der Scheik von Alessandria“, der dem neuen Roman von Brigitte Kronauer bei der Namensgebung Pate stand.

Hauff erzählt darin von eben jenem besagten Scheik, dessen geliebter Sohn eines Tages entführt wird. Der Herrscher stürzt daraufhin in große Trauer. An jedem Jahrestag entlässt er daraufhin Sklaven in die Freiheit. Nicht ganz uneigennützig, denn bevor sie gehen, müssen sie ihm eine Geschichte erzählen. Ein Erzählen wider die Trauer und den Schmerz.

In Kronauers Text ist es Anita Jannemann, die, nach Jahren in Zürich gerade wegen einer neuen Liebe in ihre Heimatstadt Aachen zurückgekehrt ist, die dieses Erzählen übernimmt. Weiterlesen „Brigitte Kronauer – Der Scheik von Aachen“

Ian McEwan – Nussschale

Ian McEwan – Nussschale

Ian McEwan - NussschaleEin (weiteres) Shakespeare-Jahr neigt sich dem Ende. Auch jenseits des Biografischen oder der Neuauflagen hat es in der Welt der Literatur einige Früchte getragen.

Die Hogarth Press hat ein sehr interessantes Projekt gestartet und englischsprachige Bestsellerautoren angeregt, moderne Versionen berühmter Shakespearestücke zu verfassen. Gestartet ist es mit Jeanette Wintersons Fassung des „Wintermärchens“ und hat mittlerweile Romane von Howard Jacobson, Anne Tyler und Margaret Atwood veröffentlicht. Bis März 2018 sollen drei weitere Bände erscheinen.

Für Mai 2021 ist dann der Abschluss geplant. Gillian Flynn, eigentlich als Thriller-Autorin bekannt (Gone Girl) beendet die Reihe mit ihrer Version des großen Trauerspiels „Hamlet“.

Auch Ian McEwan hat sich den Hamlet als Inspiration für seinen neuen Roman „Nussschale“ gewählt und macht daraus auch keinen Hehl. Bereits das vorangestellte Motto bezieht sich auf dieses großartige Drama. Weiterlesen „Ian McEwan – Nussschale“