Der Buchmesse-Monat Oktober war noch einmal beherrscht von Norwegischer Gastlandliteratur. Erst ganz am Ende schafften es zwei Nicht-Norweger auf meine Leseliste 😉 für die Lektüre im Oktober 2019. Weiterlesen „Lektüre Oktober 2019“
Kategorie: Rezensionen
Vigdis Hjorth – Bergljots Familie
Über 100 norwegische Autoren waren bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse im Rahmen des Gastlandauftritts anwesend und haben mit viel Leidenschaft ihre Bücher und die Literatur ihres Landes einem sehr interessierten Publikum vorgestellt. Das Medienecho war groß. Und doch haben einige Bücher nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen oder die man erwarten konnte. Vigdis Hjorth ist mit ihrem Roman Bergljots Familie für mich ein solches Beispiel.
Es mag daran liegen, dass das Buch bereits 2017 auf Deutsch veröffentlicht wurde, also keine ganz frische Neuerscheinung ist. Im englischsprachigen Raum hingegen sorgt es, seit September unter dem Titel Will and testament auf dem Markt, gerade für einige Furore und stand auf der Longlist zum National Book Award 2019 für übersetzte Bücher. In Norwegen erschien Arv og miljø bereits 2016 und zählt zu den am besten verkauften und am meisten diskutierten Romanen der letzten Jahre. Vigdis Hjorth erhielt dafür sowohl den Buchhandels- als auch den Kritikerpreis. Weiterlesen „Vigdis Hjorth – Bergljots Familie“
Hanne Ørstavik – Die Zeit die es dauert
Hanne Ørstavik beleuchtet in „Die Zeit die es dauert“ eine Familie in Schieflage.
Signe ist 30 und lebt mit Mann Einar und der kleinen Tochter Ellen zurückgezogen in einem alten Bauernhaus auf dem Land, irgendwo hoch im Norden Norwegens, in der Finnmark, da wo es im Winter gar nicht richtig hell wird.
Es sind die Tage vor Weihnachten und die kleine Familie hat beschlossen, die Feiertage dieses Jahr allein und in Ruhe zu verbringen. Der Rückzug aufs Land hat auch etwas mit der psychischen Anspannung von Signe zu tun, eine Flucht vor ihrem Gefühl, nicht zu genügen, das Leben nicht meistern zu können. Ein fragiles Gleichgewicht. Weiterlesen „Hanne Ørstavik – Die Zeit die es dauert“
Eivind Hofstad Evjemo – Vater Mutter Kim
Eivind Hofstad Evjemo setzt in seinem Roman Vater Mutter Kim die persönliche Trauer einer Mutter um ihr verlorenes Kind durch die Kollektivtrauer eines ganzen Landes nach einem schrecklichen Terrorakt erneut in Gang.
Viele Nationen haben ihre eigenen Traumata, die in jüngerer Zeit meist mit dem internationalen Terrorismus jedweder Couleur zusammenhängen. Anschläge mitten in der Gesellschaft, unerwartet, heimtückisch und vermeintlich unvorhersehbar, die das Sicherheitsgefühl und den Alltag der Menschen nachhaltig erschüttern. 9/11 und die Novemberanschläge in Paris waren solche Ereignisse, die nicht nur in den USA und Frankreich noch sehr lange nachhallen.
Auch das kleine Königreich Norwegen am Rande Europas, durch seine Erdölvorkommen eines der reichsten Länder der Welt, stets ganz weit vorn, wenn es um das demokratischste Land, die glücklichste Bevölkerung oder das beste Sozialsystem geht, erlebte 2011 ein solches Trauma, das nahezu aus dem Nichts zu kommen schien. Am 22. Juli verübte der Rechtsextreme Anders Behring Breivik Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya mit insgesamt 77 Todesopfern, die aufgrund der besonderen Kaltblütigkeit, mit denen sie ausgeführt wurden, und der überwiegend jugendlichen Opfer, die Teilnehmer eines Zeltlagers waren, weltweit große Bestürzung hervorriefen. Weiterlesen „Eivind Hofstad Evjemo – Vater Mutter Kim“
Merethe Lindstrøm – Tage in der Geschichte der Stille
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“. Unzählige Geschichten erzählen davon, wie diese alte Weisheit in Familien Unheil und Unglück hervorbringt. Wie aus Scham, Feigheit, falscher Rücksichtnahme oder auch einfach nur Denk- oder Fühlfaulheit Missverständnisse und Misstrauen entstehen, unbewältigte und verdrängte Erlebnisse irgendwann wieder hochkommen und mitunter zu Explosionen im Beziehungsgefüge führen können. Und was passiert, wenn der Mensch, mit dem man das meiste Verschwiegene teilt, allmählich völlig verstummt? Merethe Lindstrøm erzählt davon in ihrem 2011 im Original erschienenen Roman „Tage in der Geschichte der Stille“, der 2012 den Literaturpreis des Nordischen Rates erhielt. Weiterlesen „Merethe Lindstrøm – Tage in der Geschichte der Stille“
Tomas Espedal – Das Jahr
Schon bevor Karl Ôve Knausgård mit seinem Schreiben zum internationalen Literatur-Superstar avanciert ist, verfasste der 1961 im norwegischen Bergen geborene Tomas Espedal Texte, die ganz dicht am Autobiografischen entlang schrieben, dabei gelegentlich auch Grenzen überschritten in Sachen Diskretion, Selbstentblößung und guten Geschmacks. Radikal offen, rücksichtslos gegenüber sich selbst und Menschen aus dem Umfeld, die oft mit Klarnamen auftauchen, bleiben in seinen Texten immer aber auch bewusst Zweifel an der Authentizität, am Wahrheitsgehalt des Erzählten. Autofiktion ist das Genre, das nicht nur, aber vielleicht besonders durch diese beiden Autoren boomt.
Espedal hat seine auf zehn Bände angelegte autofiktionale Werkreihe auf Norwegisch gerade mit „Elsken“ abgeschlossen, in Deutschland erscheint nun mit Das Jahr der neunte Band. Weiterlesen „Tomas Espedal – Das Jahr“
Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #2 – Norwegen Spezial 6
Im zweiten Teil meiner Vorstellung einiger Neuerscheinungen aus Norwegen, die anlässlich des Gastlandauftritts zur Frankfurter Buchmesse erscheinen, möchte ich die „jüngere“ Schriftstellergeneration (Jahrgang 1960+) in den Fokus stellen. In einigen Reaktionen, besonders auf Instagram, wurde auf den überproportionalen Männeranteil der veröffentlichten/vorgestellten Titel hingewiesen. Und ja, es stimmt. Hier sieht der Geschlechterproporz schon wieder besser aus. 😉 Weiterlesen „Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #2 – Norwegen Spezial 6“
Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1 – Norwegen Spezial 5
Norwegische Literatur ist im Oktober 2019 zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse, begleitend erscheinen überdurchschnittlich viele Neuerscheinungen in Deutschland. Das reicht von der Klassiker-Neuauflage bis zu ganz neuen, jungen Stimmen. Ich möchte euch in zwei Teilen auf einige der interessantesten Titel aufmerksam machen. Weiterlesen „Norwegische Literatur – Neuerscheinungen in Deutschland 2019 #1 – Norwegen Spezial 5“
Roy Jacobsen – Die Unsichtbaren
Roy Jacobsen „Insel-Saga“ Die Unsichtbaren , die nun im C.H.Beck Verlag erscheint, umfasst drei Romane, die im Original zwischen 2013 und 2016 erschienen sind. Der erste davon, „Die Unsichtbaren“, wurde 2014 bereits im Osburg Verlag veröffentlicht.
„Gott liebt die Menschen an den Küsten nicht so sehr wie die in Binnenland und Städten; über lange Zeiträume hinweg vergisst er sie ganz, und sie vergessen ihn“ Weiterlesen „Roy Jacobsen – Die Unsichtbaren“
Stig Sæterbakken – Durch die Nacht
„Durch die Nacht“ von Stig Sæterbakken ist eines der Bücher, die unter ihren Leser*innen heftige Debatten auslösen können. Ein Buch das polarisiert, und das unter Umständen auch im einzelnen Leser selbst. Weiterlesen „Stig Sæterbakken – Durch die Nacht“









